Das Herz des Prinzen setzte einen Schlag aus.
„W-Wer … wer?“, stammelte er und versuchte zurückzutreten, stolperte aber über seine eigenen Füße. Seine Augen zitterten, als er auf die Überreste des Elitesoldaten blickte, der noch immer frisches Blut vor ihm tropfte.
Strax machte einen Schritt nach vorne. Das Geräusch seiner Stiefel, die in der blutroten Lache landeten, reichte aus, um Edward einen erstickten Schrei entlocken. Die bedrückende Kraft, die in der Luft lag, war überwältigend, erstickend. Jede Zelle seines Körpers schrie nach Flucht, aber er war wie erstarrt – nicht durch Ketten oder Magie, sondern durch pure, ursprüngliche Angst.
„Xenovia“, wiederholte Strax, seine Stimme eiskalt und gleichzeitig heiß wie Blitze. „Die Frau mit den violetten Augen, die du entführen wolltest, um sie zu heiraten … und dann in eine Zelle gesperrt hast.“
Edwards Augen weiteten sich. Jetzt wusste er, wovon Strax sprach.
„Das war … das war nur Politik!“, versuchte er sich zu rechtfertigen, seine Stimme so dünn wie die einer in die Enge getriebenen Ratte. „Eine strategische Verbindung!
Nichts Persönliches! Wir haben sie nicht einmal … nicht einmal angefasst!“
Strax ging weiter. Langsame Schritte. Präzise. Jedes Wort des Prinzen war wie eine weitere Schaufel Erde auf sein eigenes Grab.
„Du hast sie nicht angefasst …“, murmelte Strax. „Aber es ist deine Schuld, nicht wahr? Sie einzusperren … zu versuchen, sie zu kontrollieren … sie zu zwingen, hierher zu kommen … natürlich ist es das …“
„Ich wusste es nicht!“, schrie Edward, Tränen liefen über sein nun gespenstisch blasses Gesicht. „Es war der Rat! Sie haben es beschlossen! Ich bin nur der …“
„Feigling.“ Das Wort schnitt wie ein Messer.
Edward sank schluchzend auf die Knie.
Strax starrte ihn einen langen Moment lang an. Absolute Stille herrschte im Thronsaal, unterbrochen nur vom unregelmäßigen Atmen des Prinzen und dem Tropfen des Blutes von den umherliegenden Leichen.
„Deine Männer sind tot. Deine Armee wurde vernichtet. Und du …“ Strax streckte seine Hand aus, und blaue Blitze zuckten zwischen seinen Fingern – als stünde der Himmel selbst in Flammen. „… wirst für die Narben büßen, die sie nun auf ihrer Seele trägt.“
„Warte!“, schrie Edward und kroch vorwärts, bis er in einer Lache aus heißem Blut auf dem Boden des Thronsaals zusammenbrach. „Ich kann bezahlen! Ich kann es verdoppeln! Verdreifachen! Ich kann dir Gold, Macht, Land, Sklaven, Frauen geben …“
Er sah nicht einmal, wie Strax verschwand. Im Handumdrehen stand der Krieger vor ihm, die Hand in Blitze gehüllt, bereits um seine Kehle gelegt.
Edward stieß einen gurgelnden Schrei aus, die Augen weit aufgerissen. Blaue Funken sprühten heftig um seinen Hals, verbrannten Fleisch und versengten lebendes Gewebe mit dem beißenden Geruch verkohlter Haut.
„Du hast dieser Welt genug genommen, Edward von Luxem“, flüsterte Strax wie ein letztes Urteil. „Jetzt gib es zurück.“
Er ballte die Faust.
Die Luft zitterte.
Edward stieß einen kehligen, animalischen Schrei aus, seine Kehle verkrampfte sich unter dem brutalen Druck. Aber es war nicht nur körperliche Gewalt. Etwas viel Bösartigeres begann in diesem Moment. Reine Energie durchbohrte seinen Körper wie flammende Nadeln und raste wie blaue elektrische Lava durch seine Adern.
Das Erste, was platzte, waren die Blutgefäße in seinen Augen.
Zwei dunkle Ströme schossen aus den Augenhöhlen, die Augäpfel schwollen grotesk an, bevor sie mit einem feuchten Knall explodierten und hohle, pulsierende Löcher zurückließen. Schwarze Adern krochen wie verfaulende Wurzeln über seine Haut, während sein Körper heftig zuckte.
