Switch Mode

Kapitel 382: Alice Holloway~4

Kapitel 382: Alice Holloway~4

Als sie sich zum ersten Mal begegneten, wurde Mirana von einem Strudel der Gefühle erfasst.

Überraschung. Glück. Traurigkeit. Bedauern. Akzeptanz. Wut.

Und unzählige andere Gefühle, die sie längst begraben hatte, regten sich in ihr und erschütterten die Grundfesten ihres einst so kalten Herzens.

Zu denken, dass ihr Todfeind – ihr schicksalhafte Gegnerin – nur ein Kind war.
Ein Kind, das mit einem so grausamen, unerbittlichen Schicksal belastet war, dass sich der Kreislauf immer wiederholte, ohne sich jemals zu ändern.

Sie verfluchte die Wurzeln des Schicksals, die ein so gnadenloses Schicksal gewoben hatten.

Die Last, die Nachfolgerin der gebrochenen Weißen Königin zu sein, hätte allein ihr zustehen müssen.

Es war eine Last, die sie selbst auf sich genommen hatte, eine Verantwortung, die sie längst als ihre eigene akzeptiert hatte.

Doch die grausamen Architekten des Schicksals hatten andere Pläne.
Sie hatten diese unmögliche Last auf die Schultern eines Kindes gelegt – eines leichtgläubigen, unschuldigen und liebenswerten Kindes.

Ein Kind, das niemals eine solche Rolle hätte übernehmen dürfen.

Ein Kind, das niemals zu diesem Schicksal hätte gezwungen werden dürfen.

Und doch –

war es so.

„Eure Majestät, schaut! Da ist ein sprechendes Kaninchen!“

„Fufu … ja, es ist ein sprechendes Kaninchen …“
„Ah! Da drüben – schau mal, die Eier bewegen sich! Nein, warte – warum singt dieser Vogel wie ein Mensch? Ah – Herr Hutmacher, willkommen!“

Lange vergrabene Erinnerungen kamen in ihr hoch.

Eine Zeit, in der noch Wärme, Lachen und Unschuld existierten.

Eine Zeit, in der das Kind, das sie einst so sehr geliebt hatte, noch lächelte, ohne die Last der Welt auf ihren Schultern zu tragen.

Aber diese Wärme war längst verschwunden.
Diese Tage waren zu Nichts verwelkt.

Und an ihrer Stelle blieb eine kalte, unversöhnliche Realität zurück.

Sie war nicht mehr nur Mirana.

Sie war ein Wesen, das die Aufgabe hatte, eine neue Welt zu erschaffen – ein weißes Paradies, das alles reinwaschen würde.

Um das zu erreichen, hatte sie ihre Menschlichkeit aufgegeben.

Weil es notwendig war.

Weil sie keine andere Wahl hatte.

Ihre Todfeindin töten.
Die Rote Königin töten.

Das unschuldige Kind töten.

Ihre Tochter töten.

Ihre Alice töten.

Es war eine Realität, die sie akzeptieren musste.

Eine Wahrheit, die in ihr Wesen eingraviert war – eine, die sie erfüllen musste.

Aus Rache.

Für diejenigen, die sie verraten hatten.

Um die Katastrophe wiederherzustellen, die ihr an diesem schicksalhaften Tag aufgezwungen worden war.

Um das zu reparieren, was verloren gegangen war.
Ja – viele würden sterben.

Unschuldige.

Fremde.

Ganze Welten.

Alles würde zusammenbrechen.

Aber in dieser Zerstörung würde eine neue Welt entstehen.

Eine Welt, in der die Fehler der Vergangenheit ausgelöscht würden.

In der alles rein wäre.

Perfekt.

„Um der Welt willen … ja … um ihrer willen …“
„Du musst sterben … meine liebe Tochter.“

Während sich ihre weißen Pupillen in ihrer strahlenden Gestalt weiteten, lächelte die Weiße Königin.

Es war kein Lächeln der Liebe.

Auch kein Lächeln der Trauer.

Sondern eines des Entsetzens.

Denn in diesem Moment spürte sie es.

Das letzte bisschen Gefühl, das sie für ihre Tochter empfunden hatte …

Verschwand.

