Als Asher seinen Blick von der unendlichen Weite des Ozeans auf das Plätschern richtete, traf sein Blick auf etwas, das so strahlend war wie das Meer im Mondlicht.
„Isola?“ Er hatte irgendwie das Gefühl, dass sie ihm folgen würde, nachdem er ihr erzählt hatte, dass er Callisa mit ins Meer genommen hatte.
Wie eine göttliche Nymphe, die aus einem mythischen Gemälde auftaucht, erhob sich Isola plötzlich aus den Tiefen des Meeres.
Ihre dämmerungsblaue Haut schimmerte im sanften Schein der Sonne, und die Wassertropfen, die in ihr tiefes Dekolleté rutschten, verstärkten ihren ätherischen Glanz.
Ihr strahlend silberweißes Haar fiel ihr wie ein Wasserfall über den Rücken, die Spitzen waren vom Meer nass und verliehen ihr einen wilden Reiz.
Ihre Ausstrahlung war eine bezaubernde Mischung aus Verführung und Majestät, die Asher unwillkürlich in ihren Bann zog.
Ihre schlanke, athletische Gestalt erhob sich auf Callisas Panzer, während sich ihr Unterkörper nahtlos von den gewundenen, schuppigen Windungen einer Fischflosse in Beine verwandelte, die eine Eleganz besaßen, wie sie nur die Natur hervorbringen kann.
In dem Moment, als Isola auf Callisas Panzer Halt fand, wanderte ihr saphirblauer Blick zu Asher, und hinter ihrer Skepsis schwang eine leichte Besorgnis mit: „Warum bist du hier draußen, Asher? Warum hast du Callisa plötzlich an einen so abgelegenen Ort gebracht?“ Sie fragte ihn mit verwirrtem Blick, während sie versuchte, ihre Angst zu verbergen.
Asher jedoch entfuhr ein kalter Spott: „Ich sehe nicht ein, warum ich dir meine Handlungen erklären sollte, Isola“, erwiderte er mit einer Stimme, die so eisig war wie das Meer um sie herum.
Isola riss überrascht die Augen auf, verblüfft von seiner Abfuhr und der kühlen Aura, die von ihm ausging. Im Vergleich zu seiner bisherigen Stimmung schien er eindeutig nicht gut gelaunt zu sein.
„Ich weiß, dass Callisa auch von dir beeindruckt ist, aber vergiss nicht, wo dein Platz ist“, fuhr Asher fort und sein Blick wurde hart.
Dann hob er seine Hand mit der Handfläche nach oben und sagte mit entschlossener Stimme: „Da du schon den ganzen Weg hierher gekommen bist, gib mir die Lebenskristalle und geh. Ich möchte mit Callisa allein sein.“
Isola fuhr sofort auf, bereit, zu protestieren, aber Asher unterbrach sie schnell: „Entweder du tust, was ich sage, oder ich sorge dafür, dass du Callisa nie wieder siehst.“
Isola zuckte bei seinen Worten sichtbar zusammen und ihr Blick huschte zwischen Asher und Callisa hin und her. „Wie kannst du so etwas vor ihr sagen?“, wimmerte sie, und die Verletztheit in ihrer Stimme war deutlich zu hören.
Doch im nächsten Moment seufzte sie, gab nach und streckte die Hand aus, um sein Handgelenk zu ergreifen. Da sie wusste, dass er schlechte Laune hatte, beschloss sie widerwillig, es einfach sein zu lassen.
Allerdings war sie ziemlich neugierig, was passiert war, dass er so war und den ganzen Weg hierher gekommen war. Es war das erste Mal, dass er Callisa so mitgenommen hatte.
Doch in dem Moment, als sich ihre Handflächen berührten, durchfuhr Isola ein plötzlicher Ruck, wie ein Blitz, der durch ihre Adern schoss.
Ihre zuvor konzentrierten und gefassten Augen weiteten sich vor Schreck, als sie von einem Wirbelwind aus Bildern und Emotionen überflutet wurden, die ihr fremd waren.
Sie fühlte sich, als wäre sie in einen reißenden Fluss gestürzt, dessen starke Strömung sie mitriss.
In der Dunkelheit der unfassbaren Flut von Erinnerungen formte sich ein einziges, erschütterndes Bild in Isolas Kopf. Es war ein düsteres Bild, geprägt von Verzweiflung und Angst, das sie bis ins Mark erschütterte.
Sie sah ein kleines, bescheidenes Haus, dessen spartanische Einrichtung vom schwachen, flackernden Schein einer einzigen Lampe erhellt wurde.
Die Schatten tanzten grotesk auf der abblätternden Tapete und hauchten der Szene ein unheimliches Leben ein.
In einer Ecke sah sie durch einen großen zerbrochenen Spiegel einen kleinen Jungen, der etwa sechs Jahre alt war und dessen große, unschuldige Augen vor unaussprechlicher Angst geweitet waren.
Sie sah alles aus den Augen dieses Jungen und konnte erkennen, dass er verzweifelt versuchte, sich kleiner zu machen, seinen kleinen Körper an die bröckelnde Wand drückte, als wolle er darin verschwinden.
