Mephistos Sense schwang tief. Asmodeus wich zur Seite aus und parierte mit dem Stiel seiner Axt –
und der Ellbogen des Gottes traf ihn mit voller Wucht am Kiefer.
Das Knacken hallte wie ein Donnerschlag gegen den hohlen Stein.
Asmodeus taumelte und seine Stiefel schleiften über den geschmolzenen Staub. Kaum hatte er wieder Halt gefunden, war Mephisto schon da und holte erneut zum Schlag aus.
Eine Faust traf ihn in den Rippen.
Eine weitere traf seine Schulter – sie war ausgerenkt.
Ein Roundhouse-Kick traf seine Schläfe und schleuderte ihn gegen eine Säule.
Stein zersplitterte.
Die Welt taumelte zur Seite, als die schwarze Marmorsäule über ihm zusammenbrach. Trümmer fielen hinter ihm zu Boden.
Doch der Dämonenkaiser sprang aus den Trümmern, noch bevor sie vollständig zu Boden gefallen waren. Mit einem wilden Brüllen holte er mit seiner Axt aus und schlug mit voller Wucht auf Mephistos Kopf ein –
Mephisto fing sie ab.
Mit bloßen Händen.
Die Waffe zischte und kreischte. Rote Runen flammten an ihrer Klinge auf und gruben sich tief in das göttliche Fleisch – aber Mephisto zuckte nicht mit der Wimper.
Er sah Asmodeus in die Augen.
„Ich habe Könige mit weniger Aufwand getötet.“
Und warf ihn weg.
Asmodeus flog rückwärts wie ein zerbrochener Meteor, durchschlug eine Wand nach der anderen, Steine flogen durch die Luft, Blitze zuckten durch die Risse der Zitadelle. Er krachte auf die andere Seite des Thronsaals und hinterließ einen tiefen Krater in seinem Rücken.
Er hustete Blut.
Dann stand er auf.
Ohne zu zögern.
Seine Schulter sprang mit einem widerlichen Knacken wieder an ihren Platz zurück. Flammen schossen erneut aus seiner Wirbelsäule, seine Aura versengte die Luft um ihn herum.
Er sagte kein Wort.
Er stürmte vor.
Mephisto kam ihm auf halbem Weg entgegen.
Der Zusammenprall war nicht sauber – er war explosiv. Ihre Fäuste trafen in der Luft aufeinander, ein roter und silberner Lichtblitz schoss wie eine Schallbombe nach außen. Der Boden gab unter ihnen nach.
Ihre Schläge waren zu schnell, um sie zu verfolgen – die Axt klang gegen göttliche Knochen, die Sense kreischte, als sie von brennendem Fleisch abprallte. Faust gegen Gesicht. Stiefel gegen Brust. Ellbogen gegen Wirbelsäule.
Mephisto zwang ihn in die Knie, und Asmodeus schlug ihm mit der Faust in den Bauch.
Mephisto taumelte.
Asmodeus packte ihn an der Robe, rammte ihm zweimal den Kopf in die Brust, drehte dann seinen Griff und schleuderte ihn wie eine Stoffpuppe gegen den Thron.
Der Obsidian-Sitz barst in der Mitte.
Aber Mephisto blieb nicht liegen.
Er tauchte aus dem Staub auf, die Robe zerfetzt, die Rippen unter der rissigen Haut sichtbar, aus der reines Licht blutete.
Er lächelte.
„Asmodeus.“
Seine Stimme war ruhig, spöttisch.
„Du bist … nah dran.“
Asmodeus atmete jetzt schwer.
Blut lief ihm den Hals hinunter. Sein linker Arm hing an seiner Seite, verbrannt und zuckend.
Aber seine Augen – diese brennenden saphirblauen Augen – gaben nicht nach.
„Ich muss nicht stärker sein als du“, sagte er mit leiser Stimme.
„Ich muss nur lange genug überleben.“
„Lange genug wofür?“, fragte Mephisto, als er seine Sense erneut hob.
Die Lippen des Dämonenkaisers verzogen sich zu einem Grinsen.
„Lange genug, damit du einen Fehler machst.“
Er stürmte erneut vor.
Aber diesmal war Mephisto vorbereitet.
Und diesmal –
Asmodeus war langsamer.
Die Sense kam tief, drehte sich um und schlug ihm in die Seite.
Die Wunde war tief.
Die mit Magie versehene Klinge durchbohrte die dämonische Rüstung, durchbohrte Flammen, durchbohrte Sehnen.
Er schrie nicht.
Aber seine Knie gaben fast nach.
Er ließ die Axt fallen.
Fing sie mitten im Fall auf.
Dann drehte er sich um, die Axt zog einen blutigen Halbmond durch die Luft –
und verfehlte sein Ziel.
Mephisto bewegte sich hinter ihn.
Flüsterte:
„Du brichst zusammen.“
Und rammte ihm den Griff der Sense in die Mitte des Rückens.
Asmodeus schlug hart auf dem Boden auf.