„Ah …“

Ein seltsames Gefühl überkam sie.
Befreiung.

Es war ein Gefühl der Freiheit.

Die letzten Fesseln ihrer Menschlichkeit zerbrachen und lösten sich in Nichts auf.

Reine weiße Energie strömte durch die Luft und breitete sich bis in die Struktur der Realität selbst aus.

Und dann –

lachte sie.

„HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA!“

Ein Lachen, das sich über alle Welten ausbreitete.
Ein Lachen, das den Himmel erschütterte.

Ein Lachen, das Dimensionen durchdrang.

Das Lachen einer verlorenen Frau.

Ein Lachen voller Freude.

Voller Schmerz.

Voller Wahnsinn.

Als sich die Macht der Weißen Königin zu etwas zusammenballte, das jenseits des menschlichen Verständnisses lag, wanderte ihr Blick langsam nach vorne.

Dort –

stand eine blutüberströmte, verletzte Gestalt.

Ein Mädchen mit roten Augen wie brennende Glut.

Ein Mädchen, dessen Körper schon am Ende war, das schon zum Sterben verdammt war.

Und trotzdem stand sie noch da.

Die Weiße Königin lächelte.

Ihr perfektes weißes Paradies würde bald beginnen.

Ein Gefühl der Neugierde stieg in der Weißen Königin auf.

Trotz der Hände des Todes, die über ihr schwebten, trotz der offensichtlichen Unausweichlichkeit ihres Untergangs – Alice wankte nicht.
Ihre Entschlossenheit brannte, unnachgiebig, selbst angesichts des sicheren Untergangs.

Die Weiße Königin hob ihre Hand.

Mit einer einzigen Bewegung –

prallten Rot und Weiß aufeinander.

Energie schoss hervor und kollidierte in einer Explosion purer Willenskraft.

Die Welt bebte.

Die Realität selbst verdrehte sich auf unnatürliche Weise, nicht durch das Schicksal, nicht durch die Zeit –

sondern durch sie.
-Zerstörung.

-Neuschöpfung.

Die Welt um sie herum war in einem endlosen Kreislauf gefangen – sterben, wiederbeleben, sterben, wiederbeleben.

Ein Kampf, so gewaltig, so unvorstellbar, dass selbst die Zeit selbst weder seinen Anfang noch sein Ende begreifen konnte.

Ihr Kampf hatte gerade erst begonnen.

Und doch –

Das Ende der Welt war bereits nahe.

Sie erinnerte sich.

An all die Male.
„Eure Majestät … darf ich hier schlafen?“

„Hm? Ist das Bett, das für dich vorbereitet wurde, unbequem?“

„Mmhm … ich wollte nur … mit dir schlafen … ähm … darf ich …“

„Komm her.“

„Hehe …“

Die Wärme dieser Momente.

Das Lachen.

Die Zärtlichkeit.

Das Gefühl von Zuhause.

Vergangenheit und Gegenwart prallten in ihr aufeinander.
Ein verworrener Widerspruch von Emotionen – Glück, Trauer, Wut, Verrat.

Ein Sturm in ihrem blutroten Herzen.

Alice biss die Zähne zusammen, als die Last des Schmerzes auf ihr lastete.

Der Druck der Schlacht.

Die unerträgliche Last von allem, was ihr genommen worden war.

Ihre Kraft traf auf die der Weißen Königin.

Eine Kollision von Gegensätzen.
Eine Welt, die im Chaos wiedergeboren wurde, neu geformt durch ihre aufeinanderprallenden Existenzen.

Und doch, inmitten all dessen – Klarheit.

Ihre Augen wurden scharf.

Ihr Geist wurde klar.

Sie wusste es.

Sie wusste genau, wer die Weiße Königin war.

Das Wesen, das ihre geliebten Freunde getötet hatte.

Das Wesen, das ihr ihre Kindheit geraubt hatte.

Das Wesen, das sie völlig verraten hatte.

Alles begann an diesem schicksalhaften Tag.
An dem Tag, an dem die Macht der Weißen Königin erwacht war.

An dem Tag, an dem sie alles ausgelöscht hatte, was Alice einst ihre Familie genannt hatte.

