Kaaz schlug zuerst zu.
Nicht mit einer großen Geste, sondern mit einem direkten, flüssigen Schritt in Reichweite. Sein Schwertarm schoss blitzschnell nach vorne, die Klinge direkt auf Asmodeas Schlüsselbein gerichtet, als wolle er ihr den Atem rauben.
Sie drehte sich.
Sie wich nicht aus, sondern entfaltete sich.
Ihre Ranken lösten sich wie lebende Bänder von ihren Schultern und fingen seinen Hieb mit einer Explosion aus dornigen Blüten ab. Der Aufprall durchbrach den Frost, grün-rote Ranken wickelten sich um sein Handgelenk, bevor er wegdriften konnte und bereits seine Haltung neu fand.
Eine zweite Ranke folgte und stieß tief zu.
Er drehte sich, lenkte sie mit seinem Unterarm ab, durchtrennte sie mit einer schnellen Bewegung seiner Klinge nahe der Basis und stürmte erneut vorwärts – drei schnelle Hiebe in einem engen Bogen, die auf ihre Brust zielten.
„Schnelle Hände“, hauchte Asmodea, während ihr Körper zwischen ihnen schwankte wie eine Flamme im Wind.
Sie parierte nicht. Sie rückte näher.
Er biss die Zähne zusammen, als ihr Atem seine Haut berührte.
Ihre Handfläche landete sanft auf seiner Brust.
Kein Schlag.
Eine Einladung.
Im nächsten Moment stieß er sie mit einem Tritt in den Bauch von sich, seine Stiefel gruben sich in den Schnee, als er drei Meter zurück sprang.
Die Ranken explodierten an der Stelle, an der er gestanden hatte – sie brachen aus dem Boden hervor und bildeten ein zerklüftetes Geflecht aus scharlachroten Wurzeln. Eine Dornenranke riss ihm eine tiefe Wunde am Oberschenkel.
Das erste Blut.
Asmodea hob einen Finger, leckte langsam daran und ihre Augen glühten vor hungrigem Feuer.
„Mmm. Kaltblütig. Aber nicht kalt genug.“
Kaaz passte seinen Stand an. Die Wunde war auf seinem Gesicht kaum zu sehen.
„Unordentlich“, sagte er erneut.
Seine Klinge zuckte einmal, fast zu schnell, um es zu sehen.
„Deine Muster … alles Rhythmus. Kein Tempo. Keine Abwechslung.“
Sie lächelte und trat erneut vor.
„Ich brauche kein Tempo. Ich habe eine Melodie.“
Eine weitere Ranke spross unter ihrer Ferse. Sie wickelte sich um ihn und spannte sich an.
Er schüttelte das Blut von seinem Schwertarm. Ihre Blicke trafen sich, seine Stimme war leise.
„Du wirst feststellen, dass ‚Her Majesty’s Teeth‘ nicht singen.“
Sie blinzelte.
Dann grinste sie, boshaft und unbeeindruckt.
„Dann breche ich sie eben eins nach dem anderen.“
Diesmal bewegte sie sich mit der Ranke – und der Tanz ging weiter.
Scael griff nicht sofort an.
Er drehte seinen Körper einmal um sich selbst – eine volle Drehung. Seine Arme fächern sich mit langsamer, theatralischer Anmut auf. Die Platten seines Exoskeletts klapperten, als sie sich bewegten, und hinterließen einen leichten Frostnebel.
Sein Schwanz schlug in langsamen Spiralen hinter ihm her und zog winzige Muster in den Schnee.
Levia bewegte sich nicht.
Ihre Knie waren leicht gebeugt. Der Speer war nach vorne gerichtet. Ihre Augen waren auf seine Füße geheftet. Ihr massiver Schild ragte wie eine Festungsmauer neben ihr empor – still, unberührt. Sie hatte ihn noch nicht erhoben. Das hatte sie nicht nötig.
„Ist das dein Aufwärmprogramm?“, fragte sie mit leiser Stimme.
„Das hier“, sagte Scael und verbeugte sich leicht, „ist Choreografie.“
Dann schlug er zu.
Er rannte nicht. Er glitt vorwärts.
Der erste Hieb kam nicht von seinen Klauen, sondern von dem Stachel, der in einem verschwommenen kristallblauen Lichtbogen über seinen Kopf schoss. Er schlug mit erschreckender Wucht nach unten, direkt zwischen ihren Kragen und ihr Herz.
Levia blockte den Schlag ab.
Der Speerschaft traf auf den Stachel mit einem brutalen, hallenden Klirren. Beide Arme spannten sich gegen den Druck an. Ihre Stiefel versanken vor lauter Wucht einen Zentimeter tief im Schnee.
Als Nächstes kamen Scaels Zangen – weit geöffnet, mit feinen Kanten glänzend.
Sie drehte sich. Hielt ihren Speer seitlich. Fing die innere Kiefer, bevor sie sich schloss.
Eine Explosion eisiger Splitter schoss aus seinem Handgelenk, aus nächster Nähe.
Sie drehte ihr Gesicht gerade noch rechtzeitig zur Seite.
Die Seite ihrer Wange brannte – winzige Splitter hatten die Haut durchbohrt. Nichts Tiefes. Aber die Kälte zischte wie Gift in ihre Nerven.
Er wich einen Schritt zurück. Nicht weil er musste – sondern weil er wollte.
„Das ist also die Hündin des falschen Dämonenkönigs?“, fragte er grinsend. „Gut dressiert. Aber ich frage mich – kannst du auch ohne deine Leine kämpfen?“
Levia trat vor, den Schild immer noch an ihrer Seite.
„Du kannst mich verspotten“, sagte sie. „Aber du kämpfst nicht gegen mich. Du kämpfst gegen seinen Willen.“
Sie stieß zu.
