Die Welt bebte, als die beiden Gestalten verschwammen, eine verschwand in den Tiefen der absoluten Dunkelheit, während die andere sie verfolgte und wie ein Phantomgott die Realität selbst durchschnitten. Der Mörder von Selara, ein Wesen, das in unzähligen Reichen gefürchtet war, stürmte mit aller Kraft vorwärts, seine Gestalt löste sich in Tentakeln der endlosen Nacht auf. Er rannte nicht blindlings – er führte.
Hinter ihm brachen tausend Schichten der Dunkelheit zusammen, Fallen, die aus der Leere selbst gewebt waren und selbst die stärksten Jäger verschlingen sollten.
Er war der Meister der Dunkelheit, der Herrscher über abgrundtiefe Dimensionen. Niemand – weder Götter noch Dämonen noch uralte Wesen – hatte ihn jemals erwischt, wenn er sich entschlossen hatte, zu verschwinden. Aber Mira war nicht nur eine Jägerin. Sie war die Ehrwürdige Phantomfrau. Und die Leere selbst verneigte sich vor ihr.
Seine erste Falle explodierte, eine Implosion der Raumstruktur, die sie in einen versiegelten Abgrund ziehen sollte. Sie wurde nicht einmal langsamer. Sie wich nicht aus.
Sie wurde nicht phasenverschoben. Sie löschte sie aus. In dem Moment, als die Energie auf sie zuschoss, hörte sie auf zu existieren, wie ein nachträglicher Gedanke, der aus dem Bewusstsein der Realität gelöscht wurde. Kein Rückstoß, keine Kraft. Einfach weg. Ein Schauer lief ihm über den Rücken, aber er hielt nicht inne. Er schlängelte sich durch mehrere Dimensionen, trat durch ein Tor aus purer Leere und tauchte augenblicklich kilometerweit entfernt wieder auf, nur um nach Luft zu schnappen, als ihre Finger seinen Nacken streiften.
Er wirbelte herum und schlug mit einer Sichel aus absoluter Dunkelheit nach ihr – etwas, das ganze Gottheiten hätte verschlingen können –, aber sie neigte nur den Kopf, und der Angriff bog unnatürlich ab, als würden die Gesetze der Existenz sich weigern, sie zu berühren. Bevor er reagieren konnte, brach eine Welle stiller Zerstörung in seiner Brust hervor und schleuderte ihn durch Dimensionen, wobei er Barrieren aus Zeit und Raum wie zerbrechliches Glas zerschmetterte.
Sein Atem stockte, als er durch eine Ebene wirbelnder Zerstörung taumelte, aber bevor er auch nur daran denken konnte, sich zu stabilisieren, war sie schon da.
Mira stand vor ihm und wartete, ihre goldenen Augen voller kalter, müheloser Gewissheit.
Er zögerte nicht – er brüllte und drehte das ganze Reich gegen sie. Die Dunkelheit wuchs und bildete einen Ozean aus verschlingender Schwärze, einen Abgrund, aus dem selbst das Licht nicht entkommen konnte. Dies war sein Reich. Die All-Dunkelheit. Ein Reich, das selbst die Stärksten verschlang und nichts als das Echo ihrer Schreie zurückließ. Er hatte es benutzt, um Armeen zu vernichten, um Pantheons zu verschlingen. Niemand war jemals entkommen.
Und Mira ging hindurch.
Sie rannte nicht. Sie kämpfte nicht. Sie ging.
Der Abgrund wich zurück. Die Dunkelheit verdrehte sich unnatürlich und flackerte zwischen Existenz und etwas weit Schlimmerem – Nicht-Existenz. Er spürte, wie sie um sie herum zerbrach, das Gewicht von etwas, das sogar die Leere übertraf, drückte auf ihn und erstickte seine Kontrolle.
Sie war nicht an den Abgrund gebunden.
Der Abgrund war an sie gebunden.
Panik durchfuhr ihn wie ein Messerstich ins Herz. Er warf sich zurück und versuchte, sich in eine andere Welt zu begeben, aber in dem Moment, als er nach Raum griff, war dieser nicht mehr da. Seine Fluchtwege, seine versteckten Dimensionen, seine Schutzschilde – alles war verschwunden.
„Du machst zu viel“, murmelte Mira. Mit einer einzigen Bewegung ihres Handgelenks sandte sie eine unsichtbare Kraft durch die Leere. Diese brach zusammen.
Er schrie.
Nicht vor Schmerz, sondern vor Erkenntnis.
