„Okay, Zeit, sich mal mit der übernatürlichen Welt zu beschäftigen“, sagte Adam, als er vor einem Computerzentrum stand.
Er hätte das auch zu Hause machen können, aber er war lieber hier. Die Verbindung war besser, die Auswahl größer und ehrlich gesagt wollte er einfach mal frische Luft schnappen.
Mit diesem Gedanken trat er ein.
Der Ort war voll mit Leuten – einige spielten Spiele, andere schauten Videos und ein paar arbeiteten tatsächlich.
Das Summen der Tastaturen und gelegentliches Gelächter erfüllten den Raum. Adam ging zu einem freien Computer, setzte sich und loggte sich ein.
In dem Moment, als der Bildschirm aufleuchtete, setzte seine Fähigkeit ein. Seine neuronale Cybertechnopathie verband ihn direkt mit der digitalen Welt und ermöglichte ihm, Informationen mit wahnsinniger Geschwindigkeit zu verarbeiten. Daten strömten in seinen Kopf – Nachrichtenberichte, Untergrundforen, verschlüsselte Dateien – alles wurde wie von einem Hochgeschwindigkeitsscanner durch seine Gedanken gefiltert.
Okay, mal sehen, was sich hier so verbirgt.
Er begann mit einer einfachen Suche: übernatürliche Sichtungen, ungeklärte Ereignisse, geheime Organisationen. Das meiste davon war Quatsch – Geistergeschichten, Verschwörungstheorien, urbane Legenden. Aber dann fiel ihm etwas auf.
Ein Beitrag in einem Forum, tief vergraben in einem Thread im Dark Web:
„Der Schleier wird dünner. Diejenigen, die dahinter blicken können, sollten vorsichtig sein.“
Die Antworten waren voll von Leuten, die behaupteten, seltsame Dinge gesehen zu haben – Kreaturen im Schatten, Menschen, die spurlos verschwanden, Symbole, die über Nacht an Gebäuden auftauchten.
Adam grinste. Das sieht interessant aus.
Er lehnte sich zurück, knackte mit den Fingern und tauchte tiefer ein.
Adam scrollte weiter durch die Foren und durchforstete Unmengen von Müll, bis ihm etwas anderes auffiel – eine Firma namens Silvermane Inc.
Auf den ersten Blick sah es aus wie ein weiteres Hightech-Unternehmen, das sich mit KI, Cybersicherheit und fortschrittlicher Robotik befasste. Aber irgendetwas fühlte sich seltsam an.
Zum einen waren sie außer ihrer offiziellen Website und einer Handvoll Nachrichtenartikeln fast nicht im Internet präsent. Keine Lecks, keine Insider-Bewertungen, nichts. Unternehmen dieser Größe hatten immer irgendetwas zu verbergen. Doch Silvermane Inc. war sauber – zu sauber.
Das allein machte Adam misstrauisch.
Seine Finger bewegten sich instinktiv, als er sich in ihr System einhackte. Er umging die einfachen Firewalls mit Leichtigkeit, aber dann stieß er auf etwas Unerwartetes.
Eine verschlüsselte Datei.
Nicht irgendeine Verschlüsselung, sondern eine hochgradige militärische Sicherheitsverschlüsselung.
Adam grinste. Warum sollte ein Tech-Unternehmen so etwas haben?
Er beugte sich vor, die Augen leuchteten, während er mit den Fingerknöcheln knackte. Das war mehr als nur ein zufälliges Unternehmen.
Hier wurde etwas versteckt, und er würde herausfinden, was es war.
Er tauchte tiefer in seine neuronale Cybertechnopathie ein, synchronisierte seinen Geist mit dem System und ließ seine Gedanken wie ein digitaler Geist durch die Codezeilen fließen. Eine Sicherheitsbarriere nach der anderen fiel, bis –
Zugriff gewährt.
Die Datei öffnete sich und enthüllte Seiten mit geheimen Berichten, seltsamen Symbolen und vor allem Erwähnungen übernatürlicher Wesen.
Adam lachte leise. „Ich habe dich gefunden.“
Adams Augen huschten über die entschlüsselten Dateien. Der Bildschirm war voller geheimer Texte – Deals, Experimente, Vertuschungen.
Silvermane Inc. arbeitete nicht nur mit dem Übernatürlichen. Sie waren selbst übernatürlich.
In diesem Land gab es fünf herrschende Familien und drei mächtige Organisationen, die aus dem Schatten heraus alles kontrollierten. Jede von ihnen hatte tiefe Verbindungen zur übernatürlichen Welt.
Ein Name stach sofort hervor: die Blackveil-Familie.
