Der eisige Wind schnitt wie Rasierklingen durch das verwüstete Feld.
Vergil blieb stehen, nur ein paar Schritte von dem knienden Werwolf entfernt. Seine Augen funkelten mit endgültigem Urteil, scharf wie die Klingen seiner Vorfahren. Jeder seiner Schritte ließ den Boden knarren, als fürchte die Welt selbst seine Anwesenheit. Die Luft um ihn herum brodelte vor höllischer Elektrizität, die zwischen zerbrochenen Steinen und toten Bäumen funkelte – als würde das Universum selbst von oben bis unten auseinanderreißen.
„Ich werde dich schlagen, bis dein Leben keinen Sinn mehr macht.“
Das war der Moment, in dem sich alles änderte.
Der Boden unter Vergils Füßen bebte – nicht wie eine Warnung, sondern als würde die Erde selbst schreien.
Eine Sekunde später traf der Schlag seinen Bauch mit voller Wucht.
„GHUUAAAGHH!!“
Das Geräusch war grotesk. Trocken. Fleischlich.
Vergil wurde wie eine Kanonenkugel durch die Luft geschleudert, während Blut aus seinem Mund spritzte – zusammen mit Eingeweiden, Darm und Organstücken, die aus seinem Körper gespuckt wurden, als hätte dieser aufgegeben, seine Seele im Inneren zu halten.
Der Aufprall hatte ein Loch in seinen Bauch gerissen.
Sein Körper wirbelte heftig durch die Luft und hinterließ eine Spur aus Blut und heißem Dampf, bevor er auf eine Felsformation krachte.
Der Stein zerbrach in tausend Stücke und stürzte unter dem brutalen Aufprall zusammen.
Stille.
Für einen Moment stand alles still.
Dann erhob er sich.
Der Werwolf.
Einst kniend, verstümmelt, am Rande des Zusammenbruchs. Jetzt stand er da – fest wie ein wilder, ungezähmter Berg.
Seine Augen leuchteten in einem tiefen, uralten Violett. Es gab keinen Schmerz mehr. Keine blinde Wut. Nur noch Kraft. Und Entschlossenheit.
Seine Stimme klang heiser, tief, durchdrungen von etwas Urtümlichem.
„Du dachtest … ich wäre nur eine kleine Ratte, nicht wahr?“
Seine Muskeln wuchsen, Knochen setzten sich mit donnerndem Knacken neu zusammen. Der einst abgetrennte Arm wurde vor den Augen der Welt wiederhergestellt, geschmiedet aus purer Lebenskraft – Wurzeln, Fasern, lebendem Holz und pulsierendem Fleisch – eine Regeneration, die sich sowohl organisch als auch heilig anfühlte.
Es gab keine Verwesung. Nur Wiedergeburt.
Aus seiner Haut stieg heißer Dampf auf wie der Atem eines Waldes nach einem Sturm. Das versengte Gras unter seinen Füßen erwachte wieder zum Leben. Wildblumen sprossen aus Rissen in der Erde. Äste wuchsen aus seinem Rücken wie Dornen eines Baumtiers.
Er war die Natur in Form von Wut.
„Mein Name … ist Alex Wykes. General der wilden Natur. Sohn des Sturms. Vollstrecker von Spectre.“
Der Himmel reagierte, als würde er den Namen erkennen.
Aus dem Nichts tauchten schwarze Wolken auf und tanzten in lebhaften Spiralen. Es war keine leere Dunkelheit – es war ein lebender Sturm, der wie der Herzschlag des Planeten selbst mit Donner pulsierte.
Die Welt um ihn herum verneigte sich.
Die Bäume in der Ferne neigten sich. Der Wind verstummte – dann brauste er mit titanischer Kraft zurück, als würden die Wälder selbst mit Alex atmen.
Seine Aura dehnte sich aus wie das Brüllen eines längst vergessenen Tieres.
Die Luft wurde dicht und vibrierend. Jeder Atemzug schien Blätter, Pollen und Energie aus der Erde selbst anzusaugen. Das Atmen tat weh – nicht wegen Gift, sondern weil es für verdorbene Körper zu natürlich war, um es zu ertragen.