An dem Tag, an dem ihre wahre Familie gestorben war.

Sie hätte wütend sein müssen über all das, sie hätte das weiße Wesen aus tiefstem Herzen hassen müssen, doch … Alice konnte nicht anders, als Reue zu empfinden …

„Es tut mir leid, Mutter …“

Zum ersten Mal nannte sie sie so.

Ein Wort, das die ganze Last der Liebe in sich trug.
Ein Wort, das einst Wärme ausstrahlte.

Ein Wort, das sich jetzt wie eine offene Wunde anfühlte.

Mutter.

„Wenn ich nicht gezögert hätte … wäre es nicht so gekommen.“

Die Reue zerfraß ihr Herz.

Die Vergangenheit, die sie zu verachten gelernt hatte – eine Vergangenheit, in der sie versagt hatte, eine Vergangenheit, in der sie die Dinge zu diesem Albtraum hatte eskalieren lassen.

Vielleicht, wenn sie stärker gewesen wäre.
Vielleicht, wenn sie schneller gehandelt hätte.

Vielleicht, wenn sie an diesem Tag die richtige Entscheidung getroffen hätte.

Aber Bedauern würde jetzt nichts mehr ändern.

Es war zu spät, um die Vergangenheit neu zu schreiben.

Aber nicht zu spät, um die Zukunft zu retten.

Ein leises, fast bittersüßes Lachen kam über ihre Lippen.

„Ich weiß, ich bin ein bisschen spät dran, aber … ich werde dafür sorgen, dass alles wieder in Ordnung kommt, okay? Hehe~“
Ihre Energie entflammte.

Alice wusste, dass sie sterben würde.

Der Schmerz, den sie empfand, war anders als alles, was sie bisher gekannt hatte.

Ihr Körper schrie.

Ihre Seele zerbrach.

Doch trotz allem – trotz der unerträglichen Qualen –

Sie unterdrückte es.

Sie vergrub es tief in ihrem Inneren.

Sie konnte sich davon nicht aufhalten lassen.

Nicht jetzt.

Nicht, wenn alles davon abhing.

Alice holte tief Luft.

„Weißt du … ich habe ihn tatsächlich getroffen“, flüsterte sie mit leiser, fast wehmütiger Stimme.
„Der, von dem du mir gesagt hast, ich könne ihm vertrauen. Rot und weiß, oder? Hehe … Damals habe ich nicht verstanden, was du gemeint hast, aber jetzt verstehe ich es …“

Ihre Gedanken schweiften ab, Erinnerungen blitzten durch das Chaos.
„Seit ich ihn getroffen habe … fühlt sich alles leichter an.“

Eine Wärme breitete sich in ihrer Brust aus, etwas Fremdes und doch Vertrautes.

„Zuerst war ich skeptisch, weißt du? Ich habe nicht verstanden, wie eine einzige Begegnung alles verändern kann.“

Ihre Lippen verzogen sich zu einem kleinen, ehrlichen Lächeln.

„Aber nachdem ich mehr Zeit mit ihm verbracht habe … habe ich es verstanden.“

Ihr Herz schmerzte – nicht vor Schmerz, sondern vor etwas Tieferem.
„Es gab nie wirklich einen Grund für alles … einfach alles laufen zu lassen, einfach ich selbst zu sein … es war das schönste Gefühl, das ich je hatte.“

Sie schloss für einen Moment die Augen.

Und als sie sie wieder öffnete, war ihr Geist klar.

Ihre Entschlossenheit – unerschütterlich.

Alice lächelte.

Sie erinnerte sich an das Gesicht eines bestimmten Junior aus ihrer Klasse.
„Obwohl ich älter bin als er, bin ich meistens diejenige, die sich vor ihm schämt und von ihm auf den Arm genommen wird. Aber natürlich bekomme ich auch meine Chancen …“

Alice kicherte leise, während die Kraft zwischen ihnen wuchs und weiße und rote Energie in einem endlosen Sturm aufeinanderprallten.

