Adrius stand inmitten der verbrannten Überreste des Waldes. Seine Brust hob und senkte sich schnell mit jedem Atemzug. Schweiß tropfte von seiner Stirn und vermischte sich mit dem Schmutz und der Asche, die an seiner Haut klebten. Seine Glieder fühlten sich jetzt schwer an. Seine magischen Reserven waren durch den unerbittlichen Kampf fast aufgebraucht. Er wischte sich das Blut aus dem Mundwinkel, sein Körper zitterte von der Anstrengung des Kampfes.
Um ihn herum war die Landschaft völlig zerstört. Der Boden war schwarz und von unzähligen Explosionen zerfurcht, die die Erde aufgerissen hatten. Die Bäume, die einst wie Wächter emporragten, waren jetzt nur noch schwelende Stümpfe, deren Asche in der heißen Luft wirbelte.
Doch trotz der Zerstörung war Adrius‘ Blick auf die Gestalt fixiert, die wenige Meter vor ihm stand.
Theron.
Der uralte Magier, der jetzt sein Feind war, stand immer noch aufrecht da, mit einem beunruhigend ruhigen Gesichtsausdruck. Kein einziger Schweißtropfen bedeckte sein Gesicht, und seine Augen waren mit einer Mischung aus Belustigung und Zufriedenheit auf Adrius gerichtet. Der tiefrote Mantel, den er trug und der aussah, als wäre er aus geronnenem frischem Blut gemacht, flatterte leicht im heißen Wind.
Adrius biss die Zähne zusammen, seine Knöchel wurden weiß, als er seinen Sternstahlstab fester umklammerte. Er hatte in diesem Kampf alles gegeben, aber Theron … er sah kaum erschöpft aus.
„Du hältst dich besser, als ich gedacht habe“, sagte Theron mit ruhiger, gelassener Stimme. Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. „Genau das habe ich erwartet, als ich zurückgekommen bin, Adrius.
Eine echte Herausforderung. Ich muss zugeben, dass ich diesen Nervenkitzel schon viel zu lange nicht mehr gespürt habe.“
Adrius antwortete nicht. Seine Gedanken rasten, während er nach einer Möglichkeit suchte, das Blatt zu wenden. Sein Körper schrie nach Ruhe, aber die konnte er sich jetzt nicht leisten.
Therons Lächeln wurde breiter. „Ich bin froh, dass du es warst, Adrius. Wäre es ein anderer Magier oder sogar ein zufälliger Krieger gewesen, wäre ich … enttäuscht gewesen.“ Er lachte leise. „Die wären viel zu leicht zu töten gewesen. Aber du …“ Er deutete vage auf das zerstörte Schlachtfeld. „Du hast mir genau das gegeben, was ich wollte.
Einen echten Kampf, um meine Macht zu testen.“
Adrius spürte, wie sein Herz in seiner Brust pochte. Therons Worte klangen erschreckend aufrichtig. Er spielte nicht nur mit ihm, er war wirklich erfreut. Trotz allem genoss Theron diesen Kampf wie ein lang ersehntes Festmahl. Der Gedanke daran machte Adrius übel.
„Du bist verrückt“, spuckte Adrius, wischte sich den Schweiß von der Stirn und rang um Fassung.
Therons Lächeln verschwand nicht. „Vielleicht. Aber was ist Wahnsinn anderes als das Streben nach wahrer Befriedigung? Und mir wurde viel zu lange Befriedigung verwehrt.“
Adrius umklammerte seinen Stab fester. Seine Gedanken rasten, während er seinen nächsten Zug überlegte. Dann holte er tief Luft und rief die letzten Reste seiner Magie herbei. Sein Körper schrie vor Schmerz, aber er zwang sich, sich zu konzentrieren.
Theron beobachtete ihn, ohne sein Lächeln zu verlieren.
„Du kämpfst immer noch, obwohl du weißt, dass du unterlegen bist. Bewundernswert.“ Sein purpurroter Umhang wehte um ihn herum, als er die Arme weit ausbreitete. „Komm, Adrius. Zeig mir mehr. Zeig mir das Feuer, das noch in dir brennt!“
—
Lysander flog mit unerbittlicher Geschwindigkeit. Die Luft rauschte an ihm vorbei, während die Baumwipfel unter ihm verschwammen. Sein Blick war auf die Stelle vor ihm gerichtet, wo der Kampf zwischen Adrius und Theron plötzlich verstummt war.
