Saeldir und Vael wussten, dass sie keine Zeit verlieren durften. Jede Sekunde, die sie untätig herumstanden, brachte sie näher an die Katastrophe.
Mit Saeldirs Unsichtbarkeitszauber, der sie immer noch verbarg, bewegten sie sich schnell. Ohne zu zögern sprangen sie von der oberen Brüstung und ließen sich fast geräuschlos auf den kalten Metallboden darunter fallen.
Die riesige Kammer war voller bedrohlicher Gestalten mit metallischen Körpern, die regungslos dastanden, aber das unheimliche Gefühl vermittelten, dass sie jeden Moment aktiviert werden konnten.
Ihre hohlen Augen, die noch nicht beleuchtet waren, waren nach vorne gerichtet, und sie standen in perfekter Formation in Reihen. Sie warteten nur auf den Befehl, die Zerstörung über die Elfen zu bringen.
Sobald sie gelandet waren, schloss Saeldir wieder die Augen und weitete seinen magischen Sinn. Die Empfindung breitete sich aus, sein Bewusstsein schlängelte sich durch das dichte Netz aus Energiefäden, die durch die Maschinen und die sie umgebenden Wände pulsierten.
Er konnte die künstlichen Kerne spüren, die in jedem Konstrukt eingebettet waren und vor Kraft summten, die noch in ihrem Ruhezustand schlummerte. Aber noch wichtiger war, dass er nach etwas Größerem suchte, nämlich der wahren Quelle dieser ganzen Operation.
Sein Geist drang durch die Störschichten, filterte in Sekundenschnelle die verschiedenen Energiesignaturen und fand schließlich, wonach er suchte.
Er fand einen massiven Energieschub tief im Inneren der Kammer.
Er pulsierte wie ein Herz. Es war ein instabiler, aber unglaublich mächtiger Kern. Wahrscheinlich die zentrale Steuereinheit der gesamten Armee.
„Das ist es …“, flüsterte er und öffnete die Augen. „Die Quelle ist tiefer vergraben, hinter diesen Maschinen.“
Vael blieb neben ihm in der Hocke, seine scharfen Augen suchten die Umgebung ab, seinen Bogen fest in den Händen. Er konnte das Gewicht von etwas Großem und Gefährlichem spüren, das wie eine stille Bedrohung auf sie drückte. Aber er konnte nicht genau sagen, wo es sich befand.
„Dann lass es uns schnell zerstören“, sagte Vael mit leiser Stimme. „Bevor eines dieser verdammten Dinger aufwacht. Oder jemand auftaucht.“
Saeldir nickte.
Die beiden bewegten sich mit geübter Präzision zwischen den unbeweglichen Konstruktionen hindurch. Ihre Bewegungen blieben schnell und lautlos, um unnötige Störungen zu vermeiden.
Als sie sich dem hinteren Teil der Kammer näherten, veränderte sich die Luft um sie herum. Die Atmosphäre hatte jetzt etwas Unnatürliches, einen fast erstickenden Druck.
Saeldir spürte, wie die Dichte der Magie und Energie zunahm, je näher sie ihrem Ziel kamen.
Dann, am anderen Ende des Raumes, sahen sie es.
Vor ihnen stand eine massive Hülle, dick verstärkt mit mehreren Platten und leuchtend von Adern instabiler Energie.
Im Inneren schwebte in einer durchsichtigen zylindrischen Kammer eine wirbelnde Masse aus magischer Energie. Saeldir war sich sicher, dass es sich um einen künstlichen Energiekern handelte. Aber es war anders als alles, was er bisher gesehen hatte.
Es war eine Kombination aus der Magie, die er kannte. Sie fühlte sich roh und chaotisch an und schien kaum von dem Feld, das sie an Ort und Stelle hielt, zurückgehalten zu werden.
Aber eines war klar: Dies war das wahre Herzstück von Lastons Armee. Die Energiequelle, die jedes einzelne Konstrukt in diesem Raum verband und kontrollierte. Zumindest bevor sie eingesetzt wurden.
Vael umklammerte seinen Bogen fester. „Dieses Ding strahlt zu viel Energie aus. Wenn wir es zerstören, könnte das eine massive Reaktion auslösen. Bist du dir sicher?“
Saeldir kniff die Augen zusammen und überlegte schon, was sie als Nächstes tun sollten. „Wir haben keine Wahl. Wenn wir das hier intakt lassen, werden diese Maschinen gegen unser Volk marschieren. Wir beenden das jetzt.“
Vael atmete tief aus und nickte dann. „Dann los.“
Doch gerade als Saeldir seine Hände hob, um seine Magie auf den Kern zu lenken, ließ eine plötzliche Veränderung in der Luft beide erstarren.