Er rief schwach nach der Frau auf der anderen Seite: „Mama …“
Seine Mutter, die eigentlich Liebe und Geborgenheit ausstrahlen sollte, bot einen herzzerreißenden Anblick.
Sie stand in abgetragenen Kleidern da, den Rücken gekrümmt, ihr zerbrechlicher Körper zitterte wie ein Blatt im Wind. Ihre Hand, die unkontrolliert zitterte, umklammerte ein Messer, das das Licht unheimlich reflektierte.
„Mama, was … warum?“
Die dünne, zittrige Stimme des Jungen hallte in der angespannten Stille wider, sein tränenüberströmtes Gesicht spiegelte seine Verwirrung und Angst wider.
Die Frau taumelte auf ihn zu, ihr Gesicht zu einer schrecklichen Grimasse der Anstrengung verzerrt.
„Mama … hör auf … bitte …“
Mit jedem wackeligen Schritt, den sie machte, kam die Klinge des Messers in ihrer Hand gefährlich näher an die kleine Brust des Jungen, der sie weiterhin anflehte, aufzuhören.
Seine kleinen Finger krallten sich in die Wand hinter ihm, sein Atem stockte in panischen Schluchzern.
Plötzlich stolperte die Frau und kniete sich auf den Boden, wobei sie seinen Hals mit ihrer freien Hand umklammerte. Das Messer, das sie noch immer festhielt, schwankte gefährlich nahe an ihm.
Ihre zuvor leeren Augen funkelten plötzlich vor verzweifelter Entschlossenheit. Sie sah ihren Sohn an, ihr Gesicht wurde für einen flüchtigen Moment weicher.
„Verzeih mir, dass ich so schwach bin …“, krächzte sie, ihre Stimme kaum hörbar über dem ohrenbetäubenden Pochen ihres Herzens. „Du verdienst … etwas Besseres …“ Ein schwaches Lächeln voller Verzweiflung und Qual rang sich ihren Lippen ab, während Tränen über ihre hohlen Wangen liefen.
Mit einem scharfen Grinsen drehte sie das Messer plötzlich auf sich selbst und schnitt sich mit einer schnellen, entschlossenen Bewegung die Kehle durch.
Isola verzog unwillkürlich das Gesicht, als die Blutstropfen auf das Gesicht des Jungen fielen.
Der scharfe Atemzug, der den Lippen der Frau entwich, schien alle Geräusche aus dem Raum zu saugen und hinterließ eine erstickende Stille.
Sie sank zu Boden, ihr Leben entwich langsam, und ihre Augen starrten leer auf ihren Sohn.
„MAMA!!!!“
Isola spürte die herzzerreißende Trauer des Jungen, als er die Leiche seiner Mutter umarmte und aus voller Kehle schrie.
Sie konnte deutlich sehen, dass ein Dämon versuchte, die Seele der Mutter zu holen.
Aber irgendwie gelang es der Mutter für einen kurzen Moment, die Kontrolle über sich selbst zurückzugewinnen und sich selbst zu töten, um zu verhindern, dass sie ihrem eigenen Sohn etwas antat.
Der Schrei des Jungen hallte in ihrem Kopf wider und ließ sie angesichts des Ausmaßes der Qualen, die er erlitten hatte, erschüttert zurück.
Gerade als die herzzerreißende Erinnerung zu verblassen begann, wurde sie von einer weiteren Welle von Bildern überrollt, ähnlich wie eine Flutwelle, die Fußspuren im Sand wegspült.
Isolas Augen weiteten sich, ihr Herz pochte in ihrer Brust, als sie in die Tiefe einer weiteren Erinnerung eintauchte.
Diesmal war es kein bescheidenes Haus, das Gestalt annahm, sondern ein chaotisches Schlachtfeld, der Boden verkohlt und vernarbt, die Luft dick von Rauch und Blutgeruch.
Inmitten des Chaos stand eine einsame Gestalt, ein Mann von imposanter Statur, blutüberströmt und zerschlagen, seine Aura flackerte wie eine Flamme, die kurz vor dem Erlöschen stand.
Um ihn herum standen Gestalten, die mächtige Auren ausstrahlten, jede einzelne ein Leuchtfeuer tödlicher Absichten. Ihre Blicke waren auf den Verletzten gerichtet, ihre Gesichtsausdrücke eine Mischung aus Ehrfurcht und gnadenloser Entschlossenheit. Doch keiner von ihnen konnte sich mit der starken Präsenz des Mannes in der Mitte messen, selbst in seinem schwer verwundeten Zustand.
Sein Gesicht war ein Sturm der Gefühle; Schock, Verwirrung, Traurigkeit und Wut verzerrten seine Gesichtszüge zu einem Ausdruck puren Seelenschmerzes, als alle, denen er vertraut hatte und die er geliebt hatte, sich plötzlich gegen ihn wandten.
Als Isola das sah, verspürte sie ein seltsames Gefühl der Empathie. Sie konnte den Schmerz des Mannes fast spüren, als wäre es ihr eigener, und wusste nicht, warum ihn das so berührte.