„Weißt du, Junge …“, sagte er und rollte seine Schultern, während sich Ranken von seinen Armmuskeln lösten, „… es ist nichts Persönliches.“
Ein schwaches Lächeln huschte über seine Lippen. „Aber ich bekomme einen Bonus dafür, dass ich dich töte.“
In diesem Moment zerschnitt ein grüner Blitz den Himmel, gefolgt von einem Donner, der wie die Kriegstrommeln der Ahnen klang.
Und dann ging Alex los.
Mit jedem Schritt blühten Blumen auf. Felsen barsten. Der Boden selbst bebte – nicht vor Angst, sondern vor Respekt.
Aus den Tiefen des rauchenden Kraters, wo der Aufprall Steine in Splitter zerschmettert und die Erde zu Staub zermahlt hatte, hallte ein Geräusch wider – zunächst leise, dann immer lauter.
„Heh …“ „Hehehe …“ „HAHAHAHAHA!“
Das Lachen hallte wie eine offene Wunde in der Realität wider, vibrierte gegen die Klippen und hallte durch die fernen Berge wie der Ruf von etwas Wahnsinnigem – etwas Unnatürlichem.
Vergil hustete Blut und spuckte ein blutrotes Stück Zahn aus. Seine Arme zitterten, als er zwischen den Trümmern kniete, die Alex hinterlassen hatte, und als er nach unten blickte, starrte er mit einer fast absurden Gelassenheit auf seine verschütteten Eingeweide.
Sein Magen krampfte sich zusammen und pulsierte unkontrolliert – eine Masse aus lebendem Fleisch, die verzweifelt versuchte zu verstehen, warum sie noch da war, ausgebreitet wie eine aufgerissene Wurst. Aber Vergil zeigte keine Schmerzen. Er lachte nur wieder.
Mit blut- und schlammverschmierten Händen begann er, seine eigenen Organe zurück in seinen Körper zu schieben, so leicht, als würde er ein vergessenes Schmuckstück einstecken. Ohne zu zögern. Nicht einmal für eine Sekunde.
Seine Augen flackerten.
Nicht vor Angst. Nicht vor Wut. Vor purer Aufregung.
Die Regeneration setzte ein. Knochen verbanden sich wieder mit trockenen Rissen. Muskeln verflochten sich wie lebende Schnüre. Die Haut schloss sich in einem grotesken, faszinierenden Tanz. Innerhalb von Sekunden stand Vergil aufrecht da. Ganz. Bereit. Lachend wie ein Verrückter, der verliebt ist.
„Also …“, murmelte er, während sich ein wahnsinniges Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete und Blitze den Himmel hinter seiner Silhouette erhellten, „endlich jemand Interessantes …“
Die Welt bebte.
Alex machte einen Schritt nach vorne, bereit zu reagieren – aber etwas hielt ihn zurück. Ein Schauer lief ihm über den ganzen Körper. Es war Instinkt. Reiner, ursprünglicher, brutaler Überlebensinstinkt.
Vergil hatte sich bewegt.
Aber es war kein Geräusch zu hören.
Keine Bewegung.
In einer Sekunde war er noch am Boden des Kraters … und in der nächsten stand er direkt vor Alex.
„HAHAHAHAHA!“
Das Lachen war so unerträglich wild, dass sich die Wolken über ihnen – die voller Donner und Blitze waren – verzweifelt aufrissen, zurückgedrängt von dem puren Wahnsinn, der wie himmlische Wut aus Vergil explodierte.
„Komm schon, du Arschloch!“
Er brüllte, die Augen weit aufgerissen, das Gesicht blutverschmiert, und lächelte mit einer Freude, die an Sexueller grenzte – berauscht von der bevorstehenden Gewalt.
Alex‘ Augen weiteten sich.
„Dieser Typ … er ist verrückt.“
Aber es war keine Zeit für irgendetwas anderes.
Ein Schlag.
