Erend und Eccar standen Seite an Seite auf einem Bergrücken und schauten mit ernsten Gesichtern auf das Schlachtfeld. Die Schlacht tobte schon ewig, aber es sah nicht so aus, als würde sich das Blatt wenden. Die wütenden Geister ihrer gefallenen Feinde stiegen immer wieder auf, als ob der Tod sie nicht holen könnte.
Erend ballte die Fäuste, seine Knöchel wurden weiß vor Anstrengung. Sein Blick folgte dem unerbittlichen Kreislauf aus Zerstörung und Wiederauferstehung.
Für jeden Geist, der von einer Elfenklinge niedergestreckt oder von einem Zauber eines Magiers in Stücke gerissen wurde, trat ein anderer an seine Stelle.
„Irgendetwas stimmt hier nicht“, murmelte Erend. „Sie sollten nicht einfach so zurückkommen können. Egal, wie viele wir niederschlagen, es stehen immer mehr auf. Das ist … unnatürlich.“
Eccar, der neben ihm stand, nickte zustimmend. Seine scharfen Augen verengten sich, als er das Schlachtfeld beobachtete. Er spürte dieselbe Unstimmigkeit in der Luft, eine Boshaftigkeit, die tiefer ging als die Geister selbst.
„Ja, das sind keine gewöhnlichen Geister“, antwortete Eccar. „Ich habe schon Schlachten mit Untoten gesehen, aber das hier ist anders. Es ist, als würden sie von etwas oder jemandem angetrieben.“
Erend runzelte die Stirn und drehte sich zu seinem Begleiter um. „Du glaubst, jemand oder etwas kontrolliert sie?“
Eccars Blick blieb auf das Schlachtfeld gerichtet, sein Gesichtsausdruck verhärtete sich. „Ja. Diese unerbittlichen Angriffe, die Art, wie sie ohne Pause weiterkommen … das ist zu koordiniert. Es fühlt sich an, als stünde ein Wille dahinter. Etwas oder jemand treibt sie voran und zwingt sie, immer wieder aufzustehen.“
„Wenn das stimmt, reicht es nicht, die Geister zu besiegen. Wir müssen herausfinden, was dahintersteckt, und es aufhalten.“
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König Gulbens Schwert zerschnitt die Luft in einem hellen Bogen, seine Klinge summte vor der uralten Kraft, die in ihr steckte. Das Geräusch von Stahl, der auf geisterhaftes Fleisch traf, hallte über das Schlachtfeld, als er dem riesigen Geist einen entscheidenden Schlag ins Herz versetzte.
Das monströse Wesen stieß einen Schrei aus, der durch die Luft hallte. Dann zuckte der riesige Geist und seine Gestalt begann zu schwanken, als die Kraft des Schlags des Elfenkönigs die dunkle Energie, die ihn zusammenhielt, aufzulösen begann. Finde Abenteuer auf m v l e m p y r
Mit einem letzten Brüllen zerfiel der riesige Geist und löste sich in eine Wolke aus schwarzem Nebel auf.
Aber diese Hoffnung war nur von kurzer Dauer.
Als sich der Nebel auflöste, sah König Gulben mit grimmiger Miene, wie der Boden unter dem gefallenen Geist wieder zu beben begann. Aus seiner Tiefe begann die vertraute Dunkelheit erneut zu wirbeln.
„Nein …“, flüsterte Gulben, und sein Herz sank. Er konnte es spüren. Das Wiederaufleben dieser bösartigen Energie, die sich nicht unterdrücken ließ.
In nur wenigen Augenblicken begannen die verstreuten Fragmente des Geistes wieder zusammenzukommen. Die Luft verdichtete sich mit dem Gestank des Todes, und aus dem Abgrund erhob sich ein weiterer Riese.
Dieser neue Riese war genauso furchterregend wie der letzte und ebenso riesig. Die Elfen, die gerade erleichtert ihre Waffen gesenkt hatten, hoben sie nun wieder.
Der Riesengeist stieß einen Schrei aus, der noch lauter und furchterregender war als der letzte. Er stürmte vorwärts und fegte mit seinem massiven Arm durch die Reihen der Elfenkrieger, die wie Blätter vor einem Sturm auseinanderflogen.
