Tausende Kilometer von Dongping City entfernt lag eine riesige grüne Graslandschaft, die nur von einem weitläufigen Militärlager unterbrochen wurde.
Dutzende riesige Zelte, jedes so groß wie ein Herrenhaus, standen in einer ordentlichen Formation auf der Ebene.
Fahnen mit dem Wappen der Necoris-Rasse flatterten im Wind, und ihre scharfen Insignien blitzten im Sonnenlicht wie Messer.
Die Luft war erfüllt von den Geräuschen von Disziplin und Vorbereitung – Stahl klang auf Stahl, Soldaten stöhnten beim Sparring und rhythmisches Trommeln hallte im Takt ihrer Marschschritte wider.
Soweit das Auge reichte, bewegten sich Soldaten zielstrebig, ihre Schritte in einem gleichmäßigen, donnernden Rhythmus.
Rund um das Lager patrouillierten Elite-Wachen mit kalten, berechnenden Blicken.
Ihre Blicke waren scharf und durchdringend, während sie das Gelände mit unerbittlicher Konzentration überblickten.
Im Herzen des Lagers standen größere Zelte, in denen die befehlshabenden Offiziere ihre nächste Kampagne planten.
„Wo zum Teufel ist Zennad?!“ Die Stimme, die durch das Militärlager der Necoris hallte, war wie das Dröhnen eines Erdbebens, tief und laut, und ließ den Boden unter ihnen vibrieren.
Die Kommandanten der Necoris erstarrten, ihre Bewegungen stockten, als hätte ihnen die schiere Kraft dieser Stimme vorübergehend den Atem geraubt.
Derjenige, der gesprochen hatte, war Xorox, eine selbst unter den Mächtigsten der Necoris imposante Gestalt. Seine Schuppen unterschieden sich von denen der anderen, sie hatten einen schimmernden violetten Farbton, der mit einer furchterregenden, überirdischen Brillanz glänzte.
Xorox‘ Augen, zwei glühende Kugeln aus feurigem Purpur, brannten vor Ungeduld. Allein seine Anwesenheit war wie ein Sturm der Gewalt, der darauf wartete, entfesselt zu werden.
Er war nicht irgendein General.
Xorox war einer der gefürchtetsten und brutalsten Anführer der Necoris, sein Ruf war getränkt vom Blut unzähliger eroberter Städte und Königreiche. Er war eine lebende Legende, und vor ihm zu stehen bedeutete, vor dem Tod selbst zu stehen.
Die Kommandanten, die durch Kämpfe gestählt und kriegserfahren waren, gerieten unter dem Gewicht seines Blicks ins Wanken.
Einer nach dem anderen spürten sie, wie sich die kalte Umklammerung der Angst um ihre Kehlen zusammenzog.
„G-General …“, stammelte Lehat, ein für seine stoische Haltung bekannter Kommandant, dessen Stimme unter dem Druck zu brechen drohte.
Seine Kehle fühlte sich trocken an, und seine sonst so ruhigen Hände zitterten leicht. Er zwang sich, Xorox in die Augen zu sehen, obwohl jeder Instinkt ihm sagte, er solle wegschauen.
„Kommandant Zennad … er ist zu einer der kleineren Städte seines Feldzugs geeilt“, stammelte er, die Worte sprudelten aus seinem Mund, als würde ihm jede Verzögerung Xorox‘ Zorn einbringen.
„Er … er übernimmt die Stadt.“
Xorox‘ Blick wanderte zu Lehat, und für einen Moment fühlte sich das Gewicht dieses Blicks an, als würde es ihn an Ort und Stelle erdrücken.
Die Stille, die folgte, war erdrückend. Alle Kommandanten im Zelt hielten den Atem an, ihre Blicke huschten nervös zwischen ihnen hin und her, während sie auf Xorox‘ Antwort warteten.
Lehat schlug das Herz bis zum Hals, jeder Schlag erinnerte ihn schmerzhaft an die Angst, die ihn packte. Er wusste, dass man mit Xorox nicht spaßen durfte. Seine Ungeduld war legendär und sein Temperament gnadenlos.
Xorox machte einen Schritt nach vorne, und der Boden unter ihm schien unter seinem Gewicht zu beben. Seine Stimme war leise und gefährlich, wie das Grollen eines Vulkans vor dem Ausbruch.
