Als sie Sahuras letzte Worte hörten, schauten sich Erend und Eccar an. Eccar, immer skeptisch, runzelte die Stirn, bevor er etwas sagte.
„Meinst du das wirklich?“, fragte Eccar. „Oder versuchst du nur, uns zu trösten?“
Sahuras Augen strahlten Aufrichtigkeit aus, als sie sanft den Kopf schüttelte.
„Ich meine es ernst“, antwortete sie. „Es gibt keinen Grund, warum ihr glauben solltet, dass ihr scheitern werdet. Ihr habt alle Ressourcen für Macht, von denen andere nur träumen können. Ihr müsst das nur erkennen.“
Mit einer anmutigen Handbewegung deutete Sahura auf ihre Umgebung, die Oase schimmerte wie ein Traum. Und dahinter lag die weite, grenzenlose Sandwelt.
„Ihr habt die gesamte Dungeon-Welt zu eurer Verfügung. Jede Herausforderung, jede Prüfung und jeder Winkel dieses Ortes ist eine Schmiede, in der ihr eure Stärke verbessern könnt. Die Macht, die ihr sucht, ist hier und wartet darauf, dass ihr sie euch holt.“
Erend und Eccar hielten inne und ließen die Bedeutung ihrer Worte auf sich wirken. Sie schauten sich um und sahen die Welt nicht mehr als endlose Hindernisse jenseits des Sandes, sondern als Schatzkammer unerschlossener Möglichkeiten.
Zum ersten Mal seit langer Zeit wurde ihnen klar, dass ihre Sorgen nur durch ihr eigenes Grübeln angeheizt worden waren. Sahura hatte recht. Sie hatten diesen Ort, eine Welt voller Möglichkeiten, stärker zu werden.
Erend stand von seinem Stuhl auf, sein Gesichtsausdruck wechselte von Zweifel zu Entschlossenheit.
„Dann dürfen wir keine Zeit mehr verschwenden“, erklärte er mit entschlossener Stimme. Er wusste, dass die Zeit in dieser Dungeon-Welt anders verlief als draußen, aber das bedeutete nur, dass sie schnell handeln mussten. Es gab Macht zu erlangen, und sie brauchten viel davon, also zählte jede Sekunde.
Eccar stand ebenfalls auf. „Lasst uns loslegen“, murmelte er und nickte zustimmend.
Sahura kicherte leise, ihre Augen funkelten zustimmend.
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„Ihr lernt schnell“, sagte sie mit einem Nicken. „Setzt eure Reise fort, Krieger. Und denkt daran, wenn die Zeit gekommen ist … werden wir uns wieder sehen.“
Erend und Eccar verschwendeten keine weitere Sekunde. Sie fühlten sich bereits erfrischt.
Mit einem letzten dankbaren Nicken in Richtung Sahura stürzten sie sich in die Luft und schnitten durch den Himmel, während sie über die Oase hinwegflogen. Die weite Welt der Dungeons erstreckte sich vor ihnen, bereit, erobert zu werden.
Sahura sah den beiden Drachengeborenen nach, wie sie mit kräftigen Flügelschlägen in den Himmel aufstiegen. Im Handumdrehen hatten sie bereits eine enorme Strecke zurückgelegt und verschwanden am Horizont.
Ihre Ungeduld war unverkennbar, ein klares Zeichen für den immensen Druck, unter dem sie standen. Die Gefahr, der sie ausgesetzt waren, musste überwältigend sein, und das, was sie zu beschützen versuchten, war von unschätzbarem Wert.
Doch als sie aus ihrem Blickfeld verschwanden, verdüsterte sich Sahuras Miene. Die Wärme ihres Lächelns verschwand und machte einer düsteren Schattenstelle Platz.
Es gab etwas, das die beiden Drachengeburtigen noch nicht verstanden hatten, eine Wahrheit, die in den Tiefen der Dungeon-Welt schlummerte und in der Macht lauerte, die sie suchten.
Macht, das wusste sie nur zu gut, neigte dazu, zu korrumpieren.
Sahuras Augen verengten sich, während ihre Gedanken sie bedrückten. Sie war sich sicher, dass ihre edle Sache sie vorerst vor den dunklen Einflüssen der Macht schützen würde, die sie erlangen würden.
Erend und Eccar kämpften, um etwas zu schützen, das ihnen lieb war, und dieses Ziel würde sie zumindest vorerst zusammenhalten. Aber die Samen der Verderbnis waren subtil, und Macht zeigte sich nicht immer so rein, wie man es sich erhoffte.
Besonders für Erend.
Sahura ballte leise ihre Hände in ihrem Schoß. Sie konnte sie nicht warnen, nicht direkt. Das war eine der Regeln dieser Welt. Die Wahrheit musste von ihnen selbst entdeckt werden.
