Miras Gedanken waren total durcheinander, ein Wirbelwind von Gefühlen, die sich einfach nicht beruhigen wollten, egal wie sehr sie sich auch bemühte. Sie saß allein in ihrem Zimmer, die Finger um den Rand ihres Weinglases gelegt, den Inhalt unberührt. Die Stille im Raum stand in krassem Gegensatz zu dem Chaos in ihrem Inneren.
Egal, wie sehr sie versuchte, an etwas anderes zu denken, ihre Gedanken kehrten immer wieder zu ihm zurück.
Pyris Obsidian.
Der jüngste CEO des mächtigsten Technologieimperiums, das die Welt je gesehen hatte, ein Mann, der mit einer Eleganz regierte, die an Göttlichkeit grenzte. Pyris beherrschte einen Raum nicht nur, wenn er ihn betrat – er gehörte ihm, er beugte die Luft seinem Willen.
Aber es waren nicht nur seine Macht oder sein Status, die Mira so empfinden ließen. Es war etwas Tieferes, etwas Ursprünglicheres, und das erschreckte sie.
Miras Schattenkörper bewegte sich unruhig auf ihrem Stuhl, ihre Gestalt flackerte, als ihre Gefühle die Oberhand gewannen. Pyris war anders als alle, denen sie bisher begegnet war. Seine Anziehungskraft war jenseits des menschlichen Verständnisses, sie grenz an das Göttliche. Seine Perfektion hatte etwas fast Grausames – seine Gesichtszüge waren unglaublich schön, seine Ausstrahlung so magnetisch, dass es fast wehtat. Seine Präsenz verlangte nicht nur Aufmerksamkeit, sie forderte Hingabe.
Die Art von Hingabe, die Mira geschworen hatte, niemals jemandem zu schenken.
Aber hier war sie nun, völlig verzaubert.
Wann immer Pyris sprach, hatte seine Stimme eine Tiefe, die man unmöglich ignorieren konnte. Es waren nicht nur die Worte, die er benutzte, oder die mühelose Autorität in seinem Tonfall – es war die Art, wie seine Präsenz jede Silbe durchdrang. Diese tiefe, resonante Stimme schien ihre Ohren zu umgehen und direkt in ihre Seele zu sinken.
Sie ließ sie zittern, haltlos und verzweifelt nach mehr verlangen.
„Hör auf“, flüsterte sie sich hart zu, ihre Stimme hallte brüchig in dem leeren Raum wider.
Aber wie konnte sie das tun? Pyris war nicht nur ein Mann – er war eine Kraft. Jede seiner Bewegungen, jeder Blick, den er ihr zuwarf, schien darauf ausgerichtet zu sein, sie zu zerstören.
Die scharfen Linien seines Kinns, die glühende Intensität seiner Augen und dieser betörende Duft, den er verströmte – eine Mischung aus Blitz, Feuer und etwas Überirdischem – verschmolzen zu einem Wesen, mit dem kein Gott und kein Unsterblicher mithalten konnte.
Seine Schönheit war quälend, seine Anziehungskraft eine Waffe, die er gnadenlos gegen sie einsetzte.
„Du bist so grausam zu mir, junger Lord …“
Mira hasste es, wie er sie fühlen ließ. Nicht nur, weil es sie verletzlich machte, sondern weil es sie an allem zweifeln ließ, was sie über sich selbst wusste. Pyris war ihr nicht überlegen. Technisch gesehen waren sie in Bezug auf Macht und Einfluss gleichgestellt. Und doch fühlte Mira sich jedes Mal, wenn er sie ansah, als würde sie schrumpfen, als wäre sie nichts weiter als ein Schatten unter dem Glanz seines Lichts.
Sie krallte ihre Finger in die Armlehnen ihres Stuhls und ihre Gestalt verdunkelte sich, während sie mit ihren Gefühlen kämpfte. Ihre Lippen zitterten, als sie an ihre letzte Begegnung zurückdachte.
Pyris hatte sich näher zu ihr gebeugt, sein überirdisches Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt. Sein Blick, glühend und raubtierhaft, hatte sich auf sie geheftet, sodass sie unmöglich wegsehen konnte. Und dann hatte er mit dieser tiefen, befehlenden Stimme ihren Namen gesagt.
