Pyris passte seine Haltung an, während er den riesigen Wächter vor sich musterte. Sein massiger Körper strahlte eine bedrohliche Energie aus, und die schwarze Aura um ihn herum pulsierte wie eine lebendige Kraft.
Der Kampf bis jetzt war eine ernüchternde Erfahrung gewesen. Trotz seiner blitzschnellen Bewegungen und seiner rohen Kraft fühlte sich jeder Angriff, den Pyris auf die Kreatur ausführte, an, als würde er gegen einen unbeweglichen Berg schlagen.
Dieses Mal war er entschlossen, einen Treffer zu landen – etwas, das ihre Verteidigung durchbrechen würde, egal wie geringfügig. Wenn er auch nur die kleinste Lücke schaffen könnte, würde er sie später in diesem Kampf auf Leben und Tod ausnutzen.
Mit einem tiefen Atemzug sammelte Pyris seine Elementarkräfte. Er beschwor die rohe Kraft des Lichtelements und ließ strahlende Energie wie goldene Flammen seine Fäuste umgeben.
Aus seiner linken Hand schlängelte sich die Dunkelheit und bildete einen krassen Kontrast zu dem Glanz in seiner rechten Hand.
Schließlich füllte er seine Füße mit den räumlichen Verzerrungen des Manas und verzerrte den Boden unter sich.
Er verschwand in einem Augenblick und tauchte mit lichtdurchfluteten Fäusten über dem Wächter wieder auf. Der Aufprall seines Schlags sandte eine blendende Schockwelle durch den Raum, aber der Wächter taumelte nur und machte zwei Schritte zurück.
Pyris‘ Füße schlugen auf den Boden, und er verschwendete keine Zeit. Mit Hilfe der Dunkelheitsenergie tauchte er seine Hand in die Schatten unter den Füßen des Wächters und zog eine leerenartige Eruption hervor, die sich nach oben schlängelte und die Bestie vorübergehend gefangen hielt.
Der zweite Schlag folgte schnell – der Raum selbst zerbrach um den Wächter herum, als Pyris ihn mit einer komprimierten Welle verzerrter Realität traf. Der Boden bebte heftig, als eine Explosion aus verdrängter Luft und Magie durch die Kammer fegte.
Der Wächter wurde drei weitere Schritte zurückgedrängt, seine Krallenfüße schleiften über den Steinboden.
Schließlich schoss Pyris mit wild um seinen Körper leuchtender Lichtenergie nach vorne und verwandelte sich in einen goldenen Lichtstreifen. Er rammte seine Faust mit aller Kraft direkt in die Brust der Kreatur. Der Aufprall hallte mit einem donnernden Knall durch das Labyrinth, und der Wächter wurde zwei weitere Schritte zurückgeworfen.
Sieben Schritte.
Das war alles!
Pyris trat einen Schritt zurück und atmete schwer. Er runzelte die Stirn, als er das hoch aufragende Ungetüm vor sich betrachtete. Es stand regungslos da, als hätten seine Angriffe es kaum beeindruckt. Seine massive Brust hob sich einmal und gab ein Geräusch von sich, das irgendwo zwischen einem Knurren und einem Brüllen lag.
„Das ist also alles, was ich draufhab“, murmelte Pyris vor sich hin. Der Wächter hatte seinen Angriff aufgenommen wie ein Schwamm, der Wasser aufsaugt. Keine Risse. Keine sichtbaren Anzeichen von Schwäche.
Für einen kurzen Moment ballte er die Fäuste, während die Frustration in ihm hochzusteigen drohte. Aber dann wurde ihm die Realität bewusst – eine Realität, die er von Anfang an gekannt hatte.
Die Verteidigung des Wächters war beispiellos, fast unüberwindbar, wenn man so will. Dies war kein gewöhnlicher Kampf. Dies war ein kalkulierter Tanz gegen einen Gegner, der darauf ausgelegt war, das Unmögliche zu ertragen.
Pyris atmete scharf aus und gewann seine Fassung zurück. Er konnte es sich nicht leisten, sich von Frustration überwältigen zu lassen. Er hatte die Grenzen ausgetestet und gelernt, was er wissen musste: Der Wächter war weitaus widerstandsfähiger, als selbst er erwartet hatte.
Und dann traf ihn der Gedanke wie ein Blitz, eine Erinnerung. Dies war nicht der richtige Zeitpunkt, um den Wächter zu besiegen, nicht hier, nicht jetzt.
Den Wächter zu töten würde bedeuten, den Zugang zu den inneren Bereichen des Labyrinths für sieben Tage zu versperren. Sieben Tage waren ein Luxus, den sie sich nicht leisten konnten. Der Blutkelch erwartete sie jenseits dieser Etage, und jede Sekunde, die sie hier verschwendeten, brachte sie dem Scheitern näher.