Der Weg, den sie gingen, war einer, den sie schon andere vor ihnen beschritten hatten. Und diejenigen, die hier nach Macht strebten, waren seiner Versuchung erlegen und zu etwas Unerkennbarem geworden, von ihrer eigenen Stärke in den Wahnsinn getrieben. Deshalb mussten sie vernichtet werden.
Sie hatte es schon einmal miterlebt. Ein paar willensstarke und wohlmeinende Menschen waren an diesen Ort gekommen und so stark geworden, dass sie sich selbst verloren hatten, verschlungen von genau der Kraft, von der sie geglaubt hatten, dass sie sie retten würde.
Aber das konnte noch warten.
Sahura seufzte leise und ließ ihren Blick auf den leeren Himmel schweifen, wo Erend und Eccar gerade noch geflogen waren. Sie konnte nur hoffen, dass sie die Gefahr rechtzeitig erkennen würden und nicht in die gleichen Fallen tappen würden wie ihre Vorgänger.
Die Dungeon-Welt bot zwar immense Macht, aber sie war auch eine Prüfung. Und nicht jeder bestand sie.
„Ich kann nur hoffen, dass sie nicht wie die anderen werden.“
Mit diesem schweren Gedanken schloss sie die Augen und kehrte zu ihrer Warteposition zurück.
—
Erend und Eccar schwebten durch den Himmel, der Wind strich ihnen um die Gesichter, während sie die öde Landschaft unter sich absuchten. Die weite Wüste erstreckte sich endlos in alle Richtungen. Ihre Sinne waren geschärft und auf alles aufmerksam, was unter ihnen lauerte.
Schon nach kurzer Zeit entdeckten sie eine Bewegung. Riesige Skorpione mit dunklen, gepanzerten Körpern huschten über die Dünen. Ohne zu zögern stürzten Erend und Eccar herab, ihre Flügel zerschnitten die Luft, als sie sich auf die Kreaturen stürzten.
Mit einer schnellen Bewegung aktivierten sie ihre Klauen.
Die Skorpione waren ziemlich groß und schnappten mit ihren Zangen wild um sich, aber sie waren den Drachengeborenen nicht gewachsen. Erend schlug zuerst zu und seine Klauen schnitten mühelos durch das Exoskelett einer der Bestien.
Eccar folgte und tötete einen weiteren Skorpion.
Innerhalb weniger Augenblicke lagen die einst gefährlichen Kreaturen regungslos im Sand, ihre Körper zerquetscht und zerbrochen.
Sie flogen weiter.
Die Luft um sie herum schien schwerer zu werden, je tiefer sie in das Herz der Wüste vordrangen, aber weder Erend noch Eccar zeigten Anzeichen von Ermüdung.
Plötzlich brach unter ihnen eine Sandwolke auf. Riesige Sandwürmer tauchten aus den Tiefen der Wüste auf. Jeder von ihnen war so groß wie eine U-Bahn. Ihre gigantischen Körper wand sich und krümmten sich, ihre klaffenden Mäuler waren mit Reihen scharfer Zähne gesäumt.
Erend und Eccar schwebten in der Luft und blickten auf die monströsen Kreaturen hinab. Es waren Dutzende von ihnen. Aber in ihren Augen war keine Angst zu sehen, nur Entschlossenheit.
Erend schoss vorwärts und stürzte sich direkt auf den nächsten Sandwurm. Er schlug auf den dicken, segmentierten Körper der Kreatur ein, seine Klauen schnitten tief in ihr Fleisch, während das Biest ein ohrenbetäubendes Brüllen ausstieß.
Eccar schloss sich dem Kampf an und schlug mit seiner Faust auf den Kopf eines anderen Wurms, wobei er dessen gepanzerte Haut mit roher Gewalt zersplitterte.
Die Sandwürmer schlugen zurück und schlugen wild um sich, aber die Drachenblütigen bewegten sich präzise und schnell. Sie wichen den Angriffen der Kreaturen mühelos aus, wobei ihnen ihre Flügel eine erstaunliche Beweglichkeit verliehen.
Erend versetzte den Würmern eine Reihe schneller Schläge und durchschlug einen nach dem anderen, während Eccar vernichtende Schläge austeilte, die die Monster in Stücke rissen.
Der Kampf war heftig, aber innerhalb weniger Minuten brach der letzte Sandwurm zusammen und versank leblos im Sand.
Erend und Eccar schwebten über dem Gemetzel und überblickten die Szene unter ihnen. Die Wüste war wieder still, die Überreste der Schlacht lagen verstreut in den Dünen.
Sie tauschten einen Blick aus, nickten sich schweigend zu und hoben dann wieder ab. Es gab keine Zeit zu verlieren. Sie mussten noch stärker werden, wenn sie die Große Katastrophe besiegen wollten.
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