Cecilias Herz schlug wie wild, als sie aus dem Teleportationsportal in den weitläufigen Garten der Sterling-Villa trat. Die leuchtend blauen Blumen und die ordentlich geschnittenen Hecken, die ihr einst Ruhe geschenkt hatten, wirkten in ihrer Gelassenheit fast spöttisch. Ihr blauer Bob glänzte von der hastigen Dusche, die sie in einem anderen Hotel genommen hatte, um die Schuld und Scham wegzuwaschen, die wie eine zweite Haut an ihr klebten.
Aber kein noch so intensives Schrubben konnte die Unruhe in ihrem Inneren beseitigen.
Sie zwang sich zu einem Lächeln, als die Dienstmädchen und Bediensteten im Garten sie begrüßten, ihre Gesichter eine Mischung aus Überraschung und Respekt. Sie nickte abwesend zu ihren Grüßen, ihr Lächeln war gezwungen, und in ihrem Kopf schwirrten hundert Gedanken herum. Sie fürchtete sich vor dem, was sie drinnen erwartete. Derek musste es inzwischen wissen. Das musste er einfach.
Die Ankündigung, die er bezüglich der Mars-Vanguard-Initiative gemacht hatte, hatte die schwere Wolke aus Schuldgefühlen und Verwirrung, die über ihr hing, nur noch verdichtet.
Als sie die Tür zur Villa aufstieß, hatte sie kaum zwei Schritte gemacht, als eine Stimme, scharf und ohne ihre übliche Wärme, wie ein Messer durch die Luft schnitt: „Cecilia. Wo warst du?“
Ihr Herz setzte einen Schlag aus und ihr Atem stockte, als sie sich umdrehte und Derek auf einem der weichen Sofas im Flur sitzen sah. Sein Blick war so intensiv auf sie gerichtet, dass sie sich fühlte, als stünde sie vor Gericht. Er stand langsam auf, sein Gesichtsausdruck war unlesbar, doch in seinen Augen tobte ein Sturm, den sie noch nie gesehen hatte.
„Schatz … Hast du hier auf mich gewartet?“, fragte sie und zwang sich zu einem überraschten Gesichtsausdruck, wobei ihre Stimme fast ein wenig zitterte.
Dereks Blick schwankte nicht, seine Augen durchbohrten sie wie Dolche: „Du bist gestern nicht nach Hause gekommen. Wo warst du letzte Nacht? Ich habe mir solche Sorgen gemacht, dass ich weder schlafen noch arbeiten konnte.“
Sein Tonfall war ruhig, fast zu ruhig, aber sie konnte die Anschuldigung hinter seinen Worten spüren.
Cecilia schluckte schwer, und ein leises, entschuldigendes Lachen entrang sich ihren Lippen, als sie versuchte, ihre Nerven zu beruhigen. „Oh… Es tut mir so leid, Schatz. Ich war so beschäftigt in einer Besprechung, dass ich nicht rechtzeitig nach Hause kommen konnte.“
Derek runzelte leicht die Stirn, als er näher trat, ohne den Blick von ihr zu nehmen. „Du hättest mich anrufen oder mir eine Nachricht schicken können. Aber du bist nicht einmal ans Telefon gegangen. Also hatte ich keine andere Wahl, als jemanden nach dir suchen zu lassen.“
Cecilias Herz pochte gegen ihren Brustkorb, als sie blinzelte und sich die Anspannung in ihrem Körper wie eine gespannte Feder zusammenzog. „Oh … du hast jemanden geschickt?“
Derek nickte langsam und kniff die Augen zusammen, während er ihr Gesicht musterte. „Ja. Ich war erleichtert, als sie dich gefunden haben. Aber ich bin verwirrt, weil sie mir gesagt haben, dass du nachts in ein Hotel gegangen bist. Und kurz danach schien Berater Ash dasselbe Gebäude zu betreten. War das Zufall oder … hast du ihn dorthin gerufen?“
Cecilia spürte, wie ihr Magen sich zusammenzog, als stünde sie am Rande eines Abgrunds, und seine Worte drängten sie näher an den Rand.
