Adrius und Theron standen in einem heftigen Kampf. Ihre Magie prallte mit einer Kraft aufeinander, die die Luft und den Boden um sie herum erschütterte. Der Boden unter ihren Füßen barst und bebte.
Therons Lächeln blieb unverändert und wirkte wie kalte Belustigung, während Adrius‘ Gesicht Anzeichen von Anstrengung zeigte. Die Anstrengung, sich zu behaupten, war deutlich an seiner gerunzelten Stirn und seinem zusammengebissenen Kiefer zu erkennen.
„Du kannst mich nicht besiegen, Adrius. Das solltest du mittlerweile wissen“, spottete Theron mit einer Stimme voller Zufriedenheit.
Adrius antwortete nicht, da er sich ganz auf den Kampf konzentrierte. Dann drückte er mit aller Kraft, die er aufbringen konnte. Seine Muskeln spannten sich an und sein Körper zitterte.
Mit einem kehligen Grunzen gelang es ihm, Theron zurückzudrängen und eine kurze, aber entscheidende Lücke zwischen ihnen zu schaffen. Aber Adrius wusste, dass er jetzt nicht aufhören durfte, also drängte er weiter.
Theron schien trotz des Rückschlags nicht aus der Fassung zu geraten. Sein Gesichtsausdruck blieb ruhig. Dann sprach er erneut, diesmal mit einem Tonfall, der Adrius einen Schauer über den Rücken jagte.
„Ich werde dir ein Geheimnis verraten, Adrius“, sagte Theron mit einer Stimme, die täuschend sanft klang. „Meine Kraft kommt von der Großen Macht selbst. Wenn du mich also wirklich besiegen willst, musst du meinen Meister töten.“
Adrius kniff die Augen zusammen. Die Große Macht war zweifellos die Große Katastrophe selbst. Die Kraft, die ihre Welt ins Verderben gestürzt hatte.
Die Vorstellung, Theron zu besiegen, schien schon unmöglich genug, aber die Quelle seiner Macht – die Große Katastrophe selbst – zu besiegen, war jenseits aller Vorstellungskraft.
Adrius biss die Zähne zusammen, während er Theron anstarrte. Therons Selbstvertrauen war beunruhigend, seine Bereitschaft, ein so wichtiges Geheimnis preiszugeben, zeigte dieses Selbstvertrauen. Es war, als wäre Theron sich seiner Unbesiegbarkeit so sicher, dass es ihm nichts ausmachte, die Grundlage seines Lebens und seiner Macht offenzulegen.
Dieser Gedanke löste eine Welle der Frustration und Hilflosigkeit in Adrius aus.
Wie konnte er sich gegen etwas so Großes, so Überwältigendes stellen?
Therons Grinsen wurde breiter, als er Adrius‘ Aufruhr spürte.
„Siehst du? Selbst du verstehst es jetzt. Es hat keinen Sinn, sich zu wehren. Du kämpfst auf verlorenem Posten. Aber lass uns weitermachen, du wirst mich unterhalten, bevor ich dieses Königreich zerstöre“, sagte Theron.
Adrius‘ Verstand suchte verzweifelt nach einer Lösung. Er durfte sich von Therons Worten nicht unterkriegen lassen. Er ballte die Fäuste. Er würde nicht aufgeben.
„Du unterschätzt mich, Theron“, antwortete Adrius schließlich mit fester Stimme, trotz der Unruhe, die in ihm tobte.
Theron lachte und stürzte sich dann plötzlich erneut auf Adrius. Seine dunkle Magie brodelte heftig. Adrius bereitete sich auf den nächsten Zusammenstoß vor.
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Während Adrius sich Theron stellte, sah sich Lysander erneut der monströsen Riesenkreatur gegenüber. Das Wesen ragte vor ihm auf und sah noch grotesker und bedrohlicher aus als zuvor.
Lysander kniff die Augen zusammen, als er den Anblick sah. Das Fleisch der Bestie war von ihren vorherigen Angriffen zerfetzt und verbrannt worden, nun war es von einer dicken, geronnenen, blutähnlichen Substanz überzogen. Sie war purpurrot und pulsierte, als wäre sie ein lebendes Wesen. Der Anblick war ekelerregend, denn die Substanz schien über die Wunden der Bestie zu kriechen und ihr Fleisch wieder zusammenzufügen.
Die Erinnerung daran, wie er von diesem Wesen wie ein Insekt durch den Wald geschleudert worden war, war Lysander noch frisch im Gedächtnis, und der Schmerz dieses brutalen Aufpralls hallte in seinen Knochen nach. Doch jetzt, während er in der Luft schwebte und sein Stab vor Elektrizität knisterte, erfüllte ihn eine grimmige Entschlossenheit.
