Die Frau zu besiegen war ein harter Kampf, der Su Yen all seinen Verstand und seine Kraft abverlangte.
Er stellte fest, dass seine Blutlinie gegen diese alten Meister nicht mehr so stark war wie früher.
Das konnte nur eins bedeuten: Im Vergleich zu den alten Meistern war er schwach.
In der Lotuswelt glaubte er, unbesiegbar zu sein, aber als er an den Blutmond-Gesandten dachte, wurde ihm klar, dass seine Kraft vielleicht nicht ausreichte.
„Ich bin immer noch schwach. Ich muss härter trainieren“, dachte er, als er den Palast betrat, der wie eine Grabstätte wirkte.
Die Grabstätte war anders als andere Grabstätten. Die Wände glänzten, waren aus unbekannten Materialien gefertigt und zeugten von der Extravaganz des Grabbesitzers.
Trotz der Pracht herrschte eine erstickende Stille, die nur durch das gelegentliche Rascheln unsichtbarer Luftströmungen unterbrochen wurde, die einen schwachen Geruch von Alter und vergessener Macht mit sich trugen.
An den Wänden hingen riesige Wandgemälde, deren lebensechte Darstellungen so detailreich waren, dass sie von einer geheimnisvollen Energie zu pulsieren schienen.
Als Su Yen den Saal betrat, blieb er instinktiv stehen und sein Blick wurde von den Wandgemälden angezogen wie eine Motte vom Licht.
Seine Schritte hallten leise wider, als er näher kam, und seine Augen weiteten sich angesichts des atemberaubenden Anblicks, der sich ihm bot.
Das erste Wandgemälde zeigte eine Welt, die sich stark von der Lotuswelt unterschied – ein Reich, in dem schwebende Berge der Schwerkraft trotzten, in dem Flüsse aus geschmolzenem Gold sich ihren Weg durch den Himmel bahnten und in dem himmlische Wesen mit unvorstellbarer Macht durch die Lüfte schwebten.
Allein ihre Aura war so furchterregend gewaltig, dass Su Yen spürte, wie sich seine Brust zusammenzog und sein Herz unregelmäßig schlug.
Er schluckte und spürte, wie das Gewicht ihrer Präsenz auf seiner Seele lastete.
„Nur ein Wandgemälde … und doch fühlt es sich so echt an.“
Zögernd ging er zum nächsten Gemälde, wobei seine Neugierde seine Beklommenheit überwog.
Hier war eine Schlacht in der Zeit eingefroren. Unzählige Krieger, in wallende Roben gehüllt oder in mächtige Rüstungen gekleidet, kämpften vor dem Hintergrund eines zerbrochenen Mondes.
Wesen mit Flammenhalos, andere, die von Blitzstürmen umhüllt waren, und wieder andere, deren bloße Anwesenheit die Struktur der Realität verzerrte, tobten gegeneinander.
Die Szene war so chaotisch, so lebendig und real, dass Su Yen allein vom Betrachten einen überwältigenden Druck verspürte.
Er taumelte einen Schritt zurück und rang nach Luft. Sein Atem ging stoßweise, als stünde er selbst auf dem Schlachtfeld.
Er zwang sich, wegzuschauen, rieb sich die Schläfen, während ihm kalter Schweiß den Rücken hinunterlief.
Als er weiterging, fiel sein Blick auf ein Wandgemälde, das seinen Körper erzittern ließ.
Ein Wesen, so riesig, dass es ganze Kontinente in den Schatten stellte, ragte aus dem Gemälde empor. Es hatte keine erkennbaren Gesichtszüge – seine Form veränderte sich ständig, eine wirbelnde Masse aus Schatten und Chaos.
Eine seiner gigantischen Hände reichte nach unten, und darunter lag eine ganze Welt, die im Vergleich dazu nicht größer war als ein Sandkorn.
Als Su Yen weiterstarrte, lief ihm ein Schauer über den Rücken. Je länger er das Wesen anstarrte, desto mehr hatte er das Gefühl, dass etwas ihn beobachtete.
„Meine Güte …“, kam es kaum hörbar über seine Lippen, seine Kehle war trocken.
Er schüttelte den Kopf, um das unheimliche Gefühl zu vertreiben, und wandte sich dem nächsten Wandgemälde zu.
Diesmal stand ein himmlisches Wesen allein da, dessen goldene Gestalt grenzenlose Macht ausstrahlte. Es hatte eine menschenähnliche Form, doch seine schiere Größe stellte die Planeten um ihn herum in den Schatten.
Mit einer einzigen Bewegung ballte es seine Hand zur Faust und vernichtete mit erschreckender Leichtigkeit einen ganzen Planeten.
Die Welt zerfiel zu Staub, und ihre Fragmente verstreuten sich wie sterbende Glut in der Leere.
Su Yens Beine gaben fast nach.
„Was für eine Macht ist das?“, flüsterte er, unfähig, seinen Blick abzuwenden.
Eine kalte Erkenntnis durchfuhr ihn – was er sah, waren keine bloßen Gemälde.
Es waren Aufzeichnungen. Echos der Geschichte, gefangen in diesen Wandgemälden, zeigten Wesen, deren Macht jenseits aller Vorstellungskraft lag.
