Steve fing an, die Augen zu öffnen, als er merkte, dass er es nicht mehr aushalten konnte. Der Druck, den er spürte, war zu groß und er musste sich diesmal geschlagen geben.
Es stellte sich heraus, dass der Einfluss des starken Regens so groß war. Endlich wusste Steve, wo die Grenzen seiner Kraft lagen.
Er war zwar ein bisschen enttäuscht, aber nun kann er seine Schwäche erkennen. So kann er herausfinden, wie er so schnell wie möglich damit umgehen kann.
Als er endlich die Augen öffnete, merkte Steve, dass er auf den kalten Betonboden gefallen war.
Er lag mitten in einer Regenpfütze. Die rötliche Aura, die zuvor seinen Körper umgeben hatte, war nun vollständig verschwunden.
Nicht nur das, Steve spürte auch einen kalten Windhauch von der Seite.
Steve hörte nicht einmal die Schreie von Annie, weil er zu sehr darauf konzentriert war, seine magische Energie aufrechtzuerhalten.
Jetzt, da er die Kontrolle über seine Magie losgelassen hatte, spürte Steve nichts mehr als Regen und kalten Wind, der über seinen Körper wehte.
Hinter den Vorhängen aus dichtem Regen konnte Steve sehen, dass eine dicke bläuliche Aura bereits Annies Körper umhüllte.
Steve riss die Augen auf und starrte Annie an. Sie zeigte fast die gleiche Reaktion wie damals.
Die Augen der Frau wurden ganz blau und leuchteten. Selbst durch den starken Regen, der seine Augen bedeckte, konnte Steve sehen, dass Annies Augen hellblau brannten.
„Das ist nicht gut.“
Steve stand sofort auf und warf einen Blick auf die Wissenschaftler.
Unter ihnen war Conrad, der durch den Regen hierher kam.
Als Steve Conrad kommen sah, war er erleichtert. Denn er hatte das Gefühl, dass er Annie in seinem derzeitigen Zustand niemals besiegen könnte.
Als Conrad näher kam, verschwanden die elektrischen Stränge, die von den schwarzen Metallpfeilern ausgingen, langsam und begleitet von einem raschelnden Geräusch.
Einen Moment später waren die elektrischen Stränge vollständig verschwunden.
Steve nutzte die Gelegenheit und rannte sofort von Annie weg.
Annie bemerkte jedoch seinen Fluchtversuch. Sie stampfte mit einem Fuß auf den Beton.
Das stehende Wasser gefror plötzlich um Steves Füße herum.
*CCRRRRRR!*
Steve dreht sich bei dem Geräusch des gefrierenden Wassers um. Aber er dreht nur den Kopf und sieht, dass seine Füße jetzt in einem Eisblock gefangen sind.
Steve schaut zu Annie hoch. Er sieht, dass Annie ihn mit blauen Augen ansieht, die wie die eines Raubtiers leuchten.
Ihre Lippen sind zu einem Grinsen verzogen, wie das einer wilden Bestie, die ihre Beute anstarrt.
Der nervöse und ängstliche Ausdruck von vorhin ist jetzt irgendwo verschwunden.
Da stand nicht mehr die arme Frau, die ihr Zuhause verloren zu haben schien. Jetzt stand vor Steve eine verrückte Frau, die nur noch das eine Ziel hatte, ihn zu töten.
Steve biss die Zähne zusammen. In diesem strömenden Regen konnte er nichts tun, um sich der rasenden Frau zu stellen.
Als er sie jetzt ansah, dachte Steve, dass Annie sich an die Zeit erinnerte, als er sie verprügelt hatte, und dass sie vielleicht Rache wollte.
Annie bewegte ihre Hand und zog Steve am Eis an seinen Füßen zu sich heran.
Steve wurde zu Annie gezogen. Einen Moment später sah er, wie ein Dutzend Eisklingen augenblicklich um Annie herum auftauchten.
Sie mussten durch ihre Magie entstanden sein, die das Regenwasser gefroren hatte.
„Wenn das so weitergeht, könnte ich sterben!“
Steve fluchte innerlich. Er versuchte, seine Feuerzauberkraft so stark wie möglich zu bündeln, bevor die Eisklingen ihn treffen konnten.
Nach verzweifelten Anstrengungen gelang es Steve schließlich, eine kleine Flamme in seiner Handfläche zu erzeugen.
Er schlug die Flammen direkt auf das Eis, das seine Füße gefroren hielt.
*PRANNGGG!*
Das Eis zerbrach augenblicklich und Steve fiel zu Boden. Aber Annie stürzte sich sofort mit unglaublicher Geschwindigkeit auf ihn.
Dann holte sie mit ihrer eisbedeckten Faust aus.
*BUAGHHH!*
Ihr Schlag traf Steve im Gesicht und schleuderte seinen Kopf gegen den Beton.
Das Eis in Annies Hand verwandelte sich in eine Klinge aus klarem Eis. Das Licht des Blitzes reflektierte sich auf der Eisklinge.
Dann schlug Annie damit auf Steve ein. Steve wusste, dass er keine Zeit mehr hatte, seine schwindende magische Kraft einzusetzen.
Er starrte hilflos auf die Eisklinge, die auf seinen Hals zukam.
Aber Steves Leben sollte hier nicht enden. Ein Lichtstrahl kam und fesselte Annies Hand, die die Eisklinge schwang. Er hielt ihre Hand für einen Moment in der Luft fest.
Als Annie spürte, dass ihre Hand in der Luft stehen blieb, drehte sie sich sofort um.
Conrad kam auf sie zu.
Conrad ging leise, während aus seiner Hand das Lichtband kam, das Annies Hand festhielt.
„Annie, bist du da?“, fragte Conrad. „Verlier nicht die Kontrolle. Hör auf meine Stimme!“
Als Conrad das sagte, flackerten Annies blau leuchtende Augen plötzlich zurück zu ihren früheren braunen Augen.
Ihre Sinne schienen aus der tiefen Grube zurück an die Oberfläche gezogen zu werden. Aber dieses Gefühl hielt nicht lange an.
Einen Moment später kehrten die blauen Augen zurück. Der Wahnsinn, den die Magie hervorgerufen hatte, überkam Annie erneut.
Conrad seufzte. Er sah nicht verängstigt aus. Er fand es nur so bedauerlich, dass Annie zum zweiten Mal in dieser Lage war.
Könnte es sein, dass sie danach wieder normal werden würde?
„Ja! Sie kann wieder normal werden! Ich kann noch nicht aufgeben.“
Conrad beschloss, optimistisch zu bleiben. Er musste weiter versuchen, Annie wieder normal zu machen.
Sie war ein wertvolles Versuchsobjekt. Nach langer Zeit und vielen Experimenten war es ihnen endlich gelungen, gewöhnlichen Menschen auf Anhieb Magie zu verleihen.
Jetzt durfte es nicht scheitern.
Annie sprang auf Conrad zu, als hätte sie Steve vergessen.
Steve konnte endlich aufatmen. Er hatte gedacht, er würde sterben.
Annie warf sofort die Eisklingen, die sich um sie herum gebildet hatten, auf Conrad.
Conrad ließ das Lichtseil los, das Annies Arm umschlungen hatte.
Dann streckte er seine Hand nach vorne. Ein silberner magischer Schild.
Die Eisklingen, die auf den magischen Schild trafen, zerbrachen sofort.
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