Schnee drückte sich in die Wunde an ihrer Seite.
Er war nicht kalt. Nur … nass. Schwer.
Asmodea lag zusammengerollt in einem Nest aus zerbrochenen Ranken. Ihre Lippen waren geöffnet und saugten Luft ein, die sich nicht wie Luft anfühlte. Blut tränkte den Boden unter ihren Rippen – zu viel, um es zu formen, um es zu kontrollieren. Es floss einfach nur …
„Ich mochte dieses Kleid …“, flüsterte sie fast träumerisch.
Ihre Sicht verschwamm.
Frost haftete an ihren Wimpern.
Einer ihrer Flügel zuckte. Der andere war zerfetzt.
Kaaz‘ Schritte hallten nicht wider. Er schleppte seinen Schwertarm nicht hinter sich her.
Er kam auf sie zu wie ein Schatten, der von einer sterbenden Flamme geworfen wurde – groß, aufrecht, unausweichlich.
Er sagte nichts.
Diesmal verspottete er sie nicht.
Das musste er nicht.
Sie versuchte, ihren Arm zu heben.
Ihre Finger krümmten sich halb zum Griff ihres Messers, dann sackten sie wieder herab.
Ihre Magie reagierte nicht. Ihre Ranken lagen brach, erschöpft. Von den Angriffen des Feindes zerfetzt.
Zum ersten Mal seit Jahren fühlte sie sich klein. Nicht weil sie verloren hatte – weil sie nicht genug war. Für ihn. Für sich selbst. Für das, was sie sein wollte.
Ihr Atem zitterte.
Ihr Herz nicht.
„Du warst schon immer die Schwache.“
Das war nicht Kaaz.
Das war sie.
Die Stimme in ihrem Inneren – die Stimme, die sich ihrer Stimme bediente, wenn sie an sich selbst zweifelte.
Aber dann erinnerte sie sich –
an einen Moment in einem Tempel.
An eine Nacht ohne Blut.
Nur Asmodeus, der ihr mit der Hand durch die Haare fuhr und sie ansah, als würde er sagen:
„Warum interessiert es dich, was andere denken?“
„Für mich … bist du perfekt, genau so wie du bist.“
„Verflucht, schwach oder nutzlos. Ich würde dich trotzdem lieben.“
Ihre Augen öffneten sich.
Nur ein wenig.
Der Frost klebte wie Asche an ihren Lippen. Ihr Atem bildete kleine Wölkchen, die sich über ihr Gesicht legten und zum Himmel aufstiegen, als wollten auch sie fliehen. Irgendwo über ihr bewegte sich Kaaz noch – sie spürte den Druck seiner Schritte im Schnee, seine Entschlossenheit war scharf wie ein Eiszapfen, der direkt auf ihre Kehle zeigte.
Aber ihre Gedanken waren schon ganz bei sich.
Nicht aus Angst.
Nicht einmal aus Reue.
Nur … ein langsames Abtauchen. Wie Blütenblätter, die auf ein Grab treiben.
—
Sie erinnerte sich daran, als sie ihn zum ersten Mal getroffen hatte.
Vor seiner Krone. Vor dem Blut. Vor allem.
Als sie in Dornen gehüllt war, die sie selbst gesponnen hatte, als ihr alles in ihrem Leben fehlte und sie jeden bezweifelte, der sich ihr näherte, war sie nicht subtil und musste es auch nicht sein. Männer starben an ihrem Duft, Priester nannten sie ein Monster … eine Hexe.
Sie dachte, es wäre ihr egal …
Und dann traf sie ihn.
Asmodeus. Ryuji. Dieser dumme, idiotische Berserker, der sich wie ein wildes Wildschwein in ihre Welt drängte, aber dennoch stand, als wäre er aus Trotz und Spucke geformt.
„Hübscher Spucke …“
Sie hatte versucht, seinem Charme zu widerstehen – natürlich hatte sie das. Sie lachte, als er sich wehrte.
Sie neckte ihn, verspottete ihn, drückte sich mit ihrem Atem, der wie Wein roch, und ihrer Haut, die sich wie Seide anfühlte, an ihn. Asmodeus versuchte alles … aber es war egal.
