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Kapitel 159: Die zeitlose Wurzel 1

Kapitel 159: Die zeitlose Wurzel 1

Die Leere flackerte wieder.

Wo Magnus gefallen war, herrschte Stille. In der Ferne flackerten Sterne wie nervöse Zeugen. Das Schlachtfeld war verbrannt, gefroren und zerfetzt – aber nicht ruhig.

Noch nicht.

Denn weit entfernt, über einem zerbrochenen Mond und unter einer wirbelnden Aurora aus übrig gebliebener Energie, standen drei Gestalten in einem lockeren Dreieck.

Zwei von ihnen strahlten Macht aus. Eine stand still da.

Mael.
Der absolute Monarch der Balance. Seine Präsenz war … seltsam. Nicht laut, nicht kalt, nicht warm. Einfach da. Real. Greifbar. Wie die Schwerkraft, wie der Atem. Er trug einfache weiße und schwarze Roben, die mit jedem Schritt ihre Farbe wechselten. Um ihn herum schwebten Schuppen – nicht aus Metall, nicht aus Magie – sondern aus etwas Schwererem. Älterem. Schuppen der Realität, die sich je nach seinen Gedanken ganz leicht neigten.
Ihm gegenüber rückte die zweite Gestalt ihre Handschuhe zurecht.

Joshua.

Der absolute Monarch der Ordnung. Gepflegt. Kein Haar war fehl am Platz. Sein Mantel sah aus, als wäre er tausendmal gefaltet worden und hätte nie Falten bekommen. Jede seiner Bewegungen war effizient, mechanisch. Hinter ihm schwebten unzählige goldene Runen – sie kreisten in perfekten Kreisen und klickten leise wie eine göttliche Uhr.

Zwischen ihnen stand die letzte Gestalt.
Kaelor.

Der Monarch der zeitlosen Wurzeln.

Er sah anders aus als die anderen. Keine Aura. Keine Waffe. Keine Auffälligkeiten. Nur ein ruhiger, müder Mann, gehüllt in wallende Roben aus alter Rinde und grün-weißem Nebel. Ranken schlängelten sich träge um seine Schultern. Seine Augen waren geschlossen. Er atmete tief, wie jemand, der gerade aus einer langen Meditation erwacht war und nicht zurück in den Wahnsinn der Welt wollte.
Er seufzte.

„Ich habe gesagt, wir sollten nicht kämpfen.“

Joshua kniff die Augen zusammen. „Und trotzdem bist du hier.“

Kaelor öffnete endlich die Augen – leuchtend, tiefgrün, älter als alles, was noch existieren sollte.

Mael sagte nichts. Seine Schuppen neigten sich leicht.
Kaelor sah ihn an. „Ich habe ihnen gesagt – Magnus und Selene –, dass wir zurücktreten sollten. Die neuen Monarchen sollten an die Macht kommen. Nicht alles muss mit Krieg geregelt werden. Aber natürlich hat keiner auf mich gehört.“

Er blickte auf das verbrannte Schlachtfeld unter ihnen, wo Magnus gerade verschwunden war.

„Jetzt schau dir das an.“
Joshua biss die Zähne zusammen. „Wir sind nicht aus freien Stücken hier. Wir sind hier wegen der Folgen deiner Handlungen.“

„Genau deshalb hättest du gehen sollen“, sagte Kaelor ruhig. „Aber die Ordnung lässt sich nie beugen, oder? Und das Gleichgewicht … nun ja.“ Er warf Mael einen Blick zu. „Du gehst einfach dorthin, wo sich die Waage neigt.“

Mael sprach endlich. „Du hast sie in Richtung Konflikt geneigt.“
Kaelor lachte leise und bitter. „Natürlich hast du das.“

Joshua hob eine Hand, goldene Runen bildeten sich um seine Finger. „Wir können später reden.“

„Nein“, erwiderte Kaelor und hob ebenfalls seine Hand – nicht in Aggression, sondern in Resignation. „Jetzt haben sie mir die Entscheidung abgenommen.“
Ranken schossen aus dem Boden – keine normalen Ranken. Diese waren kosmisch. Sie streckten sich durch den Raum wie Wurzeln aus einer anderen Dimension. Sie durchbohrten Monde. Sie wanden sich durch Sterne. Die Zeit verbog sich um sie herum, verlangsamte sich, verdrehte sich.

Kaelor atmete erneut aus, und das gesamte Feld bebte.

„Ich werde kämpfen“, sagte er leise. „Aber ihr sollt wissen – ich wollte Frieden.“

Und dann begann es.
Joshua machte den ersten Schritt.