„Jetzt kämpfen, um ihn zu töten? Das wäre der Gipfel der Dummheit“, murmelte Pyris leise vor sich hin. Seine Gedanken rasten, während er eine Strategie ausarbeitete. In diesem Kampf ging es nicht um den totalen Sieg – es ging vor allem ums Überleben. Die Herausforderung des Wächters zu überstehen.
Nysas frühere Warnungen hallten in seinem Kopf wider. Der Wächter war eine Prüfung, nicht nur der Stärke, sondern auch des Willens und des Einfallsreichtums. Sie mussten ihn umgehen, den Kelch sichern und später zurückkehren, um die wahre Schlacht zu schlagen.
Die letzte Konfrontation konnte warten, bis das Allerheiligste des Labyrinths seine Geheimnisse preisgegeben hatte.
Doch gerade als Pyris sich sammelte, veränderte sich etwas. Die Haltung des Wächters veränderte sich subtil.
Er neigte den Kopf nach hinten, als würde er in den unsichtbaren Himmel blicken. Die Kapuze, die sein Gesicht verhüllt hatte, fiel zurück und enthüllte sein groteskes Antlitz. Seine Gesichtszüge waren monströs – verzerrt und unnatürlich, ein Gesicht, das aus uralten Albträumen geboren schien.
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Einen Moment lang herrschte Stille, während die Gruppe das Bild vor sich verarbeitete. Dann, ohne Vorwarnung, verblasste das purpurrote Leuchten in den Augen des Wächters.
An ihrer Stelle brannte ein goldener Schein. Das Licht war blendend, göttlich und furchterregend. Es war nicht nur Energie – es war die Essenz von etwas viel Größerem.
Es wurde totenstill im Raum.
„Junge Adlige! Bei den Alten! Dieser Schein … Das ist die Energie des Divinitarch!“ Nysas Stimme durchbrach die Stille, ihre Worte zitterten vor Dringlichkeit.
Ihr Tonfall trug das Gewicht uralter Weisheit, aber selbst sie klang erschüttert. Pyris drehte sich leicht um und bemerkte die Besorgnis in ihrem Gesichtsausdruck. Ihre übliche königliche Gelassenheit brach unter dieser Enthüllung zusammen.
„Ich weiß!“
„Göttliche Mana“, flüsterte Zara mit panischer Stimme. Sie machte einen Schritt nach vorne, die Augen weit aufgerissen, und rief: „Pyris, zurück! Das ist göttliche Mana! Du kannst das nicht bekämpfen!“
Aber Pyris rührte sich nicht.
Stattdessen breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus. Ein Grinsen, das von Trotz, Wahnsinn und vielleicht auch einem Hauch von Arroganz zeugte. Er war nicht der Typ Mann, der weglief, selbst wenn er einer Macht gegenüberstand, die weit über seine eigene hinausging.
Dann durchbrach ein Geräusch die angespannte Stille – ein vertrauter, digitaler Ton, den nur Pyris hören konnte.
[Ding! Mission generiert!
1. Überlebe die göttlichen Angriffe eines Wächters der ersten Ebene des Labyrinths!
Belohnung: Informationen über Anti-Göttliches Mana!
2. Fordere den Wächter zu einem Kampf auf Leben und Tod heraus.
Belohnung: ???
3. Überlebe und töte den Wächter.
Belohnung 1: Informationen über die unbekannte Kugel der Göttin
Belohnung 2: Informationen über die Nachkommen der Elementargötter!]
Die Optionen schwirrten ihm durch den Kopf, jede mit ihren eigenen Risiken und Versprechungen. Er konnte sich jetzt nicht auf die Details konzentrieren – nicht, während der Wächter sich wieder regte.
Goldenes Licht strömte aus dem Körper der Kreatur und flutete die Kammer mit ihrer bedrückenden Präsenz. Die Luft schien sich unter dem Gewicht ihrer göttlichen Energie zu verziehen. Pyris spürte es, einen Druck, wie er ihn noch nie zuvor erlebt hatte.
Die goldenen Augen des Wächters fixierten ihn, und sein massiger Körper bewegte sich zielstrebig auf ihn zu.
„Los geht’s“, murmelte Pyris, ohne sein Grinsen zu verlieren. Er ballte die Fäuste und rief erneut seine Elementarkräfte herbei.
Bevor er einen weiteren Plan schmieden konnte, schlug der Wächter zu.
Die schiere Geschwindigkeit seiner Bewegung war anders als alles, was er bisher gesehen hatte. In einem Moment stand er noch still, im nächsten war er schon über ihm. Der erste Schlag zerschmetterte den Boden, auf dem er noch eine Sekunde zuvor gestanden hatte, und schleuderte Steinsplitter in alle Richtungen.
Pyris wich im letzten Moment aus, sein Körper war nur noch eine verschwommene Bewegung.
Er hatte keine Zeit zum Nachdenken – nur zum Überleben.