Aber er zuckte nicht mit der Wimper.
Er hatte sie nicht schön genannt.
Er hatte nicht gebettelt oder gekämpft.
Er hatte sie ruhig angesehen – still – und ihr einen Weg, einen Platz gegeben.
Ein Zuhause.
Seine Worte der Zuneigung waren nicht groß, aber voller echter Gefühle.
Sie erinnerte sich schweigend daran. Nicht kalt, nicht grausam. Einfach … ehrlich.
Als hätte er etwas hinter den Reißzähnen und Blütenblättern gesehen, etwas, von dem sie nicht einmal wusste, dass es da war.
„Du bist der Moment vor dem Frühling.“ „Du verdienst es, dich von deinem Fluch zu befreien und glücklich zu sein, zu gedeihen.“
Ihre Brust zog sich zusammen.
Nicht vor Schmerz.
Vor Sehnsucht. Vor Verlangen. Nach etwas, das sie sich geschworen hatte, nie wieder zu vergessen, aber dieser Kampf ließ sie an diesen Gefühlen zweifeln und ließ sie in ihrer Niederlage zusammenbrechen.
Sie hatte ihn von diesem Moment an geliebt.
Nicht weil er stark war. Nicht weil er König war.
Weil er sie sah.
Nicht die Prinzessin. Nicht die Hexe. Nicht die Versagerin.
Sie.
—
Ein einzelner Dorn durchbohrte ihre Handfläche, nicht durch einen Zauber, sondern durch die Erinnerung. Asmodea umklammerte ihn fest und ignorierte den Schmerz.
Ihre Stimme war voller heiserer Entschlossenheit.
„Ich bin noch nicht fertig.“
Sie umklammerte den Dorn noch fester und ließ ihr Blut fließen, es lief ihr Handgelenk hinunter, als würden die Erinnerungen an ihn wie ein blutroter Fluss über ihren Körper strömen.
Ihr Körper zitterte, Emotionen, die so lange verborgen geblieben waren, brachen endlich die Barrieren, die sie so sorgfältig errichtet hatte.
Der kalte Wind von Kaaz‘ Angriff schien nicht mehr so gefährlich; nichts im Vergleich zu der harten Erinnerung an ein Leben ohne Asmodeus.
Sie war nicht die Waffe, zu der sie gemacht worden war.
Keine Hexe mehr. Kein Spielzeug des Blutes und des Krieges. Nicht mehr.
Asmodeus hatte sie nie so gesehen.
„Du bist meine geliebte Prinzessin des Blutes, diese Blutblumen sind wunderschön.“
„Dann blühe, wie du willst.“
Ihr Herz schlug im Takt ihrer Gedanken, ihre letzten Zweifel verschwanden in dem aufkommenden Sturm, zerrissen von den schwarzen Ranken, die um ihre Arme wuchsen. Die Kraft, die sie immer in sich getragen hatte, stieg in ihr auf, und zum ersten Mal spürte sie, dass sie auf ihre Gefühle reagierte.
Die Dornen, die ihr geholfen hatten, zu erwachen, verblassten und verschwanden in ihrem Blut, während ein kleiner Blutwirbel um sie herum zu pulsieren begann, eine Blutlache wurde zu einem See, der See zu einem Fluss. Ihr Körper zuckte und bebte, als würde etwas tief in ihr toben.
Der purpurrote Schimmer ihrer Kraft wurde intensiver und bewegte sich wie geschmolzene Lava unter ihrer Haut.
Kaaz hielt inne und spürte die Veränderung. Sein Gesichtsausdruck zeigte Ärger, aber das Kribbeln auf seiner Haut und die wachsende magische Aura, die von der Frau ausging, ließen ihn innehalten.
Er verstand nicht, was vor sich ging.
Asmodea war nicht mehr nur eine Betrügerin, eine Zauberin mit Magie aus Blut und Blütenblättern.
Sie war die Kaiserin. Sie war seine Kaiserin.
