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Kapitel 385: Alice Holloway~7

Kapitel 385: Alice Holloway~7

Als Alice langsam die Augen öffnete, flackerte ihr verschwommener Blick und sie versuchte, ihn zu fokussieren.

Ein dumpfer, pochender Kopfschmerz pulsierte in ihrem Schädel, und in ihrem Inneren wurde etwas, das einst zerbrochen war, nun langsam wieder zusammengefügt.

Verwirrung trübte ihre Gedanken, und doch – trotz der Schmerzen, trotz der Orientierungslosigkeit – verspürte sie ein seltsames Gefühl der Geborgenheit.

„Hm…?“
Sie zwang ihren schmerzenden Körper, sich aufzurichten, und sah sich um.

Ihr Atem stockte.

Alles – überall – war in ein goldenes Licht getaucht.

„… Dieses Licht …“

Jetzt verstand sie.

Das seltsame, aber warme Gefühl, das sie überkam, war nicht irgendeine Kraft.

Alice war vielleicht nicht besonders versiert darin, aber sie erkannte es dennoch.

Göttlichkeit.
Eine Kraft, die einzigartig war. Eine Kraft, die nur denen gehören konnte, die von der Göttin des Lichts geliebt wurden oder eng mit ihrem Willen verbunden waren.

Ihre Gedanken waren noch träge, ihr Verstand war wie in dichten Nebel gehüllt, sodass es ihr schwerfiel, alles zu verarbeiten.

Doch dann –

wurde ihre Sicht klar.

Und was sie sah, ließ sie wie angewurzelt stehen bleiben.

Ihre goldenen Augen weiteten sich vor Schreck.

Die Welt um sie herum … war verwüstet.
Als hätte ein heftiger Sturm gewütet.

Als hätte genau an diesem Ort ein großer und schrecklicher Krieg stattgefunden.

Die einst makellos weiße Welt, in der sie gestanden und gekämpft hatte, war nun völlig verändert.

Zerstört.

Zerbrochen bis zur Unkenntlichkeit.

„… Was ist passiert…“

Alice konnte ihren Satz nicht beenden, bevor die Erinnerungen zurückkamen.

„Das stimmt, die Weiße Königin…“
Panik überkam sie und sie versuchte aufzustehen.

Aber in dem Moment, als sie sich hochstemmte, gaben ihre Beine nach.

„Ah!“

Sie brach fast augenblicklich zusammen, ihre Kräfte waren noch immer erschöpft, ihr Unterkörper reagierte nicht mehr.

Doch bevor sie auf den Boden aufschlagen konnte –

Ein plötzlicher, sanfter Ruck an ihrem Bauch stoppte ihren Sturz.
„Meine Güte, ich weiß, dass du aufgeregt bist, aber du musst dich wirklich beruhigen, meine liebe Meisterin.“

Diese Stimme –

Alice‘ Herz setzte einen Schlag aus.

Eine Stimme, die sie nie wieder zu hören geglaubt hatte.

„C-Cheshire?“

„Der Einzige und Einzigartige.“
Ein verspielter, singender Ton erfüllte die Luft, gefolgt von einem nur allzu vertrauten Grinsen, das sich von Ohr zu Ohr zog.

Da war er.

Ihr immer launischer, immer narzisstischer, fantastischer Begleiter.
Ihr Cheshire.

Einen Moment lang starrte Alice ihn einfach nur an, ihre goldenen Augen weit aufgerissen, ihre Lippen zitternd.

Eine Welle von Emotionen – Erleichterung, Ungläubigkeit, überwältigende Freude – schwoll in ihrer Brust an und machte es ihr unmöglich zu sprechen.

Cheshire bemerkte ihren Gesichtsausdruck, lachte leise und tippte ihr sanft mit seiner Pfote auf die Stirn.
„Ich bin froh, dass du mich wenigstens erkennst! Ich hatte schon Angst, du hättest den Verstand verloren, keke~ Ich weiß, dass du ein bisschen stur bist, meine Herrin, aber ohne mich die Macht der Roten Königin zu missbrauchen, hätte dich das den Tod bringen können, weißt du …“

Bevor er zu Ende sprechen konnte, stürzte Alice sich auf ihn.

Sie schlang ihre Arme um ihn – fest, verzweifelt, zitternd.
Ihre Tränen flossen ungehindert und benetzten sein weiches Fell.

„… Cheshire… hic… Cheshire…“

Ihre Stimme war gebrochen und zitterte.