„Mira.“
Es war nur ihr Name, eine einfache Bestätigung. Aber die Art, wie er ihn aussprach, wie er wie ein Versprechen und ein Befehl von seiner Zunge rollte, hatte ihr den Atem geraubt. Seine Augen schienen sie nackt auszuziehen, durch ihre Abwehr hindurchzusehen, bis in ihre Seele.
Sie hatte sich bloßgestellt, verletzlich und ihm völlig ausgeliefert gefühlt.
Aber es war nicht nur seine Stimme. Es war sein ganzes Wesen. Die Aura seines göttlichen Segens vermischte sich mit der Urkraft seines Drachenerbes und schuf eine Präsenz, der man sich unmöglich entziehen konnte. Das war nicht fair. Pyris war kein Mann – er war die Versuchung in Person, die lebende Verkörperung der Begierde.
Und Mira, trotz all ihrer Stärke und ihrem Stolz, brach unter dieser Last zusammen.
„Das bin ich nicht“, murmelte sie vor sich hin, ihre Stimme zitterte vor einer Mischung aus Verleugnung und Verzweiflung. „Es ist dieser Körper. Es ist nur, weil ich in meinem Schattenkörper bin. Wenn ich in meinem echten Körper wäre, würde das nicht passieren. Ich würde mich nicht so fühlen. Ich würde nicht …“
Ihre Worte verstummten, ihre Verleugnung schwankte. Der Gedanke verschaffte ihr eine gewisse Erleichterung, so absurd er auch sein mochte. Sie klammerte sich daran und lachte bitterlich vor sich hin. Ja, das musste es sein. Ihr Schattenkörper war empfindlicher, anfälliger für äußere Einflüsse.
Ihr echter Körper – ihre wahre Gestalt – würde Pyris‘ Charme nicht erliegen. Das konnte er nicht.
Sie schloss die Augen und atmete zitternd aus, während ein kleines, selbstironisches Lächeln über ihre Lippen huschte. „Wenn ich in meinem echten Körper wäre“, murmelte sie, „wäre alles in Ordnung. Völlig in Ordnung.“
Selbst als sie das dachte, wusste ein Teil von ihr, dass es nicht stimmte. Pyris‘ Anziehungskraft war nichts, dem man entkommen konnte, egal in welcher Form sie sich zeigte. Er war nicht nur ein Mann. Er war ein Sturm, eine Naturgewalt, die alles in ihrem Weg mitriss und Zerstörung und Besessenheit hinterließ.
Und Mira … Mira war im Auge dieses Sturms gefangen.
Ihre Finger lockerten ihren Griff um die Stuhllehne, als sie sich zurücklehnte und auf das unberührte Weinglas auf dem Tisch starrte. Sie hasste das.
Sie hasste es, wie viel Macht Pyris über sie hatte, wie viel Platz er in ihren Gedanken einnahm. Sie hasste es, dass sie nicht aufhören konnte, an ihn zu denken, dass jeder Blick, jedes Wort, jeder flüchtige Moment zwischen ihnen sich wie eine quälende Melodie in ihrem Kopf wiederholte.
Aber am meisten hasste sie sich selbst.
Sie hasste es, wie sehr sie ihn wollte. Wie sehr sie sich nach seiner Aufmerksamkeit, seiner Anerkennung, seiner Berührung sehnte. Es war nicht nur Anziehung – es war Besessenheit, ein wahnsinniges Verlangen, das jeden ihrer Gedanken beherrschte. Sie wollte ihn, nicht nur als Mann, sondern als Gott, als Kraft.
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Sie wollte diejenige sein, die den Sturm bändigte, die den Drachen in die Knie zwang.
Aber sie wusste, dass das unmöglich war.
Pyris war niemand, den sie jemals besitzen konnte. Er war unantastbar, unerreichbar, ein Wesen, das auf einer Ebene weit über ihr existierte. Und doch machte dieses Wissen ihn für sie nur noch begehrenswerter.
Mira lachte leise und bitter, als sie den Kopf schüttelte. „Es ist nur dieser Körper“, flüsterte sie erneut, als würde es wahr werden, wenn sie es wiederholte. „Es ist nur, weil ich in meinem Schattenkörper bin. Das ist alles.“ Das sagte sie sich selbst.
Aber tief in ihrem Inneren kannte sie die Wahrheit.
Es spielte keine Rolle, in welchem Körper sie steckte. Pyris hatte sie bereits für sich beansprucht – ihre Gedanken, ihre Wünsche, ihre Seele. Und es gab kein Entkommen vor ihm.
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