Eine einzelne goldene Rune vergrößerte sich – dann vervielfachte sie sich zu Hunderten, jede so groß wie ein Gebäude. Sie drehten sich in berechneten Mustern und bildeten einen Ring um ihn herum.

„Protokoll Zwölf“, flüsterte er.

Die Realität zerbrach.

Alle Gegenstände um ihn herum waren in Stasis eingefroren – ein Gitter aus goldenem Licht, das den Bereich abschottete. Die Zeit verbog sich zu Quadraten. Bewegungen wurden segmentiert.

Er verschwand.
Er tauchte hinter Kaelor auf.

In seiner Hand hielt er eine Klinge aus goldenem Gesetz.

Er schlug zu – aber die Klinge ging durch eine Ranke hindurch.

Die Ranke blockierte den Schlag mitten in der Bewegung und wand sich wie eine Schlange. Kaelor drehte sich langsam, während sich Ranken wie ein Natursturm um ihn herum wanden.

Dann trat Mael hinzu.

Sein Fuß berührte die Leere – und das Gleichgewicht verschob sich.

Das Schlachtfeld neigte sich.
Nicht physisch. Existentiell.

Plötzlich fiel Joshua, obwohl er sich nicht bewegte. Kaelor erhob sich. Alles war durcheinander. Die Schwerkraft spielte keine Rolle mehr. Oben und unten hatten keine Bedeutung mehr.

Mael hob beide Hände. Die Waage um ihn herum neigte sich zu einer Seite, und ein Strahl aus purer Balance – reine Neutralität – schoss auf Kaelor zu.

Kaelors Augen blitzten auf.

Er streckte die Hand aus.
Der Strahl traf seine Handfläche – und blieb stehen.

Nicht, weil er ihn abgewehrt hatte.

Sondern weil die Zeit um ihn herum stehen geblieben war.

Der Strahl hing in der Luft wie ein angehaltenes Video. Dann winkte Kaelor mit der anderen Hand, und Wurzeln wuchsen um den Strahl herum und absorbierten ihn – wie ein Baum, der sich von Sonnenlicht ernährt.

Er sprach.

„Meine Wurzeln trinken mehr als Wasser, Mael.“
Und dann schossen Ranken hervor – Tausende von ihnen, die sich um die schwebenden Runen wickelten und das Stillstandsfeld aufbrachen. Eine Ranke schlug gegen Joshua – er blockte sie mit einer goldenen Wand ab, aber der Aufprall schleuderte ihn gegen einen vorbeifliegenden Meteor.

Mael blinzelte – und tauchte wieder über Kaelor auf.

Er ließ sich fallen – mit der Handfläche voran.

Balance Pulse.

In dem Moment, als seine Handfläche Kaelors Rücken berührte, explodierte eine unsichtbare Welle nach außen.
Zeit, Raum, Energie – sogar Gedanken – wurden in ein Gleichgewicht gezwungen. Ein perfekter Moment der Null.

Kaelor hustete Blut.

Aber er fiel nicht.

Stattdessen packte er Maels Handgelenk und zog ihn nach vorne – in einen Kopfstoß, der Mael durch einen gefrorenen Planeten in der Nähe schleuderte.

Joshua kehrte zurück.

Dutzende Runen umgaben ihn jetzt – alle aktiviert, alle brennend vor Ordnung.
Er zeigte mit zwei Fingern nach vorne.

„Urteilsformation: Endgültiges Urteil.“

Die Runen verbanden sich zu einem riesigen Speer des Gesetzes, größer als eine Stadt, heller als eine Sonne. Er schoss auf Kaelor zu.

Kaelor hob beide Hände.

Wurzeln wuchsen – nicht nach außen, sondern nach innen. In die Zeit selbst.

In dem Moment, als der Speer ihn erreichte, erstarrte er.

Dann kehrte sich der Zauber um.

Der ganze Zauber löste sich auf – zerbrach in Stücke, formte die Runen neu, die sich in alle Richtungen verstreuten.

Kaelor schüttelte den Kopf. „Du kämpfst gegen die Zeit. Das ist nicht fair, oder?“

Mael tauchte wieder neben ihm auf, ohne ein Wort zu sagen.

Diesmal griff er nicht an.

Er streckte die Hand aus – und berührte Kaelors Herz.

Kaelors Augen weiteten sich.
Die Waage um Mael kippte erneut – beide Seiten glichen sich für einen einzigen Moment aus.

Kaelor schrie.

Nicht vor Schmerz.

Vor Ungleichgewicht.

Um ihn herum starben Wurzeln. Die Zeitverzerrung schwächte sich ab. Mael hatte seinen inneren Fluss ausgeglichen. Die Jahrhunderte der Stille und Geduld – alles wurde in die Gegenwart gezogen. Er war überwältigt von der Gegenwärtigkeit.