„Ich dachte, du…“

Cheshires neckisches Verhalten verschwand.

Sein stets präsentes Grinsen wurde sanfter.

Ohne zu zögern, vergrößerte er sich und verwandelte sich in eine größere, festere Gestalt, wobei sein flauschiger Schwanz sich schützend um Alice schlang.
Und im Gegenzug umarmte er sie ebenfalls.

„Keine Sorge, ich werde dich nicht verlassen, egal was von nun an passiert, Meisterin … Das verspreche ich dir.“

Cheshires Stimme klang ungewöhnlich sanft, die Verspieltheit in seinem Tonfall wich etwas weitaus Feierlicherem.

Alice vergrub ihr Gesicht tiefer in seinem Fell, ihr zitternder Atem beruhigte sich langsam, während sie sich an ihm festhielt, aus Angst, ihn loszulassen.
Dieser Moment –

dieser kleine, flüchtige Moment des Friedens –

wollte sie noch ein bisschen länger festhalten.

Aber dann –

-FOOOOOOOOSSSHHHH-!!!!!!!!

Eine schwere Präsenz tauchte über ihnen auf.

Ein Gewicht, das so intensiv war, dass es auf ihre Seelen drückte.
Ihre Instinkte wurden sofort wach.

Alice versteifte sich und Cheshires Fell sträubte sich.

Langsam hob Alice den Kopf.

Und was sie sah –

Hätte nicht möglich sein dürfen.

Über ihnen war der Himmel ein Kaleidoskop aus Licht –

Tausend funkelnde, strahlende Sterne flackerten und explodierten in einem faszinierenden, aber chaotischen Tanz.

Feuerwerke in unzähligen Farben explodierten in Bruchteilen einer Sekunde, kollidierten, verflochten sich und lösten sich immer wieder auf.

Und in der Mitte von allem –

ein blendend weißes Licht.

So intensiv, so überwältigend, dass es alles zu verschlingen schien –
und zwang alles, in seiner gewaltigen, unausweichlichen Präsenz zu existieren.

Alice stockte der Atem.

„Die Weiße Königin …?“

Sie hatte keinen Zweifel.

Diese ungefilterte, erstickende Energie, diese unausweichliche Willenskraft –

das konnte nur sie sein.

Aber dann –

wer war die andere?

Die andere ebenso mächtige Präsenz, die gegen sie ankämpfte und sich weigerte, nachzugeben?
Alice‘ goldene Augen weiteten sich, als sie den Kampf über sich beobachtete.

Es war … Chaos.

Ein Sturm der Macht, wie sie ihn noch nie erlebt hatte.

Das Ausmaß der Zerstörung war unvorstellbar.

Die überwältigende Kraft der Weißen Königin wollte alles verschlingen –

doch die goldene Energie, die ihr entgegenprallte, ließ sich nicht auslöschen.
Ein Zauber nach dem anderen, göttliche Techniken, die unmöglich nacheinander gewirkt werden konnten, wurden mit unerbittlicher Präzision entfesselt.

Jeder Angriff zerriss das Gewebe der Realität und erschütterte die Grundfesten der Existenz selbst.

Alice konnte nur fassungslos zusehen.

Es war, als würde sie zwei Göttern beim Krieg zusehen.

„Überrascht?“

-KOOOOOOSSSSHHHH!!!!!
Riesige Explosionen hallten über ihnen wider, und Alice war sich sicher, dass die beiden, selbst wenn sie nur einen Kilometer näher wären, von der gewaltigen Schlacht in mehrfacher Hinsicht betroffen wären.

„…Cheshire, was ist los…?“

Alice‘ Stimme war schwach, kaum mehr als ein Flüstern.

Ihr Geist stabilisierte sich, die göttliche Kraft umhüllte sie wie eine sanfte Umarmung und beruhigte ihren erschütterten Zustand. Aber trotzdem –
Der Schaden war bereits angerichtet.

Körperlich war sie zu erschöpft, um sich zu bewegen.

Seelisch stand sie kurz vor dem Zusammenbruch.

Es war zu viel passiert.

Ihr Körper schmerzte noch immer von der Schlacht.

Ihr Kopf pochte vor lauter Emotionen und Fragen.

Und jetzt, mit der Verwüstung um sie herum und dem überwältigenden Zusammenprall der göttlichen Kräfte über ihr –

Es war zu viel.
Cheshire jedoch blieb unbeeindruckt.