Aber er blieb nicht liegen.
Er rollte sich ab, drehte sich um und warf die Axt mit einer Hand –
Mephisto schlug sie beiseite.
Dann blinzelte er –
Asmodeus war schon hinter ihm.
Ein Aufwärtshaken.
Der Gott taumelte.
Die Axt kehrte mit einer roten Flamme in seine Hand zurück.
Er holte aus.
Treffer.
Die Wucht schleuderte Mephisto nach hinten, sodass er mit solcher Kraft gegen eine Säule prallte, dass sie einen Krater hinterließ.
Die beiden standen wieder auf.
Atmend.
Zerschunden.
Verwundet.
Gleichwertig und doch nicht.
Und tief unter dem Boden des Schlosses –
etwas heulte.
Ein Klang wie ferne Glocken.
Ein Riss in den göttlichen Ketten des Schicksals.
Ihr Kampf war noch nicht vorbei.
Aber etwas veränderte sich.
Der Raum bebte unter ihnen.
Uralte Säulen ächzten, als Staub von der zerbrochenen Decke herabrieselte, und jeder Schlag ihres Duells erschütterte die jahrhundertelange Stille.
Magie wirbelte wie ein Sturm ohne Wind – strahlend und schwarz, verdichtete die Luft, bis sogar das Geräusch ihres Atems gedämpft klang.
Asmodeus wischte sich das Blut von der Wange.
Es tropfte von den schwarzen Schuppen und zischte in der heißen, feurigen Aura der Magie, die es verdampfte. Er knackte mit den Fingern, bevor er seine Axt ergriff, deren blutrotes Metall schwach pulsierte, als es sich mit seiner Aura füllte.
Mephisto richtete sich langsam auf, Staub fiel von seinen Schultern wie Asche, die von einem Tuch geschüttelt wurde. Risse verliefen über seinen rechten Unterarm, wo der letzte Schlag gelandet war – ein tiefer, diagonaler Bruch, der schwach mit innerem Licht leuchtete, als wäre er aus göttlichem Quarz geschaffen.
Dennoch veränderte sich sein Gesichtsausdruck nicht.
Diese beunruhigende Ruhe wich nicht.
„Du schlägst härter zu als die meisten anderen“, gab Mephisto zu und wischte mit lässiger Leichtigkeit ein Stück Stein von seiner Robe. „Aber du kämpfst immer noch wie ein Sterblicher.“
„Pah! Das bin ich.“
Und mit diesen Worten setzte er zum Angriff an.
Nicht in einem Sprint – sondern mit einer sanften Beschleunigung, wie eine Klinge, die aus ihrer Scheide gleitet. Asmodeus schlug einmal, zweimal auf den Stein – dann verschwand seine Gestalt in einem verschwommenen Fleck, seine Axt schwang hoch.
Der Bogen seines Schlags war verheerend – mit dem ganzen Körper, von den Hüften bis zu den Schultern, brachte er die blutrote Klinge in einer brennenden Diagonale auf Mephisto nieder, um ihn in zwei Hälften zu spalten.
Aber der Gott wich nicht aus.
Er trat hinein.
Seine Sense hob sich in einer sanften vertikalen Spirale, ohne mit dem Schlag zusammenzustoßen, sondern ihn lenkend und im letzten Moment die Kraft ablenkend. Stahl traf auf Stahl in einem hallenden Schrei, der die Säulen in der Nähe zerbarsten und die Luft verzerrte. Die Hitze von Asmodeus‘ Waffe drang in Mephistos Roben ein und versengte den Saum zu Fäden.
Dann drehte Mephisto seine Sense, verdrehte sie, lenkte sie um und schlug mit einer schnellen Bewegung aus dem Handgelenk tief zu.
Sie näherte sich wie der Kuss eines Sensenmannes.
Die Klinge berührte Asmodeus‘ Oberschenkel, gerade tief genug, um Blut zu vergießen. Eine langsame, schwungvolle Wunde, die vor göttlicher Kraft zischte. Der Dämonenkaiser taumelte einen Schritt zurück und verlagerte sein Gewicht automatisch auf das andere Bein. Seine Augen verengten sich. Er war konzentriert.
Keine Pause.
Er sprang erneut vor.
Diesmal wurde ihr Kampf brutaler. Weniger wie Krieger. Mehr wie Monster.
Asmodeus schwang seine Axt in einem wilden horizontalen Hieb – Mephisto duckte sich und schlug mit dem Stiel seiner Sense nach oben in Asmodeus‘ Kiefer. Der Kopf des Dämonenkaisers schnellte zurück, die Zähne fletschte er – aber er konterte mitten in der Bewegung und rammte Mephisto mit solcher Wucht den Fuß in die Brust, dass der Gott vom Boden abhob.
Der Aufprall drückte seine Robe nach innen und zerschmetterte die Rippen darunter.
Mephisto hustete einmal und lächelte dann.
Seine Sense verschwand.
Nicht verschwunden. Absorbiert.