„Na ja, zumindest manchmal … Du hättest sein Gesicht sehen sollen, als ich ihn geküsst habe. Hehe ~ Das werde ich nie vergessen.“
Selbst mitten im Kampf ließ diese Erinnerung ihr Herz höher schlagen.

„Er ist ein bisschen albern, ein bisschen geheimnisvoll und ein sehr, sehr egoistischer Junior von mir~ Obwohl das Schicksal der Welt uns eindeutig sagt, dass wir füreinander bestimmt sind, obwohl sein Herz schon seit dem Moment unserer Begegnung für mich schlägt …“

Ihr Lächeln schwankte leicht, aber die Belustigung verschwand nie aus ihrer Stimme.
„Er hatte die Frechheit, vor mir mit zwei anderen Frauen auszugehen. Kannst du das glauben?“

Ein scharfes Lachen kam über ihre Lippen, ihr Körper drehte sich in der Luft, als ihre Klinge auf die überwältigende Kraft der Weißen Königin traf.

„Aber trotzdem … trotz alledem – kannst du das glauben? Ich finde das eigentlich süß.“

Sie seufzte und schüttelte den Kopf über ihre eigene Dummheit.
„Man sagt, Liebe macht blind, und jetzt? Jetzt verstehe ich endlich, woher dieses Sprichwort kommt …“

Ihr Blick wurde weich, als sie sich an ihn erinnerte – denjenigen, der alles für sie verändert hatte.

„Ach, wenn du dich fragst, wie er aussieht – er ist wirklich gutaussehend. Und sein Körper …“

Sie zögerte einen Moment, und trotz der Situation stieg ihr eine leichte Röte ins Gesicht.
„I-sein Körper ist wirklich durchtrainiert und hart … und dick …“

Sie hustete und schüttelte die peinlichen Gedanken ab, bevor sie völlig den Faden verlor.

„Obwohl er seine Gefühle selten nach außen zeigt, war es wirklich beeindruckend, die tiefe Zuneigung zu sehen, die er in sich trägt … weißt du?“

Ihre Stimme klang wehmütig, und sie umklammerte ihre Waffe fester, als sie einem weiteren vernichtenden Schlag auswich.
„Hehe, selbst wenn ich nur an die Momente zurückdenke, die wir zusammen verbracht haben, fühlt es sich manchmal erdrückend an – aber auf eine gute Art, wenn du verstehst, was ich meine.“

Und während sie weiterhin ihr Herz in ihre Worte legte –

wurde ihr Kampf noch heftiger.

„Ah, hast du Cheshire schon getroffen? Er ist bestimmt noch nerviger geworden, oder? Du hast ihn wahrscheinlich schon bestraft … nun ja, er hat es irgendwie verdient.“
Alice lachte leise, obwohl es ihr nicht wirklich lustig war.

„Na los, quäl ihn ruhig weiter, wenn du willst. Wie kann er es wagen, mich in einer solchen Krise im Stich zu lassen, oder?“

Aber selbst als sie scherzte, wusste sie tief in ihrem Inneren, dass das Wesen, das sie einst als ihre Mutter angesehen hatte, nicht mehr in dem Monster vor ihr steckte.
Diese Erkenntnis traf sie tiefer als jede körperliche Wunde.

Ihr Herz schmerzte, und dieser Schmerz war viel schlimmer als die brennende Qual, die ihren Körper durchzog. Doch trotz allem ging sie weiter vorwärts und stellte sich allem mit einem Lächeln.

Sie war sich bewusst, dass das Schlimmste für Cheshire wahrscheinlich schon passiert war.

Und ohne ihn, der ihr diesmal den Weg wies, fühlte sich alles hoffnungslos an.

Zum ersten Mal vermisste sie seine sarkastische, skurrile Stimme.
„… Bald werde ich an dem Ort sein, an den du Cheshire gebracht hast …“

Ihre Stimme war leise, fast flüsternd.

„Deshalb, um dieses Wiedersehen so großartig wie möglich zu machen …“

Sie hob den Kopf, ihre Augen glänzten vor entschlossener Entschlossenheit.

„Ich werde dafür sorgen, dass du auch zu uns kommst, Mutter. Hehe~“

Ihre Seele zerbrach.
Aber Alice hörte nicht auf.