Ein leises mechanisches Summen vibrierte durch die Kammer.
Die purpurroten Lichter, die die Konstruktionen säumten, flackerten. Dann gingen sie nacheinander an.
Eine verzerrt und künstlich klingende Stimme hallte von den Wänden wider.
„Unbefugte Anwesenheit erkannt.“
Saeldir und Vael warfen sich einen scharfen Blick zu.
Die Maschinen erwachten. Und ihnen war die Zeit ausgegangen.
„Verdammt sei dieses Metall!“, fluchte Saeldir.
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Aerchons Schwert traf zum hundertsten Mal auf Lastons kybernetischen Arm, und die Wucht des Schlags ließ Funken sprühen.
Ihr Kampf war heftig, keiner von beiden gönnte dem anderen auch nur einen Moment zum Verschnaufen.
Jeder Schlag sandte Energiewellen durch den Raum, zerschmetterte Trümmer und hinterließ tiefe Spuren an den metallenen Wänden.
Doch dann, mitten in diesem brutalen Kampf, trat Laston plötzlich zurück. Sein rot glühendes kybernetisches Auge flackerte bedrohlich, während sich ein Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitete.
„Weißt du, warum ich keine Verstärkung gerufen habe, um dich aufzuhalten?“, fragte Laston. „Weil ich weiß, dass du diesen Turm heute Nacht nicht lebend verlassen wirst. Und ich wollte nur noch ein bisschen mit dir spielen, bevor es vorbei ist.“
Aerchon kniff die Augen zusammen und umklammerte sein Schwert fester. Sein Instinkt sagte ihm, dass etwas nicht stimmte.
Und dann sprach Laston die Worte, die ihm einen Schauer über den Rücken jagten.
„Meine Vorbereitungen sind abgeschlossen, Aerchon.“ Der Cybermagier breitete die Arme aus, die Schaltkreise an seinem Körper pulsierten vor Kraft. „Meine Armee marschiert heute Nacht in euer Königreich!“
Für den Bruchteil einer Sekunde schwankte Aerchons Konzentration. Seine Haltung geriet ins Wanken.
„Was meinst du damit?“, fragte er mit zusammengebissenen Zähnen. Sein Herz pochte in seiner Brust.
Lastons Grinsen wurde breiter. „Du und deine Verbündeten dachten, ihr könntet mich hier aufhalten, nicht wahr? Ihr glaubt, dass die Zerstörung des Skyreach Tower meine Pläne zunichte machen würde?“ Er lachte leise. „Ihr irrt euch. Und ihr kommt zu spät.“
Aerchons Augen weiteten sich.
Auf der anderen Seite des Raumes erstarrten Sylra und Arlyn, die alles beobachtet hatten. Die Worte drangen tief in ihr Bewusstsein.
Sylra drehte sich mit angespanntem Gesichtsausdruck zu Arlyn um.
„Das ist schlecht“, flüsterte sie.
Arlyn biss die Zähne zusammen. „Dann müssen wir das jetzt beenden“, sagte er mit dringlicher Stimme.
Aerchon atmete tief aus und zwang sich, die Fassung wiederzugewinnen. Er konnte sich jetzt kein Zögern leisten. Wenn Laston die Wahrheit sagte, dann war jeder Moment, den sie hier mit Kämpfen verbrachten, ein verlorener Moment für ihr Königreich.
Doch bevor er etwas unternehmen konnte, bebte der Raum.
Ein tiefes mechanisches Summen durchdrang den Turm und ließ den Boden unter ihnen beben. Warnleuchten blinkten rot und auf den Bildschirmen um sie herum flackerten unlesbare Symbole.
Eine verzerrte, künstliche Stimme ertönte aus den Lautsprechern.
„Unbefugte Person entdeckt.“
Aerchons Blick schoss zu den Monitoren. Ein Live-Bild erschien. Es zeigte eine riesige unterirdische Kammer tief unter dem Turm.
Und dort, inmitten einer Armee kybernetischer Konstrukte, standen Saeldir und Vael.
Aerchons Magen zog sich zusammen. „Verdammt!“
Laston folgte seinem Blick und stieß einen amüsierten Laut aus.
„Oh? Haben deine Verbündeten endlich meine kleine Überraschung entdeckt? Dann ist das wohl ihr Ende. Ist das Saeldir?“
Aerchon wartete kein Wort länger. Mit einer schnellen Bewegung hob er sein Schwert, seine Magie strömte hervor, als er sich mit neuer Entschlossenheit auf Laston stürzte.
Wenn sie jetzt nichts unternahmen, waren ihr Königreich und sie selbst dem Untergang geweiht.
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