Vergil fand sich in einer seltsamen Umgebung wieder, mitten in einem riesigen Blumenfeld. Er konnte den süßen Duft riechen, der die Luft erfüllte, während eine sanfte Brise seine Haut streichelte.
„Was für eine Ruhe …“, dachte er und fühlte eine seltsame Leichtigkeit, als wäre er von Zeit und Raum losgelöst, als würde die Welt um ihn herum in einer unwirklichen Stille schweben.
Dann, nachdem er die Landschaft in sich aufgenommen hatte, sah er in der Ferne eine weiß gekleidete Frau. Sein Herz setzte einen Schlag aus, als er sie erkannte … Es war Ada Baal.
Sie stand mit dem Rücken zu ihm, ihr langes Kleid floss wie Seide im Wind, ihr dunkles Haar bewegte sich sanft im Windhauch. Vergil lächelte und machte kleine Schritte auf sie zu, aber irgendetwas fühlte sich seltsam an.
Als er näher kam, bemerkte er, dass sie nicht allein war …
Ein Mann mit undeutlichem Aussehen stand neben ihr und hielt ihre Hand mit einer Vertrautheit, die Vergil einen Stich im Magen versetzte.
„Was zum Teufel ist hier los?“, schrie er innerlich. Er wollte weglaufen, schreien, aber seine Füße klebten am Boden, als würde die Welt um ihn herum ihn daran hindern, zu handeln. Er war nichts weiter als ein Zuschauer.
Alles, was er sehen konnte, war ihr Lächeln.
Der Mann drehte sich zu Ada um, und sie lächelte ihn an – ein Lächeln voller Liebe und Zärtlichkeit, ein Lächeln, das Vergil nur zu gut kannte, das sie früher nur für ihn reserviert hatte. Dann kniete der Fremde nieder und zog einen Ring aus seiner Tasche. Vergils Herz zog sich zusammen, als er den goldenen Ring im Sonnenlicht glänzen sah, während der Mann Adas Hand hielt.
„Willst du mich heiraten?“, fragte er mit leiser, sanfter Stimme, so leise, dass Vergil den ganzen Satz nicht verstehen konnte.
„Sie würde doch nicht …“ Zu seiner völligen Verzweiflung nahm Ada den Antrag an. „Nein …“
Sie lächelte wieder, und ihre Augen funkelten vor Glück, das Vergil kannte, aber jetzt als unwillkommener Eindringling mitansehen musste. Der Mann schob ihr den Ring an den Finger, und Vergil spürte einen tiefen Schmerz in seiner Brust, als würde diese Handlung etwas in ihm zerreißen.
Die Szene wechselte.
Jetzt befand er sich in einem prächtigen, goldenen Saal, in dem leise Musik spielte. Ada stand vor einem Altar, ihr Hochzeitskleid glänzte im Kerzenlicht, das den Raum erfüllte. Die riesigen Türen öffneten sich und der Mann, den sie heiraten wollte, trat herein, gekleidet in einen makellosen Anzug. Vergil stand wie ein Schatten zwischen den Gästen – still, unsichtbar, unfähig zu handeln oder einzugreifen.
„Ein Traum …“
Der Mann näherte sich Ada, und die beiden tauschten ihre Gelübde aus, ihre Worte waren mit Versprechen ewiger Liebe verwoben. Jeder Satz war ein Stich in Vergils Herz, der ihn innerlich zusammenbrechen ließ. Er versuchte zu schreien, versuchte zu ihr zu rennen, aber seine Stimme blieb ihm im Hals stecken, erstickt von einer lautlosen Verzweiflung.
Er war machtlos, dazu verdammt, mit anzusehen, wie die Frau, die er liebte, einen anderen Mann heiratete, als würde er einen grausamen Streich des Schicksals erleben.
„Es tut so weh …“, flüsterte Vergil, während sein Körper sich anfühlte, als würde er explodieren.
Als die beiden sich küssten und ihre Verbindung besiegelten, spürte Vergil, wie sich der Boden unter seinen Füßen öffnete. Das Glück auf Adas Gesicht war unübersehbar. Ihre Augen strahlten vor purer, intensiver Freude – ein Glück, von dem Vergil wusste, dass sie es verdient hatte, aber nicht mit diesem Mann. Nicht so. Nicht ohne ihn.
