In dem Moment, als der Tropfen Raziels Haut berührte, schoss er in seine Stirn, und seine Augen weiteten sich bis zum Äußersten.
Als der Tropfen Blut mit Raziels Wesen verschmolz, zuckte sein Körper heftig und er brach zusammen. „AARGHHHH!!!“
Qualvolle Schmerzen durchfuhren ihn, seine Haut färbte sich tiefrot. Er wand sich und krümmte sich, ein kehliger Schmerzensschrei entrang sich seinen Lippen. Aus seinen Augen und seinem Mund stiegen Dämpfe auf, ein Zeichen des intensiven inneren Kampfes, während sein Körper sich anfühlte, als würde er von innen verbrennen. Er spürte, wie seine Organe und Nerven kochten und kurz davor waren, in ihm zu schmelzen. Seine Haut war glühend heiß, als würde sie jeden Moment in Flammen aufgehen.
Als Vampir war es allgemein bekannt, dass die größte Schwäche ihres Blutes Flammen waren, deren Hitze es nicht standhalten konnte. Und so fragte er sich, ob er wirklich die Blutkraft des mächtigsten Drachen in sich vereinen konnte, dessen Flammen die ganze Welt verbrennen konnten.
Raziel hustete Blut und war kurz davor, der überwältigenden Qual zu erliegen.
Drakaris‘ Stimme, tief und ruhig, hallte in Raziels Kopf und drängte ihn: „Gib dem Schmerz nicht nach“, befahl die Stimme. „Nutze deine innere Kraft, halte diese Prüfung durch. Es könnte Monate oder Jahre dauern, aber denk daran, warum du diese Qual erträgst.“
Raziels Gedanken waren ein Wirbelwind aus Schmerz und Verzweiflung, er konnte sich kaum konzentrieren. Doch er klammerte sich an die Erinnerungen an seine Mutter Selene und sein Volk – ihre Gesichter, ihre Stimmen, die Ungerechtigkeit und Brutalität, die ihnen angetan worden war.
Raziels Gedanken waren ein Wirbelwind aus Schmerz und Verzweiflung, er konnte sich kaum konzentrieren. Doch er klammerte sich an die Erinnerungen an seine Mutter Selene und sein Volk – an ihre Gesichter, ihre Stimmen, das ungerechte und brutale Ende, das sie durch die Werwölfe gefunden hatten. Diese Erinnerungen, diese Bilder von Leid und Verlust, beflügelten seine Entschlossenheit und entfachten in ihm den kalten Willen, zu überleben und Rache zu nehmen.
Während er sich auf diese Erinnerungen konzentrierte, begann der Schmerz eine neue Entschlossenheit in ihm zu schmieden. Jedes Bild ihres Untergangs stählte seinen Willen und verwandelte seine Qual in eine Waffe innerer Stärke. Er durfte jetzt nicht aufgeben und sein Volk im Stich lassen. Er erinnerte sich an das Versprechen, das er seiner Mutter und Selene gegeben hatte. Er musste leben, um diese Versprechen zu halten.
Er klammerte sich an diese Gedanken, an diese Gründe für seinen Kampf, während sein Körper von einer dicken Schicht heißem Blut bedeckt wurde, bis er ihn vollständig umhüllte und seine Schreie verstummten.
—
Wochen vergingen, und ein großer, blutroter, eiförmiger Kokon lag auf dem Gipfel des Berges und pulsierte mit einem tiefen, purpurroten Leuchten. Dunkle Energie wirbelte um ihn herum, verzerrte die Luft und verscheuchte alle fliegenden Bestien, die es wagten, sich ihm auch nur auf tausend Meter zu nähern.
Der Berg selbst schien den Atem anzuhalten und das Erscheinen von etwas erschreckend Mächtigen zu erwarten.
*Knack!*
Plötzlich wurde die Stille durchbrochen, als das Ei zu zerbrechen begann und das Geräusch über den öden Gipfel hallte.
