Laston hob die Hand, um König Gulben, der am Boden lag, den letzten Schlag zu versetzen.
Irgendwo hinter ihm hallten Saeldirs verzweifelte Schreie über das Schlachtfeld, aber König Gulben war nur auf Laston und den puren Hass in seinen verdorbenen Augen fixiert.
Erend und Eccar schwebten in der Luft und beobachteten alles aufmerksam. Sie waren bereit einzugreifen, hielten sich aber noch zurück. Sie mussten dem König vertrauen. Dies war sein Kampf, auch wenn die Chancen gegen ihn überwältigend waren.
„Stirb, Gulben!“, brüllte Laston mit kehliger Stimme. Er schwang seine Hand, die nun von einer purpurroten und schwarzen Aura umgeben war, und zielte auf den Kopf des Königs.
König Gulben biss die Zähne zusammen. Das würde nicht das Ende sein. Das würde er nicht zulassen.
Er sammelte die letzten Reste seiner Magie und Kraft in seinem geschundenen Körper, streckte die Hand aus und rief sein Schwert zurück.
Die treue Waffe gehorchte sofort und sprang in einer rasanten Bewegung in seine Hand. Mit einem letzten Kraftakt schwang er sie mit aller Kraft und stieß einen Kampfschrei aus.
„HYAAAAA!!!“
Ein widerlicher Hieb zischte durch die Luft.
Die Klinge, die jetzt stumpf war und ihren silbernen Glanz verloren hatte, schnitt sauber durch Lastons Handgelenk – dort, wo die rote und schwarze Energie es nicht vollständig bedeckt hatte. Seine abgetrennte Hand fiel zu Boden, und in dem Moment, als sie aufschlug, explodierte eine gewaltige Energiewelle, die König Gulben und Laston mehrere Meter weit weg schleuderte.
„Urgh…“ Der Schmerz in Gulbens bereits ramponiertem Körper wurde stärker, aber als er sich mühsam aufrappelte, wusste er eines: Das war immer noch besser als zu sterben.
Er hob den Kopf und sah Laston, der sich vor Schmerzen krümmte und seinen abgetrennten Arm umklammerte.
„AAARRGGHHH!!!“ Lastons Schrei hallte über das Schlachtfeld, eine Mischung aus Qual und Wut. „WARUM STIRBST DU NICHT EINFACH?“
Als König Gulben ihn so sah, musste er ein schwaches, erschöpftes Lächeln zeigen. Noch vor wenigen Augenblicken war er in Verzweiflung versunken gewesen, aber jetzt wurde ihm etwas klar: Laston war in keinem besseren Zustand als er selbst.
Keuchend zwang Gulben sich, aufzustehen. „Einfach sterben? Ich werde nicht sterben, solange du noch lebst, du Verräter!“
„Ich könnte dem Palast mehr Fortschritt bringen als du jemals könntest!“, spuckte Laston, seine Stimme verzerrt, als würde die Energie in ihm seine Stimmbänder zerreißen. „Dieser Palast hätte mir gehören sollen!“
Lastons brennend rote Augen fixierten ihn, sein Gesicht verzog sich zu einem hasserfüllten Grinsen. Dunkle Risse bildeten sich auf seiner Haut, aus denen schwarze und purpurrote Energie austrat, was seinen Ausdruck noch monströser machte.
„Ich könnte dem Palast mehr Fortschritt bringen als du es je könntest!“, spuckte Laston, seine Stimme verzerrt, als würde die Energie in ihm seine Stimmbänder zerreißen. „Dieser Palast hätte mir gehören sollen!“
Seine abgetrennte Hand regenerierte sich nicht.
„Du bist es nicht wert, diesen Palast zu beanspruchen“, erwiderte Gulben und stand trotz seiner zitternden Hände, die sein Schwert umklammerten, aufrecht da. „Siehst du nicht, was du dir angetan hast, Laston? Du hast deinen eigenen Körper verdorben und dich in eine Abscheulichkeit verwandelt!“
„Das ist Evolution!“, fauchte Laston. Dann, als wäre etwas in ihm zerbrochen, stieß er einen wütenden Schrei aus und stürmte vor.
„RAAAAHHH!!!“
König Gulben stieß seinen eigenen Kriegsschrei aus und eilte ihm entgegen.