Während er durch die Luft schoss, griff Lysander in seine Tasche und holte eine kleine Phiole mit einer schimmernden blauen Flüssigkeit heraus. Es war ein Zaubertrank, den er glücklicherweise noch ergattern konnte, bevor er in den Kampf stürzte.
Er öffnete sie und trank den Inhalt schnell aus. Sofort spürte er, wie eine Welle von Kraft durch ihn hindurchströmte und seine magische Energie wieder auffüllte. Sein Körper fühlte sich jetzt leichter an.
„Gut … noch genug für Adrius“, murmelte Lysander vor sich hin und warf einen Blick auf die restlichen Fläschchen, die an seinem Gürtel befestigt waren. Doch dann kam ihm ein düsterer Gedanke. Er hatte keine Ahnung, ob Adrius in der Hitze des Gefechts überhaupt Zeit haben würde, den Trank zu trinken.
„Nein“, schüttelte Lysander den Kopf, und Entschlossenheit breitete sich in seiner Brust aus. „Ich werde dafür sorgen, dass er die Zeit hat.“
Mit neuer Kraft wurde Lysander schneller. Der Wald war jetzt nur noch ein dunkler Fleck unter ihm. Er spürte, wie die magische Energie vor ihm immer stärker wurde.
Bald sah er sie. Theron stand aufrecht da, sein bedrohlicher roter Mantel wirkte wie ein fließender Blutstrom vor dem verkohlten und geschwärzten Schlachtfeld. Adrius war nicht weit entfernt, seine Haltung war unsicher, sein Atem schwer, er war eindeutig am Ende seiner Kräfte.
Ohne eine Sekunde zu verlieren, hob er seinen Stab, der vor Blitzen knisterte, während er seine Magie in ihn fließen ließ.
„Das ist jetzt vorbei!“
Er entfesselte eine Salve von Blitzen. Dutzende von ihnen zerrissen die Luft und jeder einzelne zielte direkt auf Theron. Der Himmel über Lysander verdunkelte sich, als die elektrischen Blitze das Schlachtfeld erhellten und für einen flüchtigen Moment die Nacht zum Tag machten. Die Blitze schossen mit einem knisternden Geräusch aus purer Energie, das in der Luft widerhallte, auf ihr Ziel zu.
Theron drehte seinen Kopf leicht zur Seite, gerade als der erste Blitz einschlug.
BOOM!
BOOM!
BOOM!
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Die Blitze trafen Theron direkt und schlugen nacheinander in ihn ein, wobei sie sich um seinen Körper wickelten. Jeder Schlag erhellte den Nachthimmel und verwandelte das Schlachtfeld in ein flackerndes, helles Chaos.
Lysander machte keine Pause. Er schickte einen Blitz nach dem anderen, während die Energie wie ein Strom durch ihn hindurchfloss. Der Boden bebte unter der Wucht seines unerbittlichen Angriffs.
Die monströse, rot gekleidete Gestalt von Theron wurde von der Helligkeit der Blitze verschlungen und verschwand in der leuchtenden Energiekaskade. Doch Lysander wusste, dass er sich noch nicht als Sieger betrachten durfte. Er musste schnell handeln.
Ohne zu zögern sprang Lysander schnell auf den verkohlten Boden neben Adrius und landete in einer geduckten Haltung. Adrius stand auf. Er war sichtlich erschöpft. Lysander konnte seinen keuchenden Atem hören und den Schweiß, der ihm über das Gesicht lief.
„Hier, Meister“, sagte Lysander eindringlich, zog den restlichen Trank aus seinem Gürtel und reichte ihn Adrius. „Trink das.“
Adrius nahm die Phiole und öffnete sie schnell. Doch gerade als der Trank seine Lippen berühren wollte –
KLIRR!
Ein scharfes Projektil schoss durch die Luft, schneller als ein Wimpernschlag, und zerschmetterte die Phiole in Adrius‘ Hand. Die glühende Flüssigkeit ergoss sich auf den Boden, verschwendet, ihre Magie verflüchtigte sich im Dreck.
Lysander riss vor Schreck die Augen auf und Adrius fluchte leise, als die Reste des Tranks von seinen Fingern tropften.
Dann hallte ein eiskaltes Lachen über das Schlachtfeld.
„Hey! Nicht schummeln!“, sagte Theron in spöttischem Ton.
Aus dem wirbelnden Staub und den letzten Blitzen tauchte seine Gestalt auf, völlig unverletzt. „Das soll doch ein fairer Kampf sein, oder?“
—