Der Ballsaal um sie herum war voller Leben, aber für Pyris und Seraphina schien die Welt nur noch aus ihnen beiden zu bestehen. Der Lärm der Party wurde leiser, das Lachen und Plaudern der anderen Adligen verschwand in den Hintergrund.
Es war, als stünden sie ganz allein in dem großen Saal, und die Luft zwischen ihnen war voller Spannung, die keiner von beiden leugnen konnte.
Seraphina war mit einer Mission hierhergekommen – einem ausgeklügelten Plan, den ihr Vater, Kaiser Drakos, ausgeheckt hatte, um Pyris auf ihre Seite zu ziehen. Aber je näher sie ihm kam, desto mehr begann ihr Selbstvertrauen zu schwinden. Etwas an Pyris zog sie an, etwas, das über einfache Anziehung hinausging.
Er strahlte eine Kraft aus, die sie noch nie zuvor erlebt hatte, eine Kraft, die sie sowohl faszinierte als auch erschreckte.
Und als sie vor ihm stand und ihr der Atem stockte, spürte sie, wie ihr sorgfältig ausgearbeiteter Plan in sich zusammenfiel.
Pyris spürte ihre Unsicherheit, beugte sich leicht vor und senkte seine Stimme zu einem leisen, vertraulichen Ton. „Du bist nicht wie die anderen, Seraphina. Du hast Macht – echte Macht. Aber ich frage mich … hast du Angst davor?“
Seraphina schluckte schwer und versuchte, die Kontrolle über das Gespräch zurückzugewinnen, aber ihre Gedanken kreisten. Noch nie hatte sie sich so verletzlich, so bloßgestellt gefühlt. „Ich habe keine Angst“, brachte sie hervor, obwohl ihre Stimme leiser klang, als sie beabsichtigt hatte.
Pyris‘ goldene Augen fixierten ihre, und er konnte das Zögern in ihrem Blick sehen. Sie versuchte, ihre Rolle zu spielen, die Oberhand zu behalten, aber ihr Widerstand schwand.
Die leichte Bewegung ihrer Haltung, die Art, wie sich ihre Lippen beim Sprechen öffneten – all das verriet Pyris, was er wissen musste.
Sie gehörte ihm.
Pyris trat näher, seine Präsenz füllte den Raum zwischen ihnen aus. Er streckte die Hand aus, strich ihr sanft eine goldene Haarsträhne hinter das Ohr und ließ seine Finger gerade so lange dort liegen, dass ihr ein Schauer über den Rücken lief.
„Du versuchst so sehr, mich zu kontrollieren“, flüsterte er mit samtiger Stimme. „Aber wir wissen beide, wohin das führt.“
Seraphinas Atem stockte bei seiner Berührung, ihr Körper reagierte instinktiv auf seine Nähe. Der rationale Teil ihres Verstandes schrie sie an, sich zurückzuziehen, die Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen, aber ihr Körper verriet sie.
Sie lehnte sich an ihn, ihr Puls beschleunigte sich, als sich Hitze in ihrem Innersten ausbreitete.
„Ich … ich versuche nicht, dich zu kontrollieren“, sagte sie, obwohl sie schon beim Aussprechen der Worte wusste, dass es eine Lüge war.
Pyris lächelte, seine Lippen formten ein Lächeln, das ihr Herz höher schlagen ließ. „Nein? Warum habe ich dann das Gefühl, dass du versuchst, mich zu deinem zu machen?“
Seraphinas Gesicht errötete, seine kühnen Worte ließen einen Schauer durch sie hindurchlaufen. Sie öffnete den Mund, um zu antworten, aber Pyris gab ihr keine Gelegenheit dazu. Seine Hand glitt von ihrem Haar zu ihrem Hals, sein Daumen streifte sanft die empfindliche Haut ihrer Kehle.
Seine Berührung war besitzergreifend und doch zärtlich, und das Gefühl ließ eine Welle der Hitze durch sie hindurchströmen.
Seraphinas Gedanken rasten, aber ihr Körper traf bereits eine Entscheidung für sie. Sie wollte ihn – sie konnte es nicht länger leugnen. Die Anziehungskraft, die sie zu Pyris verspürte, war nicht nur das Ergebnis des Plans ihrer Familie, es war etwas Tieferes, etwas Urtümliches, das sie nicht erklären konnte.
Und Pyris spürte das alles.
„Seraphina“, sagte er leise, seine Stimme voller Entschlossenheit. „Du kannst aufhören, dir etwas vorzumachen. Du willst das. Du willst mich.“
Ihr Herz pochte in ihrer Brust, und zum ersten Mal an diesem Abend fühlte Seraphina sich völlig außer Kontrolle. Sie war immer diejenige gewesen, die die Fäden gezogen hatte, die andere manipulierte, aber jetzt war sie in ihrem eigenen Netz gefangen, und Pyris war derjenige, der die Macht hatte.
„Ich …“, begann sie, aber die Worte kamen nicht heraus. Ihr Blick huschte zu seinen Lippen, die Spannung zwischen ihnen wurde unerträglich.
