Kais Herz schlug schnell, als er das Dorf betrat. Die fremden Eindrücke und Geräusche umgaben ihn wie eine Welle der Vorfreude. Dass keine Bauern da waren, war echt ein Glücksfall, denn so konnte er sich unbemerkt unter die Leute mischen. Als er den Gesprächen der Dorfbewohner lauschte, war er total überrascht – sie sprachen die Sprache der Welt der Erleuchtung, eine Sprache, von der er dachte, dass nur seine Leute sie kannten.
Mit vorsichtigen Schritten näherte sich Kai einem älteren Mann, der vor einer bescheidenen Hütte saß und dessen Gesicht von der Weisheit der Jahre gezeichnet war. „Sir, kannst du mir etwas über diesen Ort erzählen?“, fragte Kai mit vorgetäuschter Unschuld in der Stimme.
Die Augen des alten Mannes waren warm und einladend und trafen Kais Blick mit sanfter Freundlichkeit. „Ah, junger Mann, dies ist ein friedliches Dorf“, begann er, und seine Stimme wirkte beruhigend auf Kais aufgeregten Geist.
„Wir leben ein einfaches Leben, weit weg vom Chaos der Imperien und Kriege.“
Kai spürte, dass er in diesem gutherzigen Menschen einen Verbündeten gefunden hatte, und fragte weiter nach der großen weiten Welt, wobei er sich als unwissender und naiver Junge gab, der zum ersten Mal die Welt außerhalb seines Dorfes erkundete. „Ich habe Geschichten über die Welt jenseits dieser Länder gehört, aber für mich sind sie wie ferne Träume“, sagte er mit vor Neugierde weit aufgerissenen Augen.
Der alte Mann lachte leise, ein Geräusch, das so beruhigend war wie das Knistern eines Kamins. „Hast du in den Bergen gelebt, mein Kind?“, fragte er mit einem amüsierten Funkeln in den Augen.
Kai nickte und erzählte eine Geschichte von Einsamkeit inmitten der schroffen Gipfel. „Ja, die Berge waren mein Zuhause, mein Zufluchtsort“, log er mit ernstem Gesichtsausdruck.
Der alte Mann glaubte Kais Geschichte und beugte sich vor, als wolle er ihm ein großes Geheimnis anvertrauen. „Dann lass mich dir von der Hegemonie-Welt erzählen“, flüsterte er mit einer Stimme, die von unzähligen Geschichten zeugte. „In dieser weiten Welt gibt es nur zwei Kontinente. Wir leben auf dem Nordkontinent, einem Land, das vom mächtigen Asan-Imperium regiert wird – der stärksten Familie, die diese Gegend je gesehen hat.“
Kai hörte aufmerksam zu und prägte sich jedes Detail ein. Der alte Mann fuhr fort und malte mit seinen Worten ein lebhaftes Bild vom einzigartigen Reich des Nordkontinents und seiner unangefochtenen Herrschaft.
„Was den südlichen Kontinent angeht“, gestand der alte Mann mit leicht gerunzelter Stirn, „weiß ich nur wenig. Gerüchte und Flüstereien verbreiten sich über die Meere, aber sie sind so flüchtig wie der Morgennebel.“
Kai nickte und verstand die Grenzen des Wissens an einem so abgelegenen Ort. „Und was ist mit den Mächten, die es zu beachten gilt? Die Kräfte, die man im Auge behalten muss?“, fragte er mit einem Tonfall, der nach Verständnis verlangte.
Die Augen des alten Mannes leuchteten vor Stolz und Vorsicht. „Ah, es gibt viele Mächte, junger Mann. Aber denk daran: Das Asan-Imperium mag mit eiserner Faust regieren, aber es sind die unsichtbaren Kräfte, die stillen Wächter, die wirklich über unser Schicksal entscheiden.“
Als die Sonne hinter dem Horizont versank und das Dorf in ein goldenes Licht tauchte, empfand Kai tiefe Dankbarkeit für die Weisheit des alten Mannes. Mit einer respektvollen Verbeugung dankte er dem Ältesten für seine Großzügigkeit, ihm die Geschichten aus der Welt der Hegemonie erzählt zu haben.