Ein kleines, wissendes Grinsen umspielte seine Lippen, als er auf das Schlachtfeld blickte, und sein Schwanz wedelte amüsiert.

„Keine Sorge, er ist jetzt hier, Meister.“

Alice blinzelte und versuchte, seine Worte zu verstehen.

„… Wer ist hier?“

Cheshire kicherte. „Ich glaube, das weißt du doch schon, oder?“
Alice stockte der Atem.

Ihr Herz pochte.

Eine Mischung aus Sorge und Erleichterung überkam sie wie eine Flutwelle.

„… Riley?“

Sie zwang sich, noch einmal aufzublicken.

Zuerst konnte sie kaum begreifen, was sie sah –

sie konnte nicht folgen.

Die Schlacht, die sich vor ihren Augen abspielte, war weit über ihr Niveau hinaus.
Aber inmitten des göttlichen Krieges, der über ihr tobte –

Dieses Licht.

Das blendende, strahlende goldene Licht, das in leuchtenden Streifen über das Schlachtfeld tanzte und die erstickende Kraft der Weißen Königin zurückdrängte.

Es war unbestreitbar.

„Dieses warme Gefühl …“

Sie hatte es schon einmal gespürt.

Unzählige Male.

Riley.

Es gab keinen Zweifel.

Aber –
Alice‘ Gedanken kreisten. Sie verstand es nicht.

Wie konnte er hier sein?

Wie konnte er sich der Weißen Königin entgegenstellen – auf Augenhöhe?

Wie konnte er göttliche Magie einsetzen?

Was war passiert, nachdem sie bewusstlos geworden war?

Warum war sie plötzlich von ihrem Fluch befreit?

Was hatte sich verändert?

Zu viele Fragen.
Zu viele unmögliche Dinge passierten gleichzeitig.

Alice ballte ihre zitternden Hände zu Fäusten und versuchte, sich zu beruhigen.

Sie wollte es glauben.

Sie wollte ihm die Hand reichen.

Aber –

Ihre Situation ließ ihr das nicht zu …

„Kuku ~ Ich muss sagen, er ist zuverlässiger, als man denkt, oder?“

Cheshire murmelte, seine übliche selbstgefällige Belustigung diesmal mit etwas Sanfterem gemischt.
Seine rote Gestalt schwankte und verschwand wieder in ihrem üblichen rauchgrauen Farbton. Er war nicht mehr die bedrohliche Gestalt, die er während des Kampfes angenommen hatte.

Er seufzte, wedelte mit dem Schwanz und wandte seinen Blick wieder dem Himmel zu – dem goldenen Licht, das das Schlachtfeld umhüllte und alles zusammenhielt.

Ohne Riley hätten sie verloren.

Nicht nur Alice. Er wäre auch gestorben.
Das goldene Licht hatte nicht nur die Weiße Königin zurückgedrängt – es hatte ihm irgendwie ermöglicht, dabei sowohl den Hutmacher als auch das weiße Kaninchen zu besiegen.

Eine Leistung, die eigentlich unmöglich gewesen wäre.

Cheshire lachte leise.

Selbst jetzt spürte er, wie seine Mana langsam zurückkehrte.

Rileys Licht –

es zerstörte nicht nur.

Es heilte auch.
Cheshire grinste, seine purpurroten Augen funkelten amüsiert.

„Ein Mensch voller Geheimnisse … Eine absolute Anomalie.“

Seine Stimme war fast ein Schnurren, fasziniert und völlig amüsiert.

„Jemand, dessen Stärke und Fähigkeiten nicht zu seiner Existenz passen … Er ist wirklich ein interessanter Kerl ~“

Er rollte nachdenklich seinen Schwanz, bevor er Alice einen wissenden Blick zuwarf.
„Ich bin froh, dass du dich in ihn verliebt hast, Meisterin~“

Alice antwortete nicht.

Sie konnte nicht.

Ihre goldenen Augen blieben auf das Schlachtfeld gerichtet, ihr Herz schlug lauter als je zuvor.

„Riley …“

Sie hatte jetzt keine Wahl mehr.

Sie konnte nur noch hoffen.

Aber –

War das wirklich alles, was sie tun konnte?
Selbst wenn Riley stark war, selbst wenn er irgendwie ein Niveau erreicht hatte, das weit über das hinausging, was sie für möglich gehalten hatte –

ohne die Energie der Roten Königin gab es keine Möglichkeit, dass er sie dauerhaft besiegen konnte.

Alice hatte bereits ein Versprechen gegeben.

