BOOM.
Der Himmel barst.
Jordan wurde zur Seite geschleudert und krachte durch eine schwebende Klippe, die beim Aufprall zerbrach. Teile regneten wie Meteoriten herab. Sein Körper hüpfte durch die Luft wie ein Stein auf Wasser, bevor er sich mitten im Flug auffangen konnte, sich umdrehte und in der Luft schwebte.
Er fasste sich wieder an die Brust.
„Okay …“, murmelte er und schaute auf seine Finger, als wären es nicht seine eigenen. „Was zum Teufel war das?“
Unter ihm schwebte Adam träge an Ort und Stelle. Eine Hand war noch immer erhoben, die Handfläche geöffnet. Keine dramatische Pose. Keine leuchtenden Augen.
Nur Stille.
Jordan kniff die Augen zusammen. Die Luft um Adam herum flimmerte. Der Raum selbst sah seltsam aus. Als hätte jemand mit einem Pinsel über die Realität gemalt und die Ränder verwischt.
„Netter Trick“, sagte Jordan und wischte sich das Blut von der Lippe. „Jetzt brichst du die Regeln?“
Adam zuckte mit den Schultern. „Ich bin die Regeln.“
Jordan schnaubte. „Ziemlich arrogant, oder?“
Er schoss nach vorne – direkt auf ihn zu – den Arm nach hinten gezogen, bereit, etwas Wichtiges zu zerbrechen.
Aber er erreichte ihn nie.
Mitten im Sprint bog sich der Himmel zur Seite.
Er bog sich buchstäblich.
Jordan flog zur Seite, nach oben, dann nach unten – alles gleichzeitig. Als hätten die Gesetze der Physik beschlossen, eine Kaffeepause einzulegen.
Er prallte gegen eine unsichtbare Wand, prallte ab, flog durch ein Kaleidoskop aus sich verändernden Räumen – rot, blau, umgekehrte Farben – und landete schließlich, rutschte über … Wasser?
Nein. Glas?
Nein – vielleicht Luft.
Er stand auf. Sah sich um. Nichts ergab einen Sinn.
Die Welt war ein Puzzle, bei dem die Hälfte der Teile fehlte.
Adam trat aus einer Welle im Raum hervor, ruhig wie immer.
„Du bist jetzt in meinem Reich“, sagte er. „Ich entscheide, was real ist.“
Jordan blinzelte. Dann grinste er wieder.
„Ich liebe das.“
Er stürmte vor.
Adam schnappte zu.
Der Boden verwandelte sich in Schlamm.
Jordan versank mitten im Schritt, drehte sich aber und stieß sich von einer unsichtbaren Plattform ab, um oben zu bleiben.
Knack.
Die Schwerkraft verdreifachte sich.
Jordan fiel wie ein Stein, fing sich wieder, spannte seine Muskeln an – und seine Beine passten sich an, schwollen leicht an und verstärkten sich.
Knack.
Aus dem Nichts tauchte ein Berg auf – Jordan rammte ihn mit seiner Schulter, drehte sich und lachte.
Knack.
Tausende von Adam-Klonen tauchten auf und schlugen alle gleichzeitig auf ihn ein.
Jordan zuckte nicht mit der Wimper.
Er duckte sich, wich aus, passte sich an.
Jeder Schlag lehrte ihn etwas. Jeder falsche Adam brachte ihn näher daran, den Trick zu knacken.
Ein Klon landete einen Schlag – Jordan ließ es zu und grinste dann.
„Nicht echt“, flüsterte er. „Aber der Druck ist echt.“
Seine Arme schimmerten.
Verwandelten sich.
Er packte einen Klon am Hals – dann einen weiteren – und zerdrückte beide wie Glas.
Die Illusion zerbrach.
Zurück im realen Raum – wenn man ihn so nennen konnte – schwebte Jordan gegenüber von Adam, jetzt keuchend, aber mit wilden Augen.
„Du denkst, ich kann das nicht lernen?“
Adams Augenbrauen zogen sich ein wenig zusammen.
