Die Trainingshalle schien dunkler zu werden, als Abaddon vor den bewusstlosen Blutbrennenden Dämon trat und ihn überragte. Die Luft wurde dick von bedrückender Energie, einer kalten, erstickenden Präsenz, die sogar seine Frau Shez und Pyris nervös werden ließ. Er hob die Hand und krümmte die Finger zu einer klauenartigen Geste. Ein tiefer, kehliger Gesang dröhnte aus seiner Kehle, gesprochen in einer Sprache, die uralt und primitiv klang.
Die Schatten um ihn herum verdrehten sich unnatürlich, wand sich wie Lebewesen, schlitterten über den Boden und sammelten sich um den hilflosen Vampir.
Ein dunkles Siegel, das vor purpurroter und abgrundtiefer Energie pulsierte, brannte sich in die Brust des Blutbrand-Unholds und versank in seinem Innersten. Sein Körper zuckte heftig, seine Adern wurden schwarz, als die Versklavung ihn ergriff.
Blutrote Ketten, gebildet aus purer Willenskraft und Herrschaft, schossen aus Abaddons ausgestreckter Hand, wickelten sich um die Gliedmaßen des Vampirs und versanken in seinem Fleisch. In dem Moment, als die Ketten ihn berührten, öffnete sich der Mund des Blutbrennenden Unholds zu einem stummen Schrei – seine Seele wurde in Unterwerfung gebrandmarkt.
Seine blutroten Augen weiteten sich, nun völlig frei von eigenem Willen.
Abaddons Stimme war kalt und endgültig. „Du gehörst jetzt mir, Vampir.“
Blood Burn Fiend zitterte, sein Körper zuckte, als die letzten Reste seines Widerstands wie sprödes Glas zerbrachen. Das Siegel war geschlossen, unsichtbar für das ungeübte Auge, aber absolut. Mira und Shez atmeten langsam aus.
Die Stille in der Trainingshalle war drückend, während Blood Burn Fiends Körper heftig zuckte. Sein Atem ging stoßweise, seine Finger krallten sich in den Steinboden, als wolle er sich dem Unvermeidlichen widersetzen. Aber es war zwecklos. In dem Moment, in dem Abaddons Versklavung sich in seinem Innersten festgesetzt hatte, war sein Schicksal besiegelt.
Mit einem tiefen, zitternden Keuchen riss er die Augen auf – sie leuchteten rot, aber ohne ihre frühere Boshaftigkeit. Anstelle des skrupellosen, blutrünstigen Attentäters, der einst Draculas Willen ausgeführt hatte, war nun nur noch Unterwerfung zu sehen.
Blood Burn Fiend zuckte nach vorne, sein Körper zitterte, als sich der Befehl in seinen Geist drängte. Er kämpfte dagegen an – sein Instinkt als Vampir, als Raubtier, sagte ihm, er solle sich wehren.
Aber die Ketten, die ihn fesselten, waren nicht physisch. Sie waren in seine Seele eingewoben, absoluter als die Herrschaft des Blutes selbst.
Ein tiefes Knurren grollte in seiner Kehle, seine Reißzähne verlängerten sich für einen Moment in instinktiver Trotzhaltung. Sein Körper brannte von innen – seine ganze Natur lehnte die Vorstellung der Knechtschaft ab. Ein Vampir, besonders einer seines Kalibers, war niemals dazu bestimmt, zu knien. Nur zu knien und sich seinem Meister zu unterwerfen – Dracula.
Und doch …
Seine Muskeln verkrampften sich, sein Wille brach unter dem Gewicht des Siegels zusammen. Sein eigener Verstand war nun fremdes Terrain, überrannt von Abaddons Dominanz. Jede Faser seines Wesens schrie ihn an, sich zu erheben, zu kämpfen, aber der Zwang war absolut.
Dann kam der endgültige Zusammenbruch.
Sein Stolz zerbrach wie zerbrechliches Glas, und ein bösartiges Knurren verwandelte sich in eine Grimasse der Niederlage.
Blood Burn Fiend, der gefürchtete Attentäter Draculas, senkte den Kopf.
Dann tat er das Unvorstellbare.
Er sank auf ein Knie.
Seine Hand ballte sich zu einer zitternden Faust über seiner Brust, dem Symbol eines Kriegers, der seinen Meister anerkennt. Die einst mächtigen Reißzähne des Attentäters waren immer noch entblößt, aber sie waren kein Zeichen mehr von Aggression – sie waren ein Zeichen der Unterwerfung.
„Meister …“ Seine Stimme war heiser und rau, in ihr klang noch der Rest von Rebellion mit, der in seiner Seele noch flackerte. Seine blutroten Augen huschten zu Pyris, die hinter Abaddon stand und mit amüsierter Distanz zusah, und für den Bruchteil einer Sekunde flackerte dort ein Funken Groll.
Aber dann verschwand auch dieses Gefühl.