„Was für eine Macht ist das?“ Seine Weltanschauung zerbrach.
Hier ist eine ausführlichere und anschaulichere Version der Szene:
Su Yens Herz pochte gegen seinen Brustkorb, sein Atem ging unregelmäßig.
Tief in seinem Innersten hatte er gewusst, dass die alten Meister mächtiger waren, als es Menschen begreifen können, aber nicht so mächtig.
Das schiere Ausmaß ihrer Macht, das in den Wandgemälden vor ihm verewigt war, ließ ihn alles in Frage stellen.
Es war eine Sache, Legenden über unvorstellbare Wesen zu hören, aber eine ganz andere, ihre Existenz zu sehen, selbst auf eingefrorenen Bildern.
Allein der Anblick der überwältigenden Macht, die an den Wänden dargestellt war, ließ ihn sich unbedeutend fühlen.
Ein Flüstern des Zweifels schlich sich in seinen Kopf und drängte ihn, aufzuhören, zu akzeptieren, dass er nur eine kleine Welle im riesigen Ozean der Existenz war.
Er ballte die Fäuste.
Nein.
Sein Blick wurde schärfer und brannte mit einer Intensität, die nicht aus Arroganz kam, sondern aus etwas Tieferem – einem unerschütterlichen Glauben an sein eigenes Potenzial.
„Ich weigere mich zu glauben, dass ich nicht so mächtig sein kann wie sie“, murmelte er leise, seine Stimme trotz der inneren Unruhe ruhig.
In diesem Moment veränderte sich etwas.
Der erdrückende mentale Druck, der ihn niedergedrückt hatte und seinen Willen zu zerbrechen drohte, verschwand plötzlich – wie Nebel, der vom Wind weggeblasen wird.
Su Yen erstarrte. Sein Instinkt schrie ihn an, dass sich etwas verändert hatte.
„Was ist passiert?“, dachte er und ließ seinen Blick durch den riesigen Raum schweifen.
Ein langsamer, bedächtiger Klatsch hallte durch den Saal und ließ ihn erschauern.
„Du bist wirklich ein Genie“, erklang eine sanfte, samtige Frauenstimme von oben.
Su Yens Augen weiteten sich.
Sein Körper spannte sich an, sein Griff um sein Schwert wurde fester, als er sich abrupt umdrehte, seine Muskeln wie Federn gespannt, bereit zum Schlag.
Sein Schwert materialisierte sich in seiner Hand und glänzte im schwachen Licht des Raumes.
Am anderen Ende des Palastes, wo die Schatten zusammenzulaufen schienen, stand ein imposanter Thron.
Darauf saß eine Frau, gehüllt in ein königliches rotes Gewand, das wie fließendes Blut schimmerte.
Der Stoff schien fast lebendig zu sein, er bewegte sich und flatterte, als wäre er aus der Essenz der Macht selbst gewebt.
Ihr Gesicht war leicht von flackernden Schatten verdeckt, aber was er sehen konnte, reichte aus, um selbst den mutigsten Krieger zu erschüttern.
Langes, dunkles Haar fiel ihr über die Schultern, ihre goldenen Augen brannten wie zwei Sonnen und waren von etwas Urtümlichem und Unlesbarem erfüllt.
Eine Krone aus ätherischen Flammen schwebte über ihrem Kopf und flackerte mit stiller Autorität.
Ihre bloße Anwesenheit gebot Ehrfurcht. Verehrung.
Su Yen war sich nicht sicher, ob es an der Atmosphäre, dem Thron oder etwas Tieferem lag, aber jede Faser seines Wesens drängte ihn, niederzuknien. Sein Verstand rebellierte gegen diesen Instinkt und widersetzte sich mit aller Kraft.
Das Gewicht ihrer Existenz war erdrückend.
Nicht einmal die Wandmalereien hatten ihn so fühlen lassen.
Aber Su Yen war kein gewöhnlicher Mann.
Er zwang sich, aufrecht zu stehen, seinen Blick auf die Frau vor ihm geheftet, sein Schwert unerschütterlich.
Sein Schock rührte nicht von ihrer Schönheit oder der gottgleichen Autorität her, die sie ausstrahlte – er rührte daher, dass er sie kannte.
Sie war der Geist, den er gerade getötet hatte.
Su Yen umklammerte sein Schwert fester. Seine Gedanken wirbelten verwirrt durcheinander, Logik und Realität prallten in seinem Kopf heftig aufeinander.
„Wie ist das möglich?“
Er hatte gespürt, wie ihre Lebenskraft schwand. Er hatte gesehen, wie ihre geisterhafte Gestalt sich in Nichts auflöste. Und doch saß sie jetzt vor ihm, als wäre sie nie besiegt worden.
Seine kampferprobten Instinkte schrien ihn an, sich auf einen weiteren Kampf auf Leben und Tod vorzubereiten.
Die Frau beobachtete ihn mit einem amüsierten Funkeln in ihren goldenen Augen.
„Entspann dich“, sagte sie, und ihre ätherische Stimme floss wie ein Flüstern durch den stillen Saal.
Ihr Tonfall war weder spöttisch noch herablassend – er war absolut.
„Ich möchte nur mit dir reden.“