Was auch immer gerade passierte … Es begann langsam zu zerbrechen, das Geräusch von zerbrechendem Glas hallte in Vergils Ohren, als sich die Szene erneut veränderte.
Vergil sah alles, als würde er durch ein weit entferntes Fenster schauen, wie ein Eindringling in das Leben eines anderen. Er wollte dieses Fenster einschlagen, diesen Mann töten. Aber sie schien so weit weg zu sein, so glücklich in einer Welt, in der Vergil keinen Platz hatte.
„Eine Zukunft, in der ich sterbe und Ada verliere?“, dachte er, denn das war der einzige Weg, den er sehen konnte…
Die Zeit schien jetzt schneller zu vergehen. Er sah zu, wie Ada und der Mann sich ein gemeinsames Leben aufbauten. Sie reisten, lachten und teilten intime Momente, die Vergil innerlich zeriss. Sie sah so vollkommen aus, so geborgen in den Armen eines anderen. Jedes Lächeln, jedes Lachen war eine Strafe, als würde das Schicksal ihn mit einem Blick auf das Leben quälen, das er mit ihr niemals haben konnte.
Dann begannen sich die Dinge zu ändern.
Vergil sah, wie die Freude in Adas Augen langsam verblasste. Kleine Risse zeigten sich in ihrem Glück. Der Mann, den sie geheiratet hatte, wurde distanzierter, seine Worte kälter, distanzierter. Ada versuchte verzweifelt, die Harmonie aufrechtzuerhalten, aber es war klar, dass etwas Dunkles unter der Oberfläche lauerte.
Er sah, wie sie nachts allein weinte, während ihr Mann weg war. Sie wartete am Esstisch auf ihn, sein Teller unberührt, die Stille im Haus nur durch ihr Schluchzen unterbrochen. Vergil wollte zu ihr laufen, um sie zu trösten, aber wieder einmal war er machtlos, unfähig, sie zu berühren oder zu sprechen.
Ihr Schmerz hallte in seiner eigenen Seele wider, als wären sie durch einen unsichtbaren Faden des gemeinsamen Leidens verbunden.
Die Szene wechselte erneut.
Vergil befand sich nun auf einem Hügel und blickte auf ein großes Herrenhaus in einem Teil der Unterwelt, in dem Ada lebte. Er sah, wie der Ehemann spät nach Hause kam und eine andere Frau umarmte.
„Das hat aber lange gedauert …“ Vergil spürte, wie sein Blut in Wallung geriet und eine Wut in ihm aufstieg, wie er sie noch nie zuvor erlebt hatte.
Er wollte diesen Mann vernichten, ihn auslöschen, um Ada Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Aber der tiefste Schmerz kam, als er Ada am Fenster sah, wie sie alles mit ansah, ihr Gesicht verzweifelt.
Sie konfrontierte ihren Mann nicht. Stattdessen ging sie weg, innerlich gebrochen, zu zerschmettert, um sich zu wehren. Vergil wollte ihr zurufen, sie solle weglaufen, diese Verrat nicht ertragen, aber das Schicksal drehte sich grausam weiter und zog sie tiefer in einen Abgrund der Verzweiflung.
Die letzte Szene kam langsam und war echt hart.
Ada lag blass in einem großen Bett, ihr Gesicht war voller Schmerz wegen des Verrats. Der Mann, jetzt älter und grausamer, stand neben ihr und hielt ein Messer in der Hand. Er zögerte nicht. Er stach ihr in die Brust, die Klinge drang in ihr Herz ein, und das Geräusch von Stahl, der Fleisch durchschnitten, hallte in Vergils Kopf wie ein Donnerschlag.
„NEIN!“, schrie er, seine Stimme endlich in ihrer Verzweiflung befreit. Aber es war zu spät. Adas Blut tränkte die weißen Laken, ihre Augen waren vor Schock und Schmerz weit aufgerissen. Sie streckte die Hand aus, als suche sie etwas – oder jemanden –, der sie retten könnte, aber da war niemand.
Vergil sank auf die Knie, der Schrei blieb ihm im Hals stecken. Er versuchte sich zu bewegen, aber seine Beine gehorchten ihm nicht.
