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Kapitel 426: Himmlischer Vertrag… II

Kapitel 426: Himmlischer Vertrag... II

Zeit – sie war der Faden, der den Rhythmus ihrer Welt webte, der Stille Bewegung und Chaos Kontinuität verlieh.

Raum – er war die Leinwand, auf der alle Dinge existieren, sich ausdehnen und atmen konnten.

Und sie …

Sie war diejenige, die dieser riesigen, kalten Leere eine Seele gab.

Einen Sinn.

Einen Willen.

Von dem Moment an, als sie die Welt um sich herum verstehen konnte, war Lavine Chronos anders gewesen.
Während andere Kinder Feuerbälle, Elementarzauber und auffällige Beschwörungsformeln bestaunten, saß Lavine still da – mit weit aufgerissenen Augen und starrte in den Nachthimmel.

Für sie bedeuteten der Tanz der Sterne und die subtile Neigung der Sonne mehr als jede Explosion oder jeder Blitz jemals könnte.

Zeit und Raum.

Konzepte, die so weitreichend, so unbegreiflich, so göttlich waren, dass die meisten Magier sie einfach ignorierten.
Wer würde es schon wagen, sich an Bereiche zu wagen, die angeblich nur den Göttern gehörten?

Aber Lavine war nicht wie andere Magier.

Für sie waren diese Konzepte nicht unantastbar – sie waren notwendig.

Sie war ein Kind, das viele Fehler gemacht hatte.

Das Dinge bereute.

Das sich wünschte, die Zeit zurückdrehen zu können.

Um alles zu verlangsamen.
Um zu ändern, was nie hätte passieren dürfen – oder um einen Blick auf das zu erhaschen, was hätte sein können.

Ihre Besessenheit kam nicht aus Arroganz.

Sie kam aus Sehnsucht.

Aus dem Verlangen, die Vergangenheit zu korrigieren.

Aus dem Traum, eine Zukunft neu zu gestalten, die sie fürchtete.

Für Lavine war das Verständnis der Zeit der Schlüssel zur Erlösung.

Und die Beherrschung des Raums war der einzige Weg nach vorne.

Was als Faszination begann, wurde zur Leidenschaft – und was als Leidenschaft begann, wurde zur Revolution.
Es dauerte nicht lange, bis sich Gerüchte über sie auf dem ganzen Kontinent verbreiteten.

Ein junges Mädchen, kaum aus dem Teenageralter heraus, schrieb Theorien, die die etabliertesten magischen Lehren der Welt in Frage stellten.

Sie sprach nicht nur Zaubersprüche – sie gestaltete die Regeln, denen sie unterlagen, neu.

Bald begannen unmögliche Dinge zu geschehen.

Eine Magierin, die Licht beugen konnte, um die Zeit zu verlangsamen.
Ein Mädchen, das nicht durch Portale, sondern durch Verzerrung des Raumes zwischen Orten erscheinen und verschwinden konnte.

Sie schritt durch eingefrorene Sekunden. Sie berührte unberührbare Entfernungen.

Sie erreichte den Abgrund des Göttlichen.

Und die Welt nahm Notiz davon.

Königreiche stritten sich um sie.

Imperien versuchten, ihre Loyalität mit Titeln und Gold zu kaufen.

Magische Türme boten ganze Flügel ihrer Bibliotheken im Austausch für einen Blick auf ihre Notizen.
Sogar uralte Drachen und versiegelte Geister flüsterten ihren Namen mit ehrfürchtiger Stimme.

Aber keiner von ihnen wollte sie wegen ihrer Ideale.

Sie wollten ihre Macht.

Ihr Wissen.

Ihren Verstand.

Und vor allem – ihre Geheimnisse.

Zum ersten Mal in der Geschichte vereinte sich die verstreute Gier der Menschheit um ein Ziel:

Lavine Chronos zu besitzen.

Natürlich scheiterten sie alle.
Die Königreiche, die Türme, die Armeen, die uralten Bestien – jede Macht, die sie für sich beanspruchen, binden oder brechen wollte, ereilte das gleiche Schicksal.

Denn Lavine Chronos verfügte nicht einfach nur über Magie – sie beherrschte die Grundlagen der Realität.

Und wenn diese Grundlagen sich ihrem Willen beugten, was konnten dann Schwerter oder Zaubersprüche oder sogar zeitgebundene Drohungen ausrichten?

Nichts.

Sie fielen ohne ein Flüstern, ohne einen Moment der Gnade.
In ihrer Gegenwart verlor Stärke jede Bedeutung – denn sie war es, die entschied, wie die Dinge enden würden.