Ein Versprechen an ihre einzige Mutter –

den Kreislauf von Rot und Weiß zu beenden.

Das zu vollenden, was lange vor ihrer Geburt begonnen worden war.
Und dafür …

war sie bereit, ein letztes Opfer zu bringen.

Ihr Leben.

Das war eine Last, die sie allein hätte tragen müssen … ein Opfer, das sie bereit war zu bringen – um der Welt willen, um ihrer Mutter willen … und um ihres geliebten Junior willen.

Und doch war es jetzt Riley, der alles auf sich nahm.

Bei diesem Gedanken zog sich ihr Herz zusammen.
So sollte es nicht sein.

Jetzt verstand sie endlich, wie unvernünftig ihre egoistischen Wünsche gewesen waren.

Wenn ihre Positionen vertauscht gewesen wären, wenn Riley derjenige gewesen wäre, der beiseite treten musste, machtlos, etwas zu tun, konnte sie sich nur vorstellen, welche Qualen er durchgemacht hätte.

Die Frustration, nicht handeln zu können, die Hilflosigkeit, zusehen zu müssen, wie jemand, den man liebt, die Last von allem allein trägt … es war unerträglich.
Ihr Körper zitterte, jeder Zentimeter ihres Körpers schmerzte. Trotzdem zwang Alice sich, wieder aufzustehen, ihre Beine waren wackelig, als sie schwankte.

„Meisterin?“, Cheshires besorgte Stimme erreichte ihre Ohren, aber sie zögerte nicht.

„Cheshire … bring mich zu Riley.“

Ein neues Feuer entflammte in ihr – ein trotziger Funke gegen die Verzweiflung, die sie zu verschlingen drohte.
Die zerbrochene Mana in ihrem Körper regte sich erneut, und langsam begann sich ihr zartrosa Haar zu verändern, Strähnen färbten sich tief, leuchtend rot.

Ihre goldenen Augen flackerten, bevor sie sich zu einem scharfen, purpurroten Farbton festigten.

Vertraue nur den Farben Rot und Weiß. Der immer reine Farbe Rosa …

Die Worte ihrer Mutter hallten in ihrem Kopf wider. Worte, die sie nie verstanden hatte – nie in Frage gestellt hatte.

Waren sie für diesen Tag bestimmt gewesen?
Oder waren sie einfach nur der Versuch einer Mutter gewesen, die Last ihrer Tochter zu erleichtern?

Alice wusste es nicht. Vielleicht war die Bedeutung hinter diesen Worten nichts weiter als Unsinn gewesen.

Aber das spielte jetzt keine Rolle mehr.

Denn in diesem Moment hatte sie keine andere Wahl, als zu glauben.

Sie musste auf die Worte ihrer Mutter vertrauen.

Sie musste auf die Liebe vertrauen, die sie für Riley empfand.
Ihr Herz pochte in ihrer Brust, ein rhythmischer Puls, der mit der wogenden Energie in ihr mitschwang.

Die Macht der Roten Königin – genau die Autorität, die sie einst gefürchtet hatte – umhüllte sie nun wie eine warme Umarmung.

Cheshire, der seine Herrin mit stiller Besorgnis beobachtet hatte, seufzte leise. Er wollte protestieren.

Er wollte sie aufhalten.

Aber tief in seinem Inneren wusste er, dass auch er eine Schuld zu begleichen hatte.
Riley gegenüber.

Der Weißen Königin gegenüber.

Rote Energie knisterte um ihn herum, und als er in die Luft schwebte, verblasste sein übliches rauchiges Aussehen.

Sein Körper verwandelte sich und nahm die majestätische, beeindruckende Gestalt des Roten Wächters an – des Beschützers der Roten Königin.

Sie würden wahrscheinlich sterben, wenn sie so weitermachten, aber …

Ein Grinsen huschte über seine katzenartigen Lippen.
„Dein Wunsch ist mir Befehl, Meister~“

Wie man im Romantik-Fantasy-Spiel überlebt

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Bewertung: 10
Status: Ongoing Autor: Illustrator: Erscheinungsjahr: 2024 Originalsprache: German
Das Leben in dieser neuen Welt war schon schwer genug... Also warum? Warum ist die Bösewichtin dieser Welt so besessen von mir? "How to survive in the Romance Fantasy Game" ist ein beliebter Light Novel aus dem Genre Fantasy. Geschrieben von dem Autor MCPG. Lies "How to survive in the Romance Fantasy Game" kostenlos online.

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