Ein mächtiger Arm, muskelbepackt und von roher Kraft strotzend, brach durch die Schale und riss ein großes Loch auf. Mit einem lauten Krachen zerbrach der Kokon in unzählige Stücke, die über die felsige Oberfläche verstreut wurden.
Aus den Überresten des Kokons tauchte eine große, muskulöse Gestalt auf. Er war fast zwei Meter groß und sein Körperbau zeugte von seiner neu gewonnenen Kraft: sein Bauch war von acht deutlich sichtbaren Bauchmuskeln geprägt, seine Muskeln spannten sich über seinen Körper und strahlten Stärke und Dominanz aus. Sein schwarzes Haar, das ihm nun bis auf den Rücken reichte, wehte im Bergwind und umrahmte ein charmantes, aber raues Gesicht, das von einem dichten Bart und Schnurrbart geziert war.
Als er langsam den Kopf hob, öffnete er die Augen und enthüllte einen tiefroten Blick, der vor dunkler Macht nur so strotzte.
Von oben erklang Drakaris‘ Stimme voller Anerkennung und Stolz: „Raziel, du hast meine Erwartungen übertroffen. Du bist als mein Nachfolger wiedergeboren worden, ausgestattet mit einer Macht, die nur wenige erahnen können“, erklärte Drakaris. „Von diesem Moment an stehst du unter meinem Schutz.
Es ist meine Pflicht als dein Vorgänger, dich zu führen und über dich zu wachen.“
Raziel stand da und nahm seine neue Gestalt und das Gewicht von Drakaris‘ Worten in sich auf. Er spürte, wie eine Welle von Kraft durch ihn hindurchströmte, eine Kraft, die sowohl berauschend als auch einschüchternd war. Er wusste, dass er mit dieser neu gewonnenen Stärke die Möglichkeit hatte, sein Volk zu rächen und sich einen neuen Weg in einer Welt zu bahnen, die ihm nichts als Grausamkeit und Verzweiflung gezeigt hatte.
Dann kniete er vor der imposanten Gestalt von Drakaris nieder. Seine Stimme, die jetzt tiefer und von einer neuen Resonanz erfüllt war, drückte sowohl Respekt als auch kalte Entschlossenheit aus: „Danke, dass du mich zu deinem Nachfolger erwählt hast, Meister. Ich werde deinen Willen erfüllen und dir auf ewig zu Dank verpflichtet sein“, schwor er, und seine Worte hallten in der Stille der Berge wider.
Drakaris antwortete mit einem tiefen Brummen, das die Luft zu vibrieren schien: „Nun mache dich mit der Kraft und den Fähigkeiten vertraut, die du erlangt hast. Dein Körper ist nicht länger an die Grenzen eines bloßen Vampirs gebunden. Flammen, die einst dein Fluch waren, werden nun nur noch dazu dienen, dein Blut zu stärken. Dein Körperbau ist so beeindruckend wie der meiner Verwandten, hart wie der härteste Stein und in der Lage, sich im Handumdrehen zu heilen.
Und vor allem“, dröhnte Drakaris‘ Stimme mit einem Gefühl von Erhabenheit, „besitzt du die Herrschaft über die Schwerkraft, eine der mächtigsten Kräfte des Universums, und die Macht, den Raum nach deinem Willen zu verbiegen. Erhebe dich in die Lüfte, Raziel, und sieh die Welt, aus deren Ketten du dich befreit hast.“
Raziels Hände pressten sich gegen den kalten, harten Boden, seine Knöchel wurden weiß, während er sich konzentrierte. Er schloss die Augen und konzentrierte sich auf das neue, ungewohnte Gefühl, das durch seine Adern strömte. Der Boden unter ihm begann leicht zu beben, als er seine Kraft kanalisierte.
Staubpartikel und kleine Steine begannen um ihn herum zu schweben und wirbelten in einem Tanz der Auflehnung gegen die Schwerkraft.
