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Kapitel 161: Die Nephalem

Kapitel 161: Die Nephalem

Etwas brach auseinander.

Nicht der Raum.

Nicht ein Stern.

Nicht einmal ein Knochen.

Es war tiefer. Irgendwo in Joshua – etwas brach auf.

Er schrie nicht.

Er atmete aus.

Ein zitternder Atemzug, der nicht mehr zu einem Menschen gehörte.
Kaelor – nein, der Wurzelgott – blieb mitten im Schritt stehen. Seine weißen Augen verengten sich, die Ranken um seine Schultern zuckten, als würden auch sie es spüren. Maels zerbrochene Schuppen schwebten regungslos, erstarrt in ihrer Balance, aber selbst er neigte neugierig den Kopf.

Joshua leuchtete diesmal nicht.
Er brannte.

Goldenes Licht pulsierte einmal – dann kehrte es sich um. Dunkelheit sickerte in die Risse der Realität um ihn herum, gefolgt von purpurroten Blitzbögen. Seine Haut leuchtete nicht nur – sie schälte sich ab, wie eine Schale, die abgerissen wurde.

Und darunter –

etwas Älteres.

Älter als das Gesetz. Älter als das Gleichgewicht. Älter als Wurzeln.

Hörner.
Nicht groß. Nicht hoch. Aber uralt. Schwarz, verdreht und wunderschön. Sie krümmten sich von seinem Schädel wie vergessene Kronen, jede mit Runen verziert, die von selbst pulsierten.

Sein verbliebener Ärmel war zerfetzt. Die Tätowierung auf seinem Arm begann sich zu bewegen. Sie schlitterte, als wäre sie lebendig – dann hob sie sich vollständig von seiner Haut. Die Tinte verwandelte sich in Ketten aus Schatten, die um ihn herumwirbelten, nichts banden, sondern nur wie Feuer tanzten.
Seine Augen öffneten sich.

Nicht blau.

Nicht goldfarben.

Schwarz. Mit dünnen, vertikalen roten Schlitzen in der Mitte.

Dämonisch.

Er ballte einmal seine Hand.

Die Leere flackerte.

Hinter ihm entfalteten sich Flügel. Nicht zwei.

Vier.
Das erste Paar – schwarz wie die Nacht, gefiedert, riesig und wellig wie ein Sturm. Das zweite – skelettartig, wie die eines Drachen, leuchtend mit verfluchten Symbolen und dämonischen Flammen. Sie bewegten sich gemeinsam – anmutig, bedrohlich, auf jede erdenkliche Weise falsch.

Maels Gesichtsausdruck veränderte sich. Keine Angst. Aber Besorgnis. Das bedeutete etwas.

Joshua schwebte höher.

Seine Stimme wurde leiser – nicht tiefer, aber ehrlicher.
„Du hättest mich früher töten sollen.“

Der Wurzelgott lächelte und neigte den Kopf. „Glaubst du, das spielt jetzt noch eine Rolle?“

Joshua antwortete nicht.

Er bewegte sich.

Schneller als der Gedanke.

In einem Moment schwebte er noch, im nächsten stand er vor Kaelor und rammte ihm seine Faust in die Brust.

Keine Ranken. Keine Schilde. Nur der Aufprall.
Kaelors Körper wurde nach hinten geschleudert – spiralförmig, Wurzeln schlugen um sich, Rinde zersplitterte. Er krachte durch fünf Asteroiden, einen Dschungelplaneten und ein ganzes Traumreich, bevor er sich in der Luft auffangen konnte.

Er schaute nach unten.

Ein Loch.

Durch seine Brust.

Es heilte bereits – aber langsamer. Viel langsamer.

Joshua erschien über ihm – still – und trat nach unten.

Bumm.
Kaelor krachte in eine geschmolzene Welt.

Der Planet implodierte.

Nicht explodierte – implodierte.

Joshua wartete nicht.

Er faltete den Raum, tauchte wieder hinter Kaelor auf und beschwor eine Waffe – ohne Gesang, ohne Zauberspruch.

Nur mit seiner Willenskraft.

Ein Speer formte sich – lang, schwarz, umhüllt von lebenden Runen und flammenden Fäden. Die Spitze pulsierte im Rhythmus eines Herzschlags.

Er holte aus.
Kaelor blockte – knapp – mit einem Arm aus Ranken, der mitten in der Bewegung gewachsen war.

Er brach.

Der Speer bohrte sich in seine Schulter, drehte sich und bohrte sich durch Wurzeln und Rinde, bis er aus seinem Rücken herausschoss.

Kaelor brüllte, griff nach der Waffe und riss sie heraus.

Aber sie verschwand nicht.

Sie brannte. In ihm. Als würde sie es hassen, entfernt worden zu sein.

„Dämon …“, zischte Kaelor.
„Nein“, sagte Joshua, der in der Luft schwebte und dessen Flügel blutrote Schatten überzogen.

„Nephalem.“

Kaelor erstarrte.

Sogar Mael zuckte zusammen.

Dieses Wort.

Nicht Dämon. Nicht Engel.

Etwas dazwischen.

Etwas darüber hinaus.

Joshua breitete seine Arme aus – und die Ketten auf seiner Haut entrollten sich.
Sie peitschten durch den Raum, banden Gesetze, rissen Realitäten auseinander und zerbrachen Konzepte wie Glas.

Er trat vor.

Die Leere bebte.

Kaelor sprang zurück, Ranken peitschten durch Galaxien – jede einzelne dick genug, um Sterne zu erwürgen. Er brüllte und wand sich – beschwor einen ganzen Planeten aus Bäumen herbei und schleuderte ihn.