Sein Kiefer war ausgerenkt, Knochen brachen, während seine Zunge verdreht und zuckend heraushing, als würde sie isoliert einen Stromschlag bekommen.
Strax hob seinen Arm höher, und Edward, der immer noch an der Kehle gepackt war, zappelte wie ein Fisch, der in kochendem Öl brät. Seine Haut begann zu reißen, tiefe Schnitte öffneten sich, aus denen verdampftes Blut wie Dampf aus einem Druckventil zischte, während seine Schreie immer noch versuchten, aus seiner zerquetschten Luftröhre zu entweichen.
Sein Brustbein brach auf wie ein umgedrehter Reißverschluss.
Seine Rippen bogen sich mit widerlichem metallischem Knacken nach außen, wie verdrehte Eisenklauen. Das freiliegende Herz schlug wie wild und versuchte, das Leben in einem bereits zum Tode verurteilten Körper aufrechtzuerhalten. Aber Strax ließ ihn nicht sterben. Noch nicht. Nicht so einfach.
Ein konzentrierter Blitz schlug in die offene Brust ein und Edwards Herz wurde sofort verbrannt – es schrumpfte wie ein Stück Fleisch, das auf glühende Kohlen geworfen wurde, und verwandelte sich in einen schwelenden Klumpen Kohle, der zu Asche zerfiel.
Und trotzdem wand er sich noch.
Strax drehte seine Hand und der Körper begann sich nach innen zu falten – Knochen brachen, Gliedmaßen verdrehten sich in unnatürlichen Winkeln, als würde das Skelett selbst versuchen, dem Fleisch zu entkommen.
Die Haut löste sich.
Langsam.
Grausam.
Sie wurde Zentimeter für Zentimeter vom Körper abgezogen – zuerst vom Gesicht, wo rote Muskeln und zusammengebissene Zähne zum Vorschein kamen. Dann der Oberkörper, die Beine. Es war, als würde man einen Menschen bei lebendigem Leib häuten, und jeder neue gedämpfte Schrei hallte wie eine Hymne der Qual durch den leeren Thronsaal.
Schließlich schloss Strax seine Hand vollständig.
Edwards Körper explodierte in einer Kugel aus blauem Licht und Blut und schleuderte dampfende Fleisch- und Knochenstücke durch den Saal. Sein gesichtsloser Kopf wurde wie ein Ball gegen eine Marmorsäule geschleudert und zersprang mit einem feuchten, letzten Geräusch.
Ein Stück Kieferknochen rutschte die Stufen des Throns hinunter und tropfte noch immer Blut.
Strax blieb still. Das Einzige, was man hören konnte, war das langsame Tropfen der Überreste – das Geräusch von gekochtem Fleisch, das auf Stein klopfte.
Er ließ Edwards Halskette los – die durch die Hitze der Hinrichtung teilweise geschmolzen war – und ließ sie mit einem dumpfen metallischen Klirren auf die Überreste der Brust eines der enthaupteten Generäle fallen.
„Ekelhaft“, murmelte Strax und wandte sich von den Leichen ab. „Jetzt sind nur noch die königliche Garde und der Kaiser übrig.“
Und Strax ging weiter.
Das Tor zur inneren Halle ächzte und öffnete sich langsam mit einem tiefen Kratzen von Eisen auf Stein. Die Scharniere quietschten, als sie nachgaben, als zögerten sogar sie, diesen Mann durchzulassen.
Strax trat über die Schwelle.
Sein Körper knisterte immer noch vor Elektrizität, als hätte sich der Sturm der Außenwelt in seiner Seele konzentriert. Seine Augen – zwei Sonnen aus kontrollierter blauer Wut. Sein Umhang war bis zum Saum blutgetränkt und tropfte bei jedem Schritt auf den kaiserlichen Teppich, der nun eine blutrote Spur zum Thron bildete.
Die ersten, die ihn sahen, waren die Wachen des Allerheiligsten.
Drei Männer. Glänzende Rüstungen. Starre Haltung.
„Halt!“, rief einer. „Ihr dürft die kaiserliche Halle nicht bewaffnet betreten! Gebt eure Identität an …“
Strax hob die Hand. Keine Warnung. Keine Gnade.
KNACK.
Ein Blitz.