„Eine Stadt einnehmen?“, zischte er mit verächtlicher Stimme. „Während wir uns hier auf die eigentliche Schlacht vorbereiten? Während ich auf seinen Bericht warte?“
Lehat spürte, wie sich die Schuppen kalt auf seiner Haut anfühlten, während ihm Schweißperlen auf die Stirn traten. Seine Gedanken rasten und suchten nach Worten, die Xorox‘ wachsenden Zorn irgendwie besänftigen könnten.
Aber es fiel ihm nichts ein. Nichts, was den Sturm hätte besänftigen können, den er in den Augen des Generals aufziehen sah.
„Zennad“, knurrte Xorox, jede Silbe triefend vor Gift, „verschwendet seine Zeit mit einer erbärmlichen kleinen Stadt, während unsere Feinde stärker werden?“
Die anderen Kommandanten wagten sich nicht zu rühren.
Die Spannung in der Luft war greifbar, als würde das ganze Lager den Atem anhalten und auf Xorox‘ nächsten Schritt warten.
Niemand wagte zu sprechen.
Niemand wagte es, einander anzusehen, aus Angst, dass jede Bewegung Xorox‘ Zorn auf sich ziehen könnte.
Lehat schluckte schwer, seine Kehle war trocken wie Sandpapier. „Ich kann sofort eine Nachricht schicken, um ihn zurückzurufen, General Xorox“, stammelte er, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Ich werde … ich werde dafür sorgen, dass er sofort zur Hauptkampagne zurückkehrt.“
Dann lachte Xorox ohne Vorwarnung – ein so tiefes, bedrohliches Lachen, dass es allen Kommandanten im Raum einen Schauer über den Rücken jagte. Aber dieses Lachen hatte nichts Humorvolles an sich. Es war ein Lachen, das etwas weit Schlimmeres als Wut signalisierte.
„Ihn zurückholen?“, fragte Xorox mit gefährlich leiser Stimme, die die Kommandanten erschauern ließ.
„Nein“, knurrte Xorox mit tiefer, bedrohlicher Stimme, während seine blutroten Augen wie die eines Raubtiers glänzten, als er sich wieder den Kommandanten zuwandte.
„Wir werden in seine Stadt gehen und herausfinden, was ihm die Zuversicht gegeben hat, meine Kampagne aufzugeben … für eine armselige Stadt.“
Die Worte hingen wie ein Todesurteil in der Luft, und Lehat sank das Herz in die Hose, während ihn kalte Angst wie Ketten umschlang.
Er brauchte nicht mehr zu hören, um die düstere Realität zu begreifen, die nun auf Zennad wartete – und auf die Stadt, die er törichterweise zu erobern versucht hatte.
Xorox‘ Tonfall war endgültig, als ob das Schicksal von Zennad und der Stadt bereits in Stein gemeißelt wäre.
Er hatte die Folgen von Xorox‘ Wut schon zu oft gesehen, um sie zählen zu können. Ganze Städte wurden dem Erdboden gleichgemacht, ihre Bewohner als rauchende Leichen zurückgelassen.
Der bloße Gedanke, dass Xorox nun über diese unbekannte Stadt herfallen würde, erfüllte ihn mit unaussprechlichem Entsetzen.
Niemand würde das mit dem Leben verlassen.
Xorox‘ violette Schuppen schimmerten bedrohlich, als er seinen nächsten Befehl gab. „Bereitet die Truppen vor.
Wir brechen sofort auf. Ich will diese Stadt in Schutt und Asche legen, und Zennad …“ Er hielt inne, seine Stimme war voller Bosheit. „Er wird um sein Leben flehen, bevor ich mit ihm fertig bin.“
Unwissend über die drohende Gefahr, die sich ihnen näherte, blieb Dongping City in seinen eigenen Unruhen gefangen.
Die jüngste Schlacht hatte Narben hinterlassen, die noch immer bluteten – sowohl auf den Straßen als auch in den Herzen der Menschen.
Doch was die Stadt wirklich in Aufruhr versetzte, war nicht der anhaltende Geruch des Todes, sondern der schockierende Anblick ihrer mächtigsten Persönlichkeiten – der Anführer der mächtigen Clans und sogar der Stadtfürst selbst –, die in den Himmlischen Laden stürmten.
Mit einer solchen Dringlichkeit, als hinge ihr Leben davon ab.
Und vielleicht war das auch so.