Die Luft war voller unausgesprochener Spannung. Die übliche Lebendigkeit des Viertels war von einer unterschwelligen Anspannung geprägt, einer Veränderung in der Struktur der Stadt selbst. Sogar die Skyline schimmerte mit einem Gefühl der Unausweichlichkeit, als würde die Stadt selbst den Atem anhalten.
Etwas war im Gange. Und im Zentrum dieses unsichtbaren Sturms –
eine Konfrontation. Silent Night stand regungslos da und starrte mit scharfem Blick auf die beiden Gestalten vor ihr.
Von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet, war ihre Präsenz mehr als nur bedrohlich – sie war erdrückend. Sie wusste, wer sie waren.
Oder besser gesagt – was sie repräsentierten.
Ihre Finger zuckten leicht an ihren Seiten. Ein Teil von ihr hatte so etwas erwartet. In dem Moment, als sie von Draculas Geschäften mit dem Haus Obsidian erfahren hatte, war es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sich seine Reißzähne gegen sie richten würden.
Ein kaltes Grinsen huschte über ihre Lippen.
„Also … Dracula hat sich endlich entschlossen, seine Reißzähne zu zeigen, was?“ Ihre Stimme war ruhig – zu ruhig.
Die Gasse, die sie umgab, war eng, die Gebäude ragten wie stille Zuschauer empor. Sie war eingekesselt, flankiert von den Phantomwächtern. Sie hatten ihr keinen Ausweg gelassen. Aber Silent Night war nicht der Typ, der weglief.
Nicht, wenn sie kämpfen konnte.
Die beiden Gestalten reagierten nicht sofort. Sie standen da, regungslos, und strahlten eine Aura aus, die so voller Bosheit war, dass sie fast die Luft zum Atmen nahm. Es war nicht nur Druck – es war das Gewicht des Todes selbst, als wäre etwas direkt aus den Tiefen der Hölle gekrochen und hätte sich in diesem Moment verankert.
Phantomwächter – zumindest hatte Dracula sie so genannt.
Der Schatten von Dracula.
Ein leises Ausatmen kam über ihre Lippen, als ihr Blick über sie hinwegglitt. Ihre Aura war erstickend – eine Präsenz, die nach Tod stank, das Gewicht unzähliger Leben, die spurlos ausgelöscht worden waren. Es war, als wäre etwas direkt aus dem Abgrund gekrochen und hätte die Gestalt von Menschen angenommen.
Das waren nicht einfach nur Attentäter.
Sie waren wie Todesboten. Silent Night atmete aus. Sie würde hier nicht lebend rauskommen. So viel war sicher.
Sie konnte es bereits spüren – eine dritte Präsenz. Etwas weitaus Schlimmeres und Mächtigeres als diese beiden. Etwas, das knapp außerhalb ihrer Wahrnehmung lauerte und sie beobachtete.
Wartete.
Aber wenn sie sterben musste – Drachen gehen niemals kampflos unter. Sie würde verdammt noch mal dafür sorgen, dass sie nicht alleine ging. Einer der Phantomwächter kicherte, und das Geräusch schlitterte durch die Dunkelheit wie ein Messer, das langsam aus seiner Scheide gezogen wurde.
„Ganz schön schlau, Silent Night“, sagte er mit einer tiefen, rauen Stimme, die sich amüsiert durch die angespannte Luft schlängelte. Er neigte den Kopf, knackte mit dem Nacken, und das langsame Geräusch hallte wider in der zerstörten Gasse. Silent Night atmete scharf aus, senkte ihre Haltung und spürte, wie die Kraft durch ihre Adern strömte.
Sie neigte den Kopf und ein Grinsen umspielte ihre Lippen.
„Was für eine Überraschung. Ich dachte, ich wäre nur ein Schatten – unsichtbar, unbemerkt. Und jetzt habe ich die Aufmerksamkeit von Draculas persönlichen Hunden auf mich gezogen? Ah, was für eine Ehre, so beliebt zu sein. Was für ein toller Abgang.“
Ihre Worte trieften vor Sarkasmus, aber die Phantomwächter lachten nur. Der zweite Attentäter lachte kratzig. „Es ist in der Tat eine Ehre, Mädchen. Nur wenige Sterbliche werden von dieser Schattenmacht ausgelöscht.“
Silent Night atmete aus, ihre Muskeln spannten sich wie Federn. „Dann werde ich euch nicht enttäuschen. Ich werde euch einen Kampf liefern, den ihr nie vergessen werdet.“
Ihr Blick wurde scharf, tödlich und unnachgiebig. „Verdammt, vielleicht nehme ich sogar einen von euch Bastarden mit.“
Der erste Attentäter neigte den Kopf und grinste noch breiter. „Große Worte …“
BOOOOM!
