Der Mond stand hoch am Himmel und tauchte die weite Wildnis des Hains, einen heiligen Wald, der schon immer ein Testgelände für Pyris Obsidian gewesen war, in silbernes Licht. Die Bäume ragten hoch und weit in den Himmel, ihre uralten Wurzeln tief in die Erde eingegraben, das Laub dicht und voller mystischer Energie.
Die Luft summte von der Anwesenheit mächtiger Bestien, deren Schatten zwischen den massiven Stämmen lauerten.
Es war nicht das erste Mal, dass Pyris sich in den Hain wagte. Aber heute Nacht fühlte es sich anders an. Er hatte die Fesseln gesprengt, die ihn zurückgehalten hatten, und endlich seine ganze Kraft angenommen. Seine Lustdrachen-Blutlinie, sein Goldener Drachen-Erbe und der Segen der Göttin existierten nun in Harmonie in ihm und stärkten ihn.
Seine Aura strahlte göttliche Energie aus und pulsierte, als er tiefer in das Herz des Hains vordrang.
Eine Welle der Aufregung durchströmte Pyris, als er nach den Kreaturen suchte, die diesen Ort ihr Zuhause nannten. Heute Nacht würde er seine neu entfesselten Kräfte testen.
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Der Boden bebte unter seinen Füßen, als Pyris eine Lichtung betrat und die erste Bestie in der Nähe spürte. Eine riesige Kreatur, ein Steingolem, tauchte aus den Bäumen auf. Sein Körper bestand vollständig aus Fels und Sand und ragte mit einem tiefen Knurren aus seiner Brust über Pyris hinweg.
Ohne zu zögern stürmte der Golem vorwärts, wobei jeder seiner Schritte die Erde erschütterte.
Pyris kniff die Augen zusammen und grinste, während sein Körper vor Energie summte. Mit einem einzigen Gedanken aktivierte er seine Supergeschwindigkeit. Die Welt um ihn herum verschwamm, als er sich schneller bewegte, als das Auge folgen konnte, und seine Gestalt verschwand in einem Blitz. Er tauchte hinter dem Golem auf, seine Bewegungen wirkten nun fast mühelos.
„Mal sehen, wie du damit klarkommst …“
Er hob die Hand, und der Boden unter dem Golem wellte sich. Seine Beherrschung des Elements Sand zeigte Wirkung, als sich der Boden in einen wirbelnden Sandstrudel verwandelte, der die massiven Beine der Kreatur einfing und sie bewegungsunfähig machte.
Der Golem brüllte und versuchte, sich zu befreien, aber Pyris war noch nicht fertig. Er schickte eine Sandwelle nach oben, die den Körper der Kreatur bis zur Brust begrub.
Mit einer schnellen Handbewegung verfestigte er den Sand und sperrte das Biest in ein unbewegliches Gefängnis.
Bevor es reagieren konnte, schoss Pyris mit übermenschlicher Geschwindigkeit wieder nach vorne und versetzte ihm mit seiner Faust einen mächtigen Schlag auf den Kopf. Die goldene Aura, die ihn umgab, flammte auf, und der steinerne Körper des Golems barst unter der Wucht seines Schlags. Innerhalb weniger Augenblicke zerfiel die Kreatur in Stücke und verschwand im Boden.
„Zu einfach.“ Pyris trat zurück, atmete ruhig und beobachtete, wie sich der Sand wieder setzte.
Der Hain war noch nicht fertig mit ihm. Als er tiefer vordrang, wurde die Luft kälter und dunkler, als ob die Schatten selbst lebendig wären. Pyris spürte eine Präsenz in der Nähe, und aus der Dunkelheit tauchte ein Schattenjäger auf, eine Kreatur, die dafür bekannt war, sich in die Schatten einzufügen und aus dem Verborgenen zuzuschlagen.
Eine flüchtige Bewegung. Die Kreatur sprang aus der Dunkelheit hervor, ihre Krallen waren scharf und tropften vor tödlichem Gift. Aber Pyris war schneller. Mit einem bloßen Gedanken aktivierte er sein Raumelement und verzerrte die Realität um sich herum. Die Welt schien sich zu verdrehen, und im nächsten Moment war Pyris verschwunden und mehrere Meter entfernt teleportiert.
Die Krallen des Schattenjägers schlugen durch die Luft, wo er gerade noch gestanden hatte, und verfehlten ihr Ziel.