Pyris‘ Hand glitt von ihrem Nacken zu ihrer Taille und zog sie ein kleines bisschen näher zu sich heran. „Es ist okay“, flüsterte er, sein Atem warm an ihrem Ohr. „Du musst dich nicht dagegen wehren.“
In diesem Moment brach Seraphinas Widerstand zusammen. Sie hatte es satt, sich zu verstellen und zu versuchen, ihn zu übertrumpfen. Die Anziehungskraft zwischen ihnen war zu stark geworden, und sie konnte nur noch daran denken, wie sehr sie ihn wollte.
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Die Welt um sie herum schien zu verschwinden, als Seraphina sich der Anziehungskraft hingab, die sie zu Pyris verspürte. Ihre Blicke trafen sich, und sie sah das rohe, ungezähmte Verlangen in seinen Augen. Er war nicht nur ein Adliger, den man manipulieren konnte – er war eine Naturgewalt, und sie fühlte sich zu ihm hingezogen wie eine Motte zum Licht.
Sie trat einen Schritt näher, ihre Brust berührte fast seine, als sie in seine goldenen Augen blickte. Ihre Lippen öffneten sich, aber sie sagte nichts. Das musste sie nicht.
Pyris hob sanft ihr Kinn mit seiner Hand und sah ihr tief in die Augen. „Ich wusste, dass du dich umstimmen lassen würdest“, sagte er leise, seine Stimme voller Zuversicht.
Und dann, ohne ein weiteres Wort, beugte er sich zu ihr hinunter und küsste sie.
Seraphinas Atem stockte, als seine Lippen ihre berührten, und ihr Körper reagierte sofort. Sie schmolz in dem Kuss dahin, ihre Arme legten sich um seinen Hals, während die Hitze zwischen ihnen zu einem Inferno aufflammte.
Pyris‘ Hand umfasste ihre Taille fester und zog sie an sich, während der Kuss intensiver wurde und ihre Sinne überwältigte.
All ihre Zweifel, all ihre sorgfältig ausgearbeiteten Pläne lösten sich in diesem Moment in Luft auf. Alles, was zählte, war das Gefühl von Pyris‘ Lippen auf ihren, die Art, wie sich sein Körper an ihren presste, die Art, wie er ihr ein Gefühl von Lebendigkeit gab, das sie noch nie zuvor erlebt hatte.
Pyris seinerseits hatte gewonnen. Er hatte gespürt, wie Seraphinas Mauern bröckelten, wie ihr Widerstand schwand.
Sie gehörte jetzt ihm, ganz und gar, und er war nicht nur der Falle des Kaisers entkommen – es war der Beginn von etwas viel Bedeutenderem.
Als der Kuss intensiver wurde, zog Pyris sie noch näher an sich heran, seine Finger glitten durch ihr Haar, während er sie ganz für sich beanspruchte. Er konnte die Elektrizität zwischen ihnen spüren, die rohe Chemie, die die ganze Nacht über geschwelt hatte und nun entfesselt wurde.
Seraphina stöhnte leise in den Kuss hinein, ihr Körper presste sich an seinen, während ihre Hände über seine Schultern wanderten und die Kraft unter seiner Kleidung spürten. Sie dachte nicht mehr an den Plan des Kaisers, nicht mehr an ihre Pflicht.
Alles, was sie jetzt wollte, war Pyris.
Als sie sich endlich voneinander lösten, atmeten beide schwer, die Luft um sie herum war voller Spannung. Seraphinas Gesicht war gerötet, ihre Lippen leicht geschwollen von der Intensität des Kusses, und Pyris sah mit einem zufriedenen Lächeln auf sie herab.
„Siehst du?“, flüsterte Pyris mit tiefer, heißer Stimme. „Du musst dich nicht dagegen wehren.“
Seraphinas Augen flatterten auf und sie sah zu ihm auf, ihr Herz raste immer noch. Sie wusste, dass sie heute Nacht eine Grenze überschritten hatte, aber in diesem Moment war ihr das egal. Sie konnte nur daran denken, wie sehr sie mehr wollte.
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Pyris hatte das Spiel perfekt gespielt. Er hatte das, was der valyrische Kaiser ihm vorgesetzt hatte, zu seinem Vorteil genutzt.
Seraphina würde jetzt ihm gehören, nicht durch die Pläne des Kaisers, sondern durch ihr eigenes Verlangen.
Und Pyris wusste, dass dies erst der Anfang war.
Er hatte nicht vor, die Valyrer gewinnen zu lassen, und diese Nacht hatte bewiesen, dass er die Situation kontrollieren konnte – zu seinen Bedingungen. Er hatte Seraphina nicht nur als Eroberung verführt, sondern als strategischen Schachzug, der ihm Einfluss auf die Familie Valyr verschaffen würde.
Der Kaiser hatte ihn manipulieren wollen, doch stattdessen hatte Pyris das Herz seiner Tochter erobert.
Und als Seraphina zu ihm aufsah, waren ihre Augen voller Verlangen und Unsicherheit!