„Das sollst du auch nicht.“
Jordan knackte mit dem Nacken. „Nun … das ist dein Problem, nicht meins.“
Und einfach so begann er sich zu verändern.
Das Leuchten um seinen Körper wurde intensiver. Seine Augen färbten sich weiß-golden. Symbole flackerten wie fehlerhafter Code über seine Haut.
Er passte sich nicht mehr nur an Stärke oder Geschwindigkeit an.
Er passte sich an die Realität an.
Adams Gesicht verhärtete sich. „Du gehst zu weit.“
„Ich muss“, knurrte Jordan. „Du hast mir keine Wahl gelassen.“
Er schwang seinen Arm – der Raum zerbrach.
Keine Technik. Keine Fähigkeit. Nur rohe Kraft, stark genug, um ein Loch in Adams Domäne zu schlagen.
Adam zuckte zusammen. Nur ganz leicht.
Jordan trat durch das Loch, als wäre es eine Tür. Sein Körper pulsierte in unruhigem Licht, seine Finger zuckten, seine Haut flackerte zwischen ihrer ursprünglichen Farbe und etwas Unnatürlichem – wie eine Silhouette, die in Chaos gezeichnet war.
„Du denkst, du bist der Einzige, der Systeme zerstören kann?“, sagte er. „Dann sieh dir das an.“
Er verschwand.
Diesmal ohne Nachbild.
Einfach weg.
Dann –
BOOM.
Adam taumelte. Ein Schlag hatte ihn getroffen – auf den Rücken.
Ein weiterer – seine Rippen.
Ein dritter – seine Schläfe.
Jordan tauchte wieder auf, keuchend, mit blutverschmierten Zähnen grinsend.
„Ich bin jetzt drin“, flüsterte er. „In deinem System. In deiner Realität. Ich verstehe es.“
Adam fasste sich an die Wange, wo sich eine leichte Beule abzeichnete. Er lächelte nicht. Er geriet nicht in Panik.
Er sah einfach nur beeindruckt aus.
„Dann werde ich mich wohl nicht mehr zurückhalten.“
Zum ersten Mal bewegte sich Adam.
Er schwebte nicht. Er schlenderte nicht. Er bewegte sich.
Der Himmel teilte sich in zwei Hälften.
Jordan konnte den ersten Schlag gerade noch abwehren, aber selbst dabei verbog sich sein Arm in einem unnatürlichen Winkel. Er wurde nach hinten geschleudert, schlug mit den Armen um sich und spuckte Blut.
Adam ließ nicht locker.
Er folgte ihm – mitten in der Luft – mit geballter Faust.
Jordan drehte sich in der Luft und blockte den Schlag, aber die Wucht der Welle riss eine Schockwelle durch die Wolken. Regen explodierte wie Splitter nach außen.
Sie prallten erneut aufeinander. Und wieder. Und wieder.
Berge spalteten sich. Ozeane trockneten aus. Der Raum faltete sich wie Papier.
Jeder Schlag von Adam fühlte sich wie ein Befehl an das Universum an: Zerbrich.
Jede Ausweichbewegung von Jordan fühlte sich wie eine in Muskelgedächtnis geschriebene Trotzreaktion an: Noch nicht.
Jordan schrie – halb vor Schmerz, halb vor Freude – und trat Adam in einen Ring aus Wolken, der beim Aufprall explodierte.
Dann brüllte er, Energie brach aus seiner Brust hervor.
Kein Knall.
Nur Willenskraft, die sich in physische Kraft verwandelte.
Die Realität bebte.
Und dann –
stürmten beide aufeinander zu.
Keine Tricks. Keine Raumverzerrungen.
Nur Fäuste.
Eine nach der anderen.
Die Luft schrie. Blitze zuckten um sie herum.
Eine ganze Minute lang kämpften sie nur mit ihren Händen und Füßen. Schläge. Tritte. Knie. Ellbogen. Keine Worte.
Nur roher Kampf.
Bis sie schließlich –
innehalten.
Schwebend.
Schwer atmend.
Blut lief ihnen über die Gesichter. Schnitte. Verbrennungen. Prellungen. Nichts davon spielte eine Rolle.
Denn sie lächelten.