Joshua nutzte die Chance.

„Ordnungsbruch.“
Er rammte Kaelor seine Faust in den Rücken – Runen zersprangen wie Blitze über seinen Körper.

Kaelor fiel.

Tief, tief, durch Schichten des Weltraums.

Doch während er fiel, streckten sich seine Ranken aus – und rissen Mael und Joshua mit sich.

Sie schlugen auf einen mit Wurzeln bedeckten Planeten auf und zerschmetterten Berge.

Kaelor stand auf, hustete und war voller Prellungen.

„Genug.“
Er stemmte seine Handfläche gegen den Boden.

Und der Planet erwachte.

Nicht im übertragenen Sinne.

Der gesamte Planet erhob sich.

Es war ein Ungeheuer. Ein Wurzel-Titan, menschenähnlich, aber kilometerhoch. Ranken statt Adern. Galaxien verschlungen in seinen Schultern.

Kaelor stand auf seiner Stirn.

Er blickte hinunter.
„Das ist es, was ich zu schützen versuche. Die stillen Dinge. Die verwurzelten Dinge.“

Joshuas Runen dehnten sich wieder aus und bildeten einen Würfel um den Titanen.

„Eindämmen.“

Der Würfel schloss sich – dann brach er nach innen zusammen und versuchte, das riesige Weltwesen zu zerquetschen.

Aber die Ranken drückten zurück.

Jede Rune barst.

Mael flog nach oben und zog alle schwebenden Schuppen zu sich.
Er ballte die Hände zu Fäusten.

„Doppeltes Gleichgewicht – Schöpfung/Zerstörung.“

Ein weiß-schwarzer Strahl schoss aus seinen Handflächen – eine Hälfte baute auf, die andere löschte aus. Er traf den Titanen in der Brust und riss ein Loch hinein.

Kaelor schrie – nicht vor Schmerz, sondern vor Wut.

Er schnippte mit den Fingern.

Die Zeit blieb stehen – aber nur für ihn.
Er spulte seinen eigenen Körper zehn Sekunden zurück.

Er tauchte hinter Joshua und Mael wieder auf – mit einem Wurzel-Speer in der Hand.

Er stach nach vorne.

Joshua drehte sich im letzten Moment weg – der Speer streifte seine Schulter.

Mael packte den Schaft der Waffe.

Kaelor riss sie heraus und drehte sie, um Maels Folgeschlag abzuwehren.
Die drei prallten in der Luft aufeinander und sprengten mit jeder Bewegung Sterne auseinander.

Jetzt wurde nicht mehr geredet.

Es gab nur noch rohe Bewegung.

Kaelor verdrehte die Zeit, schlug Wurzeln durch die Geschichte und benutzte Erinnerungen als Waffen.

Mael konterte, indem er Ursache und Wirkung verschob – er glich Schwungkraft mit Trägheit aus, Absicht mit Reaktion.

Joshua sperrte die beiden in logische Gitter – er versuchte, sie vorherzusagen, einzudämmen, zu isolieren.

Es funktionierte nicht.
Sie bewegten sich weiter.

Explodierten.

Hieben aufeinander ein.

Fielen durch Planeten.

Kaelors Ranken rissen umkreisende Monde auseinander.

Mael brach eine Schuppe ab und setzte seine Position zurück.

Joshua entfesselte einen Sturm goldener Urteile, wobei jede Rune auf eine andere Version von Kaelor in parallelen Zeitlinien zielte.

Es reichte immer noch nicht.

Kaelor blieb.

Er atmete schwer.
Er blutete.

Aber er bewegte sich immer noch.

Die drei schwebten in einem zerstörten Feld aus gebrochenem Licht.

Es gab keinen Sieger.

Noch nicht.

Aber die Galaxie schaute zu.

Und wartete.

Die Entstehung von allem

Die Entstehung von allem

Score 10
Status: Ongoing Author: Artist: Released: 2024 Native Language: German
In einer ruhigen Welt lebte Adam ein friedliches Leben, aber alles änderte sich, als er in einem Krankenhausbett aufwachte und eine besondere Fähigkeit entdeckte... Die Erschaffung aller Dinge Mit dieser übermächtigen Fähigkeit ausgestattet, sieh zu, wie Adam die Wahrheit über seine Welt und darüber hinaus aufdeckt. Der Roman "Die Erschaffung aller Dinge" ist ein beliebter Light Novel aus dem Genre Fantasy. Geschrieben vom Autor Chaosgod24. Lies den Roman "Die Erschaffung aller Dinge" kostenlos online.

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