Sie hatte die Dunkelheit selbst durchtrennt.
Genau das, was ihn unantastbar gemacht hatte.
Er fiel.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren floh er nicht, sondern fiel. Sein Körper schlug auf etwas Festem auf – realem Raum. Er war nicht mehr jenseits der Existenz. Nicht mehr unantastbar. Die endlose Dunkelheit, die ihn immer geschützt hatte, war verschwunden.
Er rang nach Luft, taumelte und goldenes Blut tropfte von seinen Lippen, während er sich an die Seite klammerte. Mira ragte über ihm auf und trat wie eine Henkerin vor.
„Goldenes Blut, was?“, sagte sie leise. Sie versuchte, in ihn hineinzusehen, aber er hatte keine Spuren von Göttlichkeit in sich, die ihn zu den Göttern zurückführten – zumindest nicht zu denen, die sie kannte.
„Du …“, krächzte er, aber ihr Fuß landete auf seiner Brust und drückte ihn in die zerbrochenen Überreste des Schlachtfeldes.
„Du bist gut gelaufen“, sagte sie. „Du hast gut gekämpft. Aber dein Laufen kann dich nur bis hierher retten, weißt du.“
Seine Kehle schnürte sich zusammen. Das war nicht nur Macht. Das war etwas, das über Macht hinausging. Ein Wesen, das nicht existieren sollte.
Zum ersten Mal in seinem Leben war er in die Enge getrieben.
Ein scharfes, manisches Lachen durchbrach die Stille und hallte wie das Gekicher eines verrückten Gottes durch die zerbrochenen Überreste des Raumes. Der Mann lag ausgestreckt auf dem zerbrochenen Boden, goldener Ichor tropfte von seinen Lippen, doch seine Belustigung schien nur noch größer zu werden.
Sein Lachen steigerte sich zu einem fast hysterischen Anfall, der seine Schultern erschütterte, als wäre die Absurdität seiner eigenen Situation der lustigste Witz der Welt.
„Du glaubst, du hast gewonnen?“, keuchte er zwischen zwei Lachsalven, seine Augen blitzten vor wilder Freude. „Ich habe mein Ziel getötet. Das ist alles, was zählt.“
Miras Blick verdunkelte sich, aber bevor sie ein Wort herausbringen konnte, brüllte er noch lauter, seine Stimme klang wie eine verrückte Symphonie in der ohrenbetäubenden Stille der Leere. Er grinste sie an, seine Zähne blitzten zwischen Triumph und Wahnsinn.
„Hast du wirklich geglaubt, ich würde so einen Auftrag ohne einen richtigen Plan annehmen?“ Seine Stimme verzerrte sich zu etwas fast Fröhlichem.
Mira presste die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen. Natürlich nicht. Er war kein Idiot.
Sein Lachen verstummte zu einem unheimlichen Grinsen, als er sich einen Fleck goldener Ichor vom Mund wischte.
„Ich bin vorbereitet. Jetzt, da das Kind des Mondes tot ist, ist meine Arbeit in diesem erbärmlichen kleinen Reich beendet. Nichts – nichts – kann mich jetzt noch davon abhalten, zu gehen. Kein Unsterblicher, kein Gott, nicht einmal eine dieser alten Gottheiten, die sich für etwas Besseres halten.“
Seine Augen blitzten und strahlten eine wahnsinnige Zuversicht aus. „Niemand kann mich aufhalten … es sei denn, der Ewige selbst kommt herab.“ Seine Stimme senkte sich, und er genoss das Gewicht seiner Worte. „Der einzig wahre Herrscher der göttlichen Reiche. Die höchste Existenz. Aber wir wissen beide, dass das nicht passieren wird, nicht wahr?“
Ihre goldenen Augen verengten sich, und sie stieß einen spöttischen Lachlaut aus und verschränkte die Arme vor der Brust. „Was für eine Arroganz. Ein Gott kann dich nicht aufhalten? Wenn sogar ich dich in die Enge treiben kann, was könnte dann ein Gott – geschweige denn ein alter Gott – schon ausrichten?“
„Ja“, spottete er, „es überrascht mich nicht, dass jemand aus diesem rückständigen kleinen Reich glaubt, Götter seien die Spitze der Existenz.“
Mira runzelte die Stirn, aber bevor sie sich zurückhalten konnte, schlug sie mit der Hand vor den Mund, um ihre Überraschung zu zeigen. „W-was sagst du da? Götter … sind nicht die Stärksten?“