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Kapitel 53: Damien Blackveil

Kapitel 53: Damien Blackveil

Vor fünf Jahren

Vor ihnen ragte ein riesiges Steintor empor, das direkt in die Struktur der Realität gemeißelt war. Es war hoch und uralt, und seine Oberfläche war mit komplizierten Zeichen bedeckt – Spiralen, Runen und Symbole, die schwach pulsierten, als wären sie lebendig. Die Ränder schimmerten leicht und verzerrten die Luft um sie herum, was auf etwas Unnatürliches dahinter hindeutete.
Thomas stand davor, die Arme verschränkt, und musterte jeden Zentimeter mit scharfen Augen. Er stieß einen leisen Pfiff aus. „Das ist also das ‚mysteriöse Tor‘, von dem du gesprochen hast … Ein Portal in eine andere Dimension, was?“
Neben ihm stand ein Mann mit stechend roten Augen und zerzaustem schwarzem Haar, die Hände in den Manteltaschen. Damien Blackveil – Selenes älterer Bruder und aktueller Chef des Blackveil-Syndikats. Obwohl er noch jünger war, strahlte er eine intensive Präsenz und ruhige Autorität aus. Sein maßgeschneiderter schwarzer Mantel verbarg kaum die darunter befestigten Waffen, die ständig daran erinnerten, wer er war.
„Ja“, murmelte Damien, ohne den Blick von der Tür zu nehmen. „Wir haben alles darüber recherchiert. Wir haben Jahre damit verbracht, es zu verstehen. Aber nichts. Keine Aufzeichnungen, keine Geschichte, keine Möglichkeit, es zu öffnen.“

Er atmete aus, und Frustration huschte über sein Gesicht. „Das verdammte Ding ist einfach eines Tages aus dem Nichts aufgetaucht.“
Selene, die zwischen ihnen stand und ihr langes dunkles Haar zu einem einfachen Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, nickte. „Deshalb haben wir dich gerufen. Mit deiner Fähigkeit – deiner intuitiven Begabung – glauben wir, dass du sehen kannst, was wir nicht sehen.“

Thomas grinste, seine Selbstsicherheit kaum verbergend. „Natürlich konntet ihr es nicht herausfinden. Eure Köpfe sind viel zu schwach für so etwas.“
Damien zuckte mit den Augen. Seine Finger krümmten sich leicht, aber bevor er reagieren konnte, berührte Selene seinen Arm und schüttelte den Kopf. Eine stille Warnung: Nicht jetzt. Nicht hier.

Damien atmete durch die Nase aus und zwang sich, still zu bleiben.

Thomas, unbeeindruckt, wandte sich wieder den Markierungen zu, sein Grinsen wurde breiter. „Nun … lass uns sehen, welche Geheimnisse du verbirgst.“
Thomas trat einen Schritt näher und fuhr mit den Fingern über die alten Schnitzereien. Die Markierungen fühlten sich rau an, aber unter der Oberfläche war etwas zu spüren – ein Puls, ein Rhythmus, fast wie ein Herzschlag. Seine Augen verengten sich.

„Interessant …“

Selene sah mit verschränkten Armen zu. Damien hingegen hielt seinen Blick auf Thomas gerichtet, seine Geduld schwand.
„Machst du endlich was oder willst du nur rumfummeln?“, murmelte Damien.

Thomas grinste. „Entspann dich, Rotauge. So was braucht Zeit.“

Bevor Damien etwas erwidern konnte, veränderte sich Thomas‘ Gesichtsausdruck. Sein Grinsen verschwand und machte etwas Ernsthafterem Platz. Seine Finger zuckten auf dem Stein.

Dann – weiteten sich seine Pupillen.
Die Welt um ihn herum verschwamm. Die Luft wurde dick, geladen mit einer unsichtbaren Kraft.

Für einen kurzen Moment war alles still.

Dann –

THUMP.

Ein tiefer, hallender Klang hallte von der Türöffnung wider. Staub rieselte aus den Schnitzereien, während die Symbole pulsierten und ihr Leuchten intensiver wurde. Der Boden unter ihnen bebte leicht.

Selenes Augen weiteten sich. „Was zum –“
Damien griff instinktiv nach seiner Waffe. „Was hast du gerade gemacht?“

Thomas zog langsam seine Hand zurück und bewegte seine Finger, als wären sie taub geworden. Sein Gesichtsausdruck war unlesbar.

„Ich habe nichts gemacht.“

Ein weiterer Impuls. Die Markierungen leuchteten jetzt noch heller und nahmen eine feurige Farbe an.

Dann –

KNACK.
Ein gezackter Riss bildete sich in der Mitte der Türöffnung. Die Luft um sie herum verdrehte sich heftig und verzerrte sich wie eine Hitzewelle. Die Atmosphäre wurde schwer und drückte auf sie wie eine unsichtbare Kraft.

Selene machte einen Schritt zurück. „Dieses Ding erwacht.“

Damien umklammerte seine Waffe fester. „Dann müssen wir uns jetzt entscheiden …“ Sein Blick huschte zu Thomas. „Gehen wir hindurch oder versiegeln wir es endgültig?“
Thomas starrte auf den wachsenden Riss, sein Gesichtsausdruck war unlesbar.

„Das ist es ja gerade, Rotauge … Ich glaube nicht, dass wir es noch versiegeln können.“

Der Riss in der Türöffnung breitete sich blitzschnell über den Stein aus, und das Leuchten sickerte wie geschmolzene Lava durch die Brüche. Der Puls von vorhin verwandelte sich in ein stetiges, rhythmisches Pochen, wie ein riesiger Herzschlag, der gegen die Wände der Realität hämmerte.

