Der Hain war voller Energie, als die Dämmerung über die alten Bäume hereinbrach. Pyris Obsidian schlich leise durch den Wald, die Luft war voller Spannung. Es war schon Tage her, seit er Selene Serenova das letzte Mal gesehen hatte, und obwohl sich ihre Wege nur kurz gekreuzt hatten, ging sie ihm nicht aus dem Kopf.
Sie war nicht einfach nur eine weitere mächtige Person – sie hatte etwas an sich, ein Geheimnis, das Pyris nicht ganz entschlüsseln konnte.
Heute Abend war er aber ganz woanders mit seinen Gedanken. Der Hain hatte sich verändert, eine dunklere Energie breitete sich zwischen den Bäumen aus, eine Urkraft lauerte in den Schatten. Pyris konnte es spüren – etwas Großes, etwas Gefährliches wartete auf ihn.
Er drang tiefer in den Wald ein, bis die Luft still wurde. Dann sah er es.
Aus dem dichten Unterholz tauchte ein Albtraumverwüster der Stufe 11 auf, eine riesige, monströse Bestie, die über sechs Meter groß war. Sein Körper war eine Mischung aus Muskeln und Schuppen, schwarz wie die Leere, und seine Augen leuchteten tiefrot. Er strahlte eine bösartige Kraft aus, und Pyris erkannte sofort seine Stärke.
„Rang 11“, dachte er und biss die Zähne zusammen. Er hatte schon mal mächtige Kreaturen gesehen, aber diese hier war anders als alles, was er bisher im Hain gesehen hatte. Das war nicht nur eine weitere Prüfung – das war eine Frage von Leben und Tod.
Die Augen des Verwüsters fixierten Pyris und mit einem ohrenbetäubenden Brüllen stürmte er los.
Pyris bewegte sich blitzschnell und raste mit seiner Supergeschwindigkeit wie ein Schatten über die Lichtung. Der Boden bebte, als die Klauen des Ravagers die Stelle durchschlugen, an der Pyris gerade noch gestanden hatte, und die Erde aufrissen. Einige Meter entfernt tauchte Pyris wieder auf, hob die Hand und beschwor sein Sandelement.
Die Erde unter den Füßen der Bestie verschob sich und zog sie in einen wirbelnden Sandstrudel.
Der Ravager brüllte frustriert, als sein massiger Körper im Sand versank, aber er wehrte sich mit furchterregender Kraft und befreite sich innerhalb weniger Augenblicke.
Pyris war noch nicht fertig. Er hob seine andere Hand und rief sein Zeitelement herbei. Die Welt um ihn herum verlangsamte sich, die Bewegungen des Ravagers wurden träge, als Pyris einen Schritt nach vorne machte und eine Salve dunkler Blitze aus seinen Fingerspitzen herbeirief.
Die Blitze trafen das Biest, ihre Energie drang in seinen Körper ein, aber der Ravager brüllte und schüttelte die dunkle Magie ab, während er weiter vorwärts stürmte.
Die Zeit sprang wieder zurück in den Normalzustand und Pyris stand erneut der Kreatur gegenüber. Ihre Geschwindigkeit war für ihre Größe atemberaubend und sie stürzte sich mit ausgefahrenen Klauen und weit aufgerissenem Maul auf Pyris, um ihn zu verschlingen.
Pyris verschwand erneut und teleportierte sich mit seinem Raumelement hinter die Bestie. Seine Hand knisterte vor goldenen Blitzen, und mit einem eigenen Brüllen entfesselte Pyris die volle Kraft seines Angriffs.
Der Blitz schlug in den Ravager ein und sandte Wellen goldener Energie über seinen Körper, die sein Fleisch versengten.
Aber die Kreatur geriet nicht ins Wanken. Der goldene Blitz hatte sie kaum verlangsamt.
Pyris kniff die Augen zusammen. Diese Bestie war anders. Sie regenerierte sich schneller, als er erwartet hatte. Sein Atem ging schneller, als ihm klar wurde, wie gefährlich dieser Kampf wurde. Er konnte alles gegen sie einsetzen, aber die Ravager war unerbittlich.
„Dieses Ding ist stärker als alles, was ich hier bisher gesehen habe“, murmelte Pyris und bereitete sich auf eine weitere Runde vor.
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Zoooom!!
Gerade als der Ravager sich erneut auf ihn stürzte, flackerte die Luft um Pyris herum. Ein Lichtblitz explodierte auf der Lichtung und Selene Serenova tauchte aus den Schatten auf, ihre Augen leuchteten in einem strahlenden Violett. Ihre Präsenz war beeindruckend, fast überirdisch, als sie sich zwischen Pyris und den Ravager stellte.