Sie nutzte die Kraft tief in ihrem Inneren, und die Flammen in ihr entflammten zu etwas Größerem.

Ihre Gestalt veränderte sich, ihre einst vertraute Silhouette war nun in ein überwältigendes purpurrotes Licht gehüllt.

Ihr flammend rotes Haar tanzte wild im Wind der Zerstörung, ihre purpurroten Augen waren auf den blassen, kalten Blick der Weißen Königin gerichtet.

Die Welt bebte, als ihr Körper verbrannte, verzehrt von der intensiven Energie, die sie in sich trug.
Und dann –

Eine Krone.

Eine tiefblutrote Krone formte sich über ihrem Kopf und senkte sich auf sie herab, als hätte sie schon immer dort hingehört.

Die Realität selbst wellte sich und beugte sich ihrem Willen.

[Rote Königin]

Alice Holloway.

„Ich liebe dich, Riley.“

Die Worte verließen ihre Lippen wie ein flüchtiges Flüstern und wurden vom purpurroten Wind davongetragen.
Sie nahm Abschied … und hob den Blick zum blassen, endlosen weißen Himmel.

Bald …

würde alles vorbei sein.

Als sie sich auf den Boden stürzte, spürte sie den Aufprall kaum.

Die Welt um sie herum verschwamm, doch der Himmel über ihr blieb schmerzhaft klar.

Millionen weißer Speere – so zahlreich, dass sie endlos schienen – bildeten sich über dem Himmel und tauchten das Schlachtfeld in ein überirdisches Leuchten.

Wie ein Omen des Todes schwebten sie in der Luft, bereit, herabzustürzen und alles zu durchbohren.

Es war, als würde der Himmel selbst Metall und Zerstörung auf die Welt regnen lassen.

Ah…

Ein schwacher Gedanke flackerte in ihrem Kopf, während ihr Bewusstsein darum kämpfte, nicht zu verschwinden.

Sie hatte versagt.

Ein bitteres Lachen drohte ihr über die Lippen zu kommen, aber selbst das war jetzt unmöglich.

Wie zerbrechliches Glas, das zerspringt, spürte sie, wie etwas tief in ihr zerbrach.

Trotzdem fühlte sie keinen Schmerz.
Nur eine betäubende Leere.

Ein fernes Teil von ihr fragte sich: Fühlt sich so der Tod an?

Dieses kalte, aber seltsam beruhigende Gefühl, dass einem alles genommen wird?

Allein dieser Gedanke ließ einen Schauer durch ihren gebrochenen Körper laufen.

Tränen rannen aus ihren blutunterlaufenen Augen und liefen wie stille Geständnisse über ihr Gesicht.
Ihr Körper zitterte, ihr Atem ging stoßweise und flach, und mit jedem schwachen Ausatmen färbte Blut ihre Lippen rot.

Sie hatte sich damit abgefunden.

Sie hatte ihren Tod akzeptiert.

Sie hatte alles akzeptiert – den Schmerz, das Leiden, den Verlust.

Und doch –

hatte sie Angst.

Eine tiefe, urzeitliche Angst krallte sich in ihre Brust und schnürte ihr Herz zusammen.

„… Ich will nicht sterben …“
Die Worte formten sich in ihrem Kopf, aber ihre Stimme versagte.

Selbst wenn sie jetzt schreien würde, selbst wenn sie um Hilfe rufen würde, wusste sie –

Niemand würde sie hören.

Ihre Sicht verschwamm, die letzten Strähnen ihres Bewusstseins hielten sich mühsam fest.

Und durch den dunklen Schleier hob sie den Blick –

und begegnete dem kalten, gefühllosen Starren der Weißen Königin.

Ein Wesen, das außerhalb ihrer Reichweite war.
Eine Macht, die sie nicht verstehen konnte.

Ein Monster, gehüllt in blasse, makellose Macht.

Alice‘ Lippen zitterten, ihr letzter Atemzug entwich ihr wie ein zerbrechliches Flüstern.

„… Es tut mir leid … alle …“

Ihre Augen schlossen sich langsam, ihr Körper gab sich der Dunkelheit hin.

