König Gulben ging schnell durch den Flur seines Palastes, seine langen Schritte hallten auf dem Marmorboden wider. Sein Gesichtsausdruck blieb ruhig, aber in seinen Augen war ein Feuer der Entschlossenheit zu sehen. Die Last der Situation lastete schwer auf seinen Schultern als Anführer, doch er bewegte sich zielstrebig, da er wusste, dass das Leben seines Volkes und das Schicksal seiner Welt von seinen nächsten Handlungen abhingen.
Er erreichte den Thronsaal und blieb vor einem unscheinbaren Teil der Wand stehen. Ohne zu zögern zog er ein kleines Messer aus seinem Gürtel und schnitt sich präzise in die Handfläche.
Blut quoll hervor und er drückte seine Hand gegen die Steinoberfläche. Die Wand reagierte sofort. Ein schwaches blaues Licht zeichnete alte magische Runen nach, die seit Jahrhunderten verborgen gewesen waren.
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Die Wand verschob sich und öffnete sich, um ein verstecktes Fach freizugeben. Darin lag ein schwarzes Buch, gebunden in abgenutztes, uraltes Leder. Auf seinem Einband waren silberne Symbole eingraviert, die schwach pulsierten, als würden sie das Blut des Königs spüren.
Dies war der Codex des Blutes, ein verbotenes Buch, das über Generationen von Elfenherrschern weitergegeben worden war. Nur der König durfte es einsehen, denn das darin enthaltene Wissen barg sowohl große Macht als auch unvorstellbare Gefahren.
König Gulben holte tief Luft, ließ seine Finger über die Oberfläche des Buches gleiten und hob es dann vorsichtig aus seiner Halterung. Das Gewicht des Buches war ihm vertraut, doch es hatte eine Schwere, die nicht physischer Natur war.
Es enthielt Zaubersprüche und Beschwörungsformeln, die die Struktur der Realität verändern konnten, und er wusste, dass er jede Unze seiner Kraft brauchen würde, um ein Gefäß zu erschaffen, das stark genug war, um die chaotische Energie zu bändigen, die aus der Schlacht strömte.
Als sich die Wand hinter ihm schloss, hielt er das Buch fest an sich gedrückt und spürte die pulsierende Energie darin.
„Ich muss das für die Welt und für mein Volk tun“, flüsterte er sich selbst zu, und mit einem letzten entschlossenen Blick verschloss er die Tür zu der Kammer, in der er das gefährliche Ritual beginnen würde.
König Gulben stand nun allein in der Mitte der Kammer, und die Luft wurde immer dichter vor Erwartung, als er das alte Buch öffnete. Die Seiten waren voller uralter Magie, und die silbernen Symbole leuchteten heller und tauchten sein Gesicht in ein warmes Licht. Er begann in der alten Sprache der Elfen zu singen, und seine Stimme hallte durch die Kammer, während die Runen im Buch auf seinen Gesang reagierten.
Langsam begann sich der Raum um ihn herum zu verändern.
Die Wände verschwanden und wurden durch wirbelnde Muster aus Licht und Schatten ersetzt. Er öffnete ein Tor. Es war eine private, separate Dimension, zu der nur der König des Elfenpalastes Zugang hatte.
Es war ein Reich, das von der physischen Welt abgeschottet und vom Chaosreich unberührt war. Allerdings war es unberechenbar und geheimnisvoll. Dies war die Waffe, die sein Bruder Laston einst zu erlangen versucht hatte. Ein Ort von immenser Macht, aber auch von großem Risiko.
In dieser Dimension konnte ein Elfenkönig tiefer eintauchen und unvorstellbare Kräfte erlangen. Aber je weiter man sich vorwagte, desto größer war die Gefahr, für immer verloren zu sein.
Gulben hatte diesmal nicht vor, tief einzutauchen. Er würde nur die äußerste Schicht betreten, einen Raum, den er vor vielen Jahren erkundet hatte. Dort wollte er ein Gefäß erschaffen, das die chaotische Magie, die aus der Schlacht über ihm strömte, vorübergehend auffangen und neutralisieren konnte.