König Gulben biss die Zähne zusammen und presste vor Frustration die Kiefer aufeinander. Der Kreislauf wiederholte sich.
Der Elfenkönig stürmte wieder vorwärts, sein Schwert leuchtete erneut mit der uralten Magie. Mit einem mächtigen Sprung stürzte er sich auf den neuen Riesen, um ihn wie zuvor niederzustrecken.
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Tief unter dem vom Krieg verwüsteten Schlachtfeld, wo kein Licht hinkam und die Schreie der Sterbenden nur noch dumpf hallten, schlitterte die Kreatur durch die Dunkelheit.
Aus ihrem Versteck spürte die Kreatur den sinnlosen Kampf über ihr. Die verzweifelten Schreie der Elfen, die gegen die endlose Flut von Geistern kämpften. Und sie grinste.
Ein leises, kehliges Lachen stieg aus ihrer Kehle und hallte wie ein Trauergesang durch ihren unterirdischen Unterschlupf. Es war ein Geräusch grausamer Belustigung, eine Verhöhnung der Bemühungen der Elfen und ihres tapferen Königs.
„Narren …“, zischte es mit einer Stimme, die die Ohren derer oben niemals erreichen würde. „Sie kämpfen so verbissen, so verzweifelt … und doch kennen sie die Wahrheit nicht.“
Die Kreatur streckte ihren gewundenen Körper ein wenig und bewegte sich im Schatten.
„Solange ich atme, werden sie niemals gewinnen.“
Ihr Mund verzog sich zu einem abscheulichen Grinsen.
Plötzlich erschütterte ein tiefes Grollen die Erde um sie herum.
Das Beben war anders als die Vibrationen der Schlacht über ihr.
Die Kreatur riss die Augen auf. Ihre Sinne schärften sich, ihr durch Jahrhunderte des Überlebens geschärfter Instinkt setzte ein. Dieses Beben war nicht das Ergebnis des vergeblichen Kampfes der Elfen; nein, das war etwas Mächtigeres. Sie konnte es spüren – eine Störung, die nicht von den Kämpfen an der Oberfläche herrührte, sondern von einer Kraft, die viel näher und viel gefährlicher war.
Die Erde begann erneut zu beben. Die Wände ihrer unterirdischen Kammer ächzten unter der Belastung, und das Grinsen der Kreatur verschwand. Irgendetwas stimmte nicht.
Dann, ohne Vorwarnung, hob sich der Boden unter ihr und spaltete sich mit einer Plötzlichkeit, die die Kreatur überraschte. Der Riss in der Erde wurde größer, und aus der Dunkelheit tauchte eine klauenbewehrte Hand auf, die sich durch die Spalte drückte. Die Hand war mit Schuppen bedeckt.
Die Kreatur wich zurück, ihre Augen weit aufgerissen vor Schock und Angst. Sie konnte die Kraft spüren, die von dem Glied ausging, das alles, was sie jemals gesehen hatte, in den Schatten stellte. Das war keine gewöhnliche Kraft.
Als die Krallenhand weiter in die Kammer vordrang, spürte die Kreatur, wie kalte Angst in ihr Herz kroch. In diesem Moment wusste sie, dass sie nicht mehr die Herrin dieses Reiches war. Was auch immer dieses Wesen war, es war gekommen, um sie zu holen, und es gab kein Entkommen.
Die Hand krallte sich fest, und die Kreatur versuchte, sich wegzuschlängeln. Ihr einst selbstbewusstes Grinsen war nun einer Grimasse des Schreckens gewichen, aber die Erde um sie herum barst weiter auf und zerbrach, sodass sie in der wachsenden Kluft gefangen war.
Die Klauenhand streckte sich aus, und die scharfen Spitzen ihrer Krallen streiften die Haut der Kreatur. Diese stieß einen verzweifelten Schrei aus. Aber tief in ihrem Inneren wusste sie – sie hatte die Gefahr gespürt.
Die Klauenhand packte die Kreatur fest. Die Kreatur schlug um sich, aber es war vergeblich.
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