Bevor er seinen Satz beenden konnte, war Silent Night verschwunden.
Keine Unschärfe.
Kein Flackern.
In einem Moment war sie noch da. Im nächsten – Zerstörung.
Der Beton unter ihr explodierte, der Boden brach ein und hinterließ einen klaffenden Krater, während sie mit erschreckender Geschwindigkeit vorwärts schoss. Die schiere Kraft ihrer Bewegung riss die Straße auseinander und hinterließ gezackte Risse. Die Luft selbst explodierte – ein Überschallknall breitete sich aus und sandte eine Schockwelle durch die Gasse.
Und dann –
BAM!
Ihre Faust traf auf die Abwehrhaltung des Attentäters.
Der Aufprall war nicht nur heftig, sondern geradezu katastrophal.
Ein ohrenbetäubendes KNACKEN hallte durch die Stadt, als eine unsichtbare Kraft nach außen drang. Gebäude wackelten heftig, Fenster zerbrachen und Trümmer regneten wie ein Sturm aus Metall und Stein herab. Die Kraft war so überwältigend, dass die nahegelegene Straße wie Wasser wellig wurde und der Boden unter dem Gewicht des Schlags nachgab.
Der ganze Körper des Attentäters knickte ein, sein Arm bog sich unnatürlich, Adern traten unter dem Druck hervor. Die Luft um ihn herum verzerrte sich, der Raum selbst verbog sich unter dem Aufprall.
Dann –
wurde er durch die Luft geschleudert.
Sein Körper raste wie ein Meteor durch die Luft, die Schockwelle riss alles in seinem Weg auseinander.
BAAAANG!
Er prallte mit der Wucht eines explodierenden Sterns gegen ein weit entferntes Gebäude.
Das ganze Gebäude ächzte und implodierte dann nach innen, die Wände brachen unter der Wucht seines Aufpralls wie Papier zusammen. An der Stelle, wo er aufgeschlagen war, bildete sich ein riesiger Krater, und spinnennetzartige Risse breiteten sich nach außen aus, als wäre die Realität selbst getroffen worden.
Für einen Moment war es still.
Dann –
Tropf.
Ein einzelner Tropfen Blut fiel von seinen Lippen.
Aber er berührte nie den Boden.
Stattdessen stieg er auf.
Dann noch einer.
Und noch einer.
Das Blut trotzte der Schwerkraft, wirbelte in der Luft und vermischte sich zu unnatürlichen Mustern.
Es war nicht nur Blut.
Es fühlte sich lebendig an.
Silent Night kniff die Augen zusammen, als sie beobachtete, wie die purpurroten Ranken über seinen Körper glitten und sich wie empfindungsfähige Schlangen bewegten. Der Attentäter richtete sich auf, seine Knochen knackten, als er die Schultern rollte. Sein Gesichtsausdruck blieb unheimlich gelassen – keine Schmerzen, keine Wut.
Nur Belustigung.
Das Blut um ihn herum pulsierte, leuchtete tief rot und strahlte eine so intensive Hitze aus, dass die Gebäude in der Nähe zu schmelzen begannen und ihre Stahlträger sich wie weiches Wachs verbogen.
Silent Night ballte die Fäuste. Das … das war schlecht.
Ihre Kehle fühlte sich trocken an, als sie flüsterte:
„Blutbrennender Unhold …“
Blutbrennender Unhold.
Einer der gefürchtetsten Attentäter Draculas. Der Typ war ein verdammter Albtraum, und dass der Vampirkaiser ihn geschickt hatte, bedeutete nur eines: Silent Night sollte diese Gasse nicht lebend verlassen. Erlebe mehr in My Virtual Library Empire
Der zweite Vampir, der etwas abseits stand, grinste. Er hatte sich keinen Zentimeter bewegt, nicht einmal, als Silent Night sich auf Blood Burn Fiend stürzte. Nein, er sah nur zu, als wüsste er, wie das enden würde.