Als Nächstes hob Pyris die Hand, rief das Leben herbei und sofort veränderte sich die Luft um ihn herum. Anders als Blut, das wie pure Lebenskraft durch seine Adern pulsierte, war das Leben etwas Größeres. Es ging nicht nur ums Überleben, sondern um Schöpfung, Wiederherstellung und Gleichgewicht. Nur war er noch nicht so weit, zumindest noch nicht!
Ein schwaches grünes Leuchten umgab ihn, als er die Augen schloss – sanft, aber unerbittlich. In dem Moment, als es den Boden berührte, spross Gras, wuchs in die Höhe und Blumen blühten in Zeitraffer.
Aber es ging nicht nur um Wachstum.
Das Leben war nicht gnädig.
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Es war gnadenlos effizient. „Wo Leben war, gab es Kampf. Bäume kämpften um Sonnenlicht. Tiere kämpften um die Vorherrschaft.
Die Schwachen wurden unter dem unerbittlichen Marsch der Natur selbst zermalmt. Jetzt verstehe ich, meine Augen werden sich langsam öffnen!“
Pyris bewegte sein Handgelenk und lenkte einen Teil seiner Kraft auf einen umgestürzten Baumstamm. Die tote Rinde zuckte, ächzte und begann sich dann wieder zusammenzufügen. Das Holz wuchs wieder zusammen, Blätter sprossen neu. Es war nicht mehr derselbe Baum wie zuvor – aber er war wiedergeboren.
„Das Leben hat nicht einfach geheilt – es hat sich neu geformt. Es hat sich neu geschmiedet. Ah ~ geheimnisvoller Scheiß …“
Ein düsterer Gedanke kam ihm in den Sinn. Wenn das Leben wiederherstellen konnte … konnte es dann auch dazu benutzt werden, unnatürliche Regeneration zu erzwingen? Konnte er den Körper eines Feindes immer wieder nachwachsen lassen – nur um ihn dann immer wieder auseinanderreißen zu lassen?
Er grinste. „Das ist eine fiese … aber schöne Idee.“
____
Dunkelheit war nicht nur die Abwesenheit von Licht. Das war eine kindische Sichtweise. Pyris beschwor sie herauf, und die Luft schien sich um ihn herum zu verziehen. Wahre Dunkelheit war keine Leere – sie war Präsenz. Ein lebendiges, atmendes Wesen, das die Welt umhüllte, immer wachsam, immer wartend. Sie war nicht zerstörerisch wie Ruin oder verschlingend wie Leere. Sie war etwas ganz anderes.
Er ballte die Faust, und schwarze Ranken schlitterten aus seinen Fingerspitzen und bewegten sich von selbst. Das waren nicht nur Schatten – das war Wille. Sie streckten sich, wickelten sich um einen Felsen in der Nähe und zermalmten ihn mit einem einzigen Gedanken zu Staub. Dunkelheit verbarg nicht nur Dinge.
Sie verdarb. Verzerrte. Machte sich Dinge zu eigen … „Vielleicht geht es tiefer, oder vielleicht sehe ich es falsch … Trotzdem …“ Er fütterte sie, und je mehr er sie fütterte, desto stärker wurde sie. Er dachte an Darkness Infernum zurück. Dieses monströse Ding war damals die ultimative Kraft der Zerstörung gewesen. Aber jetzt?
Pyris ballte seine Finger, und die Ranken zogen sich in seine Haut zurück.
Wenn er Infernum wieder gegenüberstehen würde, würde er es vernichten. „Kein Zögern, kein Kampf – nur Auslöschung.“ Denn jetzt hatte er nicht nur Macht.
Er hatte Verständnis.
Wenn die Dunkelheit eine lebendige Kraft war, dann war der Schatten – ihre Schwester oder vielleicht ihr Kind – ihr Attentäter. Nun, seine Lebenden Schatten waren anders! Pyris streckte die Hand aus, und sein eigener Schatten zuckte.
Dann bewegte er sich.
Nicht als Spiegelbild seiner selbst, sondern als etwas Eigenständiges. Er kroch an seinem Bein hoch, schlang sich wie eine zweite Haut um seinen Körper und verschmolz mit der Dunkelheit. Dann war er nicht mehr da. Seine physische Präsenz verschwand und ging nahtlos in die Schatten unter ihm über. Hätte jemand zugesehen, hätte er nichts als eine leere Lichtung gesehen.
Und dann –
SHINK. Ein Baum in der Nähe hatte plötzlich einen tiefen, sauberen Schnitt in seiner Rinde. Eine Sekunde später tauchte Pyris ein paar Meter entfernt wieder auf, seine Finger immer noch gekrümmt, als würde er eine unsichtbare Klinge umklammern. Schatten war nicht wie Dunkelheit.
Er verdarb nicht – er schnitt.
Lautlos. Unsichtbar. Tödlich.
