Wenn man im Himmel des Drachenreichs stehen würde, würde die Pracht selbst den abgebrühtesten Reisenden verzaubern. Die Hauptstadt erstreckte sich unter den Wolken in einer perfekten Mischung aus fortschrittlicher Technologie und mystischer Fantasie, ein lebender Beweis für die Vision der königlichen Familie. Über ihnen wimmelte es im Himmel von Leben: Miniaturluftschiffe schwirrten wie metallene Libellen, moderne Wunderwerke für alle, die nicht selbst fliegen konnten.
Mit diesen Maschinen verwoben waren Fabelwesen, Drachen mit schillernden Schuppen, die majestätisch durch die Luft glitten, begleitet von Magiern in schimmernden Roben, deren Magie sie antrieb, als gehörte der Himmel ihnen.
Der Kontrast war atemberaubend, Technologie und Magie existierten nahtlos nebeneinander. Moderne Wolkenkratzer ragten in den Himmel, aus reflektierendem Glas und Metallen, die das Sonnenlicht einfingen, während alte, mit Runen verzierte Türme auf die geschichtsträchtige Vergangenheit des Imperiums hinwiesen.
Doch selbst inmitten dieser Pracht war das Kronjuwel nicht zu übersehen: der Kaiserpalast.
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Der Kaiserpalast
Der Palast übertraf alle Erwartungen, eine ätherische Struktur von Schönheit und Stärke. Von oben glich er einem Relikt aus einer alten Zeit, das von der Moderne geküsst worden war – goldene Dächer mit Drachenverzierungen, komplizierte Brücken, die die Himmels-Türme verbanden, und schimmernde Wasserfälle, die aus großer Höhe in leuchtende Becken stürzten.
Er stellte sogar den monumentalen Obsidian Tech Tower, den Stolz des Hauses Obsidian und ein Wunderwerk der Moderne, fast in den Schatten.
Doch beim Betreten des Palastes bot sich ein krasser Gegensatz. Die Wärme und einladende Eleganz, die von außen zu sehen waren, waren verschwunden.
Im Inneren lastete eine düstere, bedrückende Aura auf jeder lebenden Seele. Die Diener bewegten sich leise, den Blick abgewandt, die Gesichter blass vor Angst. Selbst die höchsten Beamten des Drachenreichs, die sich in den Palastssälen versammelt hatten, wirkten eingeschüchtert.
Ihre übliche Arroganz war einer angespannten Stille und flüchtigen Blicken gewichen.
Die Quelle dieser Angst war unverkennbar – das unstete Ausströmen einer immensen Macht, die durch die Palastmauern zu dröhnen schien. Es war die Wut des Drachenkaisers, greifbar und furchterregend.
Der Drachenkaiser war seit Tagen nicht im Palast gewesen, was zu den Jahren hinzukam, in denen er kaum im Palast gewesen war und viele seiner Aufgaben seiner Kaiserin Astrid übertragen hatte.
Gerüchte machten die Runde: Einige flüsterten, er habe sich eine weitere Konkubine genommen, seine fünfte, die ihn weit weg von der kaiserlichen Hauptstadt verführt habe.
Andere spekulierten, er sei einfach gleichgültig geworden, desillusioniert von der wachsenden Dominanz des Hauses Obsidian.
Am Hof wurde sogar über den kometenhaften Aufstieg des Hauses ohne seine Anwesenheit diskutiert.
Aber als er vor ein paar Tagen zurückkam, zerstörte seine Wut jede Fassade der Gleichgültigkeit. Der Palast war in düstere Stimmung getaucht, und der Grund für seinen Zorn war ebenso klar wie persönlich: Seraphina, seine jüngste Tochter, das Juwel seines Geschlechts.
Seraphina war schon immer etwas Besonderes gewesen. Unter den Kindern des Kaisers war sie die beliebteste, sein ganzer Stolz und seine ganze Freude.
Ihre Schönheit war unvergleichlich, eine Mischung aus der atemberaubenden Eleganz ihrer Mutter Astrid und der königlichen Haltung des Kaisers. Mit ihrem langen, mondhellen Haar und ihren Augen, die schwach von drachenhafter Kraft leuchteten, war Seraphina eine der Schönheiten des Reiches und bereitete jungen Adligen, die von ihrer Gunst träumten, schlaflose Nächte.
Aber Seraphina war mehr als nur schön; sie war die treueste Tochter des Kaisers und seine Vertraute in politischen und ehrgeizigen Angelegenheiten.