Die Erde selbst schien auf seinen Willen zu reagieren und bebte unter der immensen Kraft, die er ausübte.
Mit einem schnellen Energiefluss sprossen prächtige purpurrote Flügel mit scharfen, knochigen Auswüchsen, die an einen Drachen erinnerten, aus seinem Rücken. Sie entfalteten sich majestätisch und streckten sich zu ihrer vollen, beeindruckenden Spannweite aus. *BOOM!*
Und mit einem donnernden Knall umarmte er seine neu gewonnene Kraft, als er nach oben schoss.
Die Kraft seines Aufstiegs sandte Schockwellen durch die Luft und verzerrte die Atmosphäre um ihn herum.
Als er in den Himmel schoss, verspürte Raziel ein berauschendes Gefühl von Freiheit und Macht. Er war nicht mehr der schwache Junge, der hilflos litt und zusehen musste, wie alles, was er liebte, zerstört wurde; er war jetzt ein Wesen von immenser Stärke, das über der Welt schwebte, die einst versucht hatte, ihn zu vernichten.
Mit jedem Schlag seiner mächtigen Flügel stieg er höher, durchbrach die Schichten dunkler Wolken und den blutroten Himmel, bis ihn die endlose Leere des Kosmos umhüllte. In dieser Leere schwebend blickte er auf seinen Planeten hinunter, der nun nur noch ein blutroter Ball in der Weite des Weltraums war. Er lag vor seinen Augen, klein und zerbrechlich, wie ein kostbarer Edelstein vor dem Hintergrund eines unendlichen Universums.
Umgeben von pechschwarzer Leere konnte Raziel mit seinem geschärften Blick die fernen, leblosen Planeten erkennen, deren Oberflächen zerklüftet und öde waren und die lautlos in der Weite des Kosmos trieben. Der Blutmond und die Sonne, die beiden Wächter seiner Welt, hingen in der Leere und strahlten eine unheimliche und zugleich beruhigende Präsenz aus.
Hier, in der kalten Umarmung des Weltraums, verspürte Raziel ein tiefes Gefühl der Perspektive. Seine Welt mit all ihrer Komplexität und ihren Kämpfen war nur ein winziger Fleck in einem unermesslich großen Kosmos. Doch diese Erkenntnis schwächte seine Verbindung zu ihr nicht, sondern vertiefte sein Verständnis für die Kostbarkeit des Lebens, das ihn einst umgab, und für die Bedeutung der Bindungen, die er einst hatte.
Obwohl die Leere seine Mana erschöpfte, füllte die allgegenwärtige Schwerkraft, die ihn umgab, seine Energie wieder auf und hielt ein empfindliches Gleichgewicht aufrecht. Die sengende Hitze der Sonne, die selbst die mächtigsten Wesen quälte, fühlte sich für Raziel wie eine sanfte Wärme an. Seine neue Gestalt, die ihm von Drakaris verliehen worden war, war mehr als nur widerstandsfähig – sie war eine Harmonie aus Kraft und Ausdauer.
Als er auf das blickte, was einst seine Heimat gewesen war, ein kleines Stück Land, das mit dem Blut seines Volkes getränkt und leblos war, verspürte Raziel eine Welle kalter Entschlossenheit. Die Größe des Universums schmälerte sein Ziel nicht, sondern unterstrich nur die Bedeutung dessen, was ihm lieb und teuer war und was er tun musste.
Er kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich auf das Gebiet des Bloodclaw-Clans. Mit neuer Zielstrebigkeit und einer kalten, dunklen Entschlossenheit in den Augen beschleunigte Raziel seine Bewegung, stürzte wie ein Komet aus dem Kosmos herab und raste zurück in seine Welt. Er war nicht länger nur ein Überlebender eines grausamen Schicksals, er war dessen Herrscher, eine Kraft der Vergeltung und des Wandels, bereit, sich denen zu stellen, die seine Welt zerstört hatten.