Sie verdrehte sich wie ein Lichtstrahl in seinem Arm, dann ballte er die Hände zu Fäusten.
Jetzt hatte er keine Waffe mehr.
Nur noch Kraft.
Und in diesem Moment schlug er zu – nicht mit Magie oder Anmut, sondern mit roher körperlicher Gewalt.
Ein einziger Schlag traf Asmodeus in den Bauch.
Sie zerschmetterte sein Exoskelett. Sie bog den Imperator in zwei Hälften, hob ihn vom Boden in die Luft, während Asmodeus sich übergab.
Dann traf ihn ein brutaler Ellbogen in den Rücken und drückte ihn zu Boden.
Asmodeus schlug mit beiden Knien auf den Boden und hustete Blut über den Stein. Instinktiv stemmten sich seine Hände gegen den Boden, und die Axt rutschte ihm halb aus der Hand.
Der Schmerz hallte wie ein Gong durch seine Wirbelsäule, dumpf und immer stärker werdend.
Aber er gab nicht auf.
Seine rechte Hand schloss sich wieder um die Axt.
Er stand auf.
Langsam. Aber Asmodeus stand auf.
Mephistos Gesichtsausdruck veränderte sich endlich – leichte Überraschung.
Dann etwas Kälteres.
Respekt?
Angst?
Der Gott biss die Zähne zusammen.
„Du bewegst dich immer noch. Selbst jetzt.“
Asmodeus‘ Stimme war leise.
„Ich bin nicht hier, um zu überleben.“
Er streckte den Rücken. Hob die Axt erneut.
„Ich bin hier, um dich zu vernichten.“
Das goldene Siegel auf seiner Brust leuchtete erneut auf – diesmal weniger wie eine Flamme, eher wie eine Miniatur-Sonne, die sich entzündete.
Ein blutroter Feuerstrahl erhellte den Raum.
Nicht von seiner Waffe.
Sondern von den Rissen, die sich unter ihren Füßen ausbreiteten.
Die Magie tobte jetzt wild.
Die Realität wurde dünner.
Und irgendwo hinter den fernen Wänden, leise wie ein Flüstern in der Winterluft –
konnte er sie spüren.
Vinea. Levia. Asmodea. Lumina.
Noch am Leben.
Noch immer kämpfend.
Noch immer voller Glauben.
Er atmete noch einmal aus.
Und trat vor.
„Komm schon, Mephisto! Lass uns kämpfen!“
„Du wirst sterben.“
Der Boden spaltete sich unter Asmodeus‘ Stiefeln. Magie, Druck, pure kinetische Kraft – nichts davon konnte Mephistos nächsten Schlag aufhalten.
Die Sense heulte auf.
Asmodeus fing sie mitten im Bogen ab, die Axt drehte sich in seinen Händen, während seine Muskeln schrien. Funken sprühten. Metall kreischte. Ihre ineinander verkeilten Klingen gruben einen Krater unter ihren Füßen, an dessen Rändern der Stein schmolz.
Mephistos Atem war ruhig. Gemessen.
„Du bist beeindruckend“, sagte er fast aufrichtig. „Aber nicht genug.“
Asmodeus stieß seinen Fuß nach vorne. Der Aufprall zerschmetterte die Bodenfliesen, ein gerader Stoß, der die Verriegelung brechen und mit einem vertikalen Hieb folgen sollte.
Aber Mephisto verschwand.
Ein Flackern – hinter ihm.
Die Sense kam herunter.
Asmodeus drehte sich zu spät um.
Ein Spritzer purrotem Blut spritzte aus seinem Rücken, als die gekrümmte Klinge tief in seine Schulter eindrang. Er taumelte. Sein Körper versuchte sich zu erholen, aber Mephisto war bereits da.
Zwei Schläge. Drei.
Jeder Schlag nackte die Aura, die den Dämonenkaiser umgab. Die Luft selbst ächzte unter ihren Bewegungen.
Außerhalb des Thronsaals erreichten die Kaiserinnen den letzten Torbogen und starrten entsetzt durch die zerbrochenen Säulen, als ihr König erneut zurückgedrängt wurde.
Levias Stimme brach. „Nein …“
Mephisto stand aufrecht da und warf seinen langen Schatten auf Asmodeus, der nun auf einem Knie kniete.
„Du hast deine Rolle gut gespielt“, murmelte der Gott und hob seine Sense zum letzten Mal. „Aber hier endet es.“
Asmodeus‘ Hand zitterte.
Nicht vor Angst.
Sondern wegen dem Gefühl hinter ihm.
Weich. Vertraut.
Kleine Finger drückten sich gegen seinen Rücken.
„Wag es ja nicht zu verlieren!“
Ihre Augen leuchteten wieder, heller als je zuvor.
„Denn wenn du fällst, werde ich deine Seele selbst zurückholen.“
Die Kammer erstarrte.
„Ah … stimmt, Serena … Ich darf nicht verlieren. Nicht so.“
Und dann lächelte Asmodeus.
Während eine schwarze Flamme emporschoss.