Als der Kaiser die wachsende Macht von Pyris Obsidian, dem jüngsten CEO von Obsidian Tech, erkannte, schmiedete er einen Plan, den nur Seraphina ausführen konnte. Pyris war mit seiner Brillanz und seinem Einfluss sowohl eine Chance als auch eine Bedrohung.
Ihn durch eine Heirat in die kaiserliche Familie zu holen, würde ihre Position für Generationen sichern.
Als der Kaiser Seraphina seinen Plan zuflüsterte, zögerte sie nicht. Sie war schließlich die Tochter ihres Vaters und bereit, alles für den Ruhm des Reiches zu tun.
Aber es war nicht nur die Pflicht, die sie antrieb – sie fühlte sich zu Pyris hingezogen, fasziniert von seiner Brillanz und seiner Aura der Macht.
Er war nicht wie die anderen Adligen, die ihr ständig hinterherliefen.
Doch der sorgfältig ausgearbeitete Plan des Kaisers ging auf die demütigendste Weise in die Brüche. Die Gerüchte verbreiteten sich schnell: Pyris Obsidian hatte Seraphina rundweg abgelehnt und ihre Schwärmerei zu einem Symbol für den Niedergang des Reiches gemacht.
Schlimmer noch, Seraphina hatte sich Hals über Kopf in ihn verliebt, und ihre einst so stolze Haltung war nun von Herzschmerz und Sehnsucht ersetzt worden.
Der Skandal hatte die höchsten Kreise des Drachenreichs erreicht. Die Adligen tuschelten und spekulierten über den schwindenden Einfluss des Kaisers. Pyris Obsidian hatte nicht nur das Angebot des Kaisers abgelehnt, sondern auch seine Unabhängigkeit gefestigt und bewiesen, dass er sich nicht manipulieren ließ, nicht einmal vom mächtigen Drachenreich.
Es war diese Demütigung, diese offene Missachtung – zumindest gegenüber Drakos –, die nun den Zorn des Kaisers schürte. Seraphinas „Schande“ war mehr als eine persönliche Beleidigung – sie war ein Schlag für das Ansehen des Reiches, ein Zeichen dafür, dass seine Vorherrschaft nicht mehr absolut war.
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Im Palast war die Spannung unerträglich. Die Macht des Kaisers, die normalerweise präzise kontrolliert wurde, drang nun in die Luft ein und knisterte vor kaum unterdrückter Wut. Die Wände schienen von seiner drachenhaften Energie zu vibrieren, einer erstickenden Präsenz, die selbst die erfahrensten Krieger beunruhigte.
Nur wenige Auserwählte, die dem Kaiser am nächsten standen, konnten es ertragen. Aber selbst sie wagten es nicht, sich ihm unaufgefordert zu nähern.
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Astrid, die Kaiserin, bewegte sich mit ihrer üblichen Anmut durch die Hallen, aber ihr Gesicht war blass und ihr Gesichtsausdruck vor Sorge angespannt. Sie war dem Kaiser immer in Stärke und Willenskraft ebenbürtig gewesen, aber selbst sie wusste, dass es unklug wäre, ihn in diesem Zustand zu konfrontieren.
Im Herzen des Palastes, im großen Thronsaal, saß der Kaiser, sein massiger Körper in Schatten gehüllt, seine Augen leuchteten unnatürlich. Die Stille wurde nur durch das stetige Tropfen von geschmolzenem Gold aus seinen geballten Fäusten unterbrochen, die Hitze seiner Wut schmolz das Edelmetall seiner Armlehnen.
Das Drachenreich stand an einem Scheideweg. Die Wut des Kaisers, der Skandal um Seraphina und die wachsende Macht von Obsidian Tech deuteten allesamt auf einen Sturm am Horizont hin. Während die Adligen flüsterten und die Diener hin und her eilten, war eines klar: Der Kaiser würde diese „Beleidigung“ nicht ungestraft lassen.
Das Reich würde wieder aufstehen, und der Kaiser würde dafür sorgen, dass der Name Obsidian in die Geschichte eingehen würde – nicht als Symbol des Widerstands, sondern als Mahnung dafür, was mit denen passiert, die sich dem Drachenreich widersetzen.
Er wusste es nicht: Der Sturz war nur der Anfang eines größeren Plans, in den sogar Götter verwickelt waren.
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