Schnell. Präzise. Ein gerader, brutaler Stoß gegen seine ungeschützte Hüfte.
Er wich knapp aus. Die Spitze streifte die Schale.
Scael zischte.
„Dann lass uns mal sehen, wie die Disziplin deines falschen Königs schmeckt, wenn sie bricht.“
Lumina bewegte sich seitwärts – langsam, bedächtig, ihr Gewicht lag leicht auf dem Schnee, ihr Seidenkleid flatterte wie ein Flüstern um sie herum.
Ihre acht roten Augen schimmerten, in einem perfekten Bogen über ihrer Stirn angeordnet. Keines blinzelte. Keines verlor den Fokus.
Zwei Spinnenbeine ragten aus ihrem Rücken, bogen sich wie Speere über sie und zuckten im langsamen Rhythmus ihres Atems.
Yuzuha spiegelte sie auf der anderen Seite des Feldes.
Sie ging geräuschlos. Ihr kimonoähnlicher Umhang zog bei jeder Bewegung fadendünne Fäden hinter sich her. Ihre Fingernägel glänzten, jeder einzelne war mit Seide umwickelt, die so schwarz war, dass sie nichts reflektierte. Ihre Fäden schwebten wie Rauch im Wind.
Keine von beiden sagte etwas.
Zwischen ihnen schwebten Schneeflocken. Sie fielen nicht. Sie schmolzen nicht. Sie warteten nur.
Lumina schlug zuerst zu.
Nicht mit Seide – sondern mit Stille.
Ihr Fuß kratzte einmal über den Schnee, und eine hauchdünne Linie schoss nach vorne – eine verankerte Seidenlinie, die auf Yuzuhas Knie zielte. Subtil. Nicht tödlich. Ein Test.
Yuzuhas Körper drehte sich mit dem Wind.
Sie wich nicht aus. Sie lenkte um.
Der Faden flog hinter ihr vorbei und wickelte sich um einen gefrorenen Baumstumpf. Im selben Moment schnippte sie mit einem Finger – und fünf schwarze Fäden schossen wie ein Fächer nach außen.
Lumina beugte sich in einem unmöglichen Winkel nach hinten – ihr Rücken krümmte sich, ihre Beine schwangen herum. Ein Faden streifte ihre Wange.
Blut zischte in die Luft.
Eine Sekunde später hatte sie sich wieder gefangen und zog bereits eine frische Linie durch den Schnee hinter sich. Ihre Spinnenbeine stießen nach unten und schossen sie mit unnatürlicher Geschwindigkeit nach vorne.
Yuzuha zuckte nicht mit der Wimper.
Ein weiterer Faden schoss nach oben – eine bereits gespannte Stolperfalle.
Lumina zerschnitt ihn mit einem ihrer Beine, während sie sich in der Luft drehte und über der Falle hinwegschwenkte.
In diesem Moment trafen sich ihre Blicke.
„Schlampig“, murmelte Yuzuha.
„Nettes Netz“, erwiderte Lumina.
Beide bewegten sich gleichzeitig.
Keine von beiden wollte töten.
Aber beide wollten sehen, wie die andere blutete.
Gorrhan lachte, als er angriff.
Kein grausames Lachen. Kein spöttisches.
Nur Freude.
Seine beiden Arme schleiften hinter ihm her wie Pflüge, seine steinernen Knöchel verwandelten den Schnee in Pulver. Sein Rücken knackte – seine Wirbelsäule zuckte vor statischer Aufladung und leuchtete bei jedem schweren Schritt schwach.
Vinea ging frontal auf ihn zu.
Sie sagte nichts. Sie schrie nicht.
Ihre Stiefel explodierten aus dem Schnee, und ihre Klinge war bereits in der Mitte ihrer Schwungbewegung, bevor seine linke Faust sie erreichte.
Stahl schlug auf Stein.
Der Aufprall erschütterte ihren ganzen Körper. Ihre Arme fingen den Schlag ab, die Klinge vibrierte, als sie von seiner Schulter abprallte.
Gorrhan machte weiter.
Er drehte sich mit dem Schwung um und schwang seine andere Faust tief nach unten. Ein Schlag wie ein Rammbock.
Vinea sprang rückwärts, ihre Zehen gruben sich scharf in das Eis. Sie landete auf einer Hand, drehte sich und warf sich mit umgedrehter Klinge in eine niedrige Haltung zurück.
Er kam wieder.
Diesmal trat sie nach innen.
Ein Hieb. Zwei. Schnelle, flache Schnitte über seine Rippen, auf die weichen Stellen zwischen seiner steinharten Rüstung zielend.
Fleisch zerfetzte. Ein Nebel aus Staub und Rot strömte in die Kälte.
Er blinzelte.
„Au“, murmelte er. „Das hat gekitzelt.“
Dann kamen beide Arme herunter – gleichzeitig.
Sie rollte sich weg. Hinter ihr explodierte der Schnee.
An der Stelle, wo sie gestanden hatte, bildete sich ein Krater. Groß genug, um drei Männer zu begraben.
„Wie heißt du?“, fragte Gorrhan und neigte den Kopf. „Du kämpfst lustig.“
„Vinea.“
„Ich bin Gorrhan! Nummer …“
Er hielt inne. Grinste. Schlug seine Fäuste wie Becken gegeneinander.
„Ups. Noch nicht!“
Vinea atmete langsam aus und hielt ihre Klinge ruhig.
„Du bist stärker, als du aussiehst.“
„Du bist leichter, als du klingst.“
Er stürzte sich erneut auf sie.
Sie trat ihm entgegen – tief, schnell und mit dem Ziel, ihn nicht zu verletzen.
Sondern zu brechen.