Der alte Mann lächelte nur und folgte Kai mit seinem Blick, als dieser davonging, eine einsame Gestalt vor dem Hintergrund einer Welt voller unsichtbarer Geheimnisse und unbekannter Abenteuer.
Kais Schritte hallten durch die Kopfsteinpflasterstraßen von Samar City, jeder Schritt ein gleichmäßiger Trommelschlag, der seine Reise begleitete. Die Stadt war ein Teppich aus Leben, gewebt aus den lebhaften Fäden von Händlern, Gelehrten und vor allem Kultivierenden. Im Herzen dieser urbanen Symphonie stand die Söldnergilde, eine Bastion für diejenigen, die durch Kraft und Tapferkeit nach Ruhm und Reichtum strebten.
Als Kai sich dem prächtigen Gebäude näherte, konnte er nicht umhin, seine imposante Struktur zu bewundern. Hoch aufragende Säulen, in die die Geschichten legendärer Söldner gemeißelt waren, trugen ein Dach, das den Himmel zu berühren schien. Das Gebäude war mehr als nur ein Versammlungsort, es war ein Symbol für den unerschütterlichen Geist der Krieger des Nordkontinents.
Die Söldnergilde war eine der mächtigsten Kräfte des Asan-Reiches und hatte Niederlassungen im ganzen Land.
Die Gilde nahm lose Kultivierende ohne Hintergrund auf. Sie band sie nicht an sich und half ihnen sogar, indem sie ihnen Aufgaben gab. Das war aber nicht umsonst: 10 % der Belohnung für die Aufgabe wurden als Provision einbehalten. Der Preis war nicht zu hoch und fair, sodass sie bei gewöhnlichen Kultivierenden sehr beliebt waren.
Drinnen war die Luft voller Energie von unzähligen Geschäften und gewagten Plänen. Die Haupthalle war riesig, die Wände waren mit Bannern der verschiedenen Fraktionen und Helden der Söldnerwelt geschmückt. In der Mitte stand die Aufgabenwand, die mit ihrem Versprechen von Abenteuern und Reichtümern alle Blicke auf sich zog.
Kai bahnte sich einen Weg durch die Menge, seine Anwesenheit war wie eine stille Welle in einem Meer von Ambitionen, das ihn umgab.
Er erreichte die Tafel und überflog die unzähligen Missionen, die von alltäglichen bis zu gefährlichen Aufgaben reichten. Doch keine schien der Dringlichkeit seiner Suche zu entsprechen.
Er wandte sich an den Schalter, wo eine junge Angestellte stand, die mit scharfem, berechnendem Blick jeden Söldner musterte, der vor ihr stand. Kais Annäherung erregte ihre Aufmerksamkeit, und für einen Moment verlor sie ihre professionelle Fassade und ließ sich von einer Überraschung über sein auffälliges Aussehen überwältigen.
„Ich suche eine Aufgabe, die eine hohe Belohnung verspricht“, erklärte Kai mit tiefer Stimme, die den Lärm in der Halle übertönte. „Für den richtigen Preis bin ich bereit, Risiken einzugehen.“
Die Angestellte sah ihn mit neuem Respekt an, da sie seine Entschlossenheit spürte. „Aufgaben mit hoher Belohnung sind mit hohen Risiken verbunden“, antwortete sie mit fester Stimme. „Bist du bereit, dich solchen Gefahren zu stellen?“
Kai nickte, so unerschütterlich wie die Berge, die er sein Zuhause nannte. Die Begleiterin blätterte durch einen Stapel Pergamente, von denen jedes einen Vertrag zwischen der Vereinigung und denjenigen darstellte, die mutig genug waren, sich ihren Herausforderungen zu stellen. Sie wählte ein Blatt aus, dessen Ränder von den Händen früherer Hoffnungsträger abgenutzt waren, und reichte es Kai.