Einfach. Direkt.
Aber mit genug Kraft, um die Welt zu zerstören.
Alex verschränkte instinktiv die Arme, um sich zu schützen – und das rettete ihm das Leben.
Aber der Preis war hoch.
BEIDE ARME WURDEN SOFORT ZERTRÜMMERT.
Der Aufprall schleuderte Alex wie einen umgedrehten Kometen durch die Luft, sein Körper zerschnitt die Luft, während Bäume um ihn herum wie Zweige weggeblasen wurden. Er schlug Dutzende Meter entfernt auf dem Boden auf und riss einen frischen Krater in den Boden, während die Erde wie natürliche Dynamit in alle Richtungen explodierte.
Stille.
Bis … Blätter um Alex herum zu wirbeln begannen.
Der Wind tanzte.
Wurzeln erhoben sich.
Die Natur selbst reagierte.
Der Körper des Generals der wilden Natur begann sich mit derselben Heftigkeit wieder aufzubauen, mit der er gerade zerstört worden war. Gebrochene Knochen heilten wie Äste, die unter dem Befehl des Frühlings wachsen. Die Haut schloss sich mit dem goldenen Schimmer uralter Baumharz. Er stand da, keuchend, aber lächelnd.
„Du bist … absolut verrückt.“
Alex‘ Stimme hatte jetzt mehr Gewicht, als ob jedes Wort die Last tausender alter Wälder trug.
Vergil knackte einfach mit dem Nacken und rollte die Schultern, als würde er sich noch aufwärmen.
„Du hast keine Ahnung …“
„Du denkst, ich bin verrückt, weil ich trotz der Schmerzen lächle?“
Er hob seine blutige Hand und starrte sie an, wie ein Bildhauer sein Meisterwerk bewundert.
„Ich bin das Chaos selbst und versuche zu verstehen, was Ordnung überhaupt bedeutet.“
„Du hast die Natur, Wykes?“
„Ich bin das Ding, das die Natur zerstört, nur um zu sehen, wie sie sich wieder zusammensetzt.“
Dann trat er einen Schritt vor.
Der Boden barst.
Ein weiterer Schritt.
Die Luft heulte.
Alex machte sich bereit und spürte, wie die Welt um ihn herum versuchte, mitzuhalten. Die Vögel waren weg. Die Tiere waren entweder total aufgeregt oder hatten Panik. Der Wald schaute zu. Der Sturm wartete.
„Lass uns tanzen, wandelnder Baum.“ „Zeig mir, ob deine natürliche Kraft es mit meiner persönlichen Hölle aufnehmen kann!“
Ein Blitz schlug am Himmel ein.
Er fiel nicht, sondern stieg auf.
Das war die Umkehrung der Ordnung, die diese beiden allein durch ihre Anwesenheit herbeiführten. Und noch bevor der Nachhall verklungen war, prallten sie aufeinander.
Vergil schlug zuerst zu – ein verschwommener Schatten, ein Brüllen, ein Rausch in Bewegung. Seine Füße berührten kaum den Boden; der Druck seiner Schritte hinterließ flache Krater, die Erde schrie unter seinem Schwung.
Jeder Schlag, den er auf Alex niedersauste, hatte die Wucht einer Rakete, und jeder Aufprall riss ganze Waldstücke mit sich.
Alex fiel zurück. Aber nicht aus Verzweiflung. Er floss.
Auf jeden abgewehrten Schlag, jede Ausweichbewegung folgte ein brutales Ballett seiner natürlichen Energie. Als Vergils Faust durch die Luft zischte, konterte Alex mit einem Tritt, der von Dornen verziert war, die wie die Wurzeln eines fleischfressenden Baumes aus seinem Bein sprossen.
KLANG! Das Geräusch ihres Zusammenpralls klang wie Donner, der gegen Eisentöpfe schlug. KNACK! Vergils Kiefer wurde durch einen Schlag aus dem Gelenk gerissen, der von einem Wirbelwind aus messerscharfen Blütenblättern umgeben war.
Er lachte – sogar mit seinem seitlich hängenden Mund.
