Der Himmel über dem Imperium war voll mit dunklen Wolken, schwer wie das Schicksal, das über diesem Ort lag. Der Sturm kündigte sich mit fernen Donnerschlägen an, Blitze tanzten am Horizont wie Vorboten der bevorstehenden Zerstörung. Der Wind schnitt wie unsichtbare Klingen und trug den metallischen Geruch von Elektrizität mit sich.
Dann erstrahlte die Welt.
Mit einem ohrenbetäubenden Donnerschlag zerriss ein Blitz den Himmel und schlug direkt vor den Toren des Kaiserpalasts ein. Die Erde bebte, die Mauern vibrierten unter dem Aufprall, und die Wachen, die auf jede Bedrohung gewartet hatten, wurden nun von absoluter Stille verschluckt.
Inmitten des blendenden Lichts tauchte eine Gestalt auf.
Strax.
Seine Präsenz war überwältigend. Sein Körper, der von knisternden blauen Flammen umhüllt war, strahlte eine erstickende Hitze aus. Seine Augen leuchteten wie Risse aus reiner Energie, und jeder Zentimeter seines Wesens strahlte rohe, unkontrollierbare Kraft aus. Der Boden unter ihm war versengt, die Luft um ihn herum verzerrt von der puren Hitze des Manas, das von seinem Körper ausging.
Die Wachen, Elitesoldaten des Imperiums, spürten, wie ihnen ein Schauer über den Rücken lief. Ihr Instinkt warnte sie: Sie waren ihm nicht gewachsen.
„Zurück!“, rief der Kommandant der Wachen und zog sein verzaubertes Schwert, obwohl seine Stimme zögerte.
Strax antwortete nicht. Er machte lediglich einen Schritt nach vorne.
Diese eine Bewegung löste eine Explosion komprimierter Luft aus, die Staub wegfegte und den Boden unter seinen Füßen erschütterte. Donner grollte über ihnen und hallte wider, als stünde die ganze Welt auf seiner Seite.
„Wir lassen dich nicht durch!“, rief ein anderer Soldat und versuchte, seine Angst zu verbergen.
Strax blieb stehen. Seine Augen wanderten langsam über die Gruppe und musterten jeden einzelnen von ihnen.
Männer und Frauen, ausgebildet, um das Herz des Imperiums zu beschützen … aber in diesem Moment waren sie nichts weiter als Beute, die auf das Unvermeidliche wartete.
„Weg.“ Seine Stimme war leise, aber sie hatte eine unbestreitbare Autorität.
Der Kommandant zögerte. Er wusste, wer vor ihm stand. Strax, der Sturmdrache. Derjenige, der ganze Armeen im Alleingang massakriert hatte. Derjenige, der Barak zerstört hatte, als wäre es nichts.
Aber die Pflicht ging vor. Er holte tief Luft und machte sich bereit für den Kampf.
„Blockiert die Formation! Wir dürfen ihn nicht durchlassen!“ Speere wurden erhoben. Magier begannen, Zaubersprüche zu singen. Bogenschützen auf den Türmen hatten bereits brennende Pfeile gespannt und auf ihn gezielt.
Strax seufzte. „Ich habe euch gewarnt.“
Und dann … verschwand er.
Im nächsten Augenblick brach die Hölle los.
Ein blendend blauer Blitz zerriss das Blickfeld der Wachen, gefolgt von einem erdrückenden Druck. Donner grollte, begleitet vom Geräusch brechender Knochen, zerfetzter Rüstungen und Körpern, die wie Stoffpuppen durch die Luft geschleudert wurden.
Strax griff nicht an. Er bewegte sich einfach nur, und die schiere Kraft seiner Geschwindigkeit reichte aus, um sie bewusstlos oder tot zurückzulassen.
Der Kommandant, der wie durch ein Wunder noch bei Bewusstsein war, sah sich um und betrachtete seine gefallenen Soldaten. Er versuchte aufzustehen, aber seine Beine gehorchten ihm nicht. Der schiere Aufprall von Strax‘ zerstörerischem Druck hatte ihn gelähmt.
Das Monster war bereits vorgerückt.
Strax stand nun vor den titanischen Toren des Kaiserpalasts. Jedes Tor bestand aus verzaubertem Stahl, der durch uralte Zauberei verstärkt worden war, um undurchdringlich zu sein.
