Adrius stand still da und schaute sich in dem dunklen Wald um. Die Luft war voll von einer komischen Energie und die Schatten schienen sich zu bewegen, als ob sie lebendig wären. Er wusste, dass hier irgendwas nicht stimmte. Weiter geht’s bei m|vl-em,py-r
Sein Herz pochte in seiner Brust, während ihm Angst den Rücken hinunterlief. So etwas hatte er seit Jahren nicht mehr gefühlt. Trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung nagte das ungute Gefühl an ihm, ein Urinstinkt, der ihn vor der Gefahr warnte, die noch bevorstand.
Einen Moment lang war es still. Dann durchbrach das leise Rascheln von Blättern die Stille. Er kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich auf die Richtung, aus der das Geräusch kam.
Aus den Schatten tauchte eine Gestalt auf und trat in das schwache Licht, das durch das dichte Blätterdach fiel.
Der Mann trug eine tiefrote Robe, die wie frisches Blut aussah. Der Stoff schimmerte leicht im schwachen Licht, als würde das Blut, aus dem seine Robe bestand, sich bewegen.
Als er näher kam, stockte Adrius der Atem. Das Gesicht, das aus den Schatten auftauchte, hatte er nie wieder sehen wollen. Es war wirklich er.
Theron.
Der Mann, der vor ihm stand, sah genauso aus wie am Tag seiner Hinrichtung, unverändert durch den Lauf der Zeit, dank einer mysteriösen und dunklen Kraft. Seine Gesichtszüge waren scharf, gutaussehend, aber auch von einer grausamen Arroganz geprägt. Seine Augen funkelten intelligent und ein Grinsen spielte um seine Lippen, als er Adrius ansah.
„Hallo, Adrius, mein alter Freund“, sagte Theron mit sanfter Stimme, die eine beunruhigende Vertrautheit in sich trug. „Du bist alt geworden. Wie geht es dir denn so? Ich nehme an, du erinnerst dich noch an mich.“
Adrius spürte, wie sich sein Kiefer zusammenpresste.
„Theron …“, murmelte Adrius.
„Ja. Es ist lange her, nicht wahr? Aber manche Dinge ändern sich offenbar nie.“
„Was hast du getan, Theron?“, fragte Adrius. „Wie kannst du noch am Leben sein?“
Theron lachte leise, und der Klang ließ Adrius einen Schauer über den Rücken laufen. „Oh, Adrius, du weißt noch so wenig. Der Tod ist schließlich nur eine Tür. Ich habe gelernt, diese Tür nach Belieben zu durchschreiten.“
Sein Lächeln verwandelte sich in etwas Unheimlicheres.
„Aber genug von mir. Ich interessiere mich mehr für dich. Sag mir, Adrius, wie hat das Leben dich all die Jahre behandelt? Immer noch ein treuer Diener der Krone? Immer noch der rechtschaffene Magier, gefesselt von den Ketten der Moral?“
Adrius starrte Theron an. Er spürte, wie die kalte Luft um sie herum dichter wurde und sich mit dunkler Energie füllte. Doch trotz der Angst, die ihn nagte, weigerte sich Adrius, den Sticheleien dieses Mannes nachzugeben, der zu etwas anderem geworden war.
Adrius ignorierte Therons Frage und fragte: „Ist es wirklich wahr? Bist du derjenige, der diese Bestien verwandelt und sie geschickt hat, um das Königreich anzugreifen?“
Theron lächelte weiter, seine Augen voller Zufriedenheit. „Natürlich bin ich es, Adrius. Wer sonst könnte es sein? Wer sonst hat das Wissen, die Macht und den brennenden Hass auf ein Königreich, das es gewagt hat, meine Talente zu unterschätzen?“
„Das ist kein Talent. Das ist Wahnsinn. Ein Wahnsinn, der gestoppt werden musste, und glücklicherweise hat das Königreich genau das getan.“ Adrius‘ Blick verhärtete sich und er antwortete mit scharfer Stimme.