Abaddon trat vor, ragte über seinen neuen Sklaven und seine Stimme war ein leises Knurren der Zufriedenheit.
„Gut.“ Er neigte leicht den Kopf, während die purpurrote Energie noch immer in seinen Fingerspitzen summte. „Du hast gut gekämpft … aber deine Art war schon immer dazu bestimmt, irgendwann gebrochen zu werden.“
Blood Burn Fiend biss die Zähne zusammen, sagte aber nichts. Sein Instinkt sagte ihm, dass er das hassen sollte. Aber das Gewicht des Siegels zwang ihn zur Gehorsamkeit und vernichtete jeden Rest von Widerstand.
Pyris lachte leise, trat näher und seine goldenen Augen glänzten.
„Siehst du? Das war doch nicht so schwer, oder?“ Seine Stimme klang spöttisch, aber dahinter lag ein gefährliches Vergnügen. „Jetzt wollen wir mal sehen, ob du für mich genauso nützlich bist wie für Dracula.“
Blood Burn Fiend sagte nichts, senkte nur noch tiefer den Kopf, um seine Zustimmung zu zeigen. Ein Vampir, der einst im Namen der Nacht gejagt hatte …
Jetzt war er nichts weiter als ein Hund an der Leine.
Pyris lehnte sich leicht zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und warf Blood Burn Fiend einen letzten Blick zu. Seine goldenen Augen glänzten mit einem unlesbaren Ausdruck – distanziert, aber vollkommen kontrolliert.
„Abaddon“, sagte er mit einer Stimme, die so sanft war wie eine Klinge, die aus ihrer Scheide gleitet, „nimm ihn mit. Hol so viele Informationen aus ihm heraus, wie du kannst. Wenn sie nicht nützlich genug sind … töte ihn.“
Es folgte eine eisige Stille.
Das ohnehin schon kalte Vampirblut von Blood Burn Fiend gefror. Sein Körper spannte sich an, doch er wagte nicht, sich zu bewegen – nicht einmal, um den Kopf zu heben. Er war an Draculas Grausamkeit gewöhnt, an das Gewicht eines Herrschers, der kein Versagen duldete. Aber das hier?
Das war etwas anderes.
Er hatte erwartet, dass Pyris rücksichtslos sein würde. Aber nicht so rücksichtslos. Nicht so, dass seine Instinkte ihn laut warnen wollten, dass ihm klar wurde, dass dies nicht nur ein weiterer mächtiger junger Lord war – dies war etwas Schlimmeres.
Ein Monster in der Haut eines Adligen.
Blood Burn Fiend stockte der Atem. Seine Gedanken rasten und versuchten, das Wenige, das er wusste, zusammenzufügen. Er war ausgebildet worden, unter Draculas Herrschaft zu einem Werkzeug der Zerstörung geformt worden. Er hatte Schreckliches gesehen. Er war selbst das Schreckliche gewesen.
Und doch …
Selbst er hatte sich noch nie so hilflos gefühlt.
Seine blutroten Augen huschten zu Abaddon – demjenigen, der jetzt seine Leine hielt – und sein Herz sank noch tiefer. Allein der Blick dieses Mannes war erdrückend. Abaddon war nicht nur mächtig. Er war etwas, das jenseits des Abgrunds lauerte, eine Kraft, die nicht in diese Welt gehörte.
Blood Burn Fiend hatte Dracula jahrhundertelang gedient und geglaubt, sein Meister sei unbesiegbar. Aber jetzt, als sein Instinkt ihn anschrie, wurde ihm etwas Schreckliches klar.
Er hatte sich geirrt … Er war sich nicht sicher, ob er sich das nur einbildete, aber selbst Shez – die Schwächste unter denen, die Pyris umgaben – schien stärker zu sein als Dracula selbst.
In was für eine Lage hatte er sich da nur gebracht?
Seine Finger zuckten. Er machte sich keine Illusionen, dass er fliehen könnte. Es gab keine Chance, sich aus dem Bann zu befreien, der ihn gefangen hielt. Er würde benutzt werden, bis er alles Wissen preisgegeben hatte, das er besaß, und wenn er nicht nützlich genug war …
würde er nicht einmal die Ehre haben, auf eigene Faust zu sterben.
Abaddons Blick brannte sich in ihn hinein. Ein stiller Befehl.
Blood Burn Fiend zuckte zusammen, bevor sein Körper sich instinktiv in Bewegung setzte und ihn zwang, zu gehen. Nein – zu fliehen. Hastig, als würde der Tod selbst hinter ihm stehen. Als er in der Dunkelheit verschwand, wurde die bedrückende Schwere in der Luft etwas leichter, aber nur ein bisschen.
Jetzt waren nur noch drei Gestalten übrig.
Pyris. Shez. Mira.
Und zu ihren Füßen lag Veyna bewusstlos und wartete auf ihr Schicksal.