„Du wirst für deine Großzügigkeit bezahlen, du verdammtes Biest“, murmelte Lysander. Mit „Großzügigkeit“ meinte er den brutalen Angriff, der ihn durch den Wald geschleudert hatte. Jetzt war er an der Reihe, zurückzuschlagen.
Ohne einen Moment zu zögern, schoss Lysander in den Himmel. Sein Stab leuchtete hell, als er seine Magie kanalisierte. Dann erschuf er Dutzende von Blitzspeeren, die vor zerstörerischer Energie knisterten.
Mit einem scharfen Befehl entfesselte Lysander die Blitzspeere und schleuderte sie in schneller Folge auf das riesige Biest. Jeder Speer zeriss die Luft und hinterließ eine Spur aus gleißendem Licht, während er sich seinem Ziel näherte. Aber Lysander blieb in Bewegung – er schoss durch den Himmel und bereitete sich auf jeden möglichen Gegenangriff vor.
Das Biest zeigte jedoch keine Anzeichen von Angst oder Zögern.
Sie versuchte nicht, den herannahenden Speeren auszuweichen. Stattdessen hob sie mit einer furchterregenden Demonstration roher Kraft ihre Klauenhände und schlug nach den Blitzen, als wären sie bloße Fliegen.
Jeder Speer explodierte beim Aufprall, und elektrische Entladungen zischten über die Klauen und Arme der Bestie, doch das Wesen schien unbeeindruckt. Die Explosionen beleuchteten das purpurrote Blut, das aus ihren Wunden sickerte, und ließen die Kreatur noch furchterregender erscheinen.
Lysander sah, dass seine Angriffe keine nennenswerten Spuren hinterließen, genau wie er gedacht hatte. Die dicke Haut der Bestie und die dunkle Magie, die sie belebte, machten sie nahezu unempfindlich gegen die Blitzspeere, und das groteske, lebende Blut schien die Energie zu absorbieren und jeglichen wirklichen Schaden abzuschwächen. Erlebe spannende Geschichten auf m vl-em|p-yr
„Verdammt“, zischte Lysander leise, als ihm klar wurde, dass dieser Kampf viel schwieriger werden würde, als er erwartet hatte.
Er umkreiste die Bestie und suchte nach einer Schwachstelle, die er ausnutzen konnte. Er wusste, dass er keine Energie mehr für Angriffe verschwenden durfte, die nichts brachten. Er brauchte eine neue Strategie, etwas, das die Verteidigung der Bestie durchbrechen und ihr echten Schaden zufügen konnte.
Lysander entschied sich, ein großes Risiko einzugehen. Er nahm all seinen Mut zusammen, umklammerte seinen Stab fest und machte dann einen entschlossenen Schritt.
Ohne zu zögern stürzte Lysander sich auf die riesige Bestie und gab die Sicherheit der Distanz auf. Die Luft pfiff an ihm vorbei, als er sich bewegte. Dann zog er sein Schwert und begann, es mit mächtiger Magie zu erfüllen. Das Schwert leuchtete in einem strahlenden Blau, als er seine Kraft in die Waffe fließen ließ.
Lysander verkürzte den Abstand und zielte auf den Arm der Bestie. Er schwang sein Schwert in einem weiten Bogen.
Das Schwert traf das Fleisch der Bestie und schnitt tief in ihren massiven Arm. Für einen kurzen Moment war die Luft erfüllt vom Geräusch zerreißenden Fleisches und knisternder Energie, als Lysanders Schwert eine riesige klaffende Wunde in die Kreatur riss.
„BRÜLL!“
Die Bestie stieß einen ohrenbetäubenden Schmerzensschrei aus.
Der Schall war so intensiv, dass sogar die Bäume zu zittern schienen. Dunkles, verdorbenes Blut strömte aus der Wunde, spritzte auf den Boden und stieg zischend auf, als es mit der Erde in Berührung kam.
Lysander hielt nicht inne, um sein Werk zu bewundern; er wusste, dass die Bestie nicht lange betäubt bleiben würde. Er wich schnell aus und vermied die wilden Schläge der Bestie, die auf den plötzlichen Schmerz reagierte.
Die Kreatur schwang ihren massiven Arm, um Lysander wegzuschlagen, aber er war schon weg, außer Reichweite.
Trotz der Gefahr verspürte Lysander eine Welle der Befriedigung. Er hatte es endlich geschafft, das Biest zu verletzen und damit bewiesen, dass es nicht unbesiegbar war. Aber er wusste auch, dass dies erst der Anfang war. Das Biest war jetzt wütend, und der Kampf war noch lange nicht vorbei.
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