Pyris grinste und streckte seine Finger. „Ich muss das noch mehr trainieren, wenn ich mit Obsidian Tech fertig bin.“ Seine Kraft war jetzt dreimal so stark wie zuvor. Hätte er das damals gewusst, hätte er Darkness Infernum wie nichts zerquetscht. Und mit dieser Erkenntnis wusste er eines ganz sicher:
Er trat zurück und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Es war viel. Zu viel.
„Ich muss mehr trainieren“, flüsterte Pyris. „All diese Kraft … und trotzdem gibt es noch so viel zu entdecken. Sobald ich mit allem fertig bin, werde ich mich auf diese Elemente konzentrieren. Sie sind noch weit davon entfernt, wo ich sie haben will.“
Er sah auf seine Hand hinunter und bewegte seine Finger. Selbst mit all diesen Elementen war Ruin noch immer außer Reichweite. Er würde warten müssen – warten, bis der richtige Zeitpunkt gekommen war, um es vollständig freizuschalten.
Aber im Moment hatte er was anderes im Sinn. Pyris griff an seine Seite und zog ein dunkles, gebogenes Schwert.
Die Klinge war glatt, schwarz wie die Nacht, mit scharfen Kanten, die tödlich funkelten. Entlang der gesamten Länge schlängelten sich komplizierte goldene Muster, die das Bild eines goldenen Drachen bildeten. Der Drache war wie ein Lebewesen in die Klinge eingraviert, sein Körper schlängelte sich um das Schwert, seine Augen glühten vor wilder Energie.
Der Griff war mit goldenen Drachenschuppen bedeckt, fest und doch glatt unter seinen Fingern. Trotz seines furchteinflößenden Aussehens fühlte es sich wie ein Teil von ihm an – mächtig, aber nicht kalt. In seinen Händen lag es sanft, fast beruhigend.
Er hob es und spürte, wie sich das Gewicht verlagerte, während er die Klinge musterte.
„Ich glaube, es ist Zeit, zu sehen, wie weit das geht.“
_____
Pyris umfasste das Schwert, seine Finger passten sich perfekt an den Griff aus goldenen Drachenschuppen an. Dies war nicht irgendeine Waffe – es war ein Relikt, ein Teil des Erbes des Goldenen Drachen, das er für sich beansprucht hatte. Eine Klinge, geschmiedet aus der Essenz uralter Macht, die auf jemanden wartete, der würdig war, sie zu führen – und dieser Jemand war er!
Jetzt gehorchte sie ihm.
Er atmete langsam aus. Die Welt um ihn herum verschwand – kein Geräusch, keine Bewegung, nur er und das Schwert. Dann, in einem Herzschlag, bewegte er sich.
SHING!
Die Klinge zischte durch die Luft, die Wucht des Hiebs allein spaltete den Boden unter ihm. Der Schnitt hinterließ nicht nur eine Spur – er hinterließ eine Narbe in der Erde. Pyris bewegte sich, sein Körper war nur noch eine verschwommene Gestalt, das Schwert beschrieb goldene Bögen der Zerstörung durch die Luft. Jede Bewegung war präzise, ausgefeilt – keine einzige Bewegung war überflüssig. Er schwang nicht einfach nur eine Klinge, er dirigierte eine Symphonie des Todes.
Dann verschwand er.
BOOM!
Hundert Meter entfernt explodierte ein Baum in Splitter, als seine Klinge seinen Kern durchdrang, als wäre er nichts. Nicht wegen roher Gewalt – nein, er hatte ihn kaum berührt –, sondern wegen des schieren Drucks seiner Schwertabsicht.
Der Wind heulte, von seinen Bewegungen zu einem Rasen aufgepeitscht. Der Boden unter seinen Füßen barst auf. Pyris drehte sich in der Luft, seine Klinge flackerte mit goldenen Blitzen, als er erneut zuschlug.
Ein Schnitt. Zwei. Zehn. Hundert. Jeder Schlag schärfer, schneller – unaufhaltsam.
Das …
Das war nicht nur Schwertkunst.
Das war Herrschaft.
Das bedeutete es, Macht jenseits menschlicher Grenzen auszuüben – nun ja, er ist ein Drache!
Er landete sanft, seine goldenen Augen brannten vor Erkenntnis. Diese Klinge – sie war nicht nur eine Waffe.
Sie war eine Verlängerung seiner selbst. Sein Griff um den Griff wurde fester, er spürte die stille Anerkennung zwischen ihm und dem uralten Erbe.
Er grinste. „Okay, nicht schlecht, aber nicht genug. Ich glaube nicht, dass ich einen echten Schwertkämpfer seines Ranges besiegen kann. Also nicht genug“, murmelte er und wirbelte das Schwert noch einmal herum, wobei das goldene Licht in seinen Augen reflektiert wurde. „Lass uns mal sehen, was du wirklich drauf hast.“
Und damit – setzte er wieder an.
Schneller.
Schärfer.
Wie ein goldener Phantom der Zerstörung, der nur das Echo absoluter Meisterschaft hinterließ. Jemand beobachtete das Ganze!