Er konzentrierte seine Energie und lenkte seine Kraft in den Zauber. Die Luft um ihn herum verdichtete sich, als sich das Tor weitete und das vertraute Gefühl der Präsenz der Dimension ihn überkam.
Die Erinnerung an seine letzte Reise hierher gab ihm Halt. Er wusste genau, wo er die chaotische Energie platzieren musste. Der Ort, den er dafür vorgesehen hatte, war ein Punkt innerhalb dieser Dimension, den er vor langer Zeit persönlich stabilisiert hatte. Wenn alles nach Plan verlief, würde er als vorübergehender Speicherort für die unberechenbare Magie dienen.
Aber das Öffnen dieses Tores und die Aufrechterhaltung der Verbindung erforderten eine Menge magischer Energie.
König Gulben runzelte die Stirn, während er seine Kraft bündelte, und der Raum knisterte vor Energie, als sich das Portal stabilisierte. Die chaotische Energie aus dem Kampf über ihm musste in diesen Raumkanal geleitet werden. Es war eine heikle und gefährliche Operation.
„Ich muss es schaffen“, flüsterte er und spürte die immense Last seiner Verantwortung. „Für mein Volk, für meine Kinder … das wird funktionieren.“
Er stand fest und bereit, zu beginnen. Die Dimension pulsierte und wartete darauf, dass ihr König ihre Kraft erneut entfesselte.
König Gulben sah zu, wie sich der Riss vor ihm materialisierte. Es war ein wirbelnder Strudel aus Licht und Schatten. Mit einem tiefen Atemzug streckte er seine Hand aus und ließ seinen Geist von seinem physischen Körper trennen. Sein Körper blieb regungslos in der Thronhalle zurück, während sein Geist die Schwelle überschritt und in das Reich jenseits davon eintrat.
In dem Moment, als sein Geist eintrat, wurde er von einem riesigen, ätherischen Wald empfangen, der in einem sanften violetten Licht erstrahlte. Die Bäume ragten hoch empor, ihre Blätter schimmerten wie ferne Sterne.
Es war ein Ort von seltsamer Schönheit mit einer Atmosphäre, die ihm vertraut und doch fremd war und ihn daran erinnerte, dass er sich tatsächlich in einer anderen Welt befand. Der Wald war nicht dicht, sodass er genug Sicht hatte, um sich zurechtzufinden und die Weite um sich herum zu spüren.
König Gulben ging weiter und bahnte sich seinen Weg durch die surreale Landschaft. Er spürte den Boden unter seinen Füßen, kühl und weich wie die moosbedeckte Erde seiner Heimat.
Nach ein paar Metern stieß er auf eine Höhle, die er sofort erkannte. Sein Herz schlug etwas schneller. Aber in seinen Augen war keine Angst zu sehen, nur Ruhe. Er hatte diesen Teil der Dimension vor langer Zeit erobert, und die Wesen darin erkannten seine Herrschaft an. Keiner würde es wagen, seine Anwesenheit hier anzufechten.
Mit einem tiefen Atemzug betrat er die Höhle. Ihre Wände leuchteten schwach und warfen lange Schatten, die tanzten, als er weiter hineinging. Die Luft war schwer von einer uralten Kraft, die mit seiner eigenen Magie in Resonanz stand. Er blieb in der Mitte der Höhle stehen, spürte den Puls der Dimension um sich herum und begann sich zu konzentrieren.
Er schloss die Augen und streckte seine Seele aus, um sich wieder mit seinem physischen Körper zu verbinden, der noch immer im Thronsaal stand.
Er spürte, wie sich die Verbindung festigte wie ein magischer Faden, der die beiden Welten miteinander verband.
Energie strömte durch ihn hindurch, als er sich darauf vorbereitete, den Kanal zu öffnen, der seine Welt und den Taschenraum der Dimension miteinander verband. Die chaotische Magie würde bald fließen und er würde sie hierher leiten, an den Ort, den er einst gezähmt hatte.
„Lass den Fluss beginnen“, flüsterte er, und die Worte hallten durch beide Dimensionen, als er den Prozess in Gang setzte.
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