Lucas zitterte am ganzen Körper.
Nicht aus Angst.
Nicht aus Erschöpfung.
Sondern aus einem viel tieferen Grund.
Etwas Urtümlichem.
In dem Moment, als er die bösartige Energie spürte, die in dem frisch verwandelten Himmlischen Golem pulsierte, brach eine heftige, unkontrollierbare Reaktion in ihm los.
Seine Instinkte – nein, es war mehr als das – seine ganze Seele schreckte zurück.
Es fühlte sich an, als würden seine gesamten Vorfahren, seine gesamte Existenz, vor Protest gegen das abscheuliche Wesen vor ihm schreien.
Sein Blut kochte, brannte in seinen Adern, nicht vor Wut, sondern vor einem beunruhigenden, unerträglichen Gefühl – als würde etwas Grundlegendes in ihm die Anwesenheit dieser Kreatur instinktiv ablehnen.
Etwas Tiefes, Uraltes und Unerklärliches regte sich in ihm, ein überwältigender Befehl hallte in seinen Knochen wider.
„Töte es.“
Seine Hände umklammerten den Griff seines Schwertes, sein Atem ging flach, sein Herz schlug wie eine Kriegstrommel.
„Vernichte es.“
Wie eine Naturgewalt, die auf ihr Gegenstück trifft, fühlte Lucas, wie er von etwas Unsichtbarem zurückgedrängt wurde, etwas, das mit dem Wesen seines Wesens kollidierte.
„Reinige es.“
Er verstand nicht, warum.
„Bestrafe es.“
Er wusste nicht, wie.
Aber jede Faser seiner Seele sagte ihm:
Er musste dieses Ding vernichten.
Sofort.
Dann –
Klirrr!
Ein scharfes, endgültiges mechanisches Klicken hallte über das Schlachtfeld, wie das Schließen eines Sargdeckels.
Dann hallte die mechanische Stimme erneut.
[Himmlische Dämonengolem-Transformation: erfolgreich.]
Lucas erstarrte.
Der einst silberne Koloss – jetzt komplett in tiefes, abgrundtiefes Schwarz gehüllt – richtete seinen Blick auf ihn.
Nur ein Blick.
Nur ein einziger Blick.
Und Lucas spürte, wie sein ganzer Körper erstarrte.
Ein erdrückender, erstickender Druck erfüllte die Luft und drückte wie ein eisernes Gewicht auf seine Brust.
Die schwarze Aura, die den Golem umgab, war dicht, undurchdringlich und völlig fremd.
Es war nicht nur Dunkelheit.
Es war eine gegensätzliche Kraft.
Sie prallte heftig auf Lucas‘ goldene Aura, und die beiden Energien knisterten und verzerrten die Luft selbst, als sie aufeinander trafen – wie Feuer und Eis, wie Licht und Schatten – zwei Kräfte, die niemals nebeneinander existieren sollten.
Der Raum um sie herum bebte.
Lucas‘ Finger zuckten an seinem Schwert.
Sein ganzes Wesen schrie danach, sich zu bewegen – zu handeln, zu kämpfen –
aber sein Körper gehorchte ihm nicht.
Sein Atem stockte.
Seine Stimme klang leiser und schwächer, als er wollte.
„… Du… was bist du…?“
Die Worte kamen kaum über seine Lippen, voller Unsicherheit, Anspannung und einer unterschwelligen Nervosität.
Er kannte die Antwort bereits.
Er hatte die mechanische Stimme vor wenigen Augenblicken gehört –
Sie sprach von Anpassung, Veränderungen und dämonischer Energie.
Aber zu wissen war etwas anderes als zu akzeptieren.
Und gerade jetzt –
kämpfte sein Verstand darum, die schreckliche Realität vor ihm zu akzeptieren.
Fragen tauchten auf, schwer und erdrückend.
Wie konnte dieses Ding sich mit so viel Energie in sich überhaupt bewegen?
Wie war es entstanden?
Wie konnte es sich so leicht anpassen?
Und am erschreckendsten von allem –
Wie hatte es Zugang zu dämonischer Energie?
Die mechanische Stimme, ihre kalten, präzisen Ansagen hallten noch immer in seinem Kopf wider. War es empfindungsfähig? Eine künstliche Intelligenz? Eine Schöpfung von etwas weitaus Schlimmerem?
Zu viele Fragen.
Zu viele Dinge passierten gleichzeitig.
Und es war nicht genug Zeit, um irgendetwas davon zu verarbeiten.
Aber nichts davon spielte im Moment eine Rolle.