Unter ihren Füßen bebte der Boden, erfüllt von blutroten Ranken, die sie befreiten, sich um ihre Glieder wickelten und sich in dicken rubinroten Spiralen zum Himmel reckten. Ihr Körper schien zu leuchten, während sich die Luft zu verzerren begann.
Ihre Haut begann in einem fast ätherischen Licht zu schimmern, doch darunter schürte das Feuer ihrer Wut – ihrer Hingabe – die Verwandlung.
Das erste Flüstern der Macht stieg in ihrer Brust auf, und sie schloss die Augen, ihr Atem wurde ruhig, während ihr Geist sich an das Gefühl seiner Stimme klammerte.
Ihre Stimme zitterte vor all der Trauer, der Wut, der Sehnsucht, der Liebe, die sie so lange unterdrückt hatte:
„Für dich …“ „Für deine Liebe …“ „Für dein Vertrauen …“
Ihre Lippen öffneten sich, und mit einer Gewissheit, die zuvor nur ein Traum gewesen war, sprach sie die Worte, die sie so lange sagen wollte. Worte, die sie sich selbst geflüstert hatte, wenn das Mondlicht sanft war und die Welt still.
„…“
Im selben Atemzug explodierte ihre Kraft nach außen, strömte hervor, breitete sich aus, ein Meer aus tiefroten Blütenblättern und Dornen, das den Boden unter ihr aufriss und das Schlachtfeld mit ihrer Wut überflutete.
Die Bäume bebten, der Himmel schien sich zu verbiegen, und Kaaz‘ übermütiges Grinsen verschwand zum ersten Mal.
Ihre Gestalt veränderte sich und wurde zu etwas, das weit über die Person hinausging, die vor ihm stand. Sie war nicht mehr die Frau, die einfach nur Asmodeus‘ Namen in die Stille geflüstert hatte.
Jetzt war sie das Blut selbst.
Die Essenz von Krieg und Leidenschaft, destilliert in einem Wort. Einem Versprechen.
Ihr Körper blühte auf, aber nicht mit zarten Blütenblättern oder Rosen … sondern mit mörderischer, tödlicher Schönheit. Asmodeas Macht entfaltete sich wie Ranken roher, ungezähmter Magie, die sich wie Blutschlangen um sie wanden und sich in das winterliche Schlachtfeld bissen.
Sie war das Meer aus Blut. Sie war die Auserwählte des Kaisers.
Und als der Wind des Krieges um sie herum auffrischte, blickte sie zu Kaaz auf, mit einem grausamen Lächeln.
„Du wirst sehen, was es bedeutet, Kaiserin zu sein.“
– Bloom… Meer der Blutkaiserin.
Kaaz‘ Lächeln verschwand und wurde durch einen Anflug von etwas Unausgesprochenem ersetzt. Etwas Ernsthafterem. Er konnte es jetzt spüren – das Gewicht ihrer Macht. Die Art, wie sie sie verändert hatte, sie zu etwas gemacht hatte, das niemand hätte vorhersehen können.
Aber er würde nicht zurückweichen. Nicht jetzt.
Er schnippte mit der Hand, und der Wind frischte wieder auf und wirbelte messerscharfe Eissplitter herum.
Er versuchte, ihren Willen zu brechen, doch die Aura, die sie ausstrahlte, war genauso stark, nein, vielleicht sogar stärker als die seiner Königin, sodass der dritte Zahn zu zittern begann.
„Ist das alles? Na los, zeig mir, was du wirklich drauf hast.“
Aber Asmodea war nicht mehr die Frau, die er unterschätzt hatte.
Sie war seine Kaiserin.
Ihre Kraft explodierte nach vorne, eine Flut aus Dornen und blutroten Ranken stürzte auf ihn zu und hüllte das Schlachtfeld in einen intensiven Tornado aus purpurroter Wut.
Er musste zurückspringen, aber in dem Moment, als er das tat, schlossen sich die Blütenblätter – sein Rücken drückte bereits gegen den unerbittlichen Boden, als die Ranken begannen, ihm die Luft aus den Lungen zu pressen.
Eine Flut von Blut füllte das Schlachtfeld …
Das war Asmodeas Magie, die Gestalt angenommen hatte.