Sein Blick war so kalt, so berechnend, dass sie sich fühlte, als würde er sie mit seinen Augen sezieren, auf der Suche nach jedem Riss, jeder Lüge. War ihr Mann immer so gewesen?
Sie holte tief Luft, sammelte all ihre verbleibende Fassung und nickte: „Oh … ich war es.
Ich habe ihn angerufen, weil das Meeting, von dem ich dir erzählt habe, mit ihm war. Es tut mir so leid. Ich wollte es dir sagen, aber ich war so in die Diskussion vertieft, dass ich sogar vergessen habe, mich mit Rachel zu treffen.“
Dereks Blick wurde schärfer, sein Kopf neigte sich leicht, als würde er ein Puzzleteil untersuchen, das nicht ganz passte: „Was war so dringend, dass du mit ihm zu einer solchen Zeit und in einer so unprofessionellen Umgebung sprechen musstest?“
Cecilia spürte, wie sich der Knoten in ihrem Magen schmerzhaft zusammenzog. Ihre Nerven lagen blank, aber irgendwie gelang es ihr, ihre Stimme zu finden, auch wenn es kaum mehr als ein Flüstern war: „Ich weiß, aber es war dringend. Es ging um die Russen. Da Berater Ash bei meinem Treffen mit Herrn Volkov dabei war, war er der Einzige, mit dem ich über das weitere Vorgehen sprechen konnte.“
Dereks Augen verengten sich für einen Moment, ein dunkler Schatten huschte über sein Gesicht, bevor er einen leisen Seufzer ausstieß, der schwer und voller Frustration klang: „Habe ich dir nicht gesagt, du sollst die Russen vergessen und mich das regeln lassen? Wenn sie noch nicht nachgegeben haben, werden sie es nie tun. Ich will nicht, dass du noch einmal mit ihnen sprichst. Dein Leben könnte in Gefahr sein.“
Cecilia öffnete den Mund, um zu protestieren, um irgendetwas zu sagen, das die Spannung hätte lösen können, aber Derek machte einen weiteren Schritt auf sie zu und packte sie mit fester, aber nicht schmerzhafter Hand am Kragen. Er stand zu nah, sein Atem war warm auf ihrem Gesicht, während seine Finger sich langsam um ihren Kragen legten und dann wieder lockerten, sein Blick fest auf ihren gerichtet.
„Es hat keinen Sinn“, murmelte er mit tiefer Stimme. „Jetzt, wo du weißt, was wir in Zukunft tun müssen … glaubst du wirklich, dass es eine Rolle spielt, ob die Russen nachgeben oder nicht?“
Cecilia hatte das Gefühl, der Boden unter ihren Füßen würde wegbrechen. Sie wusste genau, was er meinte. Sie kannte das erschreckende Ausmaß seiner Pläne und die katastrophalen Folgen, die sie mit sich bringen würden. Aber als sie die Entschlossenheit, den fast fanatischen Ausdruck in seinen Augen sah, tat ihr das Herz weh. Das war nicht der Derek, den sie geheiratet hatte, der Mann, der einst ihre Hand gehalten und ihr die Welt versprochen hatte.
Das war jemand anderes – jemand, den sie nicht mehr wiedererkannte.
Oder hatte er ihr die ganze Zeit eine andere Welt versprochen und nicht die, die sie sich vorgestellt hatte?
Dereks harter Gesichtsausdruck wurde unerwartet weicher, als er Cecilia sanft in seine Arme zog und sie umschlang, als könnte er sie vor der Welt beschützen. „Ich weiß, dass du von meinen Plänen enttäuscht bist“, flüsterte er ihr ins Haar, seine Stimme zärtlich und voller Überzeugung. „Aber glaub mir, ich hätte einen besseren Weg gewählt, wenn es einen gegeben hätte.
