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Adrius konnte es kaum fassen. Theron, der mächtige Vorbote der Großen Katastrophe, war gerade total geschwächt. Das kam ihm fast wie ein Traum vor. Er erinnerte sich daran, wie überwältigend Therons Kraft gewesen war, wie unbesiegbar er einst gewirkt hatte, als wäre er eine Naturgewalt, der sich niemand widersetzen konnte.
Und jetzt geriet er unter ihrem gemeinsamen Ansturm ins Wanken.
Aber er wusste, dass es nicht nur ihre Kraft war, die Theron an den Rand des Abgrunds getrieben hatte. Es war Erend. Irgendwie hielt Erend nicht nur stand. Er hatte Theron in diesen Zustand der Raserei und Verzweiflung getrieben.
Der uralte dunkle Magier war noch nie so aufgewühlt gewesen, nicht einmal, als Adrius und Lysander ihm gemeinsam mit aller Kraft gegenübergestanden hatten. Erend hatte etwas Urtümliches in ihm geweckt. Es sah aus wie Angst, Wut oder vielleicht sogar Selbstzweifel, und das hatte den Ausschlag gegeben.
Adrius entfesselte einen weiteren verheerenden Stoß elementarer Magie. Feuer und Wind wirbelten zusammen und bildeten einen Flammenwirbel, der die Luft versengte und auf Theron zuschoss.
Sein Herz pochte vor Adrenalin. Neben ihm knisterte Lysander vor elektrischer Energie, die Luft um ihn herum zischte, als er eine weitere Welle von Blitzen heraufbeschwor. Sie steckten ihre ganze Kraft in diesen letzten Schlag.
„Weiter so!“, schrie Adrius über das Dröhnen der Magie hinweg.
Lysander nickte und schloss sich mit seinen Blitzen dem Angriff an. Die gewaltige Blitzattacke krachte und blitzte, als sie Therons geschwächten Körper traf. Der Vorbote taumelte nun, seine blutrote Rüstung hielt nur noch mühsam zusammen, die einst bedrohlichen Energiefäden flackerten wie sterbende Glut.
Dann sah Adrius es aus dem Augenwinkel. Erend setzte zu seiner Bewegung an.
Erend stürmte mit rasender Geschwindigkeit auf Theron zu. Sein Körper bewegte sich wie ein orangefarbener Lichtblitz. Seine reptilienartigen Augen leuchteten wild. Seine Hände hatten sich in tödliche Klauen verwandelt.
Selbst in seinem monströsen Zustand sah Theron den bevorstehenden Angriff. Seine geschwärzten Augen weiteten sich, und zum ersten Mal konnte Adrius es spüren. Es war Angst.
Therons Instinkte schrien ihn an und warnten ihn vor der nahenden Gefahr. Er, der einst unaufhaltsam schien, wich nun zurück und versuchte verzweifelt, mehr von seiner dunklen Kraft zu mobilisieren, um sich zu verteidigen. Aber es war zu spät.
Erend schloss die Distanz in einem Herzschlag. Seine Klauen streckten sich zur Seite, um den letzten Schlag auszuführen. Die Wucht seines Angriffs sandte Schockwellen durch den Boden und zum ersten Mal zuckte Theron zusammen.
Seine Stimme, die einst voller Arroganz und Wut gewesen war, zitterte, als er sprach. Seine Worte waren von roher, verzweifelter Angst durchdrungen. „Nein … das kann nicht sein … Ich bin der Auserwählte …“
Bevor Theron seinen Satz beenden konnte, schlugen Erends Klauen mit einer Wucht auf seine Brust, die über das Schlachtfeld hallte. Die blutrote Rüstung des Vorboten zersplitterte wie Glas, und dunkle Energie und purpurrote Splitter flogen in alle Richtungen. Erends Schlag enthielt die ganze Kraft seiner Drachenblut-Macht und durchdrang die dunkle Energie, die Theron geschützt hatte.
Theron stieß einen letzten, kehligen Schrei aus, ein Laut voller Schmerz und Ungläubigkeit, während das Licht in seinen Augen zu erlöschen begann. Seine einst mächtige Gestalt brach unter dem Gewicht von Erends Angriff zusammen und sank auf die Knie. Die Energiefäden, die einst wie ein Sturm um ihn herum geflammt waren, verblassten nun und lösten sich im Wind auf.