Und als ihre letzten Kräfte schwanden –

erschütterte der Himmel.
Die Luft war erfüllt vom scharfen, durchdringenden Geräusch fallender Speere.

Die Welt stand kurz davor, von Weiß verschluckt zu werden –

Doch dann –

BOOOOOOM!!!!

Der ohrenbetäubende Knall eines Aufpralls erschütterte das Schlachtfeld wie ein Blitz, der vom Himmel einschlug.

Die Wucht des Aufpralls sandte eine heftige Schockwelle durch die Luft, und für einen kurzen Moment war alles in goldenes Licht getaucht.
Alices verschwommene Sicht schwankte, ihr kaum noch bei Bewusstsein befindlicher Verstand versuchte verzweifelt zu begreifen, was gerade passiert war.

Doch als das blendende Licht langsam verblasste, tauchte eine vertraute Gestalt auf.

Er.

Er stand mit dem Rücken zu ihr, doch es gab keinen Zweifel, wer er war.

Egal, wie schwach sie sich fühlte, egal, wie nah sie dem Verlust von allem war, sie hätte ihn niemals verwechseln können.
Die weißen Speere, die einst alles zu vernichten drohten, zerbrachen.

Goldene Lichtstrahlen breiteten sich über den Himmel aus, und in einem Augenblick zerfielen die unzähligen Waffen der Zerstörung zu Staub.

Für einen kurzen, unwirklichen Moment sah es fast wie ein Feuerwerk aus – wunderschöne, flüchtige Überreste der Zerstörung, die über den Himmel verstreut waren.

Doch Alice nahm davon kaum Notiz.
Ihr Blick blieb auf den jungen Mann vor ihr gerichtet, als ob die Welt um sie herum keine Rolle mehr spielte.

Und dann – drehte er sich zu ihr um.

Seine durchdringenden blauen Augen trafen ihre, unerschütterlich, entschlossen.

Eine sanfte, vertraute Wärme breitete sich in ihrer Brust aus, als sie ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen sah.

Er kniete sich neben ihren zerbrechlichen Körper und legte seine Hand sanft auf ihren Kopf.
Eine wohltuende Wärme durchflutete ihren erschöpften Körper, goldenes Licht umhüllte sie wie eine Umarmung.

Ihr Schmerz ließ nach.

Ihr Zittern hörte auf.

Selbst als hinter ihm das Chaos der Schlacht tobte, selbst als der Feind nur wenige Schritte entfernt stand, konzentrierte er sich nur auf sie.

„Entschuldige, dass ich so spät bin, Senior …“

Seine Stimme war ruhig und warm – beruhigend, vertraut –
Und doch lag unter dieser Sanftheit etwas anderes.

Eine kalte, unerbittliche Wut.

Eine erschreckende Tötungsabsicht, die sie noch nie zuvor bei ihm gespürt hatte.

Es war furchterregend.

Aber für Alice –

war es das Beruhigendste auf der Welt.

Ihre Lippen öffneten sich, ihre Stimme war schwach –

„… Ril –“

Puck!

Ein scharfer, aber schmerzloser Schlag traf ihren Hals.
Ihre Sicht verschwamm, Dunkelheit kroch an den Rändern heran.

Das Letzte, was sie sah –

-FOOOOSHH!!!

– war sein goldenes Licht, das sich ausbreitete, alles verschlang und beschützte.

Es hüllte die ganze Welt ein.

Und dann –

wurde alles schwarz.

Wie man im Romantik-Fantasy-Spiel überlebt

Wie man im Romantik-Fantasy-Spiel überlebt

Bewertung: 10
Status: Ongoing Autor: Illustrator: Erscheinungsjahr: 2024 Originalsprache: German
Das Leben in dieser neuen Welt war schon schwer genug... Also warum? Warum ist die Bösewichtin dieser Welt so besessen von mir? "How to survive in the Romance Fantasy Game" ist ein beliebter Light Novel aus dem Genre Fantasy. Geschrieben von dem Autor MCPG. Lies "How to survive in the Romance Fantasy Game" kostenlos online.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Leseeinstellungen

funktioniert nicht im Dunkelmodus
Zurücksetzen