Mitten im Kampf war Pyris plötzlich total überrascht. Er hatte Selenes Stärke schon mal gespürt, aber jetzt, wo sie sich in den Kampf stürzte, wurde ihm klar, dass ihre Kraft viel größer war, als er gedacht hatte.
Selene hob die Hand, und im nächsten Moment schoss eine Barriere aus himmlischem Licht vor ihnen hervor, rammte den Ravager und stoppte ihn.
Die Bestie knurrte und kratzte mit ihren Klauen an der strahlenden Barriere, aber Selenes Magie hielt stand.
Pyris‘ Augen weiteten sich, als er ihre Flügel sah – einst verborgen, nun weit ausgebreitet. Sie schimmerten in einer Mischung aus Licht und Dunkelheit, einem ätherischen Glanz, der mit der Energie der Götter zu pulsieren schien. Aber diese Flügel waren nicht die eines reinen Engels.
Sie hatten etwas Dunkleres, Gefährlicheres an sich.
„Eine Gefallene!“, erkannte Pyris und sein Herz schlug heftig, als er sah, wie sie die Kräfte des Lichts und der Dunkelheit einsetzte.
„Ich dachte, du könntest Hilfe gebrauchen“, sagte Selene mit ruhiger Stimme, die jedoch von einer leisen Intensität erfüllt war.
Pyris nickte und versuchte immer noch zu begreifen, was er sah. Gefallene Engel oder Nepharion waren Wesen aus Legenden – Wesen, die aus den göttlichen Reichen verbannt worden waren, weil sie sich den himmlischen Gesetzen widersetzt hatten.
Einen in Aktion zu sehen, war selten, und Pyris wurde klar, wie mächtig Selene wirklich war.
„Dein Timing ist perfekt“, sagte Pyris mit einer Spur von Bewunderung in der Stimme.
Aber Selene war genauso überrascht. Als sie zu Pyris hinüberblickte, sah sie die leuchtend goldenen Schuppen, die sich über seine Haut ausbreiteten, und den schwachen Schimmer von Drachenflügeln, die hinter ihm flackerten.
„Ein goldener Drache!“, dachte Selene und kniff vor Schreck die Augen zusammen. Sie hatte geglaubt, dass die goldenen Drachen ausgestorben waren, dass ihre Art vor Äonen von der Welt verschwunden war. Und doch stand Pyris hier und verkörperte die Kraft eines solchen Wesens. Die Legenden der goldenen Drachen waren in ihrer Familie wohlbekannt, ein langes Erbe an Wissen, das von den Göttern selbst weitergegeben worden war.
Die Goldenen Drachen waren Schöpfer, göttliche Wesen, die mit dem Wesen der Welt verbunden waren. Aber es gab auch Gerüchte über Lustdrachen – Wesen der Begierde, obwohl sie diese Seite von Pyris noch nicht gesehen hatte.
Aber das hier? Ein Goldener Drache, lebendig und vor ihr stehend?
„Wer bist du wirklich, Pyris Obsidian?“, fragte sich Selene.
Der Ravager spürte die vereinte Kraft von Pyris und Selene, brüllte trotzig und stürmte erneut vor, wobei seine dunkle Energie die Luft um ihn herum verdrehte.
Selene hob erneut ihre Hand und beschwor dunkle Energiefäden aus dem Boden. Die dunklen Fäden wickelten sich um die Gliedmaßen des Ravagers und hielten ihn fest, während er sich verzweifelt zu befreien versuchte.
Gleichzeitig leuchteten Selenes Flügel in strahlender Energie, und Strahlen himmlischen Lichts schossen aus ihren Handflächen und durchbohrten die Haut der Bestie.
Der Ravager heulte und schlug um sich, um dem gemeinsamen Angriff zu entkommen, aber Selenes Kräfte waren gewaltig. Ihre Beherrschung von Licht und Dunkelheit war beeindruckend, ihre Magie verband göttlichen Schutz und höllische Zerstörung mit Leichtigkeit.
Pyris wollte nicht zurückstehen und mobilisierte seine ganze Kraft. Seine goldenen Drachenflügel brachen aus seinem Rücken hervor und glitzerten im schwindenden Licht. Goldene Schuppen breiteten sich über seinen Körper aus und bildeten eine schützende Rüstung, die göttliche Energie ausstrahlte. In seiner Hand materialisierte sich ein Schwert aus reiner goldener Drachenenergie, dessen Klinge in einem ätherischen Glanz schimmerte.
Mit einer eigenen Ausfallbewegung stürmte Pyris vorwärts, wobei er sich dank seiner Raumkontrolle direkt vor den Ravager teleportierte.
Er schwang sein Schwert in einem vernichtenden Bogen, dessen Klinge das dunkle Fleisch der Bestie durchschnitten und Wellen goldener Energie über die Lichtung schickten.