Für einen kurzen Moment war es still auf dem Schlachtfeld.
Erend stand über Theron, seine Brust hob und senkte sich. Seine Augen leuchteten immer noch orange und er blickte auf den besiegten Vorboten hinunter. Seine Brust war ein Trümmerhaufen aus zerfetztem Fleisch und Blut, fast vollständig von Erends Klauen zerstört. Blut und dunkle Energie sickerten in den Boden um sie herum und bildeten widerliche Flecken. Für einen Moment glaubte Erend, dass es endlich vorbei war.
Doch dann schlug Theron die schwarzen Augen auf und starrte ihn an. Ein kalter Schauer lief Erend über den Rücken. Die Augen gehörten nicht mehr dem Mann – oder Monster –, der Theron gewesen war. Sie waren von einer bösartigen Kraft erfüllt, die weitaus dunkler war als er selbst.
Plötzlich bewegte Theron seinen Mund. Es war seine Stimme, aber sie klang verzerrt und verdorben, als käme sie von jemand anderem. Es war die Große Katastrophe selbst. Er konnte es spüren.
„Du hast noch nicht gewonnen, Drachenblut …“, krächzte die Stimme. „Ich werde das Elfenreich, das du so liebst, und den Rest dieser Welt zerstören … Danach werde ich deine Welt holen … Ich werde sie vollständig verschlingen!“
Die Worte trafen Erend wie ein Dolchstoß. Sein Blut gefror in seinen Adern. Die Drohung hallte in Erends Seele wider und ließ ihn bis ins Mark erschauern.
Doch dann, als der Schock nachließ, stieg etwas anderes in Erend auf. Wut. Pure, unerbittliche Wut.
„Nicht, solange ich noch atme“, knurrte Erend leise und ballte die Fäuste an seinen Seiten.
Dann stürmte Erend, getrieben von der Wut, die jetzt durch ihn floss, vorwärts. Sein Körper bewegte sich so schnell und mit solcher Kraft, dass der Boden unter seinen Füßen barst. Mit einem Brüllen schlug er mit aller Kraft mit dem Bein zu und zermalmte Therons Kopf unter seinem Stiefel. Das widerliche Knacken von Knochen hallte durch die Luft, als der Schädel des Heroldes zerbrach.
Aber das reichte nicht. Die Bedrohung, die Stimme, war immer noch da. Sie verspottete ihn und hallte in seinem Kopf wider.
Erends Augen blitzten orange auf, seine Drachenblut-Kraft brach an die Oberfläche. Flammen schlugen aus seinem Körper. Er hob die Hand und eine Flut von Drachenfeuer verschlang die Überreste von Theron.
Die Flammen tobten und verschlangen das Fleisch, die Knochen und die dunkle Energie, die einst Therons Körper gewesen waren. Erend sah zu, wie das Feuer immer heißer und heller brannte und alles zu Asche verwandelte.
Erst als nichts mehr übrig war als verkohlte Überreste und schwelende Glut, hörte er auf. Der Boden, auf dem Theron gelegen hatte, war schwarz versengt, und der Gestank von verbranntem Fleisch erfüllte die Luft.
Die Gefahr war gebannt, aber die Kälte dieser letzten Worte hallte noch in seinem Hinterkopf nach.
Adrius und Lysander schauten voller Ehrfurcht zu. Sie hatten es geschafft. Sie hatten die größte Bedrohung besiegt, der sie bis zu diesem Tag jemals begegnet waren. Aber es war Erend, der den letzten Schlag ausgeführt hatte, der sich Therons Zorn direkt gestellt und als Sieger hervorgegangen war.
Als sich der Staub langsam legte, musste Adrius lächeln, ein müdes, aber erleichtertes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
„Es ist vorbei“, murmelte er, mehr zu sich selbst als zu den anderen.
Lysander, dessen Körper vor Erschöpfung zitterte, sah Adrius an und nickte. „Ja … es ist vorbei.“
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