Er hob seine Hand.
Elektrizität sammelte sich in seiner Handfläche und summte, als wäre sie lebendig. Die Wolken über ihm leuchteten und reflektierten die Energie, die sich dort sammelte. Die Luft wurde dick, als würde die Realität selbst kurz vor dem Zerbrechen stehen.
Dann schlug er mit einem einzigen Schlag gegen die Tore.
BOOOOOM!!!
Ein Donnerschlag hallte über den Himmel, als würde der Sturm selbst seine Ankunft begrüßen.
Strax trat vor. Langsam, bedächtig, schwer. Jeder Schritt hallte wie der Vorbote einer bevorstehenden Katastrophe. Sein Körper knisterte vor roher Elektrizität, Blitze schlitterten wie hungrige Schlangen über seine Haut. Der Staub und die Trümmer seiner Zerstörung hingen noch in der Luft und versperrten jedem, der es wagte, sich ihm entgegenzustellen, die Sicht.
Und dann sah er sie.
Eine ganze Armee erwartete ihn in der großen Halle des Kaiserpalasts. Schwarz gerüstete Ritter, endlose Reihen von Kriegern, bereit, ihr Leben für das Imperium zu opfern. Der Glanz ihrer Schwerter und Speere reflektierte das blaue Licht von Strax‘ Blitzen.
Es waren Dutzende. Nein – Hunderte.
Für einen kurzen Moment herrschte tödliche Stille. Dann hob der Anführer der ersten Reihe sein Schwert und brüllte: „TÖTET IHN!“
Der Boden bebte unter dem Ansturm. Das Klirren der Rüstungen, die sich im Gleichklang bewegten, hallte wie Kriegstrommeln. Die Ritter stürmten wie eine stählerne Flut vorwärts, jeder schwang seine Waffe mit tödlicher Präzision.
Strax blieb regungslos stehen. Er zog kein Schwert. Das brauchte er nicht.
Seine Augen glühten. Scharlachrot.
Ein Schauer lief den Kriegern über den Rücken, als sie etwas … Seltsames in ihren Körpern spürten. Etwas, das sie nicht spüren sollten.
Die ersten, die es bemerkten, blieben abrupt stehen und zitterten am ganzen Leib.
Einer von ihnen sank auf die Knie und umklammerte seine Brust, als würde er ersticken. Ein anderer stieß einen erstickten Schrei aus, und sein Schwert glitt ihm aus den Fingern. Ein dritter taumelte zurück, seine schwarze Rüstung zitterte, während eine purpurrote Flüssigkeit durch die Ritzen im Metall sickerte.
Blut.
Strax öffnete langsam seine Handfläche … und ballte sie dann zur Faust.
Es war echt gruselig.
Die Körper der Ritter platzten von innen auf.
Das Blut, das durch ihre Adern floss, wandte sich gegen sie. Es riss ihre Muskeln auseinander, zerfetzte ihre Organe und spritzte wie ein blutroter Fluss aus jeder Lücke ihrer Rüstung.
Ein Ritter schrie und krallte sich verzweifelt an seinem Helm, aber das Blut floss bereits aus seinen Nasenlöchern, Augen und seinem Mund. Sein Atem stockte – dann hörte er auf – und er brach zusammen, nichts weiter als eine leere Hülle, die bis zum letzten Tropfen ausgehöhlt war.
Die Rüstungen, die sie einst geschützt hatten, wurden zu Särgen aus Fleisch und Knochen, in denen ihre eigenen Körper von innen heraus verschlungen wurden. Einer nach dem anderen fielen sie.
Das Donnern der fallenden Schwerter hallte durch den Saal. Und dann … Stille.
Strax machte einen weiteren Schritt. Die Leichen fielen um ihn herum wie totes Laub zusammen.
Nur leere Metallhüllen blieben zurück, aus deren Rissen Blut sickerte.
Der Gestank von Eisen und Tod erfüllte die Luft. Der einst makellose Palastboden war jetzt ein blutroter See.
Strax zuckte nicht einmal mit der Wimper. Er ging einfach schweigend weiter und stieg die Palasttreppe hinauf.
Die bedrückende Stille des Gemetzels wurde von einer gereizten Stimme unterbrochen.
„Was zum Teufel ist hier los?!!“
Strax drehte den Kopf, seine blutroten Augen glühten wie Kohlen in der dunklen Halle.