Als Theron das hörte, wurde sein Lächeln noch breiter. „Wahnsinn, sagst du? Aber schau doch mal, wohin mich dieser sogenannte Wahnsinn gebracht hat. Ich habe den Tod überwunden, Adrius. Ich bin jetzt der Diener eines echten Gottes. Ein Gott, der meine Leidenschaft und meine Sehnsucht versteht.“
Adrius runzelte die Stirn. Ein Diener eines Gottes? Das war weit mehr, als er erwartet hatte. Er hatte gedacht, Theron würde nur von Rache getrieben, aber jetzt schien etwas weitaus Finstereres im Spiel zu sein.
„Du meinst die Große Katastrophe?“, fragte Adrius.
Therons Grinsen wurde breiter. „Nennst du das jetzt so? Oh, Adrius, du verstehst mich falsch. Es ist keine Katastrophe, sondern Erlösung.“
Adrius überkam ein Schauer, als er Therons Worte hörte. War Theron plötzlich zu einem Vorboten der Großen Katastrophe geworden? Angesichts der Macht, die er jetzt besaß, und seiner Verehrung dafür schien das durchaus möglich.
„Und was bedeutet diese Erlösung, Theron?“, fragte Adrius. Er versuchte, das Gespräch am Laufen zu halten und mehr Informationen aus ihm herauszubekommen.
„Eine neue Welt, Adrius. Eine Welt, die die Schwachen ausmerzt und von den Fesseln befreit, die sie binden. Die große Macht, der ich jetzt diene, wird alles neu gestalten, und ich werde an ihrer Seite stehen als Architekt dieser neuen Realität. Das ist kein Wahnsinn, Adrius, das ist Schicksal.“
Adrius umklammerte seinen Stab fester und seine Entschlossenheit wuchs. „Wenn das dein Schicksal ist, Theron, dann werde ich alles in meiner Macht Stehende tun, um dich aufzuhalten.“
Therons Lächeln verschwand, sein Gesichtsausdruck wurde kalt und ernst. „Du warst schon immer stur. Aber dieses Mal stellst du dich gegen etwas, das weit größer ist, als du dir vorstellen kannst. Bereite dich vor, alter Freund. Niemand kann es aufhalten.“
Mit diesen Worten begann die Luft um Theron herum von dunkler Energie zu flackern, die Schatten vertieften sich und wirbelten um ihn herum, während er sich darauf vorbereitete, seine Kraft zu entfesseln. Adrius wusste, dass dies der Kampf seines Lebens sein würde, und er stahl sich Mut. Er konnte nicht vor ihm davonlaufen.
Ein plötzliches Knistern erfüllte die Luft, bevor Theron reagieren konnte, schoss eine mächtige Blitzsäule durch den dunklen Wald und schlug mit der Wucht eines Speers ein, der mit immenser Kraft geworfen worden war. Die Luft zischte und sprühte, als der Blitz die Schatten durchzog und den Wald in einem blendenden Blitz erhellte.
Adrius hatte das geahnt. Er hatte kurz zuvor die vertraute Präsenz von Lysander gespürt und gemerkt, wie dieser seine Kraft sammelte, um zuzuschlagen.
Jetzt, im perfekten Moment, hatte Lysander seinen Angriff gestartet.
Der Blitz schlug Theron von vorne und traf ihn völlig unvorbereitet. Die Wucht des Aufpralls hob Theron vom Boden und sein Körper zuckte, als der Strom durch ihn hindurchfloss.
BOOM!
Eine ohrenbetäubende Explosion folgte, als der Blitz auf Theron traf und Schockwellen durch den Wald gingen.
Die Explosion erhellte die Nacht, warf Schatten, während die Bäume wackelten und Blätter von den Ästen gerissen wurden. Adrius schirmte seine Augen vor dem intensiven Licht ab und spürte, wie die Hitze und Energie der Explosion über ihn hinwegfegte. Der Blitz löste sich wenige Augenblicke später auf und hinterließ einen schwelenden und verkohlten Boden, wo Theron gestanden hatte.
Für einen Moment herrschte nach dem mächtigen Angriff nur Stille.
—