Sie konnte einen Moment auslöschen, bevor er begann.

Sie konnte eine Armee zwischen zwei Sekunden einfangen.

Sie konnte den Grund für einen Krieg umschreiben und den Grund für Hass ungeschehen machen.

Und so wagte es schließlich niemand mehr, gegen sie zu kämpfen.

Die Gierigen schickten keine Soldaten mehr.

Stattdessen schickten sie Gesandte.

Geschenke.
Prophezeiungen.

Verführung.

Sie versuchten alles – sie zu bezaubern, sie zu verführen, sie in ihre Geschichten einzubinden, anstatt sie in ihre zu zwingen.

Aber nichts davon bewegte sie.

Denn inzwischen hatte Lavine die Wahrheit erkannt.

Die Wahrheit darüber, was es bedeutete, die Konzepte zu beherrschen, die sie einst verehrt hatte.

Die Zeit, einst ihre Obsession, war nur noch ein weiteres Werkzeug geworden.
Der Raum, einst ein Wunder, war alltäglich geworden.

Das Staunen, das sie einst empfunden hatte – die Inspiration, die sie auf ihrer Reise angetrieben hatte – war still und leise verblasst.

Sie hatte den höchsten Gipfel der Magie erklommen … und oben nur Stille vorgefunden.

Seit diesem Tag – dem Tag, an dem sie die Fäden von Zeit und Raum vollständig begriffen hatte – stand ihre Welt still.

Der Sinn hinter ihrem Streben war ihr klar geworden.

Denn alles hatte seinen Preis.

Um die Vergangenheit zu reparieren, musste sie die Zukunft aufs Spiel setzen.

Um die Gegenwart zu schützen, musste sie Teile von sich selbst aufgeben.

Und um die Zukunft zu sehen, musste sie ihr Schicksal an Ergebnisse binden, die sie nicht mehr vermeiden konnte.
Und so kam sie trotz all ihres Wissens und ihrer fast allmächtigen Kontrolle über die Realität selbst zu einer schmerzhaften Erkenntnis:

Es gibt nichts Leere als Macht ohne Zweck.

Sie konnte die Welt verändern.

Sie konnte das Schicksal beeinflussen.

Sie konnte Leid auslöschen, Kriege umschreiben, Zerbrochenes wiederherstellen.

Aber sie tat es nicht.

Denn nichts davon konnte das ändern, was am wichtigsten war –
Ihr eigenes Leben.

Und tief in ihrem Inneren war sie bereits zufrieden.

Zufrieden mit ihrer Einsamkeit.

Zufrieden, dass ihr Name Spuren hinterlassen hatte.

Zufrieden, dass sie, einst ein töricht Mädchen, das unmöglichen Sternen nachjagte, zu etwas Ewigen geworden war.

Aber natürlich …

Dieses Gefühl der Zufriedenheit war eine Lüge.

Eine bequeme Illusion, in die sie sich gehüllt hatte – wie in eine zu lange getragene Decke.
Schließlich wurde Lavine Chronos klar, dass trotz all ihrer Errungenschaften, trotz ihrer Macht über Zeit und Raum, etwas fehlte.

Es gab nichts mehr auf der Welt, was sie noch verwundern konnte.

Kein Geheimnis, das ihre Neugier weckte.

Kein Konzept, das sie nicht bereits analysiert, umgestaltet oder gemeistert hatte.

Sie hatte den Rand der Magie selbst erreicht.

Und dahinter … war nur noch Stille.
Was sie am meisten quälte, war nicht die Stille.

Es war die langsame, schleichende Erkenntnis, dass auch sie nur ein Mensch war – und dass sie eines Tages wie jeder andere auch verwelken würde.

Ihr Körper würde versagen. Ihr Name würde verblassen. Ihr Vermächtnis, egal wie großartig es auch sein mochte, würde irgendwann von der Zeit verschlungen werden – genau das, was sie einst beherrschte.

Ja, sie konnte sich selbst am Altern hindern. Die Formel dafür hatte sie längst gefunden.
Sie konnte ihren Körper in perfekter Stasis einfrieren, ihre Essenz endlos durch die Zeit schleifen oder sogar ihre Seele in ein himmlisches Wesen verwandeln, das nicht mehr an die Sterblichkeit gebunden war.

Aber das hätte bedeutet, das einzige aufzugeben, was sie so sehr zu bewahren versucht hatte.

Ihre Menschlichkeit.

Lavine war keine Göttin.

Und sie wollte auch nie eine werden.
Selbst nach allem – nachdem sie das Unerreichbare berührt hatte – klammerte sie sich immer noch an den zerbrechlichen, unvollkommenen Kern dessen, was es bedeutete, ein Mensch zu sein.