Die drei Wachen wurden in einem blendenden Lichtblitz vaporisiert. Eine Sekunde später folgte der Donner, der wie ein Drachengebrüll durch die Säulen hallte. Als sich der Rauch verzog, blieben nur verkohlte Silhouetten auf dem Mosaikboden zurück.
Keine Schreie. Keine letzten Atemzüge. Nur Stille und der Gestank von verbrannten Knochen.
Weitere Wachen stürmten aus den Seitengängen herein, brüllten Befehle und versuchten, eine Verteidigungslinie vor dem Thron zu bilden, auf dem Kaiser Lucius von Luxem bereits stand, blass und die Armlehnen des Throns umklammernd, als könnten sie ihn irgendwie retten.
Strax ging weiter.
Er ging einfach weiter. Wie eine unaufhaltsame Kraft. Ein Marsch, den kein Speer und kein Erlass aufhalten konnte.
„Kampfpositionen!“, brüllte der Hauptmann der königlichen Garde. „Schützt den Thron um jeden Preis!“
Sechs Männer bildeten einen Halbkreis. Verstärkte Schilde. Verzauberte Klingen. Diszipliniert. Fromm.
Nutzlos.
Diesmal hob Strax beide Hände. Die Runen auf seinen Schultern begannen zu leuchten – Symbole aus einer vergessenen Drachensprache, die er gelernt hatte und die den Namen des Sturms flüsterten.
„Tormenta.“ Das Wort hallte in einer Sprache wider, die keiner von ihnen verstand. Aber den Tod – den verstanden sie alle.
Von der Decke herabfielen Dutzende elektrischer Ketten wie blaue Schlangen und schlossen sich um Arme, Beine und Hälse. Jeder Soldat wurde mit einem heftigen Ruck in die Luft gerissen.
Einer nach dem anderen wurden sie mit unmenschlicher Intensität durch Stromschläge getötet.
Adern platzten.
Augen schmolzen.
Zähne zerbrachen vor Hitze.
Aber Strax ließ sie nicht schnell sterben. Er schleuderte sie gegen Wände, Säulen, Decken und Böden – ein groteskes Schauspiel aus brechenden Knochen und zerfetztem Fleisch –, bis ihre Körper zu formlosen Säcken aus zerfetztem Fleisch wurden, die wie nutzlose Puppen weggeworfen wurden.
Ein Ritter stürmte mit erhobenem Schwert von hinten heran und schrie: „FÜR DAS REICH!“
Strax drehte sich um, ohne hinzuschauen. Seine Hand wurde zu einem Speer aus purer Energie und durchbohrte den Bauch des Mannes mit chirurgischer Präzision. Das Schwert fiel zu Boden. Der Körper zuckte. Strax hob seinen Arm, und der aufgespießte Mann erhob sich mit ihm und wand sich.
Mit einem Knall sprengte er den Oberkörper des Ritters von innen heraus. Die Rüstung flog auseinander wie leere Dosen, Rippen verstreuten sich wie blutige Shuriken durch den Saal.
Der letzte Wächter fiel auf die Knie, das Schwert zitterte, die Augen weit aufgerissen vor Angst.
„Bitte … bitte, ich habe eine Tochter …“
Strax blieb vor ihm stehen. Stille.
Für einen Moment war nur das Geräusch von Blut zu hören, das von der Decke auf den Boden tropfte.
Dann …
„Dann hättest du bei ihr bleiben sollen.“ Strax zeigte mit zwei Fingern auf ihn. „Tschüss.“
Ein Blitz, dick wie ein Obelisk, schlug aus der Decke ein und verbrannte den knienden Mann. Nicht einmal ein Schatten blieb zurück.
Endlich stand er vor den Stufen des Throns.
Die obsidianfarbenen Stufen glänzten im Widerschein des Blutes, das sich über den Saal verteilt hatte, als wäre das gesamte Bauwerk von der Wut der Götter befleckt worden. Die Säulen bebten vom Echo der Zerstörung, und die Luft roch nach Metall und Tod.
Da ertönte eine tiefe, feste Stimme von oben – kalt wie Stahl, berechnend wie das Schwert eines Henkers.
„Du bist also gekommen.“
Strax hob den Blick.
Dort, oben auf der Treppe, in einen kaiserlichen Purpurmantel gehüllt, auf dem das Wappen von Thalassa in leuchtendem Silber gestickt war, stand der Mann selbst.