Er war gefangen und musste zusehen, wie die Frau, die er liebte, langsam ermordet wurde, ohne etwas dagegen tun zu können.
Seine Finger streckten sich nach ihr aus, aber sie waren unendlich weit entfernt.
„Hasst du alles?“, hallte eine Stimme, die seiner eigenen ähnelte, aber leicht verzerrt war, in seinem Kopf wider.
„Ich hasse …“, flüsterte Vergil und spürte, wie sich das heiße Blut um seine Knie sammelte.
„Willst du mehr Macht?“, fragte die Stimme erneut.
„Ja … ich will sie …“, gab er zu.
Adas letzter Gesichtsausdruck brannte sich in sein Gedächtnis ein, als die Welt um ihn herum zusammenbrach. Ihre Augen schlossen sich langsam, ihr letzter Atemzug entwich ihren Lippen. Der Mann stand auf und warf ihren Körper beiseite wie einen weggeworfenen Gegenstand.
Vergil spürte, wie etwas in ihm zerbrach, ein Schmerz, der so tief war, dass er sich fühlte, als wäre auch er erstochen worden.
„Töte sie alle …“
„Ja… tu es…“
„Töte jeden, der es wagt, sich uns zu widersetzen…“
„Töte, töte, töte!“
Verzerrte Stimmen hallten in seinem Kopf wider, überlagerten sich und wurden immer lauter.
„Sie ist meine Frau… und die von niemand anderem!“, schrie Vergil. Diesmal kam der Schrei laut und voller Schmerz heraus und hallte durch die Wände der makabren Szene. Die Welt um ihn herum begann zu bröckeln, alles wurde zu einem wirbelnden Masseneinheit aus Schatten und Dunkelheit, während er immer wieder ihren Namen schrie und versuchte, sich an irgendeinem Hinweis auf ihre Anwesenheit festzuhalten.
Und dann wurde alles schwarz.
Vergil wachte auf.
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Sein Körper war schweißgebadet, seine Brust hob und senkte sich schnell, während er versuchte, sich zu orientieren. Sein Herz pochte in seiner Brust, als wäre er immer noch in diesem Albtraum gefangen. Aber als er sich umsah, stellte er fest, dass er in seinem Zimmer war, wo das sanfte Morgenlicht durch die Vorhänge fiel.
Er fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und versuchte, seine rasenden Gedanken zu beruhigen. „Es war nur ein Traum“, flüsterte er sich selbst zu und wiederholte es wie ein Mantra. Aber das Gewicht dessen, was er gefühlt hatte, die Tiefe des Schmerzes und des Verlustes, lastete immer noch wie eine eiserne Klammer auf ihm.
Er drehte sich um und sah Ada neben sich liegen, friedlich schlafend. Ihr leises Atmen erinnerte ihn daran, dass sie da war, lebendig, bei ihm …
„Gott sei Dank…“, murmelte er, doch gerade als er sich entspannen wollte, erstarrte er.
„Moment mal, warum ist Ada hier?“ Er hielt inne, um nachzudenken. „Wurde sie nicht von ihrer Mutter eingesperrt?“ Vergils Gedanken rasten, bis…
„Wuaaa“, gähnte Ada laut und streckte ihre Arme hoch über den Kopf. Sie sah ihn mit einem unbeschwerten Ausdruck an.
„Guten Morgen, Schlafmütze“, murmelte Ada mit sanfter, ungezwungener Stimme, während sie sich noch streckte und blinzelte, um sich an das Licht zu gewöhnen. Das sanfte Licht der Morgensonne beleuchtete ihr Gesicht, und für einen kurzen Moment wirkte sie so real wie eh und je – ein beruhigender Anblick nach dem brutalen Albtraum, den Vergil gerade durchlebt hatte.
„Ada …?“ Seine Stimme war heiser, voller Verwirrung und Sorge. „Was machst du hier?“
„Ich bin hier bei dir, wo sollte ich sonst sein?“, kicherte Ada und streckte die Hand aus, um Vergils Gesicht zu streicheln. Ihre Berührung war warm, weich … genau so, wie er sie in Erinnerung hatte, aber das machte ihn nur noch unruhiger.
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<Anmerkung des Autors>
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