Und deshalb … bevor alles zu Ende ging, bevor ihr Körper verblasste und ihr Geist sich in Sternenstaub und Zeitlinien auflöste …

beschloss sie, etwas zurückzulassen.

Kein Denkmal.

Keine Statue.

Sondern etwas viel Wichtigeres:
Eine Zukunft.

Mit dem Einfluss und der Verehrung, die ihr Name genoss, erzwang Lavine die Einheit der zerbrochenen Nationen.

Sie zwang die gierigen Magiertürme, die uralte Geheimnisse horteten, in die Knie – einige durch Diplomatie, viele durch überwältigende magische Überlegenheit.

Sie hatten keine Wahl, sich zu unterwerfen.

Denn sie bat nicht mehr darum.

Sie befahl es.
Nachdem ihre Archive geöffnet und ihre Monopole gebrochen waren, sammelte sie das gesamte magische Wissen der Welt – jedes Fragment, jede Theorie, jedes verbotene Buch – und schuf etwas, von dem Magier nie zu träumen gewagt hatten:

Eine Akademie für alle.

Im Zentrum des Kontinents, wo Grenzen verschwammen und Politik keine Bedeutung mehr hatte, gründete sie einen Zufluchtsort des Lernens.
Es begann klein – nur eine Handvoll Wunderkinder, ein paar Steintürme und Lavine selbst, die still aus dem Schatten heraus die Fäden zog.

Aber schon bald wuchs die Akademie.

Die Welt wurde auf sie aufmerksam.

Schüler aus allen Königreichen und allen Gesellschaftsschichten kamen, angezogen von dem Versprechen der Magie, des Verständnisses und der Sinnhaftigkeit.

Und langsam, genau wie ihre einst ewigen Zaubersprüche, wurde die Akademie zur Legende.

Lavine widmete sich ganz und gar ihren Schülern.
Sie lehrte nicht nur Zaubersprüche, sondern auch Philosophie.

Sie kultivierte nicht nur Macht – sie formte Menschen.

Zum ersten Mal seit Jahrhunderten fand sie diesen Funken wieder.

Formen. Leiten. Helfen.

Zu sehen, wie junge Magier unter ihrer Anleitung aufblühten – zu sehen, wie ihre Augen vor Staunen leuchteten – rührte etwas tief in ihr.

Etwas, das sie für immer verloren geglaubt hatte:

Leidenschaft.
Und vielleicht … war das ihr letzter Zauber.

Keiner, der mit Mana gewirkt oder in die Sterne gemeißelt war –

sondern einer, der aus Herzen und Köpfen bestand.

Ein Vermächtnis unmöglicher Träumer.

Lavine Chronos – die einzige Großmagierin.

Ein Titel, der nicht leichtfertig vergeben wurde.

Er wurde ihr von allen Erzmagiern der Kontinente verliehen, unabhängig von Königreich, Glaubensbekenntnis oder Kultur.

Es war ein Name, der mit Respekt, manchmal sogar mit Angst geflüstert wurde – ein Titel, der nicht nur den Mächtigsten vorbehalten war, sondern denen, die die Magie selbst überwunden hatten.

Sie hatte die Grenzen der Menschheit überschritten.

Sie hatte die Struktur des Göttlichen berührt.

Und doch … hatte sie nie behauptet, eine Göttin zu sein.

Sie hatte immer nur nach Wissen gesucht. Nach Verständnis. Nach Sinn.
Als die Zeit endlich gekommen war … als das Schicksal, geduldig und unerbittlich, sein stilles Werk vollendet hatte … atmete Lavine ihren letzten Atemzug.

Es gab keine Reue.

Keine Ängste.

Nur die stille, bittersüße Zufriedenheit eines erfüllten Lebens – eine Seele, die bereit war, zu ruhen.

Zumindest dachte sie das.

Denn statt Stille …

erwachte sie.
Umgeben von einer strahlenden, schimmernden Welt – einer grenzenlosen Dimension, durchzogen von jeder Rune, jedem Siegel, jeder Formation, die sie jemals in den Kosmos gemeißelt hatte.

Eine Welt, die ganz und gar von ihrer eigenen Allmacht geprägt war, in der die Konzepte von Zeit und Raum ihr wie treue Diener gehorchten.

Die Macht, die sie einst in Fragmenten ausgeübt hatte, umhüllte nun ihre gesamte Existenz.
Ihr gealterter Körper, der sich einst darauf vorbereitet hatte, zur Erde zurückzukehren, wurde neu geformt – in die Blüte ihrer Jugend zurückversetzt.