Dann –
BOOM!

Eine Schockwelle explodierte aus der Türöffnung und schleuderte Staub und Trümmer durch die Luft. Thomas taumelte zurück und schützte sein Gesicht. Selenes Haare wehten wild im Wind, und Damien musste sich festhalten, während seine Stiefel leicht auf dem Steinboden rutschten.

Dann verschwand das Leuchten.

Die Tür flog auf – nicht wie eine normale Tür, sondern wie eine Wunde, die sich durch den Raum riss. Vor ihnen erstreckte sich eine wirbelnde, endlose Leere, die sich mit Farben bewegte und wellte, die es nicht geben sollte. Die Luft wurde eiskalt, doch Damien hätte schwören können, dass er gleichzeitig Hitze auf seiner Haut spürte.

Selene schnappte nach Luft. „Das … ist nicht normal.“
Damiens Hand umklammerte seine Waffe fester. „No shit.“

Einen Moment lang bewegte sich keiner von ihnen. Die unnatürliche Kraft aus dem Portal drückte auf sie und machte das Atmen schwer. Dann – Thomas kicherte.

„Na … ist das nicht aufregend?“

Damien riss den Kopf zu ihm herum. „Aufregend?! Siehst du nicht, was ich sehe?! Dieses Ding ist …“
Bevor er zu Ende sprechen konnte, bewegte sich die Leere.

Eine Gestalt regte sich in dem wirbelnden Chaos, verschob sich, dehnte sich aus – beobachtete.

Ein langsames, kehliges Geräusch drang von jenseits der Schwelle. Kein Brüllen. Kein Knurren. Etwas … Uraltes. Etwas, das gewartet hatte.

Und dann –

Eine Hand.
Ein verdrehtes, unnatürliches Glied – dunkle, langgestreckte Finger, die sich aus dem Abgrund streckten und nach den Rändern des Portals krallten. Allein ihre Anwesenheit sandte eine erdrückende Druckwelle durch die Luft, die Selene zurücktaumeln ließ.

„Verdammt!“, spuckte Damien und schnippte mit den Fingern. In diesem Moment flackerte sein Mantel auf und eine Klinge materialisierte sich in seiner Hand, deren Oberfläche rot glühte.
„Wir schließen das. Sofort.“

Thomas schien jedoch nicht beunruhigt zu sein. Er grinste. „Oh nein, nein, nein … warum sollten wir es schließen?“ Seine Augen glänzten fasziniert. „Wir haben gerade die Tür geöffnet. Wäre es nicht schade, nicht zu sehen, was auf der anderen Seite ist?“
Damien drehte sich zu ihm um. „Bist du verrückt? Schau dir das Ding an! Willst du da reinspringen und ihm die Hand geben?“

Thomas neigte nur den Kopf und trat näher an das Portal heran. „Wer sagt, dass es gefährlich ist? Vielleicht ist es nur neugierig …“

KNACK!

Die Hand umklammerte den Rand des Portals und zog sich nach vorne. Mehr von ihrer Gestalt kam zum Vorschein – etwas Massives, sich bewegendes, Unheimliches.
Selenes Stimme war scharf. „Thomas, zurück!“

Aber er rührte sich nicht. Er stand wie angewurzelt da, die Augen weit aufgerissen, als wäre er in Trance.

Das Wesen aus der anderen Welt stieß einen leisen, eiskalten Atemzug aus. Und in diesem Moment –

sprach es.

Nicht mit Worten. Nicht mit Lauten. Sondern mit rohen, ungefilterten Gedanken, die wie eine Flutwelle in ihre Köpfe schlugen.

Eine einzige Botschaft.
„Komm.“

Das Portal zuckte, die Kraft zog sie an, als hätte sich die Schwerkraft selbst verschoben.

Selene taumelte. „Scheiße – es zieht uns rein!“

Damien grub seine Fersen in den Boden und schlug mit seiner Klinge auf das Portal ein. „Genug von diesem Blödsinn!“ Ein roter Energiebogen schlug zu und versuchte, die Verbindung zu durchtrennen.

Aber –
In dem Moment, als sein Angriff die wirbelnde Leere traf, verschlang sie die Energie vollständig. Keine Wirkung. Kein Widerstand. Als hätte es sie nie gegeben.

Damiens Augen weiteten sich. „Was …“

Und dann, bevor irgendjemand reagieren konnte …

Verdreifachte sich die Kraft.

Die Welt drehte sich. Der Druck stieg. Und im Handumdrehen …

Verschlang das Portal sie vollständig.

Dann …

Nichts.

Die Entstehung von allem

Die Entstehung von allem

Score 10
Status: Ongoing Author: Artist: Released: 2024 Native Language: German
In einer ruhigen Welt lebte Adam ein friedliches Leben, aber alles änderte sich, als er in einem Krankenhausbett aufwachte und eine besondere Fähigkeit entdeckte... Die Erschaffung aller Dinge Mit dieser übermächtigen Fähigkeit ausgestattet, sieh zu, wie Adam die Wahrheit über seine Welt und darüber hinaus aufdeckt. Der Roman "Die Erschaffung aller Dinge" ist ein beliebter Light Novel aus dem Genre Fantasy. Geschrieben vom Autor Chaosgod24. Lies den Roman "Die Erschaffung aller Dinge" kostenlos online.

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