Die Aufgabe war klar: Mondlichtgras ernten, ein leuchtendes Kraut, das wegen seiner mystischen Eigenschaften sehr begehrt war. Die Belohnung war ein Spirit Stone der höchsten Qualität pro Stapel, ein Vermögen, mit dem Kai seinen Aufstieg in den göttlichen Realm finanzieren konnte. Die Belohnung war unbegrenzt, was Kais Herz vor Möglichkeiten höher schlagen ließ.
Kai nahm das Pergament entgegen, wobei seine Finger die der Begleiterin streiften.
Ein stilles Einverständnis ging zwischen ihnen über, ein Bewusstsein für die Reise, die Kai vor sich hatte.
Kai verließ die Söldnergilde, und die Last seiner neuen Aufgabe lastete wie ein Mantel auf seinen Schultern. Der Marktplatz von Samar City breitete sich vor ihm aus, ein Labyrinth aus Ständen und Läden, jeder voller Versprechen von Schätzen und Kleinigkeiten. Kais Ziel war klar: Er musste mehr über das schwer zu findende Mondlichtgras herausfinden.
Er schlängelte sich durch die Menschenmassen und suchte mit seinen Augen nach den verräterischen Zeichen eines Informationshändlers. Diese Lieferanten von Geheimnissen und Wegweisern waren von unschätzbarem Wert für diejenigen, die wie Kai die verborgenen Winkel der Welt suchten. Endlich fiel sein Blick auf einen Stand, der mit Schriftrollen und Karten bedeckt war und von dem der Geruch von altem Papier und Tinte in der Luft hing.
Der Händler, ein drahtiger Mann mit Augen wie scharfen Achaten, musterte Kai mit geübtem Blick. „Informationen sind die Währung der Weisen“, sagte er mit einer verschmitzten Melodie in der Stimme. „Welche Geheimnisse suchst du, junger Herr?“
Kai griff in seine Robe und holte die Waffe von Yand Wudi hervor – eine Klinge von exquisiter Handwerkskunst und verborgener Kraft. Sie war ein angemessener Preis für das Wissen, das er benötigte. „Ich suche das Mondlichtgras“, erklärte Kai mit ruhiger Stimme. „Ich biete diese tödliche Waffe im Tausch gegen seinen Standort an.“
Die Augen des Händlers blitzten interessiert auf, und beim Anblick der Waffe zeigte sich ein begehrlicher Glanz. „Ein fairer Tausch“, gab er zu, wobei seine Finger juckten, den Griff zu ergreifen. „Das Mondlichtgras ist eine seltene Blume, deren Blütenblätter im silbernen Schein des Mondes baden.“
Mit einer schnellen Bewegung wechselte die Waffe den Besitzer, und der Händler breitete eine Karte aus, deren Oberfläche ein Netz aus Linien und Symbolen war. Er zeigte auf drei Gipfel, die auf das Pergament gemalt waren. „Hier, hier und hier“, sagte er und tippte nacheinander auf jeden Berg. „Das Mondlichtgras wächst bevorzugt an hohen Orten, wo der Mond am stärksten scheint.“
Kai studierte die Karte und prägte sich alle Details ein. Die Berge waren nicht weit entfernt und ragten wie Wächter über der Stadt empor. Der Saar-Berg, der am nächsten lag, war sein Ziel – ein Gipfel, der die Wolken durchbrach und dessen Hänge eine Herausforderung für jeden waren, der sich an seinen Aufstieg wagte.
Mit einem dankbaren Nicken faltete Kai die Karte zusammen und steckte sie weg. Der Marktplatz verschwand vor seinen Augen, als er seinen Blick auf die hoch aufragende Gestalt des Saar-Berges richtete. Der Weg vor ihm war frei, und obwohl die Reise beschwerlich werden würde, war Kais Entschlossenheit so fest wie die Erde unter seinen Füßen.
Die Wildnis näherte sich immer mehr, ihre felsige Oberfläche ein Zeugnis des ewigen Tanzes der Elemente.