„Jetzt reden wir, Arschloch!“
Vergil wirbelte herum und versetzte Alex einen Ellbogenstoß gegen das Kinn, der so heftig war, dass die Luft um sie herum explodierte wie ein zerbrochenes Vakuum. Der Körper des Werwolfs wurde durch die Luft geschleudert und prallte gegen den Stamm eines uralten Baumes, der wie ein Zweig zerbrach.
Aber seine Wurzeln fingen Alex in der Luft auf, hielten ihn fest und schleuderten ihn zurück in den Kampf.
„ICH BIN NOCH NICHT FERTIG!“, brüllte Alex, seine Augen glühten wild violett.
Er landete wie ein Komet, eine Faust bedeckt von verhärtetem Moos und kristallinen Dornen, und stürmte direkt auf Vergil zu. Der Schlag traf den Boden – eine Explosion aus Blumen und Steinen brach wütend hervor und bildete ein Feld aus Stacheln, das Vergil von allen Seiten einzuschließen versuchte.
Vergil grinste. „POESIE!“
Mit einem Ausbruch purroter Energie wirbelte er an Ort und Stelle herum und entfesselte eine Spirale aus Hieben und Schlägen. Jede Bewegung war ein Tanz der Brutalität, der die Stacheln in Stücke riss und die Wurzeln mit der bloßen Hitze seiner wahnsinnigen Präsenz verbrannte.
„Du bist ein Wald, was?“, sagte Vergil und stürmte wie eine Bestie durch die Bäume. „Dann werde ich das Lauffeuer sein, das alles zu Asche verwandelt.“
Alex stampfte auf den Boden – zwei Säulen aus Stein und Ranken schossen empor und versuchten, Vergil in einer titanischen Umarmung zu zerquetschen. Aber der Verrückte tauchte kopfüber zwischen ihnen hindurch, die Arme weit ausgebreitet, und lachte, als wäre er auf einer Achterbahn.
„HAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!“
Ein Schlag. Auf die Brust. Von oben.
Der Aufprall war so heftig, dass der umliegende Wald einfach verstummte.
Alex fiel auf die Knie, hustete grünes Blut und seine Haut regenerierte sich in Echtzeit mit einer Intensität, die an das Göttliche grenzte. Aber Vergil hörte nicht auf.
Er sprang. Drehte sich in der Luft.
Eine Flut von fallenden Tritten, jeder brutaler als der vorherige, wie Hammerschläge eines betrunkenen Gottes. Alex verschränkte die Arme, stieß zurück, wurde zermalmt und Dutzende Meter weit in den Boden gedrückt.
Der Wald brüllte vor Verzweiflung.
Dann – war alles still.
Rauch. Staub. Stille.
Vergil landete auf dem Boden, keuchte, seine Muskeln zuckten vor Adrenalin. Seine Augen waren weit aufgerissen. Blutverschmiert. Glühend vor Euphorie.
„Das … das nenne ich LEBEN!“
Aus dem tiefen Krater, in den er geschleudert worden war, erhob sich Alex langsam.
Seine Haut war aufgerissen, sein Gesicht blutete. Aber die Natur um ihn herum trauerte um ihn. Und als er seinen ersten Schritt machte, antwortete der Wald.
Ranken tanzten in der Luft. Vögel kehrten zurück wie geisterhafte Krieger. Silberne Hirsche tauchten um ihn herum auf. Ein riesiger Adler saß auf einem Felsen und beobachtete ihn schweigend.
„Ich bin Teil von etwas viel Größerem, Vergil …“, sagte Alex voller Ehrfurcht, während sich Wurzeln um seine Arme wanden und neue lebende Klingen bildeten. „Du kämpfst aus Vergnügen. Ich … aus einem bestimmten Grund.“
„Falsch“, grinste Vergil. „Ich kämpfe, weil es das Einzige ist, was ich kann.“
Sie starrten sich an.
Lebendige Natur gegen zerstörerischen Wahnsinn.
Und dann –
stürmten sie aufeinander zu.