Die arrogante Stimme gehörte einem jungen Mann, der aus einem Seiteneingang auftauchte, mit vorgewölbter Brust und einem verächtlichen Grinsen im Gesicht hereinstürmte. Goldenes Haar, stechend blaue Augen und mit Gold und Rubinen bestickte Roben. Er sah nicht wie ein Krieger aus. Er sah nicht wie jemand aus, der sich die Hände schmutzig machte. Er sah aus wie ein Adliger – jemand, der Befehle gab und niemals herausgefordert wurde.
Neben ihm stand ein Soldat der anderen Art. Größer, breiter. Sein schwarzer Helm hatte gebogene Hörner wie ein Dämon, und seine Rüstung war mit Runen verziert, die in einem tiefen Purpurrot leuchteten. Ein Krieger von hohem Rang.
Strax starrte den jungen Adligen einen Moment lang an, dann ging er weiter – ohne ihn zu beachten.
Das ärgerte den Mann.
„ICH HABE DICH ANGESPROCHEN, DU Ungeziefer!“, sagte er und machte einen Schritt nach vorne, wobei er mit einem anklagenden Finger auf ihn zeigte. „WEISST DU, WER ICH BIN?“
Strax blieb stehen. Er drehte sich leicht um und starrte ihn an. „Du bist der Prinz?“
Der Blonde hob sein Kinn und grinste selbstgefällig. „Ja, ich bin der erste Prinz Edward von Luxem! Der Thronfolger!“
Strax nahm die Information einfach auf. „Thronfolger“ …
Er sagte nichts. Er sah den Mann nur an – wie ein unbedeutendes Insekt.
„Und du, du dreckiger Wilder?! Wie kannst du es wagen, in meinen Palast einzudringen und all dieses Blut zu vergießen?“ Edward zeigte auf die gefallenen Ritter, deren Blut aus den hohlen Rüstungen floss.
Strax neigte leicht den Kopf, und ein grausamer Glanz blitzte in seinen roten Augen auf. „Du bist bereits tot und merkst es nicht einmal. Aber ich habe eine Frage …“, sagte Strax, während seine Aura sich in alle Richtungen ausbreitete.
Der Prinz spottete und stieß ein gezwungenes, arrogantes Lachen aus. „Oh? Du glaubst, du kannst etwas von mir verlangen?“
Neben ihm zog der Elitesoldat sein massives gezacktes Schwert und nahm eine Kampfhaltung ein. Die Runen auf seiner Rüstung erstrahlten. Er war kein gewöhnlicher Soldat.
Er war jemand, der für den Kampf gegen Monster ausgebildet worden war.
Jemand Gefährliches.
Aber Strax sah keine Gefahr. Nur zwei weitere wandelnde Leichen.
Als der Soldat sich auf Strax stürzte, schien die Zeit für einen Moment stillzustehen.
Er bewegte sich schnell – zu schnell, als dass jemand ihm hätte folgen können.
In einer einzigen Sekunde war die Luft voller Blut.
Der Körper des Elitesoldaten wurde in unzählige Stücke gerissen, als hätte ihn eine unsichtbare Klinge von innen heraus zerfetzt. Seine Augen glühten noch immer vor Kampfeswillen, selbst als sein Kopf über den Boden rollte.
Der Prinz verstand zunächst nicht, was geschehen war. Er blinzelte.
Dann sah er die Fragmente der schwarzen Rüstung fallen – eines nach dem anderen – und Blut spritzte wie ein purpurroter Regen. Die freiliegenden Organe, die Knochen waren so sauber geschnitten, dass sie wie gemeißelt aussahen.
Erst als die Eingeweide mit einem feuchten, klebrigen Geräusch auf den Boden fielen, begriff er endlich.
„Ah…?“ Die Stimme des Prinzen stockte. Er stolperte rückwärts, die Augen vor Entsetzen weit aufgerissen.
Strax stand immer noch an derselben Stelle. Er hatte sich nicht einmal bewegt.
Nur eine schwache Blutspur in der Luft deutete darauf hin, dass er überhaupt etwas getan hatte.
Er hob seinen blutroten Blick und sah dem Prinzen direkt in die Augen, ein grausames Lächeln umspielte seine Lippen.
„Warst du es … der Xenovia heiraten wollte?“