Kaiser Aldric III.
Sein Gesicht, vom Alter gezeichnet, aber immer noch entschlossen, war ein grausames Abbild von Strax‘ Vater – dieselben durchdringenden Augen, derselbe starke Kiefer … nur verdorben durch die Last der absoluten Macht. Die Aura um ihn herum pulsierte vor uralter Magie, gefestigt durch Jahrzehnte der Herrschaft und dunkler Pakte.
Strax ballte die Fäuste. Von dem Sturm flackerten noch Funken über seine Haut.
Jeder Herzschlag fühlte sich an wie eine Kriegstrommel, die durch die Mauern des Schlosses hallte.
„Er hat seine Stärke versteckt … wie erbärmlich …“, dachte Strax und starrte den alten Kaiser an.
Doch dann durchbrach ein leises Geräusch – das Kratzen von Metall auf Stein – die Stille.
Und hinter dem Thron tauchten zwei Gestalten auf, die wie Schlangen in Schatten gehüllt waren und sich vorwärts schlängelten.
Die erste war eine Frau.
Sie war groß, geschmeidig und bewegte sich fließend wie eine Pantherin, die zum Sprung bereit ist. Ihre gebräunte Haut schimmerte im flackernden Licht der Kerzenleuchter, und ihre Augen – winterhimmelblau – strahlten eine tödliche Kälte aus. Ihr blondes Haar, das kurz am Nacken abgeschnitten war, verlieh ihr etwas Militärisches. Ihr Körper war in eine enge schwarze Lederrüstung gehüllt, die an Schultern und Armen mit glänzenden Metallplatten verstärkt war, die schwach von versiegelten Zaubersprüchen leuchteten.
An ihrer Hüfte ruhten zwei gekrümmte Klingen wie schlafende Raubtiere.
Sie blieb neben dem Thron stehen und lächelte.
„Das ist also der kleine Strax? Sieht nicht viel anders aus als die Köpfe, die ich schon genommen habe … mein Bruder hat sich wirklich jemanden ausgesucht, der langweilig ist.“ Ihre Stimme war sirupartig … sarkastisch, sie kostete jedes Wort aus.
Direkt hinter ihr ließen die schweren Schritte des zweiten Kriegers die Säulen vibrieren.
Er war eine Wand aus lebenden Muskeln. Ein Riese von über zwei Metern Größe, mit Armen so dick wie Baumstämme und brennenden bernsteinfarbenen Augen. Sein rotes Haar floss wie eine Löwenmähne, und über seiner nackten Brust prangte ein detailliertes Löwentattoo, umgeben von sanft leuchtenden Runen. Sein ganzer Körper schien dafür gebaut zu sein, zu töten.
In seiner rechten Hand schleppte er einen Kriegshammer, der so massiv war, dass selbst ein Oger gezögert hätte, ihn anzuheben.
„Dafür bin ich aufgewacht?“, murmelte der Riese mit einem faulen Gähnen. „Ich hatte auf einen Drachen gehofft, aber sieht eher nach einem wütenden Balg mit Gottkomplex aus.“
Strax rührte sich nicht. Er beobachtete nur. Berechnend.
Ihre Aura war … seltsam.
Das waren keine normalen Menschen. Keine Elitesoldaten. Nicht einmal königliche Champions. Sie hatten einen seltsamen Geruch … als wären ihre Körper von einer anderen Kraft geformt worden.
Eine, die durch die Schatten floss.
Aldric lächelte ruhig, die Arme vor der königlichen Robe verschränkt.
„Ah … du weißt es noch nicht?“, sagte er in fast beiläufigem Ton. „Sie sind Geschenke unserer alten Verbündeten … der Götter. Die Frau ist Kaelis, die derzeitige Gefährtin der Athene. Der Rohling gehorcht Grunnar – dem Gefährten des Ares.“
Er sprach, als würde er das Wetter erklären.
„Ich kann auch die Macht eines Gottes in dir spüren …“, sagte Grunnar mit einem Grinsen, während sein Körper zu wachsen begann und ihn schließlich Strax gegenüberstehen ließ. „Aber du bist schwach.“
[Zwei Götter beobachten dich]
[Die Göttin Athena bietet einen Waffenstillstand an …]
[Der Gott Ares bietet einen Kampf an …]