Ihr Kampf war langsamer als zuvor, ihre Bewegungen schwer und angestrengt, doch ihre Tötungsabsicht war größer denn je. Noch nie stand so viel auf dem Spiel, und König Gulben konnte es sich nicht leisten, jetzt zu verlieren.
Dann fingen sie wieder an zu kämpfen und lieferten sich verzweifelte Angriffe. Es gab keine eleganten Zauber mehr oder vernichtende Schläge. Nur noch rohe, brutale Hiebe, Tritte und Schläge.
Jeder Schlag hatte nur ein Ziel: zu überleben und zu töten. Der Thron des Palastes stand auf dem Spiel, und keiner der Brüder war bereit, nachzugeben.
Mehrere Minuten lang kämpften sie wie in die Enge getriebene Tiere, angetrieben von Erschöpfung und purer Entschlossenheit.
Dann stieß Laston plötzlich einen weiteren qualvollen Schrei aus. Die Aura um seinen Körper flammte heftig auf, ihre purpurroten und schwarzen Farbtöne pulsierten vor instabiler Energie. Die Risse in seinem Gesicht und an seinem Körper vertieften sich und breiteten sich wie Brüche in zerbrochenem Glas aus.
Jetzt war klar, dass das Absorbieren der Seelen von Dredge und Veyna ihn nicht nur stärker gemacht hatte. Es hatte ihn auch weiter verdorben.
Deshalb hatte Laston gezögert, diese Kraft einzusetzen.
Sie sollte ein letzter Ausweg sein, etwas, das ihm zur Flucht verhelfen sollte, nicht um einen Kampf zu verlängern. Aber seine Wut hatte ihn blind gemacht. Er hatte sich entschieden, sie rücksichtslos einzusetzen, ohne die Konsequenzen zu bedenken.
Und jetzt begann sein eigener Körper auseinanderzufallen.
König Gulben sah seine Chance und nutzte sie. Trotz der brennenden Schmerzen, die seinen Körper durchzuckten, und der Erschöpfung, die ihn zu Boden zu ziehen drohte, zwang er sich vorwärts.
Mit einem trotzigen Brüllen schwang er sein Schwert.
Die Klinge durchschlug Lastons verbliebenen Arm und trennte ihn sauber ab. Das Glied fiel mit einem widerlichen Geräusch zu Boden. Unnatürliches Blut, das dicker und schwärzer aussah als das Blut von Menschen oder Elfen, strömte aus der Wunde.
Laston hatte kaum Zeit, den Verlust zu registrieren, bevor König Gulben ihm sein Schwert in den Bauch rammte.
Ein kehliger Schrei entriss Lastons Kehle, als Gulben weiter vorstieß und ihn Schritt für Schritt zurückdrängte. Das Knurren des Königs spiegelte seinen Schmerz wider, aber er hörte nicht auf.
Dunkles Blut spritzte aus Lastons Mund, als er auf die tief in seinem Körper steckende Klinge hinunterblickte. In seinen blutroten Augen blitzte nun etwas anderes auf – etwas zwischen Schock und verdrehter Belustigung.
Aber Gulben gab nicht nach. Er riss sein Schwert heraus und stach ohne zu zögern erneut zu – diesmal direkt durch Lastons Brust.
Ein heftiger Schauer durchlief Lastons Körper. Seine Beine knickten ein, sein Körper sackte zusammen, als seine letzten Kräfte ihn verließen.
König Gulben zog das Schwert heraus und Laston brach auf dem Boden zusammen, seine großen, ungläubigen Augen starrten zu ihm hinauf.
Für einen Moment war es still auf dem Schlachtfeld.
Dann stieß Laston mit einem rauen, letzten Atemzug ein schwaches, bitteres Lachen aus.
„Du glaubst, du hast gewonnen? Du hast deine Vernichtung nur hinausgezögert. Weitere Feinde werden aus den Netzen kommen. Auch diese Drachen werden sterben!“
Seine Lippen verzogen sich zu einem schwachen Grinsen, bevor sein Körper zu zucken begann. Mehr verdorbenes Blut sickerte aus seinen Wunden und versickerte im Boden unter ihm.
Sein Atem wurde langsamer. Das rote Leuchten in seinen Augen verblasste.
Und dann lag Laston endlich still da.
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