Plötzlich begann die Erinnerung sich zu bewegen. Sie entfaltete sich wie ein tragisches Theaterstück, die Schauspieler in ihren Rollen, der Höhepunkt näherte sich mit unaufhaltsamer Kraft. Der verletzte Mann stand seinen Mann, kämpfte und tötete die Jäger einen nach dem anderen.
Aber mit jeder Sekunde, die verging, schwand seine Kraft, seine Verletzungen hielten ihn zurück, und seine Aura flackerte gefährlich, bis er zu Boden fiel.
Doch mit jeder Sekunde, die er kämpfte, spürte sie, dass es mehr als seine Verletzungen waren, die ihn zurückhielten, sondern vielmehr sein gebrochenes Herz.
Die Szenen des Kampfes und des Verlusts verblassten und wurden durch einen Zeit- und Ortswechsel ersetzt, der Isola wie ein physischer Schlag traf. Der beißende metallische Geruch von Blut wurde nun durch einen sterilen, klinischen Geruch ersetzt, der in diesem grausamen Kontext völlig fehl am Platz war.
Die Vision versetzte sie in einen kahlen Raum, kalt und emotionslos, nur mit einem einzigen Bett in der Mitte.
Darauf lag eine Gestalt, ein kleiner Junge, der leblos an die Decke des kalten Raumes starrte.
Der Junge war kein Mensch, und die Umgebung strahlte eine königliche Eleganz aus, die unheimlich an das Zimmer von jemandem erinnerte, den sie kannte. So viel war klar.
Manchmal war der Raum voller Gestalten, von denen einige fein gekleidet und würdevoll waren, die Elite der Gesellschaft. Die meisten von ihnen erkannte sie sogar.
Doch ihre Handlungen und ihr Gesichtsausdruck waren alles andere als edel. Grausame Lächeln spielten um ihre Lippen, während sie den Jungen beobachteten, sadistische Freude war in ihren Augen zu sehen. Sie genossen seinen Schmerz, die stillen Schreie, die aus seiner Seele hallten, aber niemals seine Lippen verließen.
Harte Worte wurden auf den Jungen geworfen, Flüstern von Folter und Schmerz, jedes einzelne wie ein eisiger Dolchstoß in sein Herz.
Doch der Junge blieb still, seine Augen ohne jeden Protest, ohne jede Bitte um Gnade. Die Hilflosigkeit seiner Lage schien in jede Zelle seines Wesens eingegraben zu sein, in der dumpfen Resignation seiner Augen.
Jahrelang dauerte diese Folter an, sogar die Diener behandelten den Jungen wie Dreck.
Die Erinnerung zog sich hin, eine endlose Schleife aus Qual und Sadismus, Schmerz und stillem Leiden. Jeder Tag, der verging, prägte sich in die Augen des Jungen ein, jedes quälende Wort wurde Teil seines Wesens.
Isolas Herz zog sich zusammen, als sie zusah, und ohne es zu merken, umklammerte sie Asher fester am Handgelenk. Ein roher, herzzerreißender Schmerz erfüllte ihre Brust, ihr Atem stockte, als sich die quälenden Bilder vor ihr wiederholten, wie sie es seit Jahren kannte.
„Haa! …“ Überwältigt von der Wucht dieser Erinnerungen, schnappte Isola nach Luft, als die Realität der Visionen endlich zu ihr durchdrang.
Sie taumelte zurück, ihre Beine gaben unter der Last dessen, was sie gesehen hatte, nach. Sie fiel auf Callisas harte Schale, ihr Körper zitterte von den Nachbeben der emotionalen Turbulenzen, die sie gerade durchlebt hatte.
Noch vor wenigen Augenblicken hatte Asher in Gedanken versunken auf den Horizont geblickt und darauf gewartet, dass Isola die Übertragung der Lebenskristalle beendete.
Doch eine plötzliche Gewichtsverlagerung riss Asher aus seinen Gedanken, und er wirbelte herum, um zu sehen, wie Isola auf Callisas Panzer lag, ihre dämmerungsblaue Haut blasser als je zuvor.
Ihre Augen waren weit aufgerissen und starrten in eine unsichtbare Ferne, als würde sie von einem schrecklichen Gespenst heimgesucht. Ihr Atem ging stoßweise, und ihr ganzer Körper schien zu zittern.
Er runzelte die Stirn, verwirrt von dieser plötzlichen Schwäche. Er hatte Isola noch nie so offen zeigen sehen, und ihr sonst so ruhiges und gefasst Gesicht zeigte jetzt einen Ausdruck von Schock und Ungläubigkeit.
„Was ist los mit dir? Du hast doch gerade erst angefangen“, fragte er, seine Stimme so kalt und emotionslos wie der Wind, der über das Meer wehte.
Isola wandte ihren Blick langsam zu Asher. Ihre Augen waren weit aufgerissen und zitterten, als sie einen Namen über die Lippen brachte: „Cedric …“ Es war kaum mehr als ein Flüstern, doch es hallte in der Stille wie ein Donnerschlag in Asher nach.