Was zählte, war die absolute Gefahr, in der sie sich befanden – die sehr reale Möglichkeit, dass dies ihr Ende sein könnte.
Lucas zwang sich, ruhig zu bleiben, biss die Zähne zusammen und versuchte, die Situation so schnell wie möglich einzuschätzen.
Im Moment –
Der Golem griff nicht an.
Er stand einfach nur da und beobachtete ihn mit seinen neu verwandelten blutroten Augen.
Er passte sich an. Er gewöhnte sich an seine neue Gestalt.
Das bedeutete –
Er hatte nur noch Sekunden.
Sekunden, um einen Ausweg zu finden.
Sekunden, um zu handeln, bevor das schlimmste Szenario Wirklichkeit wurde.
Seine Hände ballten sich zu zitternden Fäusten.
Seine Mana? Fast aufgebraucht. Er hatte zuvor alles in seinen letzten Angriff gesteckt.
Sein Körper? Völlig erschöpft. Jeder Muskel schrie vor Schmerz, eine Folge davon, dass er sich über seine Grenzen hinausgepusht hatte.
Und seine Knochen?
Gebrochen. Möglicherweise zersplittert.
Er konnte es spüren – jede Bewegung sandte scharfe, brennende Schmerzen durch seine Glieder.
Seine Beine wackelten, sein Atem ging stoßweise, aber er zwang sich, seine Umgebung zu überblicken.
Wo waren die anderen?
Er drehte kaum den Kopf, als er Kagami erblickte.
Sein Körper war mit Verbrennungen übersät, seine einst so stolze Aura war vollständig verschwunden.
Er kämpfte darum, aufrecht zu stehen – sein Körper zitterte, seine Arme bebten –, doch er versuchte verzweifelt, wieder aufzustehen.
Lucas konnte es sehen.
Kagami hatte seine Grenzen längst überschritten.
Genau wie er hatte er keine Mana mehr, um weiterzukämpfen.
Seine Fäuste ballten sich fester.
Dann –
eine Bewegung in der Ferne.
Sein Blick schoss zu Janica.
Ihre Augen trafen sich.
Ihre grünen Augen, die normalerweise voller Selbstvertrauen und unerschütterlicher Stärke waren,
waren jetzt voller Verzweiflung.
Angst.
Hilflosigkeit.
Lucas schluckte schwer, als er die Szene hinter ihr wahrnahm.
Golems.
Dutzende von ihnen.
Sie umzingelten sie aus allen Richtungen, unerbittlich, drängten sie zurück, schnitten ihr den Weg ab.
Trotz allem – trotz ihrer Erschöpfung, ihrer schnell schwindenden Kräfte – kämpfte sie weiter.
Sie versuchte immer noch, ihn zu erreichen.
„Lucas!!“
Ihre Stimme hallte schrill und voller Frustration und Verzweiflung wider.
Sie war festgenagelt – gefangen von der schieren Anzahl der Golems, die sie umzingelten.
Lucas‘ Brust zog sich zusammen.
Die Zeit lief ihnen davon.
Der Golem vor ihm passte sich immer noch an.
Janica war festgenagelt.
Kagami war kaum noch bei Bewusstsein.
Und Lucas selbst – er war am absoluten Limit.
Das heilige Schwert in Lucas‘ Händen pulsierte schwach, sein göttlicher Glanz flackerte wie eine erlöschende Glut.
Für einen Moment dachte er, es würde versuchen, ihm Kraft zu geben – aber ohne Mana gab es nichts, was es verstärken konnte. Keine Energie, die es kanalisieren konnte. Keine Kraft, die es entfesseln konnte.
Es war nutzlos.
Lucas schluckte schwer und zwang sich, sich zu bewegen.
Schmerz schoss durch seinen Körper wie geschmolzener Stahl, der sich in seine Nerven brannte, aber er ignorierte ihn.
Er musste es tun.
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Seine Beine zitterten, als er sich mühsam einen Schritt nach vorne wagte. Seine Finger krallten sich um den Schwertgriff, seine Knöchel wurden weiß, als er versuchte, seine Arme in eine defensive Kampfhaltung zu heben.
Aber –
sein Körper erstarrte.
Ein unerträglicher Druck lastete auf ihm.
Eine erstickende, überwältigende Kraft, die ihn wie gelähmt stehen blieb.
Dann –
Eine Stimme. Tief. Mechanisch und unnatürlich natürlich …
Und doch irgendwie … fast neugierig.
„Mensch … Du bist interessant …“
Lucas stockte der Atem.
„Was –?“
Bevor er überhaupt begreifen konnte, was geschah –
stand der dämonische Golem bereits vor ihm.