Ihre Seele und ihr Körper, die einst dazu bestimmt waren, sich zu trennen und zu verblassen, verschmolzen zu einer Einheit.

Sie war zu etwas geworden … mehr als menschlich.

Etwas anderem.

Etwas Ewigen.

Zuerst war sie voller Ehrfurcht.

Dann verwirrt.

Und dann … fühlte sie eine tiefe, tiefe Leere.
Denn in diesem glänzenden Gefängnis, das sie sich selbst geschaffen hatte, erkannte Lavine die bittere Wahrheit:

Es gibt keine Befriedigung für diejenigen, die den Gipfel erreicht haben.

Kein Frieden für diejenigen, die es gewagt haben, die Unendlichkeit zu berühren.

Keine endgültige Ruhe für jemanden, der einst alles kontrollierte.

Sie war nun gefangen – nicht durch Ketten oder Flüche, sondern durch ihre eigene Brillanz.

Ihre eigene Macht über Zeit und Raum hatte ihr einen perfekten Käfig gebaut.
Ein Reich aus Spiegelbildern, in dem sie nur die Welt beobachten konnte, die sie einst berührt hatte –

wie ein Geist, der durch Glas starrt.

Die Echos ihrer vergangenen Entscheidungen, die Zufälle, die sie einst umgeschrieben hatte, die Zeitlinien, die sie zerbrochen hatte, um andere zu schützen – sie alle blieben wie Risse im Fundament der Welt zurück.

Und Lavine, die verantwortungsbewusste Schöpferin, wusste …

Sie musste es wieder in Ordnung bringen.

Sie versuchte es, immer und immer wieder.
Sie korrigierte Anomalien.

Sie lenkte das Schicksal subtil durch Flüstern im Gewebe der Mana.

Aber jede Korrektur zog sie nur tiefer in das Reich, das sie niemals verlassen konnte.

Der Preis für ihre Macht war nicht der Tod.

Es war endloses Bewusstsein.

Sie wurde zu einer stillen Wächterin.

Eine Beobachterin in den Spiegeln der Zeit.
Und so schwebt Lavine Chronos, Großmagierin, die mächtigste Magierin der Geschichte, nun ewig zwischen Existenz und Erinnerung – unfähig einzugreifen, unfähig weiterzugehen.

Sie beobachtet vom Rand der Realität aus, wie die Welt ohne sie weitergeht.

Keine Göttin.

Kein Geist.

Nur eine Frau, die zu hoch gegriffen hat ……

und nie wieder herunterkommen konnte.

„Lavine …“
Eine Stimme ertönte in der endlosen Stille. Ruhig, sanft – und doch voller Überzeugung.

„Du willst aus dieser Welt heraus, nicht wahr?“

Ihre Augen blinzelten langsam.

„Hm?“

„Komm und schließe einen Vertrag mit mir. Welche Last auch immer du trägst … ich werde sie mit dir teilen.“

Lavine drehte sich langsam zu ihm um – dem jungen Mann, der einst zuvor diesen Raum betreten hatte.
„Ich gebe dir die Freiheit, die du verdienst, und auch … die ewige Ruhe, nach der du gesucht hast.“

Es wurde still.

Eine Stille, die tiefer war als die Leere, in der sie seit Jahrhunderten gelebt hatte.

Und vielleicht … ein schwacher, furchterregender Funke von Macht, den selbst sie nicht ganz erfassen konnte.

Ihr stockte der Atem.
Und dann …

Ihr Herz schlug.

Zum ersten Mal seit Jahrhunderten – vielleicht sogar noch länger – hallte der Herzschlag, den sie längst für still gehalten hatte, in ihrer Brust wider.

Lebendig.

Echt.

Hoffnungsvoll.

Diese immer noch erschreckende Präsenz hinter der ruhigen Haltung des jungen Mannes …

Diese seltsame, überwältigende Aura des Todes, die an den Rändern ihrer Seele streifte …

Dieser junge Mann war ihre ewige Ruhe.

Wie man im Romantik-Fantasy-Spiel überlebt

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Bewertung: 10
Status: Ongoing Autor: Illustrator: Erscheinungsjahr: 2024 Originalsprache: German
Das Leben in dieser neuen Welt war schon schwer genug... Also warum? Warum ist die Bösewichtin dieser Welt so besessen von mir? "How to survive in the Romance Fantasy Game" ist ein beliebter Light Novel aus dem Genre Fantasy. Geschrieben von dem Autor MCPG. Lies "How to survive in the Romance Fantasy Game" kostenlos online.

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