Nicht, weil es vorbei war.
Denn das war es nicht.
Jordan knackte mit den Fingerknöcheln, sein Körper bewegte sich noch, passte sich noch an – silberne Funken und Chaos krochen über seine Haut.
„Du bist alles, was ich mir erhofft habe“, sagte er mit heiserer Stimme.
Adam neigte den Kopf. „Bist du schon fertig mit Anpassen?“
Jordan wischte sich über die Lippen. „Auf keinen Fall.“
Dann lachten beide.
Und stürzten sich wieder aufeinander.
Die Welt zuckte.
Nicht im übertragenen Sinne – buchstäblich. Als hätte jemand die Ränder der Realität gepackt und sie zur Seite gerissen.
In einer Sekunde war Jordan in der Luft, leuchtend, bereit, den Himmel zu zerreißen.
In der nächsten Sekunde?
War alles auf dem Kopf. Die Farben waren vertauscht. Die Schwerkraft war verschwunden. Geräusche dehnten sich aus und verzerrten sich wie Gummi.
Er blinzelte.
Der Himmel war unten. Der Boden oben. Bäume verschmolzen zu Uhren. Die Zeit stotterte wie eine kaputte Schallplatte.
Schnapp.
Adam stand auf nichts, die Arme verschränkt, den Blick fest gerichtet. Ruhig. Still.
„Bist du sicher, dass du dazu bereit bist?“, fragte er.
Jordans Körper verdrehte sich in der Luft, noch immer dabei, sich anzupassen – bereits dabei, seinen Gleichgewichtsschwerpunkt zu verlagern. Er schwebte, die Fäuste geballt, den Blick starr auf Adam gerichtet.
„Ich weiß nicht, was du gerade gemacht hast“, sagte er langsam, seine Stimme hallte seltsam in der verzerrten Luft wider, „aber es gefällt mir.“
Dann schoss er nach vorne.
Schnell.
Zu schnell.
In dem Moment, in dem er sich bewegte, zerbrach der Raum in zwei Hälften und faltete sich wie Papier. Aber statt langsamer zu werden, drehte sich Jordan durch ihn hindurch – taumelte zwischen den Schichten der verdrehten Dimension, als wäre er dort geboren.
Adam zuckte nicht einmal mit der Wimper.
Er trat zur Seite – und der Raum verschob sich mit ihm.
Jordans Faust verfehlte ihn um Haaresbreite, krachte durch etwas, das wie Glas aussah, und zerschmetterte eine falsche Version der Welt hinter Adam.
Illusionen. Nein – Schichten.
Jordan landete hart auf einem unsichtbaren Boden und atmete ruhig. „Du hast das Schlachtfeld in ein Kaleidoskop verwandelt“, murmelte er und leckte sich das Blut von der Lippe. „Netter Trick.“
Er blinzelte erneut. Seine Augen – die jetzt tief orange leuchteten und violette Risse aufwiesen – bewegten sich wie Linsen.
Scannen.
Lesen.
Anpassen.
Dann brüllte er und sein Körper zuckte – seine Gestalt begann zwischen verschiedenen Versionen seiner selbst zu flackern.
Verschiedene Winkel. Verschiedene Positionen. Als würde er in mehreren Raumschichten existieren.
Adam hob leicht die Augenbrauen. „Du synchronisierst dich.“
Jordan grinste. „Dein Spielplatz, deine Regeln? Okay. Ich lerne das Spiel.“
BOOM.
Er stürzte sich auf ihn.
Adam wich aus.
Der Kampf ging weiter.
Aber diesmal?
Es waren keine Fäuste und Tritte.
Es war eine Art Verzerrung.
Jordan durchquerte zerbrochene Zeitschleifen und schlug durch Echos. Er griff aus der Vergangenheit an – nur damit Adam aus der Zukunft zurückschlagen konnte.
Adam blinkte wie ein Video, das springt, aus den Bildern heraus und wieder hinein – und wich den Angriffen aus, bevor sie ihn trafen.
Jordan duckte sich, schlug mit der Handfläche auf den verzerrten Boden – Licht strömte in Wellen hervor und zwang die Welt, sich erneut zu verbiegen.