„Ich sehe dich, selbst in der Dunkelheit“, grinste Pyris, seine Augen leuchteten mit der Kraft seines Dunkelheitselements. Er ließ die Schatten um sich herum sich verdrehen und mit seiner Gestalt verschmelzen, bis er eins mit der Dunkelheit selbst wurde.
Der Stalker zischte verwirrt, als Pyris in den Schatten verschwand und vollständig aus dem Blickfeld verschwand.
Dann tauchte Pyris ohne Vorwarnung hinter ihm wieder auf und kam mit einer Klinge aus Leerenergie in der Hand aus der Dunkelheit hervor. Er rammte die Klinge in den Rücken der Kreatur, während die Schatten um sie herum wirbelten und ihre Gestalt verschluckten.
Der Schattenstalker stieß ein leises Knurren aus, bevor er sich in Nichts auflöste, verschlungen von genau der Dunkelheit, die er gegen ihn einzusetzen versucht hatte.
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Als die Nacht tiefer wurde, spürte Pyris die Anwesenheit einer weiteren mächtigen Bestie. Diese war anders als die anderen – eine Chrono-Schlange, ein uraltes Wesen, das die Zeit selbst manipulieren konnte, eine Bestie des Ranges 8.
Der Boden unter ihrem schlängelnden Körper barst auf, und die Luft um sie herum flimmerte, als würde sich die Zeit verzerren und verbiegen.
Die Schlange zischte und fixierte Pyris mit ihren leuchtenden Augen, während sie versuchte, ihn in einer Blase aus verzerrter Zeit einzufrieren. Die Welt um ihn herum verlangsamte sich, die Blätter fielen in Zeitlupe von den Bäumen, der Wind wehte kaum noch.
Aber Pyris war bereit.
Mit einem Gedanken aktivierte er sein Zeitelement und befreite sich aus der Zeitmanipulation der Schlange. Seine Gestalt schimmerte und er bewegte sich ungehindert durch die verlangsamte Welt, unbeeindruckt von der Macht der Schlange.
„Das können wir beide“, murmelte Pyris leise.
Die Schlange stürzte sich mit weit aufgerissenem Maul auf ihn, aber Pyris hob die Hand und beschwor sein Todeselement herbei. Eine kalte, unheimliche Aura umgab ihn, während seine Hand von nekrotischer Energie glühte. Mit einer einzigen Bewegung schleuderte er eine Welle tödlicher Energie auf die Schlange, die ihre Bewegungen ins Stocken brachte.
Die Zeit schien sich zu beschleunigen, als der Körper der Schlange rapide verfiel, ihre Gestalt verwelkte und zu Staub zerfiel, bevor sie ihn überhaupt erreichen konnte.
Die Luft knisterte vor Restenergie, als die Überreste der Schlange im Äther verschwanden und Pyris erneut siegreich zurückblieb.
Zufrieden mit seinen Siegen machte sich Pyris auf die Suche nach einem Ort zum Ausruhen, sein Körper schwoll an vor Kraft aus der Essenz, die er den Bestien entzogen hatte.
Er wanderte durch den Hain, die Aufregung des Kampfes noch frisch in seinem Gedächtnis. Seine Kräfte hatten neue Höhen erreicht, und die Synergie zwischen seinen Elementen war makellos. Er konnte die Energie spüren, die durch ihn strömte, grenzenlos und ungezähmt.
Als er sich anschickte, sein Lager aufzuschlagen, spitzte er plötzlich die Ohren.
Ein leises Geräusch hallte durch die Nacht – ein Geräusch, das nicht zur üblichen Geräuschkulisse des Waldes passte. Es war das leise Rauschen von Wasser, gefolgt von etwas anderem, etwas Subtilerem.
Das Geräusch von jemandem, der badete.
Pyris kniff die Augen zusammen und ließ sich von seinen geschärften Sinnen zur Quelle leiten. Er schlich lautlos durch die Bäume und näherte sich einem kleinen, versteckten Wasserfall tief im Wald.
Das Mondlicht glitzerte auf dem fließenden Wasser und warf silberne Reflexe auf die Felsen.
Dort, in der Mitte des Wasserfalls, stand eine Gestalt – schlank und anmutig.
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Wollt ihr im nächsten Kapitel ein Bild von der badenden Schönheit sehen?