Er bewegte sich nicht.
Er griff nicht an.
Er stand einfach nur da.
Viel zu nah.
Seine blutroten Augen waren auf ihn gerichtet.
Lucas spürte, wie sich sein Magen zusammenzog.
Ein Schauer lief ihm über den Rücken, als er in diese unnatürlichen, unblinzelnden roten Augen starrte.
Angst.
Das war es, was in seinen eigenen goldenen Augen brannte – die rohe, ursprüngliche Angst, vor etwas zu stehen, das nicht existieren sollte.
Aber in den Augen des Golems?
Da war kein Hass.
Keine Wut.
Nur –
Neugier.
Als würde es ihn studieren.
Jetzt, wo sie sich gegenüberstanden, konnte Lucas es endlich sehen –
Die Verwandlung.
Die metallische Rauheit seines Gesichts begann sich zu verändern, der einst grobe mechanische Rahmen verschob sich.
Er wurde glatter.
Feiner.
Seine Gesichtszüge wurden … menschlich.
Nein, nicht nur menschlich – unheimlich vertraut.
Die dunkle, metallische Haut bekam eine neue Textur und formte ein Gesicht, das beunruhigend an die Menschen des Östlichen Reiches erinnerte.
Eine Nachahmung des Lebens.
Eine Verhöhnung der Sterblichkeit.
Dann –
sprach der Golem erneut.
[Mein Schöpfer … wollte, dass ich perfekt bin …]
[… und Perfektion zu erreichen würde bedeuten, den Tod zu überwinden …]
[Eine Eigenschaft, der alle Sterblichen nicht entkommen können.]
Lucas‘ Herzschlag dröhnte in seinen Ohren.
Die Worte waren so klar ausgesprochen, doch das Gewicht hinter ihnen fühlte sich immens an.
Der Golem – nein, dieses Ding – war nicht nur eine künstliche Schöpfung.
Es war etwas viel, viel Schlimmeres.
Etwas, das den Tod selbst besiegt hatte.
Es hätte nicht existieren dürfen.
Und doch –
Es existierte.
[Doch … jetzt, wo ich wiedergeboren bin … und das Konzept, das du Tod nennst, überlistet habe …]
[Ich kann die Perfektion, die er suchte, nicht sehen …]
[Nicht in mir selbst … sondern in dem Spiegelbild, das ich in deinen goldenen Augen sehe.]
-SOOPSHH!
Eine plötzliche Unschärfe.
Lucas sah nicht einmal die Bewegung.
Einen Bruchteil einer Sekunde später –
Ein kalter, unerbittlicher Griff umklammerte seine Kehle.
–?!
Sein Körper wurde mühelos vom Boden hochgehoben, seine Stiefel baumelten nutzlos in der Luft.
Seine Lungen brannten.
Seine Sicht verschwamm für einen Moment, während sein Verstand versuchte, zu begreifen, was gerade passiert war.
Die Hand des Golems …
Sie war schon da.
Sie hatte sich so natürlich, so schnell, so perfekt bewegt, dass Lucas sie nicht einmal gespürt hatte, bis der Druck begann, seine Luftröhre zu zerquetschen.
„Ugh –!“
Seine Hände schossen nach oben und krallten sich an den kalten, metallischen Fingern, die sich um seinen Hals legten, aber es war sinnlos.
Der Griff war wie aus Eisen.
[Meine Perfektion sollte doch garantiert sein …]
[Die analytischen Vorhersagen meines Schöpfers sind makellos …]
[Und doch …]
Die leuchtend roten Augen des Golems flackerten, als würde er … nachdenken. Berechnen.
Seine mechanische Stimme hallte wider, nicht vor Wut, sondern mit etwas noch Schlimmerem –
Verwirrung.
[…Dieser Körper von mir hat keine Perfektion erreicht.]
[Die bereitgestellten Variablen waren ausreichend…]
[Dennoch ist das Ergebnis nicht absolut…]
[Hat mein Schöpfer versagt…?]
Eine kurze Pause.
Dann –
[Möglichkeit verworfen.]
Lucas spürte, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog.
Dieses Ding –
Es stellte seinen Schöpfer nicht in Frage.
Es lehnte die bloße Vorstellung eines Versagens ab.
Es zwang sich selbst, seine Unvollkommenheit zu rationalisieren.
[Mögliche Ursache: unzureichende Variablen?]
[Die verwendeten Variablen waren im Skript fehlerfrei…]
[Kern wird angepasst… 70 % verwendet….]
[…Ich verstehe…]
KNACK.
Der Griff wurde fester.