Er schrieb den Raum um sich herum neu.
Er kopierte Adams Realitätsverzerrung.
„Siehst du?“, sagte Jordan, dessen Stimme nun doppelt zu hören war. „Du verzerrst die Welt, ich verzerre sie mit.“
Adam verschwand – tauchte mitten im Satz kopfüber hinter Jordan wieder auf und rammte ihm ein Knie in den Rücken.
Jordan drehte sich um, fing das Knie ab, wirbelte herum und schlug Adam gegen ein schwebendes Stück Land.
Das Land brach auseinander – Adam prallte sofort zurück und schlug mit dem Fuß nach oben.
Jordan blockte mit einem Arm – und zuckte zusammen. Das tat weh.
Aber seine Haut veränderte sich erneut. Seine Knochen wurden härter. Seine Muskeln wurden neu verdrahtet.
Er passte sich an den Schmerz an.
Adam landete wieder vor ihm und atmete leicht. „Du entwickelst dich schnell.“
Jordan lächelte – breiter als je zuvor. „Du entwickelst die Welt. Ich entwickle mich selbst.“
Dann stürmte er vor – die Arme von gebrochenem Licht umhüllt, jeder Schlag hallte durch mehrere Dimensionen.
Adam fing den ersten ab.
Dem zweiten wich er aus.
Der dritte traf – und die Realität zerbrach.
Ein Riss zog sich durch die Luft.
Die Farben verblassten. Der Ton verschwand.
Es herrschte Stille.
Adam stand still da und blickte auf die Wunde in der Welt.
Jordan neigte den Kopf. „Ich wusste nicht, dass ich das kann.“
Adams Gesicht blieb unverändert. Aber seine Aura veränderte sich.
Er hob beide Hände.
Und dann – hielt er sich nicht mehr zurück.
Kein Blitz. Keine große Pose.
Nur eine Bewegung.
Und Jordan flog durch die Luft.
Nicht, weil er geschlagen worden war.
Sondern weil die Welt ihn abgelehnt hatte.
Als hätte Adam der Realität befohlen, ihn zu entfernen.
Jordan prallte gegen eine Wand, die nicht da war. Er rutschte über einen Boden, der einen Moment zuvor noch nicht existiert hatte. Er stürzte durch falsche Städte, gefrorenen Regen und rückwärts laufende Blitze.
Er landete hart.
Diesmal floss Blut. Viel Blut.
Er stöhnte – er stöhnte tatsächlich – und rappelte sich dann auf.
Sein Gesicht war verletzt. Seine Rippen waren gebrochen.
Aber er lächelte immer noch.
Er sah zu Adam hinauf, der nun hoch über ihm schwebte, sein Mantel flatterte in Zeitlupe, umgeben von zerbrochenen Fragmenten aus Zeit und Raum, die wie Schneeflocken wirbelten.
„Du … bist echt nicht normal“, murmelte Jordan und wischte sich das Blut aus dem Gesicht.
Adam antwortete nicht.
Das musste er nicht.
Denn Jordan hatte sich bereits angepasst.
Sein Körper schimmerte – wieder. Der silberne Schimmer wurde intensiver. Seine Muskeln wuchsen wieder zusammen. Seine Augen wurden rein orange und hatten nun Schlitze.
Nicht menschlich.
Auch nicht mehr Ashura.
Etwas Neues.
Und dann?
Auch er begann zu schweben.
Keine Flügel. Keine Tricks. Nur das reine Verständnis davon, wie diese Welt jetzt funktionierte.
„Lass uns gehen“, flüsterte er.
Und im nächsten Moment –
kollidierten sie erneut.
Aber dieses Mal?
Sie kämpften nicht nur.
Mit jeder Bewegung schrieben sie das Schlachtfeld neu.
Fäuste beugten die Schwerkraft.
Tritte kehrten die Entropie um.
Ein Schrei ließ die Farben verblassen.
Und trotzdem gab keiner nach.
Jordan, die Waffe.
Adam, die Anomalie.
Und die Welt?
Sie konnte kaum mithalten.