Joshua zerschnitt ihn.

Ein Schlag.

Der Planet zerbrach.
Keine Explosion. Keine Schockwelle.

Nur eine klare, tote Stille.

Kaelor wurde verzweifelt.

Er dehnte seinen Körper aus – Tausende von Wurzeln griffen überall nach ihm, zogen Zeitlinien in sich hinein, absorbierten mehr, nährten sich mehr.

Aber Joshua war jetzt schneller.

Zu schnell.

Er schoss vorwärts, glitt unter einer Ranke von der Größe eines Berges hindurch, packte sie – und biss hinein.

Seine Zähne blitzten. Kaelor schrie.

Die Wurzel starb sofort – sie wurde schwarz, zerfiel und verwandelte sich in Staub.

„Hör auf zu fressen“, murmelte Joshua. „Du bist fertig mit Wachsen.“

Er schoss wieder los – diesmal packte er Kaelor am Hals.

Hob ihn hoch.

Mit einer Hand.

Hinter ihm flatterten Flügel – sie warfen einen purpurroten Heiligenschein über den zerbrochenen Himmel.
Kaelor knurrte und rammte Joshua eine Wurzel in die Seite.

Sie drang nicht ein.

Die Spitze brach ab.

Joshua sah nach unten – dann wieder zu Kaelor.

„… Jetzt bin ich dran.“

Er drehte sich einmal um sich selbst und schleuderte Kaelor zu Mael.

„Hey, Balance-Junge“, rief er.

Mael blinzelte. „Was?“

„Schlagabgabe?“
Mael fing Kaelor mitten in der Luft auf – im Bauch – mit einer Handfläche, die vor absoluter Balance glühte.

Kaelor explodierte.

Nicht sein Körper. Nicht sein Geist.

Seine Essenz.

Der Wurzelgott wurde zerfetzt – Ranken, Rinde, grünes Licht, Schreie – alles flog in alle Richtungen.

Mael zuckte nicht mit der Wimper.

Er trat zurück, ruhig wie immer.

Joshua landete neben ihm und faltete seine Flügel zusammen.
Sie standen Seite an Seite über den Überresten.

„Ich dachte, du wärst nervig“, sagte Mael.

„Das bin ich immer noch“, antwortete Joshua.

„Fair.“

Kaelors Teile zuckten.

Sie begannen, sich wieder zusammenzufügen.

„Immer noch nicht tot?“, fragte Joshua mit gerunzelter Stirn.
„Ich hab’s dir doch gesagt. Er ist jetzt ein Wurzelgott“, flüsterte Mael. „Er stirbt nicht. Er wächst.“

„Dann beenden wir sein Wachstum.“

Joshua hob die Hände.

Zwei Kugeln formten sich.

Eine weiß. Eine schwarz. Die eine bestand aus verdorbenem Zeit, die andere aus den Gesetzen des Dämonenfeuers.

Er drückte sie zusammen. Fest.

Mael fügte ein Fragment der Absoluten Masse hinzu.

Die Kugeln heulten auf.
Sie erschütterten das gesamte Schlachtfeld – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Kaelors neu geformter Körper – jetzt größer, breiter, mit Sternen bedeckt – blieb stehen.

Er starrte.

„Nicht“, knurrte er.

Joshua grinste und zeigte seine Reißzähne.

Mael sagte nur: „Auf Wiedersehen.“

Sie schossen es ab.

Der Verbotene Zusammenbruch.

Es traf Kaelor direkt.
Kein Schrei.

Kein Knall.

Nur –

Stille.

Alles faltete sich nach innen.

Das Licht verschwand.

Die Zeit blinzelte aus.

Die Dschungelplaneten, die Ranken, die Gesetze, sogar die schwebenden Schuppen – alles war weg.

Die Leere hielt den Atem an.

Dann –

Knack.

Kaelors Essenz – alles davon – war versiegelt.

In einem Baum.

Klein.
Leuchtend.

Gefangen in der Erinnerung.

Mael hob es auf. Untersuchte es.

Joshua schwebte neben ihm, Blut tropfte aus seinem Mund.

„Behältst du das?“

Mael zuckte mit den Schultern. „Das Gleichgewicht muss gewahrt bleiben.“

Joshua schnaubte. „Gruselig.“

Sie drehten sich um.

Das Schlachtfeld war jetzt leer. Keine Planeten. Kein Geräusch. Keine Wut.
Nur Stille.

Nur sie.

Und das Ende eines Gottes.

Joshuas Flügel falteten sich langsam zusammen, die Hörner verblassten. Die roten Augen erloschen.

Aber etwas in ihm blieb wach.

Der Dämon.

Der Engel.

Der Nephalem.

Und irgendwo – weit weg – regte sich etwas anderes.

Denn der Wurzelgott war zwar gefallen.

Aber Samen keimen immer wieder.

Die Entstehung von allem

Die Entstehung von allem

Score 10
Status: Ongoing Author: Artist: Released: 2024 Native Language: German
In einer ruhigen Welt lebte Adam ein friedliches Leben, aber alles änderte sich, als er in einem Krankenhausbett aufwachte und eine besondere Fähigkeit entdeckte... Die Erschaffung aller Dinge Mit dieser übermächtigen Fähigkeit ausgestattet, sieh zu, wie Adam die Wahrheit über seine Welt und darüber hinaus aufdeckt. Der Roman "Die Erschaffung aller Dinge" ist ein beliebter Light Novel aus dem Genre Fantasy. Geschrieben vom Autor Chaosgod24. Lies den Roman "Die Erschaffung aller Dinge" kostenlos online.

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