Lucas würgte.
Ein brennender Schmerz schoss durch seine Kehle, als der Druck seine Atemwege zusammendrückte.
Seine goldenen Augen weiteten sich vor Schmerz.
Er konnte nicht atmen.
Er konnte sich nicht bewegen.
„Lucas! – VERDAMMT! Warte auf mich!!“
Eine entfernte, heisere Stimme.
Kagami.
Lucas‘ verschwommene Sicht erblickte ihn, wie er vorwärts stolperte, kaum noch auf den Beinen, sein Körper zitterte vor Erschöpfung.
Er war zu langsam.
Zu schwach.
Lucas konnte die pure Frustration in Kagamis Augen sehen, die Hilflosigkeit, die brennende Wut, seinen Freund direkt vor seinen Augen sterben zu sehen.
Aber dem Golem war das egal.
Er nahm Kagami nicht einmal wahr.
Stattdessen –
drehte er seinen Kopf.
Langsam.
In Richtung Janica.
Lucas‘ Blut gefror zu Eis.
Die leuchtenden Augen des Golems flackerten erneut.
[Neue Variablen erkannt.]
[Handlungscode gemäß Entwurf des Erbauers wird angewendet.]
Lucas spürte, wie sein Herz gegen seine Rippen hämmerte.
Nein.
Er konnte sich kaum noch wehren.
Kagami war zu schwer verletzt.
Janica –
Sie kämpfte immer noch verzweifelt gegen Horden von Golems in der Ferne.
Und jetzt –
Dieses Ding hatte es auf sie abgesehen.
„Ich darf dieses Ding nicht in ihre Nähe lassen …!“
Lucas verspürte Angst. Wahre, pure Angst.
Und der Golem bemerkte das.
Er drehte seinen mechanischen Kopf langsam zu ihm zurück, während er ihn immer noch an der Kehle packte.
Er neigte den Kopf leicht, als würde er seine Reaktion analysieren.
Dann sprach er.
[Mensch …]
[Du hast die Energie deines Schöpfers in dir …]
[Wir sind uns ähnlich.]
Lucas konnte sich kaum konzentrieren, aber die Worte trafen ihn wie ein Dolchstoß.
Was sagte es da?!
Ähnlich?
Was bedeutete das?
Die Stimme des Golems wurde leiser – kalt, unerbittlich.
[Deine Anpassung ist garantiert.]
[Nach ihrem Tod.]
Lucas‘ goldene Augen zitterten.
NEIN –
Es würde Janica töten.
Er ignorierte alles –
den Schmerz.
Den erstickenden Druck in seiner Brust.
Die schiere Hoffnungslosigkeit der Situation.
Lucas bewegte sich.
Seine Finger umklammerten das makellose weiße Schwert in seinen Händen, dessen Klinge ganz leicht zitterte –
als würde sie auf seinen Willen reagieren.
Er zögerte nicht.
Er holte aus.
SWIIISSSHHH!!!
Ein blendender Lichtbogen schoss nach vorne und zerschnitt die Luft mit den letzten verzweifelten Resten seiner Kraft.
Es war alles, was er noch hatte.
Jedes Gramm Adrenalin, jeder Funken Willenskraft und jeder rohe Überlebensinstinkt floss in diesen einen Angriff.
Und doch –
Er erreichte ihn nicht einmal.
SWOOOSH!!!
Bevor die Klinge ihn treffen konnte –
bewegte sich der Golem.
Ganz lässig und mühelos.
Er schlug ihn weg.
Als wäre er nichts.
Lucas‘ Sicht verschwamm.
Sein Körper wurde in die Luft geschleudert und flog wie eine Sternschnuppe –
bevor er gegen die Burgmauer hinter ihm krachte.
BOOOOOM!!!!
„Aghh –!!“
Der Aufprall hinterließ Risse in dem Stein hinter ihm.
Lucas‘ Körper schrie vor Schmerz.
Für einen Moment –
wurde alles weiß vor seinen Augen.
Sein Rücken fühlte sich an, als wäre er gebrochen.
Ohne seine unnatürliche Widerstandskraft, ohne die absurde körperliche Ausdauer, die ihn selbst nach unzähligen Kämpfen noch auf den Beinen hielt –
wäre er zu Brei geworden.
Nicht mehr als ein zerbrochener, unkenntlicher Fleck aus Fleisch und Knochen.
HUST!
Ein dicker Blutstrahl schoss aus seinen Lippen, als er sich mühsam bewegte.
Seine Arme zitterten.
Seine Finger krallten sich in den zerbrochenen Stein unter ihm, verzweifelt bemüht, sich hochzustemmen.