Das war die Familie, die er ursprünglich untersuchen wollte. Sie war berüchtigt und angeblich in alles verwickelt, vom illegalen Handel mit übernatürlichen Wesen bis hin zum Horten alter Relikte. Sie war die Mafia der übernatürlichen Welt.
Doch dann tauchte ein weiterer Name auf. Ein Name, der ihm für einen Moment den Atem stocken ließ.
Die Dhark-Familie.
Sein Nachname.
Adams Finger schwebten über der Tastatur, während seine Gedanken rasten. Dhark … Konnte das nur ein Zufall sein?
Nein.
Er klickte auf die Datei.
Ein tiefes Summen erfüllte seine Ohren, als der Bildschirm geladen wurde und Zeilen verschlüsselter Geschichte vor seinen Augen aufblitzten. Sein Herz pochte.
Die Wahrheit über seinen eigenen Namen, seine Vergangenheit – was auch immer in dieser Datei verborgen war – würde er gleich erfahren.
Anderswo
„Freya ist immer noch nicht gefunden worden?“
Die tiefe, vom Leben gezeichnete Stimme von Franklin Dhark, dem Oberhaupt der Familie Dhark, hallte durch das schummrig beleuchtete Arbeitszimmer. Seine scharfen Augen, voller Weisheit und Bedauern, waren auf den wirbelnden Whiskey in seinem Glas gerichtet.
Hinter ihm stand eine Frau Mitte 30 mit gesenktem Kopf. Madeline Dhark. Ihre Haltung war angespannt, als würde das Gewicht der Worte ihres Vaters auf ihren Schultern lasten.
„Ich habe alle mir zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft“, gab sie zu, ihre Stimme ruhig, aber voller Frustration. „Große Schwester Freya … sie versteckt sich zu gut.“
Wäre Adam hier gewesen, hätte er es sofort bemerkt – die Ähnlichkeit zwischen Madeline, seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester Aria.
Franklin seufzte leise und rieb sich die Schläfen, während Erinnerungen an vor neunzehn Jahren wie Geister aus der Vergangenheit auftauchten.
Der Tag, an dem Freya ihrer Familie den Rücken gekehrt hatte.
Der Tag, an dem er seine eigene Tochter von sich gestoßen hatte.
„Wir sollten es jetzt sein lassen, Vater.“ Madeline sprach sanft, um die Spannung im Raum zu lösen. „Sie kommt schon wieder. Das tut sie immer.“
Franklin umklammerte sein Glas fester.
„Nein.“ Seine Stimme war fest, die Luft wurde schwerer. „Diesmal ist es nicht wie letztes Mal.“
Madeline zuckte zusammen, als sein Blick auf sie fiel, kalt und durchdringend.
„Als sie das erste Mal weggelaufen ist, war es, weil sie dachte, sie würde nie als Superheldin erwachen. Wegen des Mobbings.“ Seine Worte waren mit einer unausgesprochenen Anschuldigung behaftet, und Madeline presste die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen.
„Aber sie ist zurückgekommen“, fuhr Franklin fort, wobei sein Gesichtsausdruck etwas weicher wurde. „Sie ist erwacht, wurde eine von uns. Sie war glücklich, zurückzukommen.“
Seine Schultern sackten zusammen, als er sich in seinem Stuhl zurücklehnte, und das Eis in seinem Drink klirrte leise.
„Aber dieses Mal … ist sie gegangen, weil wir uns dem Mann, den sie liebte, in den Weg gestellt haben.“
Er atmete tief aus, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
„Und das ist jetzt neunzehn Jahre her.“
Eine Kälte breitete sich im Raum aus.
Und immer noch keine Spur von ihr.
Zurück im Café
Das schwache Leuchten des Computerbildschirms war das einzige Licht im Raum und warf flackernde Schatten auf Adams Gesicht. Seine weit aufgerissenen Augen spiegelten das Bild wider, das ihn anstarrte.
Eine Frau.
Nicht irgendeine Frau.
Eine Frau, die er nur zu gut kannte.
Sein Atem stockte und seine Hände ballten sich zu Fäusten auf der Tastatur. Sein Herzschlag pochte in seinen Ohren und übertönte alles andere.
Der Name unter dem Bild brannte sich in seine Netzhaut.
Freya Dhark.
Seine Mutter.
„Mum …“
Das Wort kam nur als Flüstern über seine Lippen, voller Unglauben. Eine Welle von Emotionen überrollte ihn – Schock, Verwirrung, Wut, Erleichterung.
Warum ist ihr Name hier?
Was bedeutet das?
Was zum Teufel ist hier los?
Der Bildschirm flackerte leicht, als würde er ihn mit Geheimnissen verspotten, die seit Jahren verborgen waren.
Adam schluckte schwer, sein Puls raste.
Er stand am Rande von etwas Großem. Etwas, das alles verändern könnte, was er zu wissen glaubte.