Aber das hier … das ist der einzige Weg, wie wir das Böse und alles Korrupte auf einmal aus unserer Welt verbannen können. Wenn wir es nicht tun … wird es niemand anderes tun. Wir wären dazu verdammt, durch die Hand von Dämonen zu sterben. Aber …“
Er zog sich leicht zurück, seine Hände ruhten noch immer auf ihren Schultern, und schenkte ihr ein kurzes Lächeln. Seine Augen waren von einer seltsamen Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung erfüllt. „… gemeinsam können wir eine bessere Welt schaffen. Ich werde deine Hilfe brauchen, um unsere zukünftigen Generationen in der neuen Welt zu führen. Sie alle werden zu dir aufschauen.“
Cecilia zwang sich zu einem Lächeln, während ihr Herz vor Scham und Schuldgefühlen schmerzte, als sie nickte. Die Wärme seiner Umarmung war noch zu spüren, aber sie fühlte sich an wie der Trost eines Fremden – fremd und beunruhigend.
Warum fühlte sie sich plötzlich so? War es, weil sie eine Nacht in der Geborgenheit eines anderen Mannes verbracht hatte? Nein … Das kann nicht sein …
„Okay. Es wird langsam spät“, fuhr Derek fort und warf einen Blick auf sein Armband. „Ich muss zurück zur Arbeit. Aber nächstes Mal sag mir bitte Bescheid, wenn etwas dazwischenkommt. Ich liebe dich so sehr. Das weißt du doch, oder?“ Seine Stimme wurde noch sanfter, als er ihr Gesicht behutsam umfasste, mit seinen Daumen über ihre Wangen strich und ihr in die Augen sah.
„Ich liebe dich auch …“, flüsterte Cecilia, ihre Stimme kaum hörbar, als sie zu ihm aufsah und seinen Blick suchte, in der Hoffnung, eine Spur des Mannes zu finden, den sie einst gekannt hatte.
Er lächelte, ein Lächeln, das seine Augen nicht ganz erreichte, bevor er sich vorbeugte, um ihr einen sanften Kuss auf die Stirn zu geben. Dann drehte er sich mit einem letzten langen Blick um und ging weg, seine Schritte hallten durch den leeren Saal und ließen Cecilia mit ihrer Hand auf der Brust zurück, die sich anfühlte, als würde sie zerreißen.
Sie sah ihm nach, während sich ein kaltes, leeres Gefühl in ihr ausbreitete und seine Worte in ihrem Kopf widerhallten.
Sie konnte das überwältigende Gefühl der Angst nicht abschütteln, das ihr Herz erfasst hatte. Rachels Worte hallten in ihrem Kopf wider und verstärkten die Verwirrung und Angst, die sich tief in ihr festgesetzt hatten.
„Wenn ich nur mit ihm reden könnte …“
Ihr Gedanke stockte abrupt, als Ashs Gesicht vor ihrem inneren Auge auftauchte. Eine plötzliche Welle der Ungläubigkeit und Scham überkam sie.
Wie konnte sie jetzt, nach allem, was passiert war, an ihn denken? Sie schüttelte frustriert den Kopf, als wollte sie die Gedanken abschütteln, die wie Schatten an ihr klebten.
Mit einem tiefen Seufzer drehte sie sich um und ging los, ihre Gedanken ein chaotischer Wirbel aus widersprüchlichen Gefühlen.
Aber sie hatte kaum ein paar Schritte gemacht, als ihr Handgelenkgerät vibrierte und sie erschreckte. Sie schaute nach unten und sah eine neue Nachrichtenanzeige auf dem kleinen Bildschirm blinken.
Ihr Herz setzte einen Schlag aus, als sie auf den Bildschirm tippte, und ein kleines holografisches Display erschien, das eine Nachricht von Ash zeigte. Ihre Augen weiteten sich und ihr Atem stockte, als sie die Worte las: [ Ich fühle mich schlecht wegen dem, was passiert ist. Können wir reden? ]
Cecilia sah sich panisch im Flur um, als ob jemand die Nachricht lesen könnte, auch wenn das unmöglich war. Mit zitternden Fingern tippte sie hastig auf den Bildschirm, schloss die Nachricht und steckte die Hände in die Taschen. Sie beschleunigte ihre Schritte, ihr Herz raste, als sie zur Treppe ging, und die Nachricht lastete schwer auf ihr wie eine dunkle Wolke.