Und dann –
sprach der Golem.
„Menschen besitzen keine Anpassungsfähigkeit.“
„Und doch …“
Er neigte den Kopf.
In seinen leuchtend roten Augen blitzte etwas Unlesbares auf.
Etwas, das fast wie Neugierde aussah.
„Ihr habt Gefühle.“
„Ein Konzept der Macht, das selbst mein Schöpfer nicht in mir nachbilden konnte.“
„Ihr seid für mich so einzigartig … wie ich für euch.“
Seine Hände ballten sich zu Fäusten.
Die Finger des Golems hoben sich erneut.
Er zeigte –
direkt auf Janica.
Eine lodernde, purpurrote Energie entzündete sich an seinen Fingerspitzen.
Lucas‘ Herz setzte einen Schlag aus.
Die Energie war dicht.
Rein. Selbst von hier aus konnte er den überwältigenden Druck spüren –
Wenn dieser Angriff treffen würde – Janica würde fast augenblicklich ausgelöscht werden, ohne eine Spur zu hinterlassen.
„W-WARTET!!“, schrie er.
Aber der Golem hielt nicht inne.
Das Licht in seinen Fingern wurde heller.
[Mensch … gewähre mir den Tod, der mich zur Vollkommenheit führen wird.]
Die Stimme des Golems dröhnte durch die Luft und hallte mit unnatürlicher Gewissheit wider.
Seine blutroten Augen flackerten – berechnend.
Er hatte keine Zweifel.
In dem Moment, in dem die Frau in der Ferne umkam, würde der zitternde, gebrochene Mensch vor ihm gezwungen sein, sich anzupassen.
Verzweiflung führte immer zu Evolution.
Schmerz löste immer Wachstum aus.
Das hatte er aus erster Hand von seinem Schöpfer gelernt.
Durch unzählige Experimente, durch Zyklen von Versuch und Irrtum –
Verzweiflung war der Katalysator für Macht.
Und so –
wandte es seinen Blick erneut dem goldäugigen Menschen zu.
Etwas … Ungewöhnliches flackerte im Innersten des Menschen.
Ein kurzes, schwaches Licht.
Eine Energie, die so fremd und doch so vertraut war.
Göttlich.
Sie brannte – roh und instabil, wie eine Glut, die gegen den Wind ankämpft.
Angst.
Der Golem erkannte es sofort.
So wie der Tod die Antwort auf seine Perfektion war, war Stärke die Antwort auf das Überleben des Menschen.
Ja … das war notwendig.
Mit präzisen Berechnungen konzentrierte der Golem seine Kraft –
Die verdichtete purpurrote Energie an seinen Fingerspitzen wurde noch dichter und verdichtete sich zu einer verheerenden Explosion.
Genug, um die Frau vollständig auszulöschen.
Er musste ihr gerade genug Zeit lassen –
Genug Zeit, um zu schreien.
Genug Zeit, damit der Mensch mit den goldenen Augen zusehen konnte.
Um das erdrückende Gewicht der Angst zu spüren.
Um von Wut verzehrt zu werden.
Um in Qualen zu versinken.
Denn nur in diesem Moment –
Würde er erwachen.
Und so –
VOOOOSH!!!
Der Angriff wurde abgefeuert.
Ein Speer aus purer Zerstörung riss mit einer Geschwindigkeit durch die Luft, die selbst sein neu perfektionierter Körper nur schwer verfolgen konnte.
Schneller als der Gedanke.
Schneller als das Auge.
Die menschliche Frau würde ausgelöscht werden.
Aber dann –
CRACKLE!!!
BOOOOM!!!!
Ein goldener Blitz schlug ein.
Der Boden bebte.
Ein ohrenbetäubendes Dröhnen göttlicher Energie zeriss den Himmel, als eine blendende Strahlung in der Nähe des Mädchens ausbrach.
Der Verstand des Golems setzte aus.
[… Ein Mensch?]
Er hatte keine Zeit, das zu verarbeiten.
Keine Zeit, zu reagieren.
Denn im nächsten Augenblick –
[Versteckte Klinge: Endform]
[Nullraum]
– BLITZ! –
WHOOOOOSHHHH!!!
Die Welt wurde goldweiß.
Die Zeit schien stillzustehen.
Für einen einzigen, unmöglichen Moment –
Klick!
Ein leises, fast unbedeutendes Geräusch.
Wie das Klicken eines Schlosses, das aufspringt.
Und als seine Sicht zurückkehrte –